Samstag, 18. Januar 2014
4. Fortsetzung: Vampire (MIT ISABEL U. TIM)
Vampire
„Warum wollen deine Eltern nicht in diesem Anwesen wohnen? Das ist doch super hier“, fragte mich Eric.
„Meine Mutter würde gerne hier wohnen, aber meine Vater lebt gerne in der Großstadt. Ihm ist dieses Haus zu groß“, antwortete ich. „Aber wie schon erzählt, Isabel und ich möchten hier gerne bleiben. Ich spiele zum Beispiel gerne Schlagzeug, da kann ich hier laut sein, das störte nur Vera. Obwohl ich in den hinteren Raum ganz oben spielte. Normaler Weise konnte sie gar nichts hören, aber sie hatte immer etwas zu Meckern. Mein Vater meint ,dass das Haus nur viel Geld frisst. Das kann ich mir auch vorstellen. Aber unsere Mutter will es auf keinen Fall verkaufen, sie ist hier aufgewachsen und es ist schon lange im Besitz unserer Vorfahren.“
„Und das Hotel mit den Pferden und Ponys, gehört euch das auch?“, wollte Erwin wissen.
„Ja, Veras Exmann leitet das zur Zeit. Der ist unheimlich nett. Ich verstehe gar nicht, warum er Vera überhaupt geheiratet hat. Vielleicht war sie, als sie jünger war, anders. Egal, er hat sich getrennt und unsere Mutter hat ihn gefragt, ob er das Hotel weiter führen möchte. Vorher hatte er es mit Vera geführt, aber er wollte es nur noch alleine leiten oder er wäre sonst gegangen. Kann ich nachvollziehen. Er kann unheimlich gut mit Pferden umgehen. Wir nehmen demnächst bei ihm Reitunterricht.“
„Habt ihr es gut!“, stellte Eric fest.
„Es ist nicht alles Gold was glänzt“, antwortete ich.
„Ihr habt sogar Vampire! Wer hat die schon?“, scherzte Robert.
„Wir haben eine große Bibliothek, in der befinden sich uralte Bücher, auch über Vampire“, sagte ich.
„Das sagst du jetzt erst? Ich liebe alte Bücher. Vielleicht finden wir noch etwas über Vampire, was wir im Verein noch nicht wissen“, sagte Robert ganz aufgeregt. „Können wir da rein gehen?“
„Klar, warum nicht!“, entgegnete ich und wir machten uns auf, den Geheimnissen der Vampire auf die Spur zu kommen.
„Mein Gott!“, ganz ehrfürchtig stand Robert im Raum und ließ die Menge der Bücher auf sich wirken. „Wisst ihr eigentlich, was für Schätze ihr hier verborgen haltet?“, meinte er nach einer längeren Zeit, als er manche Bücher näher betrachtet hatte.
„Ich glaub schon, wenigstens meine Mutter, sie hat uns erzählt, wie oft sie von klein auf hier in der Bibliothek war. Ich glaube diese Vorliebe habe ich von ihr geerbt. Ich stöbere hier auch oft herum.“
„Was gäbe ich dafür, hier zu leben!“, schwärmte Robert.
„Kannst du haben!“, antwortete ich, es sind doch Ferien. Wer möchte hier Urlaub machen?“
„Das wäre der Hammer!“, rief Robert begeistert aus.
„Aber eure Haushaltsangestellte wird uns zum Teufel jagen!“, meinte Eric.
„Glaube ich nicht. Erstens liebt sie diesen Job. Sie ist schon so lange hier. Und zweitens wird sie sich sicherer fühlen, je mehr Personen hier wohnen. Und drittens, sie mag junge Leute. Sie war mal verheiratet, aber der Mann hat sich aus dem Staub gemacht und sie hat drei Kinder alleine groß ziehen müssen. Da kam ihr diese Stelle gerade recht, da sie hier mit den Kindern wohnen konnte. Inzwischen sind die Kinder erwachsen und in alle Winde verstreut. Sie kommen selten zu Besuch. Darum war sie ganz begeistert, als Isabel und ich hier einzogen.“
„Das wäre wunderbar, einen schöneren Urlaub kann ich mir nicht vorstellen.!“, sagte Robert.
„Wo steckt ihr? Haben euch die Vampire gekrallt!“, hörte ich Isabel auf der Treppe rufen.
„Hier sind wir, wir besichtigen gerade die Bibliothek!“, rief ich ihre zu. „Kommt mal hoch! Ist Lisa auch zurück?“
„Ja, sie hat allerhand Knoblauch bekommen. Wir haben den Wagen schon ausgeräumt. Und unsere Holzpflöcke sind auch fertig, ich hoffe, dass sie reichen. Lisa kocht für uns alle Essen. Finde ich echt toll. Ich wollte ihr helfen, aber ich soll mich lieber um die Vampire kümmern. Übrigens hat Lisa zehn Flaschen Ketchup mitgebracht!“, rief Isabel. „Ich sage Otto Bescheid, dann kommen wir auch.“ Nach einiger Zeit kamen die beiden in die Bibliothek.
„Wir haben den Knoblauch aufgehangen“, teilten sie uns mit.
„Ist ja Wahnsinn“, meinte Otto, als er die Bibliothek betrat.
„Hier sind ganz alte Bücher über Vampire!“, sagte Robert begeistert. Die nächste halbe Stunde beschäftigten wir uns mit den Büchern über Vampire, als plötzlich ein lauter Gong die Stille durchbrach.
„Essen ist fertig“, klärte Isabel unsere Gäste auf, „Lisa wollte Tomatensuppe, Pizza und Salat machen.“ Das ließen wir uns nicht zweimal sagen und rissen uns von unserer Lektüre los. Als wir die knarrende Treppe runter liefen, meinte Eric: „Tomatensuppe passt doch gut zum Thema ....“
„Vampire !“, wurde er von einer mir bekannter Stimme unterbrochen.
Am Ende der Treppe stand Viola. „Darf ich mit essen?“, fragte sie, „ich möchte euch etwas erklären.“
„Wenn du uns zum Nachtisch nicht beißt!“, antwortete ich spontan und bereute sofort meine Einladung.
„Vor mir braucht ihr keine Angst haben. Ich trinke schon mindestens seit zwanzig Jahren kein Menschenblut. Tomatensuppe esse ich unheimlich gerne“, versuchte Viola uns zu beruhigen.
„Lisa wird sich freuen!“, meinte Erwin.
„Ja, ich habe gerade Freundschaft mit ihr geschlossen, sie hat mir sogar ein Glas Tomatenketchup angeboten. Übrigens hat sie ganz viel auf Vorrat gekauft. Sie wollte mich damit besänftigen, falls ich noch mal auftauchte. Ich konnte sie aber überzeugen, dass ich ganz harmlos bin, auch ohne Ketchup,“ erzählte Viola.
„Ja, dann guten Appetit!“, sagte Robert und wir gingen ins Esszimmer, wo Lisa schon gedeckt hatte und auf uns wartete.
„Ich wusste gar nicht, dass du so mutig bist und dich mit einem Vampir anfreundest.“ Sagte Isabel zu Lisa.
„Ich habe sie hiermit in Schach gehalten!“, entgegnete Lisa und zog hinter ihrem Rücken einen Holzpflock in einer und ein großes Kreuz in der anderen Hand hervor.“
„Muss das schon wieder sein?“, fragte Viola und verzog sich ein Stück.
„Sicher ist sicher“, meinte Lisa und lachte, legte die beiden Gegenstände auf einen Stuhl, legte ein Kissen darüber und setzte sich darauf. „Guten Appetit!“, wünschte sie.
„Danke, gleichfalls“, meinte Viola und setzte sich ziemlich abseits von Lisa.
„Also von Freundschaft zwischen euch kann man wohl doch nicht sprechen“, wandte sich Otto an Lisa und Viola.
„Wir arbeiten daran“, meinte Viola und grinste.
Ich staunte, denn unsere Vampiren aß die Suppe und sogar Pizza und den Salat und es schien ihr zu schmecken. Nach dem Essen servierte uns Lisa einen Cocktail, natürlich ohne Alkohol.
„Du wolltest uns doch was erklären“, wandte ich mich an Viola.
„Das Essen war lecker, Lisa du kannst gut kochen“, stellte Viola fest.
„Das ist uns schon bekannt, aber gibt es noch etwas zu berichten zum Tod von Vera?“, fragte Robert.
„Ja, wo fange ich denn mal an?“, druxte Viola herum. „Also, unsere Familie, Geschwister, Eltern, Großeltern, Tanten und so weiter, wir wohnen auf dem alten Friedhof am See. Uns gefällt es dort sehr gut und wir haben nicht vor, unser neues zuhause zu verlassen.“
„Wie lange wohnt ihr denn schon auf dem Friedhof?“, fragte Robert interessiert.
„Ungefähr drei Jahre,“ entgegnete Viola.
„Sind denn schon mehrere Todesfälle den Vampiren zu zuschreiben? Ich habe bislang noch nichts gehört.“
„Das ist unser Problem“, erklärte Viola. „Einer meiner Brüder hat uns jetzt besucht und beschlossen zu bleiben. Nur er ist der einzige unserer Sippschaft, der Menschenblut trinkt. Alle anderen haben vor Zwanzig Jahren beschlossen, mit dem Morden aufzuhören und wir haben unsere Nahrung umgestellt. Das war Anfangs sehr hart für uns, zwischendurch ketschten wir uns noch ab und zu ein paar Menschen. Aber seit Zehn Jahren trinken wir kein Menschenblut mehr. Wir haben auf Tierblut umgestellt und nach und nach sogar manches Essen der Menschen probiert. Also ich mag das gerne, erst recht alles was Tomaten enthält. Mein Bruder Max ist nicht bereit, seine Nahrung umzustellen!“
„Also können wir uns darauf verlassen, dass nur von einem Vampir Gefahr ausgeht?“, fragte ich.
„Leider nicht, denn es werden neue Vampire dazu kommen. Jedes Mal, wenn mein Bruder einen Menschen beißt, könnte sich der Mensch zum Vampir entwickeln. Und der wird auf Menschenblut stehen. Also werden in kürzester Zeit die Zahl der Vampire, die sich Menschen als Opfer aussuchen, vor Ort sich unheimlich schnell vermehren“, berichtete uns Viola.
„Dir ist klar, das wir versuchn die Vampire zu töten, also auch deinen Bruder“, sagte Robert.
Fortsetzung folgt...
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