Montag, 22. Mai 2017

Die kleine Fee Lilo - Kindergeschichte

Die kleine Fee Lilo

Luise und Simon tollten ausgelassen durch den großen Garten ihrer Großeltern. Die Kinder verbrachten jedes Jahr vier Wochen ihrer Sommerferien bei ihnen in Osnabrück. Der Garten war ziemlich verwildert und bot somit vielen Tieren Unterkunft und es war spannend für die Kinder, ihn jedes Jahr, wenn sie in den großen Ferien nach Osnabrück kamen, aufs Neue zu erforschen.
„Simon, leise!“ Luise hielt Simon am Ärmel fest. „Siehst du dort die zwei Wildkaninchen? Sind die niedlich!“ Leise pirschten sich die Kinder näher an die Tiere heran. Diese ließen sich nicht stören und knabberten gerade genüsslich die kleinen weißen Nelken der Großmutter ab.
„Ob die das dürfen?“, fragte Simon nachdenklich. „Wollen wir die Kaninchen nicht lieber verjagen?“
„Nein, ihnen schmeckt es doch so gut und Oma hat sicher nichts dagegen, es wachsen ja so viele Blumen im Garten. Du weißt ja, Oma und Opa sind sehr tierlieb. Deshalb haben sie ja nicht so einen Garten, der wie ein Park aussieht, sondern haben ihn etwas verwildern lassen, wie sie uns doch im letzten Jahr erzählten“, antwortete Luise.
„Schau, hier wachsen auch Nelken. Wir pflücken ein paar ab und bringen sie unseren Kaninchen“, schlug Simon vor.“
„Ja, die werden sich freuen“, war Luise einverstanden und fing an zu pflücken. Aufgescheucht durch die Aktivitäten der Kinder, huschten die Wildkaninchen schnell ins nahe gelegene Gebüsch.
„Jetzt haben wir sie verjagt!“, stellte Simon fest.
„Ach, die fressen gleich weiter, wenn wir weg sind!“, beruhigte Luise ihn.
„Wir haben genug Nelken“, meinte Simon, „komm, lass uns zu Flip und Flop gehen.“
Die Zwillinge liefen zum Kaninchenstall, welcher hinter dem alten Schoppen am Ende des Gartens stand. Dort befand sich auch die große Vogelvoliere mit den Wellensittichen und Nymphensittichen.
„Euch begrüßen wir später!“, rief Luise den Vögeln zu.
„Dann bringen wir euch Löwenzahnblätter mit!“, ergänzte Simon sie und pfiff mehrmals in die Richtung der Vögel. Ein lautes Pfeifen eines Nymphensittichs tönte hinter ihnen her.
Die Kinder holten ihre Kaninchen aus dem Stall. Flip und Flop waren sehr zahm. Sie wurden von dem Jungen und dem Mädchen erst einmal herzlich durch Streicheleinheiten begrüßt. Sie freuten sich sichtlich über die Nelkenblüten und mümmelten sie genüsslich. Plötzlich flog etwas um die Köpfe der Kinder und sauste dann im hohen Bogen weiter in den Garten.
„Was war das denn?“ fragte Simon.
„Vielleicht eine Libelle?“, meinte Luise. „Hinten am Teich sind oft Libellen. Sogar verschiedene Arten.“
„Könnte sein“, antwortete Simon und hielt Ausschau nach dem Flugobjekt.
„Da hinten fliegt es!“, rief er, „es kommt direkt auf uns zu!“
Blitzschnell flog das Ding, was immer es auch war, durch den Garten. Umkreiste die Kinder, flog ein paar Überschläge, kam wieder auf die Kinder zu und stoppte dann abrupt in der Luft.
„Das ist keine Libelle!“, staunte Luise.
„Es ist ein kleines Mädchen mit Flügeln, wie in unseren Kinderbüchern beschrieben wurde. Also eine kleine Fee!“, stellte Simon fest und streckte seine flache Hand aus.
Das kleine Wesen, welches auf einer Stelle in der Luft flog, überlegte wohl einen Moment. Dann ließ es sich auf der Hand nieder. Staunend betrachteten die Kindern es.
„Bist du eine Fee?“, fragte Luise, „kannst du uns verstehen?“
„Ja, ich bin eine Fee und spreche auch eure Sprache. Ich heiße Lilo, jeder nennt mich aber Lilofee“, ertönte eine helle, zarte Stimme.
„Ich dachte, Feen gibt es nur im Märchen?“, sagte Luise.
„Uns gibt es wirklich, aber wir geben uns nur selten zu erkennen. Wir leben schon tausende von Jahren in den Feenwäldern der Erde. Hier und da sahen uns Menschen und so tauchten wir irgendwann als Fabelwesen in den Märchenbüchern der Menschen auf“, erzählte die kleine Fee.
„Und warum bist du hier im Garten?“, fragte Simon.
„Gehört der Garten zum Feenwald?“, wollte Luise wissen.
„Nein, aber er grenzt genau daran“, berichtete die Fee.
„Dann ist das der Feenwald?“, freute sich Luise und zeigte mit dem Finger in die Richtung des Mischwaldes, welcher hinter dem Garten lag.
„Da haben wir schon oft gespielt und uns aus Zweigen Buden gebaut“, erklärte Simon.
„Ich habe euch schon oft beobachte!“, antwortete Lilofee und lachte, was sich wie der Klang kleiner Glocken anhörte.
„Wir haben noch nie dort Feen gesehen“, stellte Simon fest.
„Nein, das könnt ihr auch nicht. Der Wald dort, ist zwar ein Feenwald, aber da wo wir wohnen, liegt ein Zauber über dem Wald. Ich muss jetzt zurück, ehe die anderen merken, dass ich einen Abstecher in die Welt der Menschen gemacht habe. Das ist nämlich verboten. Aber ich liebe diesen schönen Garten eurer Großeltern. Er ist so natürlich und er hat so viele wunderschöne Blumen.“ Die kleine Fee erhob sich in die Lüfte , winkte den Kindern zu, machte einige Überschläge und flog in die Richtung des Waldes.
„Das wird uns keiner glauben, dass wir eine Fee gesehen haben!“, meinte Luise
„Das kann ja unser Geheimnis bleiben“, antwortete Simon.


                                                                           Ende


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