Vampire
Nach dem Schrei war es totenstill. Alle hielten den Atem an.
„Vielleicht hat Lisa die große Spinne wieder gesehen?“, versuchte Isabel die angespannte Lage aufzulockern.
„Nein, ich bin hier“, meldete sich Lisa aus einem der Schlafsäcke in einer Ecke.
„Der Vampir hat sein erstes Opfer geholt!“, flüsterte Otto.
„Last uns nachschauen“, sagte Robert zu mir.
„Sind wir hier zusammen nicht sicherer?“, fragte ich, denn ich war von Natur aus nicht der Mutigste.
„Du musst nicht mitkommen“, sagte Robert, ich gehe alleine. „Wer hält sich in den Zimmern oben auf?“
„Unsere Haushälterin Viktoria. Und meine Tante war heute zu ihr gegangen, ich nehme an, dass sie noch dort ist. Sonst ist ihr Zimmer drei Türen weiter“, gab ich ihm Auskunft.
„Okay, ich gehe jetzt nach oben. Der Schrei kam von dort, so wie ich das einschätze“, sagte Robert und ging Richtung Treppe.
„Ich komme mit“, meinte Otto.
„Ich auch“, hatte ich mich entschieden.
„Nehmt das Kreuz mit!“, ordnete Robert an, „und bleibt dicht hinter mir!“
Also schlichen wir zu Dritt mit einem Kreuz und einem Holzpflock, den Robert noch hatte, bewaffnet, die Treppe hoch. Die anderen waren mäuschenstill. Nur das Knarren der alten Treppenstufen durchbrach ab und zu die Stille und ließ uns zusammenzucken.
Nun standen wir vor der Tür der Haushälterin.
„Alles Okay?“, flüsterte Robert. Wir nickten. Dann drückte er langsam die Türklinke herunter. Die Tür war nicht verschlossen. Robert öffnete sie langsam. Das Licht brannte.
Die Haushälterin lag auf dem Boden, Robert fühlte ihren Puls. "Sie lebt, sie scheint ohnmächtig zu sein", stellte er fest."
„Da liegt Tante Vera!“, rief ich und eilte zu ihr.
„Vorsicht!“, sagte Robert, "Schließe erst das Fenster!"
Robert ging zu Vera und strich den Blusenkragen zur Seite. „Verdammt, seht her, das ist ein Vampirbiss.“
Ein Schauer lief mir über den Rücken, und den anderen ging es wohl genau so.
"Ist sie tot?", fragte ich.
"Ja, der kann niemand mehr helfen!", antwortete Robert und schloss ihre Augen.
„Was ist passiert?“
Erschrocken zuckten wir zusammen.
„Eure Haushälterin kommt zu sich!“, stellte Otto fest.
„Viktoria? Hallo, hören sie mich?“, sprach ich sie laut an.
„Wer ist da?“, fragte sie.
„Ich bin es, Tim, was ist hier geschehen, können sie sich erinnern?"
„Wir haben uns gedutzt und darauf angestoßen. Wo ist Vera denn? Vera!“, rief Viktoria.
„Sie steht unter Schock und außerdem hat sie wohl etwas zu viel Wein getrunken“, stellte Robert fest mit einem Blick auf die Weinflaschen.
„Wir müssen einen Krankenwagen und die Polizei anrufen“, sagte Otto.
„Ja, machst du das?“, fragte ich ihn. Otto griff zum Handy.
„Wir müssen den Holzpflock in das Herz deiner Tante stoßen, sonst erwacht sie womöglich als Vampir!“, schockte Robert uns.
„Wie willst du das der Polizei erklären?“, fragte ich, „die werden dich des Mordes beschuldigen, lass das lieber sein."
„Erkläre der Polizei mal, dass es ein Vampir war, der deine Tante getötet hat. Die glauben dann, du hättest einen an der Waffel. Und wenn du dann noch erzählst, die waren auf unserer Party, packen die dich in eine Gummizelle“, stellte Otto fest.
„Hallo!“, hörte ich Isabel auf der Treppe.
Ich ging zur Tür. „Vera ist tot, vom Vampir getötet“, erklärte ich ihr. Sie war sichtlich geschockt.
„Und Viktoria?“, fragte sie zitternd.
„Sie war ohnmächtig und ist vorhin wieder aufgewacht. Sie steht wohl unter Schock, sie erinnert sich nicht an das Geschehen. Otto hat die Polizei und einen Krankenwagen angerufen. Eine doofe Angewohnheit von Vera, immer das Fenster offen zu haben", sagte ich.
"Hätten wir sie warnen müssen?", fragte Otto.
"Die hätte uns doch nie geglaubt, sie hätte uns höchstens wieder rausgeschmissen, so wie die drauf war", antwortete Isabel.
"Lasst uns runter gehen, die anderen möchten sicher wissen, was passiert ist", sagte Robert.
Aus der Ferne hörten wir die Sirenen der Polizei.
Fortsetzung folgt...
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