Freitag, 31. Januar 2014
Gregor Eine Kindergeschichte
Gregor
„Huch! Was ist denn nun los?“, rief Gregor „Leute, haltet euch fest.“ Doch es war zu spät. Seine Freunde purzelten von dem Wirsing herunter. „Lebt ihr noch?“, rief Gregor
„Alles okay, bis auf ein paar blaue Flecke ist, Gott sei Dank, nichts passiert. Wir sind auf einen anderen Wirsingkohl gefallen. Tschüss, und passe auf dich auf“, riefen sie!
Die Kundin betrachtete den Wirsingkohl, ob er auch frisch war.
„Was meinst du?“, wandte sich sich an ihren Mann, „möchtest du heute Wirsinggemüse zum Essen?“
„Ja, das haben wir schon lange nicht mehr gekocht“, antwortete er. Die Frau begutachtete noch einmal den Wirsing und gab ihn ihrem Mann.
„Würdest du ihn abwiegen?“, fragte sie.
„Wenn ich noch mehr durchgeschüttelt werde, stürze ich gleich ab!“, rief Gregor, die kleine Raupe, aber keiner hörte ihn. Er war verzweifelt. Der Mann legte den Wirsing auf die Gemüsewaage.
„Rums“, eine Erschütterung ging durch die kleine Raupe.
„Könnt ihr nicht aufpassen?“, rief sie, und versuchte noch etwas weiter zwischen die Blätter zu kriechen, um einen drohenden Absturz zu verhindern.
„Ich will auf die Waage drücken, ich will!“, prangelte das kleine Kind. „Dann komm her“, sagte der Vater, „auf die Nummer musst du drücken!“
„Ich kann da nicht dran!“, rief es und patsche mit den Händen auf dem Wirsing herum.
„Hör damit auf, sonst bin ich gleich matsch!“, schrie die Raupe erschrocken!“ Zum Glück hob der Vater seine Tochter hoch, so dass sie endlich auf die Taste für Wirsing drücken konnte.
„Nun nimm das Zettelchen da aus der Waage!“, forderte der Mann sein Kind auf. „Und dann klebst du es auf den Wirsingkohl „Das hast du fein gemacht!“, lobte er seine Tochter.
„Noch mal, noch mal!“, rief diese.
Eine Frau mittleren Alters schaute genervt auf das Kind, und hielt Bananen in der Hand.
„Jetzt nimmst du den Wirsing von der Waage und legst ihn in den Einkaufswagen“, erklärte der Vater dem Mädchen.
„Wenn ich das man überlebe!“, meldete sich die Raupe, aber keiner beachtete sie. Inzwischen hatte sich eine längere Schlange Kunden an der Waage gebildet. Die Frau mit den Bananen atmete tief durch und versucht ihre Fassung zu bewahren.
„Doch dass Mädchen fand es ganz toll, auf den Tasten der Waage zu drücken und die Klebezettel raus kommen zu lassen.
Blitzschnell drückte sie auf den unteren Tasten herum. „Das darf man aber nicht!“, belehrte der Mann seine Tochter. „Nun nimm den Wirsing herunter, die anderen Kunden wollen auch abwiegen.
„Die haben aber keinen Wirsing!“ Und zack, hatte sie wieder irgendwo gedrückt und klebte den Zettel auch noch auf den Wirsingkohl.
„Das machst du aber schön!“ Kam die Mutter wieder dazu und staunt über ihre Tochter. Die Menschenschlange wurde immer länger.
„Ist die Waage kaputt?“, rief von hinten ein Student und versuchte den Anfang der Schlange zu erspähen.
„Nein, die ist heile,“ meldete sich ein älterer Mann zu Wort.
„Wir legen den Wirsing zu Zweit in den Einkaufswagen“, schlug die Mutter ihrer Tochter vor.
„Nein!“ , schrie sie. „Ich will das alleine!“
„Ich packe nur ein bisschen mit an, der Wirsing ist sehr schwer.“
„Okay!“ Sagte das Mädchen und der Wirsingkohl landete endlich im Einkaufskorb. Ein Aufatmen ging durch die Reihe der Wartenden.
„Ich möchte noch mehr wiegen!“, hatte das Mädchen die Idee.
„Um Gottes Willen!“, stöhnte der ältere Herr in der wartenden Kundenschlange.
„Wir müssen noch so viel einkaufen, wir schauen jetzt mal am Wurststand,“ versuchte der Vater seine Tochter zu überreden.
„Ja, ich möchte Wurst!“, rief das Kind und verließ endlich die Gemüse- und Obstabteilung.
„Zerquetschen die einen fast!“, fluchte Gregor, „ob ich diese Prozedur überlebe?“, fragte sich die Raupe.
Endlich hatte die Familie den Einkauf erledigt und räumte die Lebensmittel in die entsprechenden Schränke.
„Was machst du mit dem große Wirsing?“, fragte die kleine Tochter.
„Den koche ich jetzt und heute Mittag kannst du ihn dann essen,“ antwortete die Mutter.
„Igitt, Mama da! Sieh mal, da bewegt sich etwas!“, rief das Mädchen.
Die Mutter schaute nach. „Das ist nur eine Raupe!“ Sie schnitt das äußere Kohlblatt ab, auf dem sich die Raupe befand und legte es zur Seite und fing an, den Wirsing für die Mahlzeit herzurichten.
„Den Kohl esse ich nicht“, erklärte das Mädchen.
„Wegen der Raupe?“, die haben wir doch entfernt.
„Vielleicht krabbeln da noch mehr herum!“, vermutete das Kind.
„Dann haben wir gleich eine Fleischeinlage“, witzelte die Mutter. “Aber keine Angst, ich mache den Wirsing sauber und schaue ganz genau hin, ob sich eventuell noch irgend ein Tier darin befindet.“
„Was machst du mit der Raupe?“, fragte das Mädchen.
„Die schenke ich dir.“, sagte die Mutter.
„Danke, Mama!“, freute sich die Tochter.
„Was machst du damit?“, wollte die Mutter wissen?
„Ich baue ihr eine Wohnung“, erklärte sie und nahm vorsichtig das Blatt mit der Raupe. „Papa, rief sie. Kannst du mir helfen? Ich möchte eine Wohnung für diese Raupe bauen.“
„Das kann ja heiter werden“, bemerkte Gregor, aber niemand hörte ihn.
„Am besten du nimmst ein großes Glas. Wir haben im Keller das ganz kleinen Aquarium, das könntest du auch nehmen. Anschließend holst du aus dem Garten einige Grasbüschel mit Wurzeln und Erde und pflanzt sie ein. Du kannst noch ein paar kleine Zweige hineinlegen,“ gab der Vater seiner Tochter einige Tipps.
„Soll ich Zweige fressen?“, rief Gregor.
„Lege einige Wirsingblätter in das Glas“, sagte die Mutter zum Kind, „die Raupe muss etwas zu Fressen haben.“
„Kann ich die nehmen“, fragte es.
„Ja, die reichen für so eine kleine Raupe“, schätzte die Mutter.
„Hat die Frau mich etwa gehört? Aber es war wohl Zufall, dass sie an mein Essen dachte“, murmelte die Raupe vor sich hin.
Als das neue Zuhause für Gregor fertig war, wurde die Raupe feierlich hineingesetzt. Gregor war unheimlich stolz. Er fand es wunderschön.
„Ich dachte, ich würde den Einkauf der Familie nicht überleben, und nun habe ich eine neue Heimat“, freute sich die Raupe. „Viele Menschen töten die Raupen, wenn sie sie im Kohl finden, da habe ich unheimlich Glück gehabt.“
„Weißt du, dass aus der Raupe ein Schmetterling wird?“, fragte der Vater seine Tochter. „Wir schauen gleich mal in einem Buch nach, in welchen Falter sich diese Raupe verwandelt.“
„Dann darf die Raupe als Schmetterling in den Garten fliegen“, meinte die Mutter .
„Ja, dann darf er frei sein!“, antwortete die Tochter.
ENDE
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Dienstag, 28. Januar 2014
13. Fortsetzung: Gehasster Liebling
Gehasster Liebling
„Hast
du sonst noch etwas gefunden, wo mit du uns überraschen kannst?“,
fragte ich leise.
„Ja,
ein paar Knochengerüste. Vielleicht wollten sie die prunkvolle Höhle
leer räumen“, antwortete Tom.
„Wer,
die Knochengerüste?“, ärgerte Eva Maria ihn.
„Ich
meine natürlich, als sie noch lebten!“ Tom schaute sie giftig an,
musste dann aber doch lachen.
„Also
die lebenden Knochengerüste“, stellte Eva Maria fest.
„Du
spinnst!“, meinte Tom.
Mir
ging es weiter hin total schlecht. Mein Kopf tat unheimlich weh und
mir war so heiß. Ich wollte gerade einschlummern, als Eva Maria
entsetzt aufschrie und wie erstarrt stehen blieb.
„Nicht
bewegen!“, versuchte Tom sie zu beruhigen.
„Eine
Schlange! Die ist bestimmt giftig!“, flüsterte Eva Maria, während
Tom sich nach einem Gegenstand umschaute, mit dem er die Schlange
außer Gefecht setzen wollte, sich dann nach unten beugte und langsam
einen größeren Stein aufnahm. Er erhob seinen Arm um den Stein auf
die Schlange zu schlagen. Die Schlange drehte sich zu Tom um und
zischte ihn an.
„Sei
vorsichtig, die kann blitzschnell zubeißen!“, warnte Eva Maria
Tom.
„Weiß
ich, aber ich schlage jetzt zu!“, entgegnete er.
„Nein!
Lass sie leben!“, rief ich so laut ich konnte.
„Nein,
sie ist bestimmt gefährlich“, meinte Tom und suchte nach einer
passenden Gelegenheit zuzuschlagen.
„Sie
will uns nicht beißen!“, rief ich ihm zu.
„Woher
willst du das wissen? Ich habe so eine Schlange weder in Büchern
noch Zoos gesehen“, antwortete Tom, immer noch auf die Schlange
schauend und jeden Moment bereit, sie zu töten.
„Hört
ihr denn nicht, was sie sagt?“, fragte ich überrascht.
„Ja,
sie zischt mich andauernd an, mal helle Töne, mal dunkle. Sie sieht
sehr angriffslustig aus. Was meint ihr? Wer ist schneller? Ich mit
dem Stein oder die Schlange?“, fragte Tom.
„Wollen
wir erst noch Wetten abschließen?“, antwortete Eva Maria gereizt.
„Die
Schlange sagt, dass Tom keine Chance hat, da sie sehr schnell und
unheimlich giftig ist. Sie hätte ihn schon längst töten können,
wenn sie es gewollt hätte!“ Übersetzte ich, was die Schlange
gesagt hatte.
„Manuela
hat hohes Fieber“, meinte Tom zu Eva Maria, „sie fantasiert
schon.“
„Verdammt,
leg den Stein weg, ich fantasiere nicht, wieso höre ich was die
Schlange sagt, und ihr versteht nichts?“, regte ich mich auf.
„Manuela,
bleib ganz ruhig, du bist sehr krank und ich töte die Schlange nur,
um uns zu schützen!“, versuchte Tom mir zu erklären.
„Tom,
bleib ruhig stehen, bewege dich bloß nicht. Hinter dir sind auf
einmal ganz viele Schlangen, alles verschiedene!“, beschwor Eva
Maria ihn.
„Tom,
lege bitte den Stein auf die Erde, die Schlangen werden dir nichts
tun. Sie haben mir ihr Wort gegeben!“, flehte ich ihn schon fast
an.
„Jetzt
ist sie übergeschnappt“, sagte er zu Eva Maria. „Aber mit einem
Stein kann ich auch nichts ausrichten.“ Tom legte ihn hin.
Die
Schlange kam auf mich zu.
„Manuela,
Vorsicht! Sie will jetzt dich angreifen.“, rief Tom erschrocken.
„Sie
wird mir nichts antun!“, versicherte ich ihm.
Jetzt
kamen auch die anderen Schlangen näher. Sie hatten alle verschiedene
Farben und Muster und sahen teilweise sehr hübsch aus.
„Wir
werden dich nicht töten und deine Freunde auch nicht. Ich habe von
den verschiedenen Schlangenvölkern jeweils eine Abgeordnete
mitgebracht“, ergriff jetzt eine ziemlich große Schlange das Wort.
„Warum
kann ich euch verstehen und eure Sprache sprechen?“, fragte ich.
Eva Maria
und Tom schienen wirklich die Schlangen nicht zu verstehen. Sie
schauten ziemlich entgeistert auf mich und die Tiere und ich war
überzeugt, dass sie mich im Stillen für verrückt hielten.
Andererseits sahen sie, dass die Schlangen mir nichts antaten.
„Du
bist etwas Besonderes. Du stammst
von einem Schlangenmenschen ab. Es ist über Hundert Jahre her, als
eine deiner weiblichen Vorfahren sich mit einem Schlangenmenschen
vermählte. Es war kein einfacher Schlangenmensch, sondern einer der
Mächtigsten unter uns. Wir haben lange gewartet, bis in deiner
Familie jemand geboren wurde, der die Magie und Weisheit des
Schlangenmensch geerbt hatte.“
„Was
erzählt ihr da! Ich verfüge weder über irgend welche Magie noch
kann man bei mir von unheimlicher Weisheit sprechen. Ich bin froh,
wenn ich in zwei Jahren mein Abitur schaffe. Ich glaube ich träume
nur, dass macht das Fieber. Ihr seid doch wohl nur ein Traum.“ Mir
fielen die Augen zu, ich fühlte mich so müde.
„Ihr
Schlangen, wenn ihr wirklich so intelligent seid, dann versteht ihr
vielleicht auch unsere Sprache. Ich weiß nicht was ihr von uns wollt
und ob ihr wirklich mit Manuela gesprochen habt. Nur ihr haltet uns
auf, wir müssen eine Trage bauen und so schnell wie möglich nach
hause. Manuela muss ärztliche Hilfe haben. Ich vermute, dass sie
eine Lungenentzündung hat, falls euch das überhaupt was sagt. Sie
kann daran sterben!“, schrie Tom die Schlangen an. Ich hörte es
wie aus weiter Ferne.
„Ich
sterbe vielleicht?“, dieser Gedanke kreiste in meinem Kopf. Er
machte mir Angst. Ich wollte zu meinen Eltern und Geschwistern. Ich
sah sie auf einer Wiese stehen. Ich wollte ihnen entgegen laufen,
aber meine Beine machten nicht mit, sie steckten in einer
Schlangenhaut. Meine Familie entfernte sich immer mehr. Ich wollte
sie rufen, aber es kam nur Schlangensprache über meine Lippen. Ich
schrie laut auf.
„Ganz
ruhig, du hast nur geträumt!“, Tom streichelte mir übers Haar,
fühlte meine Stirn.
„Ich
liebe dich“, flüsterte ich, „aber ich bin ein Schlangenmensch.“
„Es
ist nur ein böser Traum“, hörte ich ihn sagen.
Fortsetzung
folgt...
Copyright2014by
Helga Pikulik
Montag, 27. Januar 2014
12. Fortsetzung: Gehasster Liebling
Gehasster Liebling
„Kannst
du das noch toppen?“, fragte Eva Maria.
„Das
musst du entscheiden. Als ich die Schlangenhäute gefunden hatte, bin
ich weiter in die Höhle gegangen, um nach etwas Brennbaren zu
suchen. Von der großen Höhle gingen mehrere Gänge ab. Ich
entschied mich für einen und kam nach ein paar Metern in eine
kleinere Höhle. An den Wänden hingen Teppiche. Auf denen
waren überall verschiedene Schlangen abgebildet. Auf manchen sah
man menschenartige Wesen mit Schlangenhaut und gelben Augen. In der
Mitte der Höhle stand ein Altar. Er war vergoldet und in der Mitte befand sich eine Figur, halb Mensch , halb Schlange. Sie war mit Edelsteinen
geschmückt. Der Boden der Höhle war aus weißen Marmor.
Was
mich beunruhigte, waren brennende Fackeln an den Wänden. Es musste
also jemand dort gewesen sein, der die Fackeln angezündet hatte. Ich vermute
auch, dass mehrere Höhlen, von denen wir die Eingänge von draußen
gesehen hatten, miteinander verbunden sind. In einer anderen Höhle
fand ich aufgeschichtetes Holz. Ich habe mir davon etwas
ausgeliehen.“
Fortsetzung folgt...
Copyright2014by Helga Pikulik
Fortsetzung folgt...
Copyright2014by Helga Pikulik
Sonntag, 26. Januar 2014
11. Fortsetzung: Gehasster Liebling
Gehasster Liebling
„Setzt
euch ganz dicht zusammen und umarmt euch, dann wärmt ihr euch mit
eurer Körperwärme gegenseitig“, schlug Tom vor. Aber das half
nichts, wir zitterten um die Wette. Tom nahm seine Taschenlampe und
ging weiter in die Höhle.
„Bleib
hier“, rief ich, „wer weiß, was dich da hinten erwartet!“
„Hast
du Angst um mich?“, hallte seine Stimmer aus der Tiefe der Höhle.
Es
dauerte eine ganze Weile, bis Tom wieder auftauchte. Den Arm voller
Holz.
„Hast
du jemanden getroffen, der dir aus Mitleid Brennholz geschenkt hat“,
versuchte ich Zähneklappern zu scherzen.
„So
ähnlich, aber dem nützt es nichts mehr!“, erwiderte Tom und er
machte einen bedrückten Eindruck. Wir fragten nicht weiter, aber
irgendeine Begegnung musste er gehabt haben. Wollte er uns nicht
aufregen und schwieg deshalb?
Tom
suchte einige Steine für eine Feuerstelle und kurze Zeit später
erhellte ein Feuer den vorderen Teil der Höhle. Tom baute aus
Zweigen ein Gestell nahe der Feuerstelle.
„Zieht
euch aus!“, ordnete er an.
„Bist
du verrückt?“, konterte Eva Maria.
„Nein,
nur besorgt. Wir müssen aus den nassen Klamotten raus. Stellt euch
nicht so an. Wenn ihr BH und Slip anlasst, ist es doch kein
Unterschied zum Bikini meinte er und zog seinen Pulli aus und hängte
es in die Nähe des Feuers. Ungeniert folgte die Hose. Er hatte eine
schicke Boxershorts an, stellte ich fest. Die behielt er Gott sei
Dank an. Seine athletischer Körper kam jetzt richtig zur Geltung.
Eva
Maria fing an , ihre nasse Kleidung auszuziehen und pfiff das Lied:
„So ein Mann, so ein Mann....“
„Willst
du dir den Tod holen, in den nassen Sachen?“, fragte mich Tom.
„Okay“,
sagte ich und zog meine Kleidung auch aus.
„Ihr
habt doch hübsche Figuren und eure Unterwäsche sieht wirklich aus
wie ein Bikini“, sagte Tom, nachdem er alles aufgehangen hatte.
„Bitte nicht pusten, sonst fällt mein Wäscheständer zusammen“,
scherzte er.
„Und
dann womöglich ins Feuer“, meinte Eva Maria.
„So,
jetzt gehen wir zum gemütlichen Teil über“, kündigte Tom an und
kramte im Rucksack herum. Er holte ein kleines Päckchen hervor und
faltete den Inhalt auseinander. Es handelte sich um eine dünne
Folie, eine Seite für Kälte, die andere Seit zum Wärmen.
„Schleppst
du immer einen ganzen Verbandskasten mit?“, fragte ich.
„Nein,
nur das nötigste. Rückt mal dicht zusammen.“ Er hing uns die
Folie um.
„Und
du musst frieren?“, fragte ich.
„Ich
mach mir warme Gedanken“, antwortete er und lächelte mich an.
„Mach dir keine Sorgen, ich bin ziemlich abgehärtet.“
„Eigentlich
wussten wir kaum etwas über Tom. Als er damals neu in unsere Klasse
kam, fanden wir ihn sehr arrogant und eingebildet. Er hatte schnell
Freunde gefunden und galt bald als Schwarm der meisten Mädchen an
unserer Schule. Wir hassten ihn, weil er uns seit einem Jahr nervte.
Nun lernten wir ihn von einer ganz anderen Seite kennen. Er war nett,
hilfsbereit und fürsorglich. Und er konnte gut küssen“, schoss es
mir durch den Kopf.
„Also,
ich wollte euch eigentlich morgen zum Picknick einladen und hatte mir
schon einige Sachen eingepackt. Natürlich keine frischen Brötchen
und Aufschnitt und warmen Kaffee.“ Erzählte er uns.
„Oh,
schade, den könnten wir jetzt gebrauchen. Und ein leckeres
Käsebrötchen“, schwärmte Eva Maria.
„Hör
damit auf, ich merke erst jetzt, dass ich einen riesigen Hunger
habe!“, fauchte ich.
„Vielleicht
wird man davon satt, wenn man sich die Lebensmittel vorstellt?“,
schlug Eva Maria vor.
„Witzbold!“,
antwortete ich.
„Typisch
Mädchen, man kann nichts zu Ende erzählen, dann fallen sie einem
schon ins Wort. Vorhin, als ich unterwegs etwas erzählen wollte,
habt ihr mich auch unterbrochen. Da bin ich auch nicht mehr zum Ende
gekommen!“
„Das
war Manuela!“, rief Eva Maria laut, um alle Schuld von sich zu
weisen. Und dann kam das Gewitter,und dann....“
„Ruhe“,
rief Tom so laut, dass es in der Höhle noch einige Male nachhallte.
Das
war natürlich was für Eva. „Wie heißt der Bürgermeister von
Wesel?“, rief sie ganz laut.
„Esel,
Esel!“, klang es zurück.
„Und
seine Frau?“, rief sie wieder.
„Hast
wohl heute einen Clown gefrühstückt?“, fragte Tom, das Echo nicht
mehr abwartend.
„Wie
heißen seine Kinder?“, rief ich nun und musste lachen.
„Rinder,
Rinder, Rinder!“, hörte sich das Echo an.
„Tom
liebt Manuela!“, schrie Eva Maria.
„Ela,
Ela, Ela, Ela!“
„Hört,
das Echo freut sich!“, spann nun Eva Maria.
„Jetzt
ist Schluss mit Lustig!“, sprach Tom ein Machtwort. Doch wieder zu
laut, so das es aus der Höhle hallte: „Ich, ich, ich!“
Wir
mussten alle drei lachen und vergaßen für einen Moment die Kälte
und den Hunger.
„Was
ich euch eigentlich mitteilen wollte...“
„Mach
es nicht so spannend!“, fiel ich ihm ins Wort, und Eva und ich
mussten schon wieder lachen.
„Also,
wenn ihr nicht wollt, ich kann auch alleine essen!“, stellte Tom
fest.
„Habe
ich gerade das Wort Essen gehört?“, fragte Eva Maria. „Warum
sagst du nicht gleich, dass du etwas zum Essen mit hast.“
„Weil
ihr mich nicht ausreden lasst!“, antwortete Tom.
„Da
braucht man doch nicht erst drüber reden! Einfach auspacken und
verteilen. Wir sind am Verhungern!“, erklärte Eva Maria Ihm.
Erzählen kannst du anschließend, wie du an was Essbarem gekommen
bist!“ Sie schaute gierig auf seinen Rucksack und formte ihre Hände
zu Krallen, als wenn sie jeden Moment zum Angriff übergehen wollte!
Sie machte so ein komisches Gesicht dabei und fauchte, dass jetzt Tom
und ich lachen musste.
„Wenn
das so weiter geht mit dem Lachen, verhungern wir wirklich noch“,
sagte Tom, nach dem er sich wieder etwas beruhigt hatte, denn er
hatte sich beim Lachen mit seiner eigenen Speichel verschluckt. Er
musste immer noch Husten. „Mensch, habe ich mich doll
verschluckt!“, sagte er .
„Du
bist aber noch da!“, bemerkte Eva Maria frech und grinste, ging
dann zum provisorischen Kleiderständer und hing vorsichtig die
Wäsche um. „Sie wird wahrhaftig trockener“, stellte sie
überrascht fest.
„Glaubst
du, ich baue aus lauter Langeweile so einen tollen Wäscheständer?“,
fragte er und sprang zur gleichen Zeit auf, um diesen zu retten.
Mensch passt doch auf, gleich ist das gute Stück kaputt“, fauchte
er Eva Maria aus Spaß an.
„Eingebildet
bist du gar nicht?“, entgegnete sie ihm, „so ein wackeliges
Gestell kann ich auch bauen“.
Aber
du mochtest nicht so weit in die Höhle gehen, um zu sehen, ob sich
etwas Brennbares darin befindet. Es könnte ja ein böser Drachen in
dieser Höhle hausen, oder ein Bär!“, ärgerte Tom Eva Maria. Sie
standen neben einander seine Hand lag auf ihrer, um den Wäscheständer
zu halten und sie schauten sich an. Etwas zu lange fand ich und
irgend etwas meldete Alarm in meinem Herzen.
„Was
sich liebt, das neckt sich!“, entfloh mir der alte Spruch.
Erschrocken
schauten die Beiden mich an.
„Quatsch,
beteuerten sie fast gleichzeitig.“
„Wie
war das noch mit dem Essen?“, fragte ich möglichst mit gelassener
Stimme. Doch im Herzen spürte ich einen mir unbekannten Schmerz. Ich
hätte heulen können, aber irgendwo hatte ich auch meinen Stolz.
Ich
stand auf und nahm mein noch klammes T-shirt vom Gerüst und zog es
an.
„Das
ist doch noch gar nicht trocken! Du holst dir mindestens eine
Erkältung!“ Versuchte Eva Maria mich umzustimmen.“
Vergeblich,
ich fand es mit einmal blöd, nur mit meinem BH und Slip
herumzulaufen. „Eine Erkältung ist doch sowie so vorprogrammiert,
so nass wie wir waren.“, sagte ich kurz um. Eva merkte meinen
Unterton in der Stimme und hielt es wohl für Besser, nichts mehr zu
sagen. Sie wusste genau, um was es ging. Ich ging zum Ausgang der
Höhle und schaute in die finstere Nacht. Ich brauchte einfach Luft
und wollte alleine sein. Spätestens jetzt musste ich mir
eingestehen, dass ich Tom liebte.
„Story!“,
hörte ich plötzlich Tom sagen, ich hatte ihn gar nicht kommen
hören. „Lag wohl an der Unterwäsche!“
Also
interessierte Evas Unterwäsche ihn wohl mehr als meine, und
natürlich was drin steckte auch.
„Ich
habe doch gar nichts gemacht!“ Versuchte er sich zu rechtfertigen.
„Habe
ich das behauptet?“, fragte ich ihn kühl, lass uns zurück gehen,
hier am Eingang ist es kalt.“
„Es
hat aufgehört zu regnen.“, sagte ich. Meine Stimme wollte mir
nicht ganz gehorchen.
Das
war aber auch ein super Gewitter, überspielte Eva Maria es und ich
war ihr dankbar.
Tom
wühlte mal wieder in seinem Rucksack und zog aus der äußersten
Ecke eine zwar dünne, aber größere Picknickdecke hervor. Die hatte
ich ganz vergessen, aber sie war auch auf dem Boden des Rucksackes.
Er breitete sie aus und hing sie über uns. Die Foliendecke faltete
er wieder zusammen.
„Für
alle Fälle“, meinte er.
Es
lag eine Spannung in der Luft, es war nicht mehr so wie sonst. Ob Tom
noch irgendetwas zu Eva gesagt hatte, als ich zum Ausgang ging, ich
hatte den Eindruck.
„Als
Manuelas Vater mich bat, hinter euch her zu gehen, dachte ich mir,
wir könnten unter Wegs vielleicht schon ein Picknick machen. Also
kramte ich schnell ein paar Sachen zusammen, schmiss sie in meinen
Rucksack und lief dann schnell hinter euch her, um euch nicht aus den
Augen zu verlieren. Da Manuelas Vater vom See gesprochen hatte, lief
ich dort hin, fand euch aber nicht. Da wurde mir die Weggabelung erst
bewusst.
„Da
stimmt doch irgend etwas nicht“, dachte ich mir und lief bis dort
hin zurück. Ich war mir sicher, dass der Weg sich nur einmal zum See
und einmal zum Ort gabelte beziehungsweise zum Bauernhof. Den Weg,
den ihr genommen hattet, existierte bislang nicht. Er wurde auch in
kürze nicht neu angelegt, das hätte man ja sehen können. Mir kam
da die Sache schon unheimlich vor, aber ich schlug denn noch die
Richtung ein und hatte euch auch bald erreicht. Ich nahm an, ihr
hättet euch das mit dem See anders überlegt. Als der Wald dann
immer unheimlicher wurde und ich den Eindruck hatte, dass ihr genau
wie ich nicht mehr wusstet, wie ihr wieder zurück kommen solltet,
habe ich mich zu erkennen gegeben.
„Hoffentlich
hast du nicht nur Konserven ohne Dosenöffner mit“, stichelte Eva
Maria schon wieder. Tom lächelte sie an, so wie er sonst mich
anlächelte. Das tat weh. Aber ursprünglich hasste ich ihn ja, das
musste ich mir nur oft genug ins Gedächtnis rufen. Ich hasste ihn!
Endlich
holte er etwas essbares aus seinem Rucksack. Milchbrötchen, kleinen
runden Käse und Bockwürstchen. Jeder bekam auf einen Pappteller
seine Ration.
“Wir
behalten lieber noch einen Vorrat, wer weiß, wann wir wieder nach
hause finden“, meinte Tom. Eigentlich hatte ich keinen Hunger
mehr. Ich kaute auf meinem Brötchen herum. Mir war kalt und ich
begann am ganzen Körper zu zittern.
„Was
ist denn mit dir los?“, hättest das feuchte T-shirt nicht anziehen
sollen, meinte Eva Maria. Trink doch mal einen Schluck Sekt, ist
alkoholfrei. Sie reichte mir eine Tasse. Ich trank sie in eins leer,
ich hatte so einen Durst, ich hatte das gar nicht bemerkt. Und mir
war auf einmal so heiß und trotzdem zitterte ich noch, denn außen
war mein Körper total abgekühlt. Meine Füße kamen mir wie
Eisklumpen vor. Eva Maria fühlte meine Stirn.
„Mein
Gott, du glühst ja wie Teufel!“, stellte sie fest.
Mir
ging es so schlecht, dass ich mich einfach auf die Erde legte. Ich
wollte nur noch schlafen.
„Sie
hat Fieber“, hörte ich Eva Maria sagen und Tom antwortete:
„Zieh
ihr das feuchte T-shirt aus, mein Pulli ist inzwischen trocken, den
kannst du ihr anziehen, der ist auch etwas wärmer. Sieh mal, da ist
ein größerer Felsvorsprung. Wir legen die Decke als Unterlage
einmal gefaltet darauf, dann kann sie dort gut liegen. Er schüttelte
seinen Rucksack aus.
„Was
hast du vor?“ Fragte Eva Maria ihn.
„Das
nehmen wir als Kopfkissen.“ Antwortete er und faltete den großen
Rucksack zu einem Kissen und legte es oben unter der Decke. Eva Maria
zog mir den Pulli und meine Hose an und anschließend brachten sie
mich in mein neues Bett. Es war sehr hart, aber das war mir egal, die
Erde war auch nicht weicher. Tom deckte mich mit der warmhaltenden
Folie liebevoll zu und streichelte mir übers Haar. Tat das gut.
„Was
braust du denn da? Einen Hexentrank?“, fragte Tom.
„Ich
habe mir aus Steinen einen Herd gebaut. Zwischen den Steinen bleibt
diese Tasse gut hängen. Ich erhitze Zitronenlimonade“, schilderte
Eva ihr Bauwerk.
„Not
macht erfinderisch, aber das kannten auch schon die alten Germanen,“
meinte Tom.
„Die
hatten aber keine Limo in Flaschen mit“, sagte Eva Maria.
„Die
suchten sicher heilende Kräuter“, erwiderte er.
„Du
kannst ja gerne im Dunkeln welche suchen, falls du dich damit
auskennst, nicht dass wir Manuela vergiften!“, zickte Eva zurück
„Ist
ja gut, ich kann mir nur nicht vorstellen, dass heiße Limo hilft, da
ist hauptsächlich Zucker drin,“ entgegnete Tom.
„Aber
das heiße Getränk hilft. Sollte ich den alkoholfreien Sekt warm
machen?“, fragte sie.
„Hoffentlich
platzt die Tasse nicht auseinander. Ist die feuerfest?“, fragte
TOM.
„Schon
wieder was zu meckern?“, fragte Eva Maria zurück. „Hast du einen
besseren Vorschlag?“
„Ja!“,
er machte den Reißverschluss eines Beutels auf den er mit anderen
Sachen aus dem Rucksack geschüttelt hatte und holte einen kleinen
niedlichen Topf zum Vorschein. „Notfallgeschirr. Habe ich immer
dabei, wenn ich auf Wanderschaft gehe.“
Wie
gerne hätte ich jetzt Evas Gesicht gesehen, aber leider drehte sie
mir gerade den Rücken zu. Sie nahm eine andere Tasse und goss die
warme Limo hinein.
„So
ein Kotzbrocken!“,flüsterte sie mir zu, aber noch laut genug, dass
er es hören konnte. Sie flößte mir die Limonade ein. Sie schmeckte
eigentlich ganz gut.
„Werde
bloß wieder schnell gesund, bitte!“ Beschwor mich Eva.
„Klar
mach ich!“, flüsterte ich. Mir ging es so schlecht. Meine Augen
fielen mir zu und ich schlief ein. Aber ich schlief unruhig, träumte
von wilden Pflanzen, die uns angriffen. Bären kamen aus dem hinteren
Teil der Höhle und stürzten sich auf Tom! Eva und ich versuchten
sie mit brennenden Stöcken zu verjagen. Doch sie meinten, sie
möchten nur etwas warme Limo. Dann kam ein Getränkewagen mit drei
Kisten Limonade und Eva machte für die Bären die Limo in der Tasse
warm.
Doch
plötzlich liefen wir alle weg, auch die Bären flüchteten. Etwas
bedrohendes kam hinter uns her und drängte uns immer weiter in die
dunkle Höhle. Dort machten wir einen grausigen Fund. Entsetzt
richtete ich mich auf.
„Hast
du schlecht geträumt?“, fragte mich Eva Maria. „Du hast
phantasiert und im Schlaf geschrien.“ Ich konnte nicht antworten,
ich war einfach zu kaputt. Ich spürte wie Tom meine Stirn fühlte
und hörte wie er zu Eva Maria sagte: „Sie muss sehr hohes Fieber
haben und sie ist nass geschwitzt. Wir brauchen unbedingt einen Arzt.
Sobald die Sonne aufgeht, kann ich die Richtung nach hause bestimmen.
Ich werde Hilfe holen. Magst du mit Eva hier bleiben?“
„Eigentlich
nicht, es ist so unheimlich.“ Antwortete sie.
„Alleine
kann sie hier auch nicht bleiben!“, stellte Tom fest.
„Und
wenn wir aus Zweigen und Blättern eine Trage bauen?“, hatte Eva
Maria die Idee. Ich habe das mal in einem Film gesehen.
„Bist
du bei den Pfadfindern?“, fragte Tom.
„Nein,
aber ich habe handwerkliches Geschick!“, entgegnete sie.
„Na
dann, lass uns anfangen!“, sagte Tom. „Ehrlich gesagt, möchte
ich euch auch nicht gerne hier alleine zurück lassen. Als ich weiter
in die Höhle ging um nach was Brennbaren zu suchen, entdeckte ich,
nachdem ich mich durch ein paar schmale Gänge gedrängt hatte, in
einem größeren Höhlenraum unzählige Schlangenhäute. Das kann man
sich nicht vorstellen, wenn man so was nicht mit eigenen Augen
gesehen hat.“
„Brr!“,
rief Eva entsetzt, „und das hast du uns nicht gesagt?“
„Ich
wollte euch nicht beunruhigen, wo hätten wir denn hin sollen bei dem
Gewitter und der Dunkelheit. Wer weiß, was uns in einer anderen
Höhle erwartet hätte? Vielleicht lebendige Schlangen, da sind mir
die Häute lieber“, versicherte Tom.
„Wir
müssen hier sofort raus!“, rief Eva Maria aufgebracht.
„Warte,
da ist noch mehr, was ich entdeckt habe“, sagte Tom.
Fortsetzung
folgt...
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Helga Pikulik
Samstag, 25. Januar 2014
10. Fortsetzung: Gehasster Liebling
Gehasster Liebling
„Dort
hinten sieht es noch dunkler aus, als wenn sich dort ein Gebirge
befindet.“ Meinte ich.
„Dann
lasst uns nachsehen, eventuell finden wir eine Höhle, denn es wir
garantiert ein Gewitter geben“, schlug Tom vor. Also liefen wir in
die Richtung. Es war jedoch nicht einfach. Der Wald wurde zwar
lichter, dafür nahmen aber die Büsche und wildes Gestrüpp zu.
„Habt
ihr auch bemerkt, dass, wie weiter wir gehen, hier immer mehr
Pflanzen wachsen, die wir noch nie gesehen haben“, fragte Eva
Maria.
„Das
viel mir schon im Wald auf, manche Bäume waren mir total
unbekannt!“, antwortete Tom.
„Und
wie komisch die gewachsen waren, total verdreht und miteinander
verschlungen, andere hatten einen unheimlich großen Umfang und ragten
enorm hoch.“ Teilte ich meine Beobachtungen mit.
„Es
gab unnatürlich viele Baumhöhlen, ob es hier so viele Vögel
gibt?“, stellte Eva Maria fest, „ich bin wenigstens froh, dass
wir aus diesem Wald raus sind.“
„Dieses
Gestrüpp finde ich genau so unheimlich“, bemerkte ich.
„Was
ich komisch finde ist folgendes“, meinte Tom. Ich kenne diese
Gegend ziemlich gut, denn ich bin die ersten dreizehn Jahre hier
aufgewachsen. Meine Eltern gehört der Bauernhof, wo ihr zur Zeit
Urlaub macht.“
„Endlich
eine Erklärung, warum du auch hier bist“, rutschte es mir heraus.
„Hast
wohl schon an Spionage gedacht, dass ich einen Geheimagenten raus
finden ließ, wo ihr Urlaub macht?“, alberte Tom herum.
„Ich
konnte es mir nur nicht erklären, dass du ausgerechnet hier
auftauchtest, wo wir Urlaub machen. Das war zu komisch!“
„Ich
muss zugeben, ich habe dem Zufall etwas nachgeholfen“, gestand Tom,
„ich hatte die Wahl. Entweder mit meiner Mutter Urlaub in Italien
oder bei meinem Vater hier auf dem Bauernhof zu machen. Mein Vater erzählte
mir, dass Gäste aus meinem jetzigen Wohnort kämen mit
gleichaltrigen Jugendlichen. Er fragte, ob ich zufällig den Namen
kennen würde, den er mir nannte. Da war meine Urlaubsentscheidung
gefallen.“
„Du
hast wegen uns auf Italien verzichtet? Das gibt es doch nicht, das
ist nicht normal!“, rief ich. Eva Maria lachte sich halb schlapp
und tat ihren Senf dazu:
„Muss
Liebe schön sein!“ Ich hätte sie in dem Moment in der Luft
zerreißen können.
„Für
Manuela gehe ich bis ans Ende der Welt!“, versicherte Tom.
Ich
musste lachen und sagte zu ihm: „Da brauchst du nicht mehr weit gehen, so wie das hier aussieht, sind wir dort gerade angelangt."
Schlagartig
wurden wir uns unserer jetzigen Situation wieder bewusst. Das Lachen
war uns wieder vergangen. Aber wir waren wenigstens einen kleinen
Augenblick fröhlich. Wir hatten zwar Vollmond, aber der verschwand
immer häufiger hinter dichten Wolken. Nun hatte er es wohl
vorgezogen, dort zu bleiben. Es war erschreckend finster und der
Schein meiner Taschenlampe verbreitete ein gespensterhaftes Licht.
„Jetzt
fängt es auch noch an zu regnen, so ein Mist“, fluchte Eva Maria,
„und laufen kann ich auch nicht mehr. Ich will sofort zurück!“,
rief sie und stampfte wie ein kleines dickköpfiges Kind mit dem Fuß
auf. Das Gebirge lag weiter zurück, als wir es eingeschätzt hatten,
aber endlich hatten wir es erreicht. Wir waren total fertig und vom
Regen durchweicht. Und zu allem Übel überholte uns noch ein
Gewitter, welches wir schon aus der Ferne gehört hatten. Ich konnte
mich nicht erinnern,dass ich jemals so ein starkes Gewitter miterlebt
hatte. Die Blitze gaben sich am Himmel fast die Hand und ein Donnern
und Krachen folgten am laufenden Band. Das Licht der Blitze erhellte
das zerklüftete Gebirge und tauchte die Umgebung in eine
furchterregende, gespenstische Landschaft. Von irgendwo hörten wir
Wasserfälle rauschen und hier und da polterten Felsbrocken aus der
Höhe. Tom holte eine Taschenlampe aus seinem Rucksack, welche
wesentlich heller war als meine. Er leuchtete die Felswände ab.
„Hier
sind ja unheimlich viele Höhleneingänge!“, stellte er erstaunt
fest.
„Vielleicht
hausen da wilde Tiere drin, oder gar Gespenster!“, befürchtete Eva
Maria.
„Lasst
uns hier vorne reingehen, ehe uns noch ein Blitz trifft.“, schlug
Tom vor.
Das
überzeugte sogar Eva Maria.
Wir
ließen netterweise Tom den Vortritt, und klemmten uns dann dicht
hinter ihn. Er leuchtete die Höhle aus. Soweit wie wir schauen
konnten, war sie leer. Erschöpft ließen wir uns auf den Felsbrocken
nieder, die wohl irgendwann mal von der Decke gestürzt waren. Keiner
sprach ein Wort, wir waren total kaputt. Außerdem zitterten wir am
ganzen Körper, denn die nasse Kleidung klebte an uns und das Wasser
tropfte nur so aus unseren Haaren. Es hatte sich draußen stark
abgekühlt, aber die Höhle erschien mir noch wesentlich kälter.
„Ich
vermute, wir bekommen alle eine Lungenentzündung“, äußerte sich
Eva Maria nach einer Weile.
Fortsetzung folgt...
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Freitag, 24. Januar 2014
9. Fortsetzung: GEHASSTER LIEBLING
Gehasster Liebling
„Bist
du sicher, dass wir den richtigen Weg genommen haben? Wir hätten doch
schon lange da sein müssen!“, fragte ich.
„Ich
bin mir nicht mehr sicher, aber bei drei Abzweigungen konnten wir uns
nur für irgendeine entscheiden. Wegweiser scheinen die hier nicht zu
kennen“, antwortete Eva Maria.
„Diese
Wald kommt mir unheimlich vor. Seit einiger Zeit hat er sich langsam
verändert. Ist nicht mehr normal, so wie man eben einen Wald kennt.
Gut, dass ich die Taschenlampe mit habe, es wird immer düsterer.
Schau dir mal diese knorrigen Bäume an. Als wenn sie leben.
Gespenstisch“, stellte ich fest.
„Manuela
hör auf, mir gruselt es sowie so schon. Weißt du, wo es wieder
zurück geht?“
„Keine
Ahnung! Der Weg wurde immer schmaler und zugewachsener, dadurch sind
wir immer wieder ausgewichen und ich weiß gar nicht, welche Richtung
wir jetzt gehen“, sagte ich.
„Man,
bist du aufbauend, ich weiß auch nicht wo hin. Was machen wir jetzt?
Hast du dein Handy mit?“, fragte Eva Maria.
„Ach
was, wir wollten doch nur zum See.“ Antwortete ich.
„Und
jetzt sind wir im Wald!“ Hörten wir plötzlich eine uns bekannte
Stimme.
Ich
glaube, wir haben uns das erste Mal gefreut, Tom zu sehen.
„Wo
kommst du denn her? Hast du uns etwa verfolgt?“, fragte Eva Maria.
„Ja,
leider!“, entgegnete er. Ich weiß auch nicht, wo wir jetzt sind.
Manuelas Vater hatte die super Idee, ich sollte hinter euch her
gehen, weil es schon so spät wäre. Ich sollte auf euch aufpassen.
Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, wo ihr überhaupt hin wollt.“
„Wir
wollten nur zum See!“, sagte ich.
„Dann
hättet ihr links abbiegen müssen“, erklärte uns Tom.
„Schön,
dann wissen wir das nächste Mal Bescheid“, stellte ich fest.
„Wenn
es ein nächstes Mal gibt, vielleicht finden wir nie wieder zurück.
Schaut euch doch diese Gegend an. So etwas kenne ich nur aus
Gruselfilmen“, stöhnte Eva Maria.
„Ich
schlage vor, wir suchen uns einen Platz zum Übernachten. Morgen am
Tag sieht alles besser aus“, schlug Tom vor.
Fortsetzung folgt...
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Donnerstag, 23. Januar 2014
Letzte Fortsetzung: Vampire (m. Isabel u. Tim)
Vampire
„Meinst du das ernst, mit dem Urlaub bei euch?“, fragte Eric.
„Klar, wir brauchen nur noch den Segen von Viktoria“, sagte ich.
„Dann wirst du bestimmt die halbe Klasse hier wohnen haben, ich melde mich schon mal an“,teilte mir Erwin mit.
„Dann ist hier endlich mal was los!“, stellte Isabel fest.
„Ja, hier ist es so langweilig“, unterstütze ich Isabels Feststellung. Wir mussten alle lachen.
„Ich würde die Geschehnissen aufschreiben“, schlug Otto vor.
„Natürlich, ist sowie so mein Berufswunsch, armer Künstler und Schriftsteller!“, verriet ich.
„Ehrlich?“, fragte Eric.
„Wirklich, aber neben Kunst werde ich noch Deutsch später studieren, auf Lehramt. Ich will notfalls einen Beruf haben, der mich ernähren kann, sonst liege ich meiner Schwester noch auf der Tasche.“ Ich grinste meine Zwillingsschwester an.
„Ach, Brüderchen, ich würde dich gerne durchfüttern, wir haben genug Marien- und Löwenzahnblümchen auf der Wiese. Du würdest ganz gesund ernährt.“
„Der Tee dauert aber lange!“, meinte Otto.
„Ich werde mal nachschauen“, sagte ich und begab mich zur Küche. Lisa und Erwin standen in einer Ecke und küssten sich. Ich schlich mich leise zurück, ich wollte das junge Glück nicht stören.
„Der Tee dauert noch etwas!“, informierte ich die anderen. „Wir können Kartenspielen, wenn ihr wollt.“
„Okay, dann geht die Zeit schneller um!“, sagte Otto.
„Hallo, Leute!“, ertönte mit einem Mal eine uns bekannte Stimme. Viola spielte ihre Spielchen, indem sie blitzschnell immer wieder an einem Ort auftauchte und wieder verschwand.
„Nun werde sesshaft!“, sagte ich, „wir wissen wie toll du bist.“
„Hallo, Schatz!“, hauchte sie, als sie plötzlich hinter mir stand, „liebst du mich noch?“, fragte sie mich. Sie konnte das Ärgern nicht lassen. Sie wusste ganz genau, dass ich Lydia als Freundin gewinnen wollte, aber wie sollte ich das, wenn so ein Vampirchen mich immer anhimmelte.
„Ich dachte, Tobias ist deine neue Eroberung?“, fragte ich sie.
„Ups! Hatte ich ganz vergessen. Der Ärmste ist noch auf Vampirjagd. Mein Bruder ist denen entwischt. Die haben nicht mehr viel Zeit, dann dämmert es und Max wird die Gewölbe verlassen. Übrigens, deine Vera mussten wir leider zu den ewigen Jagdgründen schicken. Tut mir sehr leid“, grinste Viola uns an.
„Erzähl!“, forderte Otto sie auf.
Als wenn sie darauf gewartet hatte, legte sie los: „Also, wir begaben uns immer zu Zweit in die verschiedenen Gänge und kämpften auch die Zimmer durch. Ich natürlich alleine. Ich war vom Kommissar als Kontaktperson und Späher eingesetzt. Ich sauste als Fledermaus durch die Gänge und hielt Ausschau nach meinem bösen Bruder. Der hatte sich ebenfalls in eine Fledermaus verwandelt und hing in der Knochenkammer des alten Gutsbesitzers oder wer das mal war. Der spukt übrigens hier öfters als Geist herum.“
„Ehrlich?“, fragte ich, „dann stimmt das Gerücht vom Spuk im alten Haus.“
„Ja sicher stimmt das was ich sage, und jetzt störe mich nicht, denn jetzt kommt mein großer Auftritt!“, fauchte sie mich böse an. Ich musste lachen.Viola genoss es so richtig, dass alle Augen spannend an ihr hingen.
„Als mein Bruder mich entdeckte, verwandelte er sich ruck zuck zum Vampir. Ich war natürlich genau so schnell. Wir kämpften miteinander. Ich bin zwar gut im Kämpfen, aber gegen meinen Bruder tritt so schnell keiner an. Dann kamen Tobias und Robert dazu. Sie drängten ihn mit Kreuze in eine Ecke, aber er verwandelte sich in eine Fledermaus und entkam. Er nähert sich immer mehr dem Ausgang. Sobald die Sonne untergeht, wird er den Verfolgern entwischen.“ Wir schauten unwillkürlich nach draußen. Noch schien die Sonne.
Und unser Tee kam auch endlich.
„Wie war das denn nun mit Vera, erzähl weite“, forderte Isabel Viola auf.
„Ich flog so durch die Gänge, als ich plötzlich leise Hilferufe hörte. Ihr müsst wissen, wir Vampire haben ein sehr ausgeprägtes Gehör“, belehrte Viola uns. „ Also, ich flog sofort in die Richtung. Vor einer Tür lag ein Polizist, mausetot. Zwei kleine Löcher im Hals. Ich nahm meine Gestalt an und schlich mich in das Zimmer hinter der Tür. Da sah ich, wie Vera gerade einen Polizisten beißen wollte. Ich stürzte mich auf sie und es entbrannte ein heißer Kampf, den sie natürlich verlor. Anfängerin. Ich musste ihr leider einen Holzpflock in ihr Herzchen stoßen. Eigentlich töten Vampire sich nicht gegenseitig. Aber ich bin ja ein Halbvampir. Wo bleibt der Applaus?“, fragte sie enttäuscht. Wir taten ihr den Gefallen und klatschten kräftig Beifall.
„Geht doch!“, freute sie sich und war stolz wie Oskar. „Ich muss jetzt wieder runter, den Leuten unten helfen. Ohne mich sind die aufgeschmissen und ich muss meinen Tobias beschützen.“ Jetzt lachte sogar Lydia. Ich fing ihren Blick a uf. Sie zwinkerte mir zu. Eine Gänsehaut lief mir vor Freude über den Körper.
Die alte Holztür flog auf und einer nach dem anderen kam hoch.
„Alles erledigt“, sagte der Kommissar, und zu Viola gewandt:„Ihr Bruder hat leider, als er flüchtete, den falschen Tunnel gewählt. Der führte nach draußen. Ich hatte jedoch den Eindruck, dass er selber den Freitod gewählt hat. Die Sonne ist ihm nicht bekommen.“
„Armer Max!“, sagte Viola und tat so, als wischte sie sich eine Träne weg.
„Mein herzliches Beileid,“ meinte der Kommissar. „Und ich danke ihnen für ihren Einsatz und dass sie einem Polizisten das Leben gerettet haben. Leider hat es einen Toten gegeben. Sie Viola, haben es uns abgenommen, einen Holzpflock in unseren Kollegen zu stoßen. Außerdem haben sie den Vampir Vera besiegt. Unser aller Dank und der des ganzen Ortes ist ihnen gewiss. Ich werde dafür sorgen, dass ihre Familie hier ungestört wohnen kann. Sollte sich jedoch etwas ändern, dass ein Vampir wieder rückfällig wird, vertraue ich ihnen, dass sie dann sofort Alarm schlagen.“
„Dann gehen wir wieder zusammen auf Vampirjagd, stellte Viola fest und sie war unheimlich stolz. „Hauptsache meinem Tobias ist nichts passiert“, flitzte zu ihm hin und ehe er sich versah, hatte er einen Kuss auf dem Mund. „Mein kleiner Vampirjäger, meinetwegen kannst du mich dein Leben lang jagen, ich wäre sehr glücklich. Vielleicht möchtest du ewig bei mir sein?“
„Bloß nicht!“, rief Tobias. Alle mussten lachen.
„Aber Süßer, ich liebe dich!“, sagte Viola ernst, „da Tim schon vergeben ist!“ Sie lächelte Lydia an.
Ich ging zu Lydia und küsste sie einfach und sie ließ es sich gefallen.
„So wie es aussieht, werde ich hier nicht mehr gebraucht, stellte der Kommissar fest und rückte mit seiner Mannschaft ab.
„Das hätten wir hinter uns, nur schade um den toten Polizisten“, meinte Robert.
„Den hat höchstwahrscheinlich mein Bruder auf dem Gewissen“, entgegnete Viola. „Ich muss euch auch verlassen und zu meiner Familie zurückkehren. Ich werde euch öfters besuchen, wenn es recht ist.“
„Du bist uns jeder Zeit willkommen“, versicherte ihr Isabel.
„Dann tschüss, und Tobias, bleib mir treu!“, rief sie ihm zu und verschwand durch die Holztür in den Gewölben.
„Ich würde sagen, Isabel und Lisa zeigen euch eure Zimmer, endlich können wir wieder ruhig schlafen! Vor lauter Nebelgeister und Vampire kam man nicht zur Ruhe.“ Noch während ich das sagte, ging die Tür auf und Viktoria kam herein.
„Wir wussten gar nicht, dass sie heute entlassen werden. So spät am Abend ist das ja ungewöhnlich“, empfing Isabel sie.
„Ich habe mich auf eigener Gefahr entlassen, ich kann euch doch nicht alleine lassen“, antwortete sie.
„Die Gäste werden hier alle Urlaub machen, wenn es ihnen Recht ist. Und jetzt kann ich meinen Eltern sagen, dass hier alles in Ordnung ist?“, fragte ich.
„Mach das, ich werde mich hinlegen, ich fühle mich noch etwas schlapp. Deine Bekannten können hier gerne bleiben!“ verabschiedete sie sich, um auf ihr Zimmer zu gehen.
„Sie sehen sehr blass aus, sollen wir nicht lieber einen Arzt holen? Es war sicher nicht gut, sich auf eigene Gefahr zu entlassen?“, fragte Isabel.
„Auf keinen Fall!“, entgegnete Viktoria und ging in ihr Zimmer.
„Die sah aus wie ein Vampir, ihr muss wohl immer noch der Schock von Veras Tod in den Gliedern stecken“, sagte Erwin.
„Wir gehen jetzt auf die Zimmer zum Schlafen, also folgt Isabel und Lisa!“, sagte ich und begab mich auf mein Zimmer. Ich ließ mich aufs Bett fallen und ich muss wohl sofort eingeschlafen sein, als ich plötzlich wach wurde, weil ich etwas an meinem Hals spürte. Ich erkannte im Kerzenschein Viktoria. Mit aller Kraft stieß ich sie von mir, ehe sie zubeißen konnte. Doch als Vampir hatte sie unheimliche Kräfte. Immer wieder ging sie zum Angriff über und hatte den Vorteil, überall blitzschnell wieder aufzutauchen. Ich schrie um Hilfe, aber hatte keine Hoffnung, dass mich in den dicken Gemäuern jemand hörte. Viktoria überwältigte mich und ich sah ihre langen Vampirzähne auf mich zukommen. Plötzlich zersprang ein Fenster und ein schwarz gekleideter Mann kam durchs Fenster gestürmt. Er stürzte sich auf Viktoria und es entbrannte ein schrecklicher Kampf unter den beiden. Der Mann war auch ein Vampir und ich sah mich schon als Opfer von einem, wer immer auch siegte. Ich versuchte an die Holzpflocke zu kommen und merkte, wie der Mann meinem Blick folgte. Flink schnappte er sich einen Pflock und ehe sich Viktoria versah, stieß er ihn beim nächsten Angriff ihr ins Herz. Sie war sofort tot. Mir zitterten die Beine und ich dachte, jetzt geht es mir an den Kragen, als auf einmal Viola durch das Fenster geflogen kam.
„Papi, du hast meinen Freund gerettet, das werde ich dir nie vergessen! Ich habe dich lieb.“ Sie ließ sich in seine Arme fallen und er drückte sie liebevoll an sich. Ich hatte bis dahin nicht geglaubt, dass Vampire wirklich lieben konnten, aber mir viel ein, was Viola über ihren Vater und ihre Mutter erzählt hatte. Endlich erholte ich mich etwas von dem Schock und ging auf den Vampir zu.
„Wie kann ich ihnen nur danken?“, fragte ich.
„Es war mir eine Ehre, ihnen behilflich zu sein.“Antwortete er etwas geschwollen, und mir schoss durch den Kopf, aus welchem Jahrhundert er wohl stammte. „Sie und ihre Freunde haben so viel für meine Familie getan, das kann ich nie wieder gut machen. Ich bin froh, dass ich gerade hier vorbeiflog. Ich nahm den Geruch des Vampirs war und hörte ihre Hilferufe. Leider musste ich ihr Fenster zerstören, was mir sehr Leid tut", fuhr er fort.
„Das war Rettung in letzter Sekunde!“, entgegnete ich. „Das kaputte Fenster ist egal. Aber wo kommst du so schnell her?“, wandte ich mich an Viola.
„Ich habe den Kommissar getroffen, er ist auf den Weg hier her. Er wollte noch einmal Viktoria vernehmen, für die Akten, sagte er. Der Arzt klärte ihn auf, dass Viktoria das Krankenhaus auf eigenen Wunsch verlassen hätte, obwohl sie eine entzündete Wunde am Hals hatte, die sich die Ärzte nicht erklären konnten. Bei der Einlieferung hatte sie die Wunden noch nicht. Außerdem litt sie plötzlich an Blutarmut. Man wollte sie unbedingt da behalten, aber gegen Abend hat sie das Krankenhaus einfach verlassen. Das war garantiert Max, der wollte uns eins auswischen!“, teilte uns Viola mit.
„Nun ist der Spuk endlich vorbei, ich hoffe dass Max oder diese Viktoria nicht noch mehr gebissen haben!“ Sagte Violas Vater. Ich schaute ihn mir jetzt erst genauer an. Er war ein großer stattlicher Mann mit angegrauten Haaren. Sein Mantel war von außen schwarz und von innen purpurrot. Er war schlang und sicherlich der Typ mancher Frau.
„Du hast doch noch etwas auf dem Herzen“, forderte Viola ihren Vater auf.
„Kann ich ihnen einen Wunsch erfüllen?“, fragte ich, weil der Mann zögerte.
„Ich weiß nicht, ob es zu viel verlangt ist. Wir würden gerne in einem kleinen Teil ihres Gewölbes wohnen. Wir stören keinen, es ist ein Teil, der vor hundert Jahren so zerstört wurde, dass sich nur von außen eine kleinen Öffnung befindet, die man sehr schwer findet. Von diesen Gewölben des Hauses gibt es keinen Durchgang dort hin, der ist damals verschüttet worden“, fragte Violas Vater.
„Selbstverständlich“, sagte ich, „ich freue mich, sie haben mir das Leben gerettet, ich weiß nicht, wie ich das jemals wieder gut machen kann, aber sie hätten sowie so dort wohnen können!“
„Habe ich es dir nicht gesagt, Papa?“, rief Viola begeistert, Tim ist ein ganz cooler Typ, aber leider schon vergeben!“, ehe ich mich versah, drückte sie mir einen Kuss auf den Mund und umarmte mich. Und wie sollte es auch anders sein, in dem Moment kamen Lydia und Isabel herein.
„Was ist denn hier los?“, fragte meine Schwester überrascht. Wir hatten Geräusche gehört und überall nachgesehen, ob bei unseren Gästen alles in Ordnung ist.“
„Dir scheint es ja besonders gut zu gehen!“, stellte Lydia fest und wollte gerade wieder gehen.
„Oh, Mist!“, entfuhr es Viola, „ich habe mich nur bedankt. Ich weiß, er gehört leider dir. Mein Herz gehört ja auch Tobias.“ Die Hausschelle beendete die peinliche Situation. „Das wird der Kommissar sein. Du kannst ihn ja alles weitere über Viktoria erzählen und eventuell hat Lydia Lust, zuzuhören.“ Sagte Viola.
„Komm, Viola!“, „forderte ihr Vater sie auf, „wir wollen uns verabschieden, und vielen Dank junger Mann“, sagte er zu mir.
„Wenn einer zu danken hat,, dann bin ich es“, entgegnete ich.
Viola und ihr Vater gingen zum Fenster und flogen als Fledermäuse davon. Lisa hatte unterdessen die Haustür geöffnet und den Kommissar herein gelassen.
Er kam mir aufgeregt auf der Treppe entgegen.
„Keine Panik!“, sagte ich cool. „Alles erledigt, Viktoria war ein Vampir und ist jetzt tot und steht nicht mehr auf. Sie hat einen Holzpflock in ihrem Herz stecken.“
„Gott sei dank!“, sagte der Kommissar und atmete erleichtert auf.
Inzwischen waren meine anderen Gäste alle runter gekommen. Lisa tischte Getränke auf und machte noch schnell ein paar Schnittchen. Ich erzählte mein nächtliches Abenteuer und es wurden noch schöne Stunden, denn wir saßen bis zum Morgen zusammen. Der Kommissar schien sich bei uns pudelwohl zu fühlen und ich bemerkte, dass er ein Auge auf Lisa geworfen hatte. Wenn das man gut geht, denn Erwin hatte das wohl auch bemerkt. Lydia wich nicht von meiner Seite, nachdem sie gehört hatte, was mir passiert war. „Das war die Sache wert“, dachte ich.
Ende
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