Samstag, 26. Dezember 2015

Eine kleine Weihnachtgeschichte für Kinder






Eine kleine Weihnachtgeschichte

„Antonius!“, rief die kleine graue Maus. Sie schien sehr aufgeregt zu sein. Wenn sie mich bei meinem vollen Vornamen ansprach, musste es sich um eine wichtige Angelegenheit handeln. Fiep, so hieß meine kleine Freundin, kletterte an meinem Hosenbein hoch und sprang auf den Tisch, an dem ich saß.„Möchtest du mitessen?“, fragte ich sie.„Wie kann man an solch einem Tag ans Essen denken!“, rief sie entrüstet.„Wieso? Es ist ein Tag wie jeder andere, nur ist es schon spät und er ist bald vorbei. Sonst ist deine Lieblingsbeschäftigung doch das Essen!“ Ich streichelte ihr sanft über das Köpfchen.„Hast du denn noch gar nichts gehört?“, fragte sie mich und schaute mich erwartungsvoll an.„Was soll ich denn gehört haben?“, entgegnete ich, etwas neugierig geworden. „Alle Mägde und Knechte sind noch im Stall und versorgen die Tiere. Ich werde gleich zu den Schäfern gehen und ihnen Milch und Brot bringen.“„Die Schäfer, die meine ich!“, rief Fiep.„Was ist mit den Schäfern? Wollen sie heute kein Essen zur Nacht? Dann könnte ich hier bleiben.“„Papelapap! Komm mit! Beeile dich! Sonst ist der ganze Spuk vorbei!“ Drängte mich die kleine Maus und turnte an meinem Hosenbein wieder herunter.„Was für ein Spuk?“, wollte ich wissen und machte mich daran, das Brot in den Korb zu packen.„Lass das mit dem Essen, das kannst du später noch bringen. Lauf schnell zur Schafherde, dort ist etwas Wunderbares!“ Die kleine Maus lief zur Tür und ich folgte ihr unwillig. Jetzt werde ich zwei Mal laufen müssen, denn ich hatte das Essen für die Hirten nicht mit. Fiep war so aufgeregt, dass ich mich überreden ließ und mitkam. Sie versuchte mir zu erklären, was bei den Hirten und der Herde geschehen war, aber ich wurde nicht klug daraus. Ab und zu blieb sie stehen und fuchtelte mit ihren kleinen Vorderpfoten herum, zeigte zum Himmel und erzählte von Lichtern und sang irgendetwas mit ihrer piepsigen Stimme. Ich musste lachen.
„Hast du etwa vom Gerstensaft genascht und bist jetzt bedudelt?“, ärgerte ich sie.„Was denkst du von mir? So etwas mache ich doch nicht!", hörte ich sie sagen, als wir den Hügel hochkletterten.„Das wäre nicht das erste Mal!“, entgegnete ich. Ich hörte als Antwort nur ein leises Kichern.Fast hatten wir die Kuppe vom Hügel erreicht, als Fiep rief: „Hörst du es, Anton?“„Ja, ich höre es. Was ist das? Es hört sich so wunderschön an!“, antwortete ich und beeilte mich, um auf den Hügel zu kommen. Fiep war schon dort und schaute ganz ehrfürchtig zu den Hirten hinunter.Überall waren helle Gestalten zu sehen und auf einmal war der ganze Himmel über der Herde voll von ihnen und sie sangen mit einer so schön klingenden Stimme, wie ich es noch nie zuvor gehört hatte. Im ersten Moment war ich vor Staunen erstarrt, aber dann raste ich so schnell ich konnte den Abhang hinunter und über die Wiesen zu den Hirten. Manche hatten sich vor Angst tief geduckt, andere standen und schauten erschrocken, aber auch erstaunt zum Himmel. Ich lief zu meinem Großvater, er war einer der ältesten und erfahrensten Schäfer.„Großvater, was ist geschehen? was hat das hier zu bedeuten?“, fragte ich aufgeregt. Fiep war wieder an meiner Hose hoch gelaufen und hatte sich in meiner Hosentasche verkrochen und blinzelte nur mit seinen niedlichen winzigen Äuglein heraus.„Es sind Engel!“, sagte mein Großvater ehrfurchtsvoll.„Warum sind sie hier? Ich dachte sie sind im Himmel zuhause“, wunderte ich mich. „Ich habe noch nie Engel gesehen! Sie sind wunderschön und singen so lieblich.“„Ich habe auch noch nie welche gesehen. Wir haben uns alle sehr erschrocken, als plötzlich ein Engel vor uns stand und es um uns leuchtete. Wir sollten uns nicht fürchten, sprach der Engel. Wir hätten am Liebsten Reißaus genommen, andererseits war es so faszinierend. Der Engel sagte, es wäre heute der Heiland geboren, welcher Christus ist, der Herr, in der Stadt Davids.“„Wollen wir hingehen? Aber wie finden wir ihn?“, fragte ich meinen Großvater und ließ mir seine Erzählung noch einmal durch den Kopf gehen.„Der Engel sagte noch:* "Und das habt als Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen."“, antwortete mein Großvater.„Mehr hat er nicht erzählt?“, wollte ich wissen.„Nein“, entgegnete er. „Plötzlich waren dann bei dem Engel die himmlischen Heerscharen und lobten Gott und sprachen: "Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens."“„Schau, Großvater, die Engel fahren in den Himmel zurück! Weg sind sie. Alles ist ruhig.“ Stellte ich fest. Langsam kam wieder Leben in die Körper der Hirten. Sie diskutierten über das, was sie gesehen und gehört hatten und scharten sich um meinen Großvater.„Lasst uns nach Bethlehem gehen und sehen, was da geschehen ist!“, schlug er vor. Alle waren einverstanden und machten sich auf den Weg. Ich ging einfach mit und mein Großvater schien nichts dagegen zu haben. Fieps blieb in meiner Hosentasche. Sie wollte auch unbedingt mit, denn sie war eine sehr neugierige Maus. Irgendwann kamen wir an einen Stall, aus dem ein schwaches Licht leuchtete. Wir traten ein und fanden, wie der Engel gesagt hatte, ein Kind in Windeln gewickelt in einer Krippe liegen. Seine Mutter und sein Vater waren anwesend und ein paar Tiere im Stall. Die Hirten erzählten den Eltern des Kindes, was der Engel gesagt hatte. Fiep war inzwischen aus meiner Tasche gekrabbelt und an meiner Hose heruntergerutscht. Weil sie das Kind nicht sehen konnte, kletterte sie kurz entschlossen an der Krippe hoch und schaute sich das Kind an.
„Ist das niedlich!“, piepste sie mit heller Stimme. Mir kam es vor, als lächelte es die Maus an und als streckte es seine Hand nach ihr aus.Auf dem Heimweg lobten und priesen die Hirten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten und erzählten allen die ihnen begegneten, was man ihnen kundgetan hatte. Als wir wieder zu hause waren, war ich sehr müde, aber ich brachte den Hirten doch noch ihr Abendessen. Trotz Müdigkeit konnte ich noch lange nicht schlafen und Fieps ging es ebenso.„Es war ein ganz besonderes Kind!“, piepste das Mäuschen und kuschelte sich in mein Kopfkissen.                                                                   EndeCopyright 2015 by Helga Pikulik
Teiltexte aus:* Die Geburt Jesu nach dem Lukas-Evangelium (Kap.2 aus Verse 1-20)


Dienstag, 1. Dezember 2015

Die Entscheidung Fußballgeschichte für Kinder





Die Entscheidung


„Du hast heute toll gespielt! Den Aufstieg haben wir dir zu verdanken.“ Michael schlug mir anerkennend auf die Schulter.
„Die Tore waren nicht alleine mein Verdienst. Wir waren alle gut und man hat mir den Ball immer zugespielt“, antwortete ich.
„Ach Kai, sei nicht immer so bescheiden.“ Mischte sich Thomas ein.
„Was wollte Dennis Vater denn von dir? Dich etwa abwerben?“ Wollte Michael wissen.
„Erraten“, ich grinste ihn an. Erwartungsvoll schaute er mich an. „Du weißt doch, die blitzen bei mir.“ Michael atmete sichtlich erleichtert auf.
„Wusste ich es doch!“ Meinte er.
„Kommt ihr heute Abend mit ins Kino!“ Wollte Thomas wissen.
„Ich nicht, ich muss noch für die Englischarbeit pauken“, antwortete ich.
„Streber!“ Thomas grinste mich an.
„Ich komme mit!“ Meldete sich Michael.
„Dann bis Morgen.“ Verabschiedeten sich Thomas und Michael, denn hier trennten sich unsere Wege. Ich war ganz froh darüber, denn mein schlechtes Gewissen ließ mir keine Ruhe. Ich hatte meinen Kumpels nicht dir Wahrheit gesagt. Das Angebot, welches Dennis Vater mir gemacht hatte, war nicht schlecht und ich hatte mir Bedenkzeit erbeten. Und dann war da noch Dennis Schwester Mia. Ich kannte sie seit dem Kindergarten. Wir waren immer gute Freunde, aber irgendwann empfand ich mehr für sie. Wenn ich in dem Verein spielen würde, den Dennis Vater trainiert, würde ich Mia sicherlich öfters treffen. Ich musste mich beeilen, denn Dennis hatte mich zu seiner Geburtstagsparty eingeladen. „Warum hatte ich meinen Freunden gesagt, ich müsste Englisch lernen? Sie wissen ja, dass ich mit Dennis befreundet bin.“ Ich drehte die Dusche kalt auf. Ich wollte einen klaren Kopf haben. Heute Abend musste ich mich entscheiden.
Die Party war schon voll im Gang, als ich endlich eintraf. Mia öffnete die Tür. Ich blieb wie angewurzelt stehen. Sie sah in dem Kleid so süß aus. Ich musste mich beherrschen, sie nicht in meine Arme zu schließen und zu küssen.
„Hallo Kai! Willst du nicht herein kommen?“ Begrüßte Mia mich mit einer leichten Umarmung. Ich löste mich aus meiner Versteinerung und erwiderte ebenfalls mit einer Umarmung die Begrüßung. Ihr blondes gewelltes Haar roch so gut und ich wünschte mir, dieser Moment würde nie vergehen.
„Schön, dass du gekommen bist!“ Hörte ich Dennis sagen und ich löste mich aus der Umarmung und begrüßte ihn.
„Mein Vater hat mir erzählt, was er dir angeboten hat. Da brauchst du doch sicher nicht lange überlegen.“ Meinte Dennis und legte lächelnd den Arm um meine Schultern und führte mich zu den anderen Gästen.
„Du hast super gespielt!“ Stellte einer der Gäste im Vorbeigehen fest und dann sah ich Dennis Vater auf mich zukommen.
„Na, Kai! Hast du dich entschieden?“ Erwartungsvoll schaute er mich an. Sein Blick war freundlich. Wie würde er auf eine Absage reagieren? Mia schaute zu mir herüber. Gedanken an meine Freunde, an meinen Verein sausten durch meinen Kopf.
„Ich kann ihr Angebot nicht annehmen. Wir sind gerade aufgestiegen und ich will meinen Verein nicht in Stich lassen.“ Antwortete ich.
„Schade, aber ich hatte diese Antwort fast erwartet. Den Ausbildungsplatz biete ich dir dennoch an, denn ich kenne dich von klein an und weiß, was du für ein feiner Kerl bist.“ Er lächelte mich an und klopft mir auf die Schulter. „Ich will dich nicht länger aufhalten, denn ich glaube, da möchte jemand mit dir tanzen.“ Sein Blick richtete sich auf Mia.
„Danke, den Ausbildungsplatz nehme ich gerne an.“ Hörte ich mich sagen, denn ich war etwas verwirrt. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass alles so glatt lief und dann kam Mia auf mich zu.
„Für wen hast du dich entschieden?“ Fragte sie lächelnd.
„Nur für dich!“ Antwortete ich und nahm sie in den Arm und führte sie zur Tanzfläche.
„Und warum küsst du mich dann nicht?“, fragte sie.
Das ließ ich mir nicht zweimal sagen.

Ende



Copyright2015by Helga Pikulik