Dienstag, 28. Januar 2014

13. Fortsetzung: Gehasster Liebling




                           Gehasster Liebling


„Hast du sonst noch etwas gefunden, wo mit du uns überraschen kannst?“, fragte ich leise.
„Ja, ein paar Knochengerüste. Vielleicht wollten sie die prunkvolle Höhle leer räumen“, antwortete Tom.
„Wer, die Knochengerüste?“, ärgerte Eva Maria ihn.
„Ich meine natürlich, als sie noch lebten!“ Tom schaute sie giftig an, musste dann aber doch lachen.
„Also die lebenden Knochengerüste“, stellte Eva Maria fest.
„Du spinnst!“, meinte Tom.
Mir ging es weiter hin total schlecht. Mein Kopf tat unheimlich weh und mir war so heiß. Ich wollte gerade einschlummern, als Eva Maria entsetzt aufschrie und wie erstarrt stehen blieb.
„Nicht bewegen!“, versuchte Tom sie zu beruhigen.
„Eine Schlange! Die ist bestimmt giftig!“, flüsterte Eva Maria, während Tom sich nach einem Gegenstand umschaute, mit dem er die Schlange außer Gefecht setzen wollte, sich dann nach unten beugte und langsam einen größeren Stein aufnahm. Er erhob seinen Arm um den Stein auf die Schlange zu schlagen. Die Schlange drehte sich zu Tom um und zischte ihn an.
„Sei vorsichtig, die kann blitzschnell zubeißen!“, warnte Eva Maria Tom.
„Weiß ich, aber ich schlage jetzt zu!“, entgegnete er.
„Nein! Lass sie leben!“, rief ich so laut ich konnte.
„Nein, sie ist bestimmt gefährlich“, meinte Tom und suchte nach einer passenden Gelegenheit zuzuschlagen.
„Sie will uns nicht beißen!“, rief ich ihm zu.
„Woher willst du das wissen? Ich habe so eine Schlange weder in Büchern noch Zoos gesehen“, antwortete Tom, immer noch auf die Schlange schauend und jeden Moment bereit, sie zu töten.
„Hört ihr denn nicht, was sie sagt?“, fragte ich überrascht.
„Ja, sie zischt mich andauernd an, mal helle Töne, mal dunkle. Sie sieht sehr angriffslustig aus. Was meint ihr? Wer ist schneller? Ich mit dem Stein oder die Schlange?“, fragte Tom.
„Wollen wir erst noch Wetten abschließen?“, antwortete Eva Maria gereizt.
„Die Schlange sagt, dass Tom keine Chance hat, da sie sehr schnell und unheimlich giftig ist. Sie hätte ihn schon längst töten können, wenn sie es gewollt hätte!“ Übersetzte ich, was die Schlange gesagt hatte.
„Manuela hat hohes Fieber“, meinte Tom zu Eva Maria, „sie fantasiert schon.“
„Verdammt, leg den Stein weg, ich fantasiere nicht, wieso höre ich was die Schlange sagt, und ihr versteht nichts?“, regte ich mich auf.
„Manuela, bleib ganz ruhig, du bist sehr krank und ich töte die Schlange nur, um uns zu schützen!“, versuchte Tom mir zu erklären.
„Tom, bleib ruhig stehen, bewege dich bloß nicht. Hinter dir sind auf einmal ganz viele Schlangen, alles verschiedene!“, beschwor Eva Maria ihn.
„Tom, lege bitte den Stein auf die Erde, die Schlangen werden dir nichts tun. Sie haben mir ihr Wort gegeben!“, flehte ich ihn schon fast an.
„Jetzt ist sie übergeschnappt“, sagte er zu Eva Maria. „Aber mit einem Stein kann ich auch nichts ausrichten.“ Tom legte ihn hin.
Die Schlange kam auf mich zu.
„Manuela, Vorsicht! Sie will jetzt dich angreifen.“, rief Tom erschrocken.
„Sie wird mir nichts antun!“, versicherte ich ihm.
Jetzt kamen auch die anderen Schlangen näher. Sie hatten alle verschiedene Farben und Muster und sahen teilweise sehr hübsch aus.
„Wir werden dich nicht töten und deine Freunde auch nicht. Ich habe von den verschiedenen Schlangenvölkern jeweils eine Abgeordnete mitgebracht“, ergriff jetzt eine ziemlich große Schlange das Wort.
„Warum kann ich euch verstehen und eure Sprache sprechen?“, fragte ich.
Eva Maria und Tom schienen wirklich die Schlangen nicht zu verstehen. Sie schauten ziemlich entgeistert auf mich und die Tiere und ich war überzeugt, dass sie mich im Stillen für verrückt hielten. Andererseits sahen sie, dass die Schlangen mir nichts antaten.
„Du bist etwas Besonderes. Du stammst von einem Schlangenmenschen ab. Es ist über Hundert Jahre her, als eine deiner weiblichen Vorfahren sich mit einem Schlangenmenschen vermählte. Es war kein einfacher Schlangenmensch, sondern einer der Mächtigsten unter uns. Wir haben lange gewartet, bis in deiner Familie jemand geboren wurde, der die Magie und Weisheit des Schlangenmensch geerbt hatte.“
„Was erzählt ihr da! Ich verfüge weder über irgend welche Magie noch kann man bei mir von unheimlicher Weisheit sprechen. Ich bin froh, wenn ich in zwei Jahren mein Abitur schaffe. Ich glaube ich träume nur, dass macht das Fieber. Ihr seid doch wohl nur ein Traum.“ Mir fielen die Augen zu, ich fühlte mich so müde.
„Ihr Schlangen, wenn ihr wirklich so intelligent seid, dann versteht ihr vielleicht auch unsere Sprache. Ich weiß nicht was ihr von uns wollt und ob ihr wirklich mit Manuela gesprochen habt. Nur ihr haltet uns auf, wir müssen eine Trage bauen und so schnell wie möglich nach hause. Manuela muss ärztliche Hilfe haben. Ich vermute, dass sie eine Lungenentzündung hat, falls euch das überhaupt was sagt. Sie kann daran sterben!“, schrie Tom die Schlangen an. Ich hörte es wie aus weiter Ferne.
„Ich sterbe vielleicht?“, dieser Gedanke kreiste in meinem Kopf. Er machte mir Angst. Ich wollte zu meinen Eltern und Geschwistern. Ich sah sie auf einer Wiese stehen. Ich wollte ihnen entgegen laufen, aber meine Beine machten nicht mit, sie steckten in einer Schlangenhaut. Meine Familie entfernte sich immer mehr. Ich wollte sie rufen, aber es kam nur Schlangensprache über meine Lippen. Ich schrie laut auf.
„Ganz ruhig, du hast nur geträumt!“, Tom streichelte mir übers Haar, fühlte meine Stirn.
„Ich liebe dich“, flüsterte ich, „aber ich bin ein Schlangenmensch.“
„Es ist nur ein böser Traum“, hörte ich ihn sagen.
 
Fortsetzung folgt...




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