Gestern flogen hunderte von Kraniche über unser Grundstück. Sie flogen unheimlich tief, es war ein wunderschönes Schauspiel. Ich hatte leider keinen Fotoapparat zur Hand.
Mittwoch, 30. Oktober 2019
Dienstag, 24. September 2019
Samstag, 18. Mai 2019
Wer glaubt mir? Kurzgeschichte
Wer glaubt mir?
Ich sitze an meinem Laptop und mein Blick fällt durchs Fenster in die frühe Nacht. Der volle Mond leuchtet durch die hohe Zeder und lässt die dunklen Äste gespenstisch aussehen.
"Da!", rufe ich meinem Mann zu und zeige in Richtung Baum. "Da bewegt sich etwas im Baum. Es sieht aus wie ein kleines Männchen." Mein Mann sieht nichts und schaut mich etwas mitleidig an. "Geht es dir nicht gut?", fragt er grinsend. "Jetzt siehst du schon kleine Männchen."
"Es sitzt wirklich im Baum, und jetzt klettert es sogar ein Stück herunter und balanciert auf einem Ast."
"Hoffentlich fällt es nicht runter", neckt mein Mann mich und lacht. "Vielleicht kommt es gleich und schellt an der Tür."
"Veralbern kann ich mich selber!", fauche ich und konzentriere mich ganz auf das Männchen.
"Was hat es denn an?", will mein Mann wissen.
"Weiß ich nicht, es ist doch schon zu dunkel, ich sehe nur eine kleine schwarze Gestalt."
""Es ist sicher ein Eichhörnchen", foppt mein Mann mich.
"Ich werde ja wohl noch die Umrisse eines Eichhörnchens von einem kleinen Mann unterscheiden können."Ich fühle mich auf den Arm genommen.
Mein Mann wirft mir einen mitleidigen Blick zu.
"Jetzt kommt eine großer schwarzer Vogel!", rufe ich erschrocken. Er fliegt genau auf das kleine Kerlchen zu! Hoffentlich greift er es nicht an."
Doch der Vogel setzt sich neben das Männchen und breitet die Flügel aus. Das Männchen setzt sich auf den Vogel, winkt mir zu und fliegt mit dem Vogel davon. Ich schau noch lange in die Nacht. Es wird immer finsterer. Der Mond versteckt sich hinter Wolken. Der ganze Spuk hat ein Ende.
Samstag, 2. März 2019
Germeon Fantasyroman Reihe LUX 6. Fortsetzung
Germeon
„Sind
sie jetzt zufrieden, dass sie erreicht haben, was sie wollten?“, fragte sie mich. Es klang nicht vorwurfsvoll, es klang nur unheimlich
traurig. In dem Moment tat sie mir Leid.
„Ich
wünschte, ich könnte es ungeschehen machen. Ich war wie besessen
von dem Gedanken, Rain zu besitzen. Er hat aber auch laufend mit mir
geflirtet. Germeon sagte, dass das so seine Art wäre, er ihnen
aber treu ist. Mich reizte es, herauszufinden, ob ich ihn verführen
konnte. Aber es hatte nicht geklappt. Sie haben ja gesehen, als sie
ins Zimmer kamen, da war nichts gelaufen. Das hatte mich allerdings
noch mehr angeregt, es noch einmal zu versuchen. Ich glaube, jede Frau
würde sich wünschen, von diesem wunderbaren Mann geliebt zu werden.
Ich hatte es das zweite Mal fast geschafft, als er sich auch diesmal
dagegen wehrte. Da habe ich mit einem ganz üblen Mittel gespielt.
Sie hatten gesagt, dass ich ihn an Cira erinnerte. Von Germeon wusste
ich, wie sehr er sie geliebt hatte. Ich habe ihn geküsst und immer
wieder eingeredet, er sollte an Cira denken und wie sehr er sie doch
lieben würde. Irgendwann glaubte er wirklich, ich wäre Cira. Er
rief ihren Namen. Er hat sie nicht mit mir betrogen, sondern im
Gedanken mit Cira. Mir hätte er widerstanden. Er war anschließend
total fertig und begab sich sofort zu ihnen, um sie um Verzeihung zu
bitten. Ich hatte ihm geraten, doch einfach nichts zu sagen. Er
fauchte mich an, er könnte mit der Lüge nicht leben. Und er würde
sie lieben. Er hatte so gehofft, sie würden ihm verzeihen. Ich hatte
den Eindruck, Rain würde sie nie wieder betrügen. Aber jetzt haben
sie ihn praktisch wieder in sein altes Leben hineingeworfen. Er wird
keine Ruhe finden und Abwechselung bei anderen Frauen suchen. Ich
hoffe nur, nicht im Alkohol, denn im Café, wo ich ihn traf, haute er
sich erst einmal am frühen Morgen zwei Whisky rein, weil er wegen
seiner Tochter traurig war. Mein Freund hat mich vor einer Woche
betrogen und hat mich wegen der anderen Frau verlassen. Wir wollten bald
heiraten. Sicher war ich zuerst gekränkt, aber was hätte ich darum
gegeben, wenn er zu mir zurück gekommen wäre. Ich liebe ihn immer
noch. Ich dumme Gans musste ihnen den Mann ausspannen, weil ich nicht
mit meinem Problem fertig werde und anderen nicht das Glück gönnte,
was bei mir zerbrach. Es tut mir wirklich unendlich leid. Aber
glauben sie mir, Rain liebt sie. So einen Mann gibt man doch nicht
freiwillig auf. Übrigens glaubt er, dass ihre Überraschung ein Kind
ist. Ich hörte es, als er Naro alles erzählte. Rain hatte gar
keinen Lebensmut mehr. Naro hatte ihm gut zugeredet, er sollte bloß
keinen Unsinn machen. Rain wollte sein Amt als König ablegen und
sich in so ein Land der schwarzen Magie niederlassen.“ Zara hatte
sich alles angehört, was ich ihr gesagt hatte. Nun schaute sie mich
erschrocken an und fing an zu weinen.
„Ich
erwarte ein Kind!“, sagte sie. „Rain liebt Kinder. Und jetzt
bringt er sich womöglich um. Mit meinem blöden Stolz habe ich ihn
weggejagt. Dabei fehlt er mir jetzt schon. Ich danke ihnen , dass sie
mir die Augen geöffnet haben.“
„Naro, halte Rain auf, er darf nicht fort
fliegen, sonst flieg ihm nach! Bringe ihn zurück!“, rief Zara
„Sie
müssen nicht fort gehen, wandte Zara sich an mich. Ich kann mir
vorstellen, wie mein Mann sie angemacht hat. Ich habe es ja einmal
selber gesehen. Und ich weiß auch wie verführerisch er sein kann.
Die Frauen liegen ihm ja praktisch zu Füßen. Cira hat die gleichen
langen, lockigen Haare wie sie. Nur etwas rötlich. Die Lux mögen
unheimlich Frauen mit langen Haaren. Irgendwann wird er mich auch mit
Cira betrügen. Ich glaube, ich muss mit diesem Problem leben. Die
Frauen machen es ihm zu leicht.“
„Ich
glaube, so schnell schaut der keine andere Frau mehr an, denn er hat
viel zu viel Angst, sie zu verlieren. Rain muss sie unheimlich
lieben!“, stellte ich fest.
„Und
ich jage ihn von dannen, jetzt, wo wir zusammen unser erstes Kind
bekommen. Rain ist ganz vernarrt in Kinder“, antwortete Zara.
„Ja,
das konnte ich in dem Café feststellen, da war so ein kleines
Mädchen. Rain war unheimlich nett zu der Kleinen, obwohl er ganz
schlecht drauf war.“ Zara wurde nervös.
„Hoffentlich
ist Rain noch nicht abgeflogen. Seinen Drachen holt so schnell keiner ein. Komm, wir gehen nach unten in die Halle“, forderte sie mich auf.
„Ist
es nicht besser, wenn ich nicht dabei bin?“, ich schaute sie fragend an.
„Lassen
sie mich bitte nicht alleine. Eigentlich waren sie mir vom Anfang an sehr sympathisch, aber als Rain mit ihnen flirtete, wurde ich
natürlich eifersüchtig. Aber wenn ich Rain verzeihe, dann verzeihe
ich ihnen auch. Warum sagen wir eigentlich nicht du zueinander. Hier
in unserer Welt ist das so üblich. Ich komme auch aus der Welt der
Menschen und spreche fremde Menschen erst mal mit Sie an“, meinte
Zara. Ich schaute sie überrascht an.
„Du bist ein Mensch?“, fragte
ich.
„Ich
glaube, jetzt nur noch ein halber, ein Schlangenmensch.“ Zara musste
lachen., war aber sofort wieder ernst. Und dann kam Rain in die Halle
gestürmt. Wieder fiel er vor Zara auf die Knie und senkte
sein Haupt. Ich fand diese Ehrerbietung etwas übertrieben, aber ich
stellte mir vor, Micha würde das bei mir machen. Wäre doch sicher
ganz romantisch. Rain war immerhin ein König über ein großes Reich
und weit und breit der größte Magier, wie Germeon mir erzählt
hatte. Dennoch erniedrigte er sich vor seiner Frau, egal, ob
irgendwelche Personen dabei waren. Er war auch nicht zu stolz zu
weinen. Und so einen Mann von so einer Größe hätte Zara fast zum
Teufel geschickt.
Zara forderte
Rain auf, sich zu erheben.
"Wie kann ich den Vater meines Kindes
fortschicken. Ich liebe dich und ich vermisse dich jetzt schon. Ich
hatte mir doch geschworen, immer um dich zu kämpfen. Ich werde dir
immer alles verzeihen! Aber ich fühlte mich so verletzt und war zu
stolz, dir zu vergeben. Das wird nie wieder vorkommen! Henriette hat
mir gesagt, dass man einen Mann wie dich nicht freiwillig aufgibt, und
da hat sie Recht.“ Rain nahm Zara in den Arm und küsste sie.
"Ich
danke dir, mein Liebling. Ich will dich nie wieder enttäuschen. Ohne
dich hätte mein Leben keinen Sinn. Du bekommst ein Kind? Du machst
mich unheimlich Glücklich. Eine kleine Jenny, wie deine Schwester“, freute sich Rain.
„Mein König, es
wird vielleicht ein Junge!“, machte Zara die kleine Jenny nach. Sie
mussten beide lachen.
„Lass uns nach
oben gehen!“, schlug Rain vor, doch Naro kam in die Halle und teilte
Rain und Zara mit, dass sie Besuch bekämen.
„Cira und Benjamin
sind soeben mit ihrem Drachen gelandet.“
„Cira hat mir noch
gerade gefehlt“, stöhnte Zara und sie schaute mich an. „Jetzt
wirst du die Hexe persönlich kennenlernen! Rains große Liebe!“
„Zara, nur du bist meine große Liebe. Ich werde
nie wieder einer anderen Frau schöne Augen machen!“
„Du verführst die
Frauen auch mit geschlossenen Augen!“, hörten wir jemanden rufen.
Ich vermutete, dass es Cira war, die die Halle betrat und Rains Worte
wohl noch gehört hatte. Teufel noch mal, war das eine hübsche junge
Frau. Ihre rotblondes gelocktes Haar reichte ihr fast bis zur Hüfte.
Sie trug einen Minirock und ihr Top war auch nur ein knapper
Stofffetzen. Sie hatte unheimlich hübsche Beine. Ich konnte Rain
verstehen, dass ihm diese Frau im Kopf herumspukte. So sahen also in
diese Welt Hexen aus. Ich kannte nur die hässlichen alten Hexen aus
den Märchenbüchern.
„Hast du jetzt
Geschmack am Drachenfliegen gefunden?“, fragt Zara.
„Ja, himmlisch.
Ich habe mir auf diesem Flug erst mal die Landschaft angeschaut. Das letzte Mal hatte ich ja noch so viel Angst. Wir haben meinen Vater
und Mira wieder mitgebracht. Ich dachte, wenn wir euch besuchen, freut ihr euch sicher, wenn sie mit kommen.“
„Das ist sehr nett
von euch“, Zara begrüßte sie mit einer leichten
Umarmung. Cira blieb vor mir stehen. Zara machte uns miteinander
bekannt.
„Sie haben
wunderschöne Haare!“, stellte Cira fest. „Damit können sie den
König der Lux begeistern!“ Es hörte sich etwas
zynisch an. Sie drehte sich um und schaute Rain lächelnd an.
„Hallo,
Rain!“, begrüßte sie ihn.
„Cira!“, sagte
er kühl und deutete eine kleine Verbeugung an. „Schön dass ihr
gekommen seid!“ Inzwischen waren noch drei Personen hereingekommen.
Sie wurden von Zara und Rain herzlich begrüßt und mir vorgestellt.
Es waren Benjamin, der Verlobte von Cira, der unheimlich Ähnlichkeit
mit Rain hatte, nur wesentlich jünger war. Benjamins Mutter Mira und
Ciras Vater. Ria forderte alle auf, ins Esszimmer zu gehen. Auch Naro
und sein Vater gesellten sich zu uns. Außerdem noch einige Schlangenmenschen und Lux. Rain hatte nur noch Augen für
seine Frau. Er schaute weder Cira noch mich an. Manche spitze
Bemerkungen von Cira überhörte er einfach. Es wurde ein
wundervolles Abendessen aufgetischt mit einem herrlichen Wein. Rain
stand auf und goss sich einen Whisky ein, den er sofort
herunterkippte. Den zweiten nahm er mit zum Tisch. Ich beobachtete
Rain. So locker wie er sich gab, war er meiner Meinung nach nicht.
Sicher machte ihm das Verschwinden seiner Tochter zu schaffen. Aber
was hatte Germeon verbrochen, dass Rain ihn töten wollte. Er hatte
ihn einen Verräter genannt. Ich wollte Germeon bei den Weiden
abfangen und ihn warnen, aber Zara hatte mich ja aufgehalten und nun
saß ich hier am Esstisch. Aber Germeon war doch sein Neffe, den
konnte Rain doch nicht einfach töten. In was für eine Welt war ich
nur geraten. Gab es denn hier keine Gerichte und Verteidiger? Während
ich noch darüber nachdachte ging die Tür auf und Germeon kam
herein.
„Hallo, zusammen!“, begrüßte er alle gut gelaunt und wollte auf mich zukommen. Ich
schaute unwillkürlich auf Rain. Der erhob sich so schnell, dass sein
Stuhl krachend nach hinten kippte. Alle erschraken und auch Germeon
blieb ebenfalls erschrocken stehen. Alle starrten Rain an. Dem seine
Gesichtszüge waren wie versteinert. Sein Blick war düster. Er
ergriff seinem goldenen Stab, welcher am Gürtel hing. Inzwischen
hatte ich erfahren, dass es sich um Zauberstäbe handelte , die die
meisten Personen immer griffbereit mit sich führten. Warum zog
Germeon nicht seinen Zauberstab, um sich eventuell zu verteidigen.
Aber dann viel mir ein, dass er mir erzählt hatte, dass er gegen
Rain keine Chance hatte.
„Wie kannst du es
wagen, mir noch unter die Augen zu treten? Rain erhob den Stab und
richtete ihn auf Germeon. Dieser flog gegen die Wand des Raumes. Und
dir elende Ratte habe ich vertraut.“ Rain ging auf Germeon zu.
„Er hat mich unter
Druck gesetzt. Er wollte mich töten!“, versuchte Germeon sich zu
rechtfertigen. „Und was glaubst du, was ich jetzt mit dir mache?“,
fragte Rain zornig und erhob den Zauberstab erneut.
„Rain, bitte lass
ihn gehen! Du willst doch nicht deinen Neffen töten?“, versuchte
Zara ihn umzustimmen. Sie stand auf und legte ihre Hand auf seinen
Arm.
„Du weißt, er hat
es verdient!“, sagte Rain und sein Ton duldete keinen Widerspruch.
„Geh voraus, befahl er Germeon."
„Bitte, mein König,
habe Erbarmen!“, wandte dieser sich an Rain.
„Hattest du
Erbarmen, als du meine Tochter entführtest? Glaubtest du wirklich,
wir kommen dir nicht auf die Schliche? Du hast dich mit deinem
Urgroßvater eingelassen, weil du machthungrig bist und nicht weil er
dich töten wollte. Er hat einen neuen Handlanger gebraucht, weil
mein Zwillingsbruder ihn noch rechtzeitig verlassen hat und er mit
mir nicht rechnen konnte. Was wurde dir versprochen? Das du der
zukünftige schwarze Magier bist und das Land der dunklen Mächte dir
gehören wird? Du Schwachkopf. Die dunklen Mächte sind besiegt. Das
Land gehört mir, denn ich bin der schwarze Magier, falls du das noch
nicht mitbekommen hast. Ich werde meinen Großvater finden und wenn
er dem Mädchen auch nur ein Haar gekrümmt hat, werde ich dich
töten. Egal wo du bist, ich werde dich immer finden. Mach das du raus kommst! Nur
um Zaras Willen verschone ich dich im Moment.“ Germeon verließ das
Zimmer. Man hörte ein Aufatmen im Raum. Rain nahm seine Frau in den
Arm. „Du darfst dich nicht aufregen in deinem Zustand!“, sagte er
sanft zu ihr. „Du hast es doch selber gehört, als ich heute die
Wahrheit über Germeon erfuhr. Hat er keine Strafe verdient?“
„Aber nicht gleich
den Tod!“, entgegnete sie und setzte sich wieder.
„Entschuldigt
bitte den kleinen Zwischenfall! Er war im heutigen Abendprogramm
nicht eingeplant. Ich wünsche euch weiterhin einen guten Appetit Es
hat ja keinen Toten gegeben!“, sagte Rain zu seinen Gästen und
brachte ein gequältes Lächeln hervor. Allmählich kam wieder Leben
in die Anwesenden, denn sie hatten wie erstarrt dagesessen.
„Ich kann euch
etwas Erfreuliches mitteilen, ich bekomme ein Kind, das heißt, Zara
bekommt das Kind, aber es ist auch meins.“ Rain schien noch etwas
durcheinander zu sein. Alle machten den Eindruck, als hätten sie den
Vorfall mit Germeon verdrängt. Sie freuten sich mit Zara und Rain.
Nur die Hexe schaute etwas verdrießlich rein. Immerhin bekam sie ja
auch ein Kind von Rain, wie Germeon mir erzählt hatte. Ich staunte,
wie schnell Rain sich verändern konnte. Ich habe es ja heute schon
öfters erlebt. Jetzt war er wieder locker und sprach mit allen, als
wenn gar nichts vorgefallen wäre. Dabei hätte er vor ein paar
Minuten fast seinen Neffen umgebracht. Mir lief ein kalter Schauer
über den Rücken. Wie konnte ich mich mit dem überhaupt einlassen.
Der ist ja unberechenbar. Die einzige Person, die auf ihn Einfluss
nehmen konnte schien Zara zu sein.
Ende
Copyrigth by Helga Pikulik
Mittwoch, 13. Februar 2019
Germeon Fantasyroman 5. Fortsetzung Reihe LUX
Germeon
„Du
bist auch wundervoll!“, er zog mich näher zu sich und sein Gesicht
kam meinem ganz nahe. Unsere Wangen berührten sich kaum, aber es
verursachte in mir eine Unruhe, die ich zu unterdrücken versuchte.
Er sollte nicht merken, welch eine Wirkung er auf mich ausübte. Ich
versuchte ihn von mir zu schieben, aber er merkte, dass ich es nur
mit halber Kraft tat. Seine Lippen berührten sacht meine Haut. Mein
Herz klopfte laut, es war nicht mehr zu unterdrücken und ich
wünschte mir nur noch, dass er mich küsste. Unsere Lippen fanden
sich und er küsste mich zärtlich. Ich erwiderte seine Küsse und
sie wurden immer heißer und verlangender. Er ließ sich aufs Bett
fallen und zog mich dabei auf sich. Die Zeit stand für mich still.
Ich wollte nur noch diesen Augenblick genießen und ich wünschte mir, er ginge nie vorbei. Noch nie hatte mich ein Mann so leidenschaftlich
geküsst. Ich war zu allem bereit. Er zog mir mein T-shirt aus und
streichelte meinen Körper und küsste ihn. Doch Rain hörte
plötzlich auf mich zu küssen und vergrub sein Gesicht in meine
Haare.
„Wir
dürfen das nicht!“, hörte ich ihn sagen. Mir wurde bewusst, auf
was ich mich hier gerade einließ.Ich dachte an Germeon. Heute hatte
ich ihn erst kennengelernt, und schon hätte ich ihn fast mit seinem
Onkel betrogen, hätte Rain nicht gestoppt. Aber ich wollte, dass
Rain mich liebte. Ich hatte kein schlechtes Gewissen, ich spürte
immer noch die heißen Küsse auf meinem Mund. Ich streichelte Rains
schwarzes Haar. Es fühlte sich seidig an. Ich wollte ihn küssen. Er
schaute mich an und ich sah so viel Liebe in seinen Augen. Wie sollte
dieser Mann böse sein. Aber dann viel mir ein, wie schnell er sich
im Café von einer Minute auf die andere verändert hatte und zum
Fürchten aussah. Ich bekam plötzlich Angst vor ihm und erhob mich
und ging zum Fenster um Abstand zu gewinnen. Rain saß auf dem Bett
und sagte nichts. Eine beunruhigende Stille lag im Raum. Meine
Gefühle spielten Karussell. Einerseits kam er mir unheimlich vor,
andererseits ginge ich am Liebsten zu ihm, um zu versuchen, ihn zu
verführen. Ich hatte doch gemerkt, er wollte es auch. Wieso hatte er
mit einem Male Bedenken? Ein Mann, der schon so viele Frauen verführt
hatte. Ein Klopfen an der Tür schreckte uns beide auf. Schnell zog
ich mein T-shirt über, welches Rain mir ausgezogen hatte.
„Darf
ich hereinkommen?“, hörte ich Zara fragen.
„Ja,
sicher“, antwortete ich, aber so sicher war ich mir gar nicht. Rain
saß immer noch auf dem Bett als Zara herein kam. Sein Haar war etwas
zerzaust und die Bettdecke total verrutscht. Sie überblickte die
Situation. Ich wollte ihr sagen, dass nichts passiert war, aber mir
blieben die Worte im Hals stecken. Zara ging auf Rain zu und der
erhob sich endlich. Sie schaute ihn eine Weile an. Rain legte seinen
Arm um sie und drückte sie an sich.
„Ich
liebe dich!“, flüsterte er. „Ich weiß!“, antwortete sie leise.
Ich wäre mal wieder am Liebsten im
Erdboden versunken. Mir viel ein, dass Germeon mir erzählt hatte,
Rain habe bestimmte Fähigkeiten. Vielleicht hatte er geahnt, dass
Zara kam und hatte darum unser Zusammensein unterbrochen. Eventuell
ergibt sich noch einmal eine Gelegenheit, bevor ich wieder nach
hause fahre. Ich war mir plötzlich im Klaren, dass das mit Germeon
doch nicht die große Liebe war. Da gab es noch stärkere Gefühle,
das hatte Rain mir gezeigt. Wie gerne wäre ich jetzt an Zaras
Stelle, denn Rain hielt sie immer noch im Arm. Ich musste mich selber
über mich wundern wie abgebrüht ich war. Ich nahm mir jetzt schon
vor, mit Rain bei der nächsten Gelegenheit zu schlafen. Ich
entdeckte eine ganz neue Seite an mir. Es konnte daran liegen, dass
Micha mich vor ein paar Tagen wegen einer anderen verlassen hatte.
Ich hatte die Zwei in meinem Schlafzimmer überrascht. Dabei wollten
Micha und ich in einem Monat heiraten. Ich glaube, darum habe ich
mich sofort an Germeon gehangen. Ich suchte Trost und meinte es wäre
die große Liebe. Ich konnte Zara verstehen, dass sie sich gleich
Rain geschnappt hatte, obwohl er viel älter war. So einen Mann lässt
man nicht laufe, wenn man ihn bekommen konnte. Und jetzt wollte ich
ihn, wenigstens für eine Nacht. Aber er wäre Zara treu, hatte
Germeon gesagt. Das werden wir dann feststellen. Seine Treue war
vorhin schon gefährdet. Zara und Rain kamen auf mich zu. Und setzten
sich an den kleinen Tisch der mit den wertvoll bestickten Sesseln in
dem Zimmer stand. Rain forderte mich auf, mich zu setzen. Seine
liebevollen Augen von vorhin waren jetzt kühl. Nichts ließ mehr
darauf schließen, dass er mich vielleicht mochte. Ich war nur ein
Spielball in seinen Händen. Ihn lockte das Abenteuer. Er hatte
garantiert gewusst, dass seine Frau nachkam. Es hatte ihn gereizt, so
knapp vorher mich zu verführen .Genau wie er mich immer in Germeons
Nähe anmachte. Vermutete ich jetzt. Aber das war mir egal, ich
wollte diesen Mann. Ich warf ihm meinen verführerischsten Blick zu,
den ich hatte. Es wirkte, allerdings hauptsächlich auf Zara. Sie
schaute mich böse an. Eigentlich mochte ich sie ja, aber es ging um
Rain. Ich schob meinen Sessel ziemlich dicht zu ihm hin und setzte
mich und wandte mich erwartungsvoll ihm zu. Er schaute mich kurz an
und wer sagt es denn, sein kühler Blick fing zu schmelzen an.
„Wir
wollen mit dir reden“, fing Rain das Gespräch an und seine Augen
wanderten immer wieder zu mir. Ich spielte mit meinen Locken, denn es
war mir öfters aufgefallen, dass er irgendwie vernarrt in meinem
Haar war.
„Was ich sagen wollte“, er war echt irritiert und sein
Augen hingen an meinem Mund, den ich etwas öffnete und mit meine
Zungenspitze langsam meine obere Lippe befeuchte. Sein Blick
wanderte meinen Hals entlang und blieb an meinem Ausschnitt hängen.
Zara holte tief Luft. Ich glaube sie war kurz vor dem Explodieren.
Doch sie blieb ruhig und verfolgte das Spielchen. Rain stand auf.
Sein Hemd war immer noch offen und sein muskulöser Oberkörper kam
zum Vorschein. Dieser Mann war so sexy.
„Rain,
ziehe dich erst mal an, sonst machst du deinen Besuch noch ganz
verrückt!“, sagte Zara ziemlich gelassen. Rain stutzte. Dann viel
ihm das Hemd auf. Er knöpfte es zu und versuchte es einigermaßen in
die Hose zu stopfen. Er fuhr sich mit den Händen durch die Haare und
band sie hinten zusammen. Es klopfte an der Tür und ein junger Mann
kam auf Zara zu und sagte ihr etwas in einer Sprache, die ich nicht
verstand.
„Ich
muss euch leider alleine lassen“, sagte sie. „Aber ich glaube,
es wird euch ohne mich nicht langweilig.“ Sie ging auf Rain zu und
küsste ihn. „Ich habe nachher noch eine Überraschung für dich,
ich glaube, die wird dich sehr freuen. Mach nicht alles kaputt
zwischen uns! Ich weiß, sie erinnert dich stark an Cira, aber sie
ist eine Fremde.“ Zara drehte sich um und verließ mit dem
gutaussehenden Mann das Zimmer. Ich konnte es fast nicht glauben. Sie
ließ mich mit ihrem Mann alleine, obwohl sie uns vorhin fast
zusammen erwischt hatte. Ich erinnerte Rain an Cira. Das war doch die
Hexe, die Rain immer noch liebte, so wie Germeon mir berichtet hatte.
Dann hatte ich ja ein leichteres Spiel. Ich stand auf und ging
auf Rain zu.
„Was
wolltest du mir sagen?“, flüsterte ich und streichelte seinen
Körper. Ich
wollte dich vor Germeon warnen“, antwortete er und wich zurück.
Doch ich schmiegte mich an ihn.
„Das hattest du doch heute schon
gedanklich gemacht. Ich glaube, ich müsste eher vor dir gewarnt
werde“, erwiderte ich leise und küsste seinen Oberkörper, denn
die Hemdknöpfe hatte ich schon wieder geöffnet.
„Henriette,
sei vernünftig. Er nahm meine Hände und wollte mich von sich
schieben. Aber ich küsste ihn auf den Mund und schmiegte mich eng an
ihn. Er ließ meine Hände los und umarmte mich und erwiderte meine
Küsse. Ich zog ihn immer weiter zum Bett.
„Wir
dürfen das nicht!“ sagte er und küsste mich aber weiter.
„Gerade
Verbotenes reizt doch“, antwortete ich. Ich spürte sein Verlangen
mich zu lieben. Aber ich merkte auch, dass er sich mit Macht dagegen
werte.
„Denke
an Cira. Du liebst sie doch so sehr! Du träumst von ihr. Du brennst
vor Verlangen nach ihr“, rief ich ihm Cira ins Gedächtnis und
küsste ihn. Er vergaß alles um sich herum und liebte mich. Er
nannte mich Cira, aber das war mir egal. Ich hatte es geschafft, von
ihm geliebt zu werden und es war wunderschön. Ich lag erschöpft
aber glücklich neben ihm. Er vergrub sein Gesicht in meinen Haaren.
„Was haben wir getan“, sagte er. „Ich habe Zara betrogen.“
„Sie
wird es verkraften, sie kann sich glücklich schätzen, dich als Mann
zu haben. Du kannst doch jede Frau bekommen, die du willst.“ Er
schaute mich an.
„Du
bist eiskalt! Du hast es direkt darauf angelegt, mit mir im Bett zu
landen. Als du merktest, dass ich mich dagegen wehrte, hast du mich
an Cira erinnert. Du wusstest, dass ich sie über alles liebe.“
Rain stand auf und zog sich schnell an.
„Ich
muss sofort zu Zara!“ sagte er mehr zu sich selber.
Ich
schlüpfte ebenfalls in meine Kleidung. „Sie braucht es doch gar
nicht erfahren“, versuchte ich ihn zu beruhigen.
„Soll
ich mit einer Lüge mit ihr leben?“, fauchte er mich an.
„Du
wolltest mir doch noch über Germeon etwas sagen“, versuchte ich
ihn abzulenken.
„Interessiert
nicht mehr. Wenn er mir unter die Augen kommt, bringe ich ihn um!“ entgegnete Rain zornig und begab sich zur Tür. Ich versuchte ihn
aufzuhalten.
„Hat
dir das mit uns denn gar nichts bedeutet?“, ich legte meine Hand auf
seine Schulter.
„Fass
mich nie wieder an!“, sagte er wütend und seine Augen waren fast
schwarz und sein Blick eiskalt. Ich ließ ihn sofort los, denn ich
hatte Angst vor ihm. Da war wieder die Veränderung wie im Café. Rain war wieder ein ganz anderer Mensch.
Ach, er war ja kein Mensch. Dann eben ein anderer Lux. Rain lief die
Treppen hinunter in die große Eingangshalle und fragte einen Diener, wo er Zara finden könnte. Der wies auf eine Tür, die sich in dem
Moment öffnete und mehrere Schlangenmenschen und Zara kamen aus
einem Raum. Zara ging lächelnd auf Rain zu.
„Ich
muss dich unbedingt sprechen“, hörte ich Rain sagen. So ein
Dummkopf, fand ich. Zara schien doch gut drauf zu sein. Sie ist so
jung, wer sagt ihm denn, dass sie ihn nicht auch betrügt. Zum
Beispiel mit dem junge Mann, der sie aus meinem Zimmer holte. Ich
fand, sie gingen sehr vertraut mit einander um.
„Du
willst die Überraschung wissen?“, sie lachte. Ich versteckte mich
hinter einer der großen Säulen.
„Zara,
ich muss dir was sagen“, ungeachtet der anderen Personen in der
Halle, die jedoch ziemlich abseits standen, kniete Rain vor Zara
nieder.
„Bitte
verzeihe mir. Ich bereue es. Es wird nie wieder vorkommen!“ Zara
wusste gleich, was Rain meinte und ihr Gesicht wurde traurig und sie
schaute in die Richtung, wo ich hinter der Säule stand und
vorsichtig von dort das Geschehen beobachtete. Sie konnte mich nicht
gesehen haben. Anscheinend sind die hier allwissend.
„Rain
ich hatte dich gewarnt! Jetzt ist die Überraschung überflüssig.
Ich möchte, dass du mein Land verlässt und dich hier nicht wieder
blicken lässt“, Zara wischte sich Tränen aus den Augen. „Ich
hatte dich so geliebt, aber du hast nichts Besseres zu tun, als mit
der Fremden, sobald ich dir den Rücken kehrte, mich zu betrügen.
Wegen der Scheidung hörst du von mir.“
„Zara,
ich liebe dich!“, versicherte Rain ihr und war aufgestanden und
versuchte sie festzuhalten.
„Das
glaube ich dir sogar. Aber ich sehe, du hast dich nicht geändert.
Wenn ich dir jetzt verzeihen würde, würdest du mich mit der
Nächsten betrügen. Ich kann so nicht mit dir leben. Was willst du
mir noch alles zumuten. Das Kind, welches Cira von dir bekommt. Cira,
die du mehr liebst als mich. Dein Leben mit der schwarzen Magie. Sie
hat dich so zum Nachteil verändert. Pass auf, dass sie dich nicht
bald ganz beherrscht. Lebe wohl Rain.“ Zara drehte sich um und ließ
Rain einfach stehen. Der junge Mann, der Zara abgeholt hatte, ging
jetzt auf Rain zu und legte freundschaftlich seinen Arm um ihn.
„Das
wird schon wieder, Zara liebt dich über alles“, versuchte er Rain
zu trösten. Rain legte einen Moment seinen Kopf auf die Schulter des
Mannes.
„Nein,
das ist vorbei. Zara ist eine stolze Frau. Sie wird mir nie verzeihen
Ich liebe sie so sehr. Ich will ohne sie nicht mehr leben. Sie hatte
eine Überraschung für mich. Ich glaube, sie erwartet ein Kind. Unser
Glück wäre perfekt gewesen. Ich habe alles verspielt für ein paar
Minuten Vergnügen mit einer Fremden, die mich an Cira erinnerte. Sie
hat mir immer wieder gesagt, ich soll an Cira denken. Sie muss von
Germeon gewusst haben, dass ich Cira sehr geliebt habe. Ich hatte mich
nicht mehr unter Kontrolle. Ich hatte mir vorgestellt, die fremde
wäre Cira. Diese lockigen blonden Haare. Sie haben mich so an sie
erinnert. Warum hat Zara mich mit dieser Frau alleine gelassen. Sie
hat mich auf eine zu harte Probe gestellt und ich habe verloren. Ich
habe alles verloren! Naro passe bitte auf Zara auf! Wenn du Germeon
siehst, töte ihn für mich. Er ist ein Verräter, hat man heute
erfahren.“
„Er
ist dein Neffe!“, sagte Naro erschrocken.
„Nein,
er ist nicht mehr mein Neffe. Wenn er mir unter die Augen kommt,
werde ich ihn eigenhändig töten! Berichte mir bitte laufend, wie es
Zara geht. Wenn sie sich scheiden lässt, werde ich mein Amt ablegen
und mich ins Land der schwarzen Magie zurückziehen. Lebe wohl!“
„Rain, du weißt, wie gefährlich das für dich ist. Denke an deine Kinder!
Das Jüngste ist noch so klein.“
„Es
ist bei Betty gut aufgehoben. Die sind alle gut aufgehoben, die
brauchen mich nicht!“, antwortete Rain und ging. Er wischte sich die
Augen. Er hatte geweint. Ich kam mir so mies vor. Ich hatte gerade
das Glück zweier Menschen zerstört, nur weil ich diesen Mann so
begehrte. Ich habe nur an mich gedacht. Ich habe Zara Rain nicht
gegönnt. Weil ich wegen Micha enttäuscht war, sollte es Anderen
auch nicht besser gehen. Was war nur in mich gefahren. Mir fiel ein,
dass Rain Germeon töten oder töten lassen wollte. Vielleicht wollte
er sich dadurch an mir rächen. Quatsch, er wollte mich schon vorher
vor Germeon warnen. Er wäre ein Verräter, hatte Rain zu diesem Naro
gesagt. Das konnte ich mir nicht vorstellen. Germeon war dem Rain ja so
untergeben, der würde ihn nie verraten oder sonst etwas gegen ihn
unternehmen. Ich musste Germeon warnen. Außerdem war er der einzige,
den ich hier in der fremden Welt noch hatte. Das mit Rain und mir
werde ich ihm natürlich nicht erzählen. Das war auch blöd von
Rain, freiwillig Zara alles zu beichten. Hätte er den Mund gehalten
und so getan, als wäre alles paletti, wäre er jetzt noch glücklich.
Darum brauchte ich mir keine Gewissensbisse machen. Immerhin hatte
Rain sein Vergnügen gehabt. Warum hatte er mich immer so angemacht.
Er hatte selber Schuld. Ich begab mich auf den Weg in mein Zimmer, um
meine Sachen einzupacken. Kurz vor der Tür traf ich auf Zara.
Fortsetzung folgt...
Copyright by Helga Pikulik
Mittwoch, 6. Februar 2019
Germeon 4. Fortsetzung Fantasyroman Reihe LUX
Germeon
Wir
fuhren mit einem Taxi zu Germeons Urgroßmutter. Sie war eine stattliche ältere Dame. Ich hatte sie öfters
im Kindergarten gesehen, wenn sie ihre Urenkelin abholte. Sie kannte
mich auch gleich wieder.
„Sie
wollen mit Germeon in die Welt der Magie reisen?“, fragte sie.
„So
recht kann ich noch gar nicht daran glauben“, antwortete ich.
„Die
Welt gibt es!“, bestätigte sie mir. „Ich komme auch daher.“
Erstaunt schaute ich sie an.
„Seid
ihr schon da?“, hörten wir Rain rufen und sahen wie er aus dem
Schwimmingpool stieg. „Wollt ihr auch erst noch ein paar Runden
schwimmen?“, rief er und kam auf uns zu mit einem Handtuch in der
Hand.
„Das
ist heute viel zu kalt“, antwortete ich.
„Ach
was, dass ist erfrischend“, meinte er. „Hat Germeon dich
überzeugen können, mit in unsere Welt zu kommen?“ Es war mehr
eine Feststellung von Rain als eine Frage. Er rubbelte sich mit dem
Handtuch durch die Haare. Der Mann sah verdammt gut aus. Er trug nur
eine knappe Badehose. Sein Körper war gut durchtrainiert. Er hatte
eine tolle Figur. Rain merkte, dass ich ihn musterte und lächelte
mich an. Ich wurde unwillkürlich rot. Er hatte im Moment nichts mehr
von seinem stolzen und arrogantem Gehabe an sich. Er sah unheimlich
verführerisch aus und er war sich dem auch bewusst. Er kam näher
auf mich zu und strich mir übers Haar.
„Germeon ist ein
Glückspilz, dass er dich gefunden hat. Seine Hand verweilte an
meinem Hinterkopf und ich spürte sein Verlangen, mich zu umarmen.
Seine stahlblauen Augen schauten mich liebevoll an und sein
wunderschöner roter Mund war so verführerisch. Seine athletische
Figur ließ mein Herz stärker klopfen. Dieser Mann hatte etwas an
sich, was jede Frau anzog. Für ein paar Sekunden gab es nur noch
mich und ihn. Dann ließ er mich los.
„Ich ziehe mich schnell an,
dann können wir in unser Land zurück. Obwohl, ich möchte lieber zu
Zara, sagte er.“
„Ist
okay“, antwortete Germeon und legte demonstrativ seinen Arm um
mich, weil Rain mich schon wieder mit seinem Blick fixierte. „Ich
könnte jemanden zum Abtrocknen gebrauchen“, scherzte er und
schaute mich immer noch an.
„Rain,
nun mach das du ins Haus kommst!“, sprach jetzt seine Großmutter
ein Machtwort, da sie das Flirten von ihm nicht mehr mit ansehen
konnte. Rain zwinkerte mir zu und ging ins Haus.
„Du
musst dir von deinem Onkel nicht alles bieten lassen, auch wenn er
der König ist“, wandte sie sich an Germeon.
„Rain
hat sich, seit seine Tochter fort ist, sehr verändert. Er ist wieder
unberechenbar. Er hatte sich so zum Vorteil verändert, aber jetzt
ist er fast wie früher. Er bemüht sich zwar, doch die schwarze
Magie und das Verschwinden seiner Tochter macht ihm stark zu
schaffen. Zara hat es im Moment nicht leicht mit ihm“, erwiderte er.
„Lass
dich nicht von ihm betören, ich liebe dich“, sagte Germeon zu mir
und gab mir einen Kuss. „Rain hat eine unwahrscheinliche
Ausstrahlung auf Frauen. Sie liegen ihm fast zu Füßen, aber er ist
seiner Frau Zara treu. Er flirtet nur gerne. Aber es gab Zeiten vor
dieser Ehe, da war er als Frauenheld und Herzensbrecher bekannt.“
Klärte mich Germeon auf.
„Keine
Angst, ich bleibe dir treu“, versicherte ich ihm und war mir im gleichen
Augenblick nicht mehr so sicher; denn Rain kam aus dem Haus auf uns
zu. Ganz in weiß gekleidet. Eine bordeauxfarbene Schärpe um der
Taille und einen gleichfarbigen Umhang, der jedoch von innen mit
goldenen Fäden durchwebt war. Er trug seinen goldenen Schmuck und
dieses mal auch goldene Armbänder. Rain hatte sein schwarzes langes
Haar hinten zusammengebunden, was ihn viel jünger aussehen ließ.
Ein goldener Reif zierte wieder sein Haupt. Majestätisch und mit
stolzer Haltung kam er auf uns zu. Nichts erinnerte mehr an den Rain,
der mir vorhin noch schöne Augen gemacht hatte, aber er sah verdammt
gut aus.
„Viktoria,
bis bald und versuche weiter meine Tochter zu finden. Ich werde die
Suche in unserem Land fortsetzen“, verabschiedete er sich von
seiner Großmutter.
„Sei
vorsichtig!“, ermahnte sie ihn. „Und lass die schwarze Magie
ruhen, sonst wird sie bald dich beherrschen!“
„Wenn
ich mit ihr meine Tochter retten kann, werde ich sie anwenden“, entgegnete er und seine Gesichtszüge wurden hart.
„Du
hast noch mehr Kinder und eine junge Frau, für die du Verantwortung
hast, denke immer daran“, gab ihm seine Großmutter mit auf dem
Weg. Wir verabschiedeten uns ebenfalls. Wir stellten uns in den
Garten dicht zusammen.
„Wir
könnten auch mit dem Wagen fahren, aber es wäre ein langer Weg. Wir
nehmen den schnelleren. Hoffentlich bist du schwindelfrei. Angst
brauchst du nicht haben, wir sind ja bei dir“, sagte Germeon.
„Wie
beruhigend“, entgegnete ich und mir war jetzt schon mulmig im
Margen. Germeon umarmte mich und Rain uns beide. Rain schlug seinen
Umhang um uns und sprach irgendetwas in einer mir fremden Sprache.
Wir
tauchten im Hof einer riesigen Burg auf. Ich begutachtete mich erst
einmal, ob ich noch im Besitz aller Körperteile war. Rain musste
lachen. Ich schaute mich nun um und sah verschiedene Lebewesen um
mich herum und die alte große Burg mit dem weiten Burghof.
„Bin
ich jetzt im Märchen?“, fragte ich.
„Wir
sind in unserer Welt und befinden uns im Land der Schlangen und
Schlangenmenschen. Meine Frau Zara ist die Königin dieses Landes“, antwortete Rain stolz.
„Schlangenmenschen?“, fragte ich. „Na ja, was es nicht alles gibt. Nach diesem
turbulenten Flug, oder wie man das nennen soll, glaube ich fast
alles.“
„War
es so schlimm?“, fragte Germeon und legte den Arm um mich.
„Es
war grauenhaft! Ich dachte, ich werde auseinandergerissen. Wenn ich
das noch einmal erleben muss, um nach hause zu kommen, entscheide ich
mich eventuell fürs Hierbleiben“, stöhnte ich.
„Das
wäre wunderbar!“, freute sich Germeon. Ich schaute ihn an und
holte nur tief Luft. Sicher wollte ich wieder nach hause, aber da
muss es doch noch einen anderen Weg geben, hatte er wenigstens
erwähnt. Aber egal, jetzt war ich erstmals hier und wollte Urlaub
machen. Im Märchenland.
„Gibt es hier auch Hexen?“, scherzte ich.
„Ja,
wir haben in unserer Welt das Hexenland. Wir können es mal besuchen.
Es gibt auch Zwerge, Elfen und viele andere Kreaturen“, erzählte
Germeon begeistert. Rain hatte sich alles mit angehört und sein
Blick ruhte mal wieder die ganze Zeit auf mich. Ich hatte das Gefühl,
als wenn er mich mit seinen Augen auszöge, so unverschämt wie der
guckte. Nun kam er auch noch auf mich zu und Germeon nahm seinen Arm
von meinen Schultern und ging etwas zur Seite. Verdammt, hatte
dieser Rain Vorkaufsrecht? Ich erinnerte mich ans Café. Rain setzte
sich neben mir und Germeon mir gegenüber. Es hätte eigentlich
anders herum sein müssen.
„Ich
wünsche dir in unserer Welt einen schönen Aufenthalt. Wenn du
möchtest, kannst du und Germeon mit in unser Land der Lux fliegen“, unwillkürlich schaute ich auf die alte Burg.
„Gibt
es hier Flugzeuge?“, fragte ich erstaunt. Rain lächelte mich
verführerisch an.
„Du
bist süß“, meinte er und ergriff wiedermal meine Hand. „Leider
haben wir keine Flugzeuge, es sei denn, ich würde dir eins samt
Piloten herzaubern. Aber ich glaube, der Pilot wäre sehr verwirrt
und könnte vor Schreck nicht mehr fliegen.“
„Und
wie reisen sie hier in dieser Welt?“, wollte ich wissen.
„Immer
verschieden. Meistens auf großen Vögeln. Ich persönlich bevorzuge
meinen Drachen“, sagte er und merkte wohl, dass ich mich veralbert
vorkam. „Du bist sehr misstrauisch, habe ich festgestellt.“ Er streifte mit seiner freien Hand eine Haarsträhne aus meiner
Stirn und verweilte mit seinen Fingern an meiner Schläfe. Wieder
lief mir ein kalter Schauer über den Rücken, wie im Café, als er
mich berührte. Unsere Blicke trafen sich und ich spürte sein
Verlangen nach mehr. Für einen kurzen Augenblick vergaß ich alles
um mich und sah nur Rain. Seine Finger strichen langsam meine Wangen
entlang zu meinem Mund und glitten leicht über meine Lippen. Ich
spürte den starken Wunsch in mir, ihn zu küssen. Sein Gesicht
näherte sich dem Meinen und ich spürte seinen Atem.
„Rain,
endlich bist du wieder zurück“, hörte ich eine freundliche,
jugendliche Stimme, die mich wieder auf den Boden der Tatsachen
führte. Rain schloss für einen Moment die Augen. Dann sah er mich
liebevoll an und gab mir einen Kuss auf die Stirn. Er legte den Arm
um mich und führte mich die paar Schritte zu Germeon.
„Ich weiß,
dass es deine Freundin ist“, sagte er zu ihm und nahm den Arm von
meinen Schultern, aber nicht ohne mir noch kurz hinten über den Kopf
zu streicheln. „Henriette ist ein wunderbares Mädchen, ich würde
mich freuen, wenn du sie für immer gewinnen könntest.“ Inzwischen
war ein junges Mädchen näher gekommen und war ein kleines Stückchen
weiter von uns stehen geblieben und wartete geduldig. Sie war eine
Schönheit, obwohl sie irgendwie fremdartig aussah. Sie schien einige
Jahre jünger als ich zu sein. Erst jetzt wandte Rain sich von uns ab
und ging auf das Mädchen zu.
„Zara,
mein Liebling, hörte ich ihn sagen.“ Ich musste schlucken. Das war
seine Frau? Die war ja höchstens siebzehn oder achtzehn. Was muss
die wohl gedacht haben, dass Rain mich so anhimmelte. Ich wäre am
Liebsten im Erdboden versunken. Da hat Rain so eine hübsche junge
Frau und flirtet vor der ihren Augen mit mir herum. Und Germeon nahm
auch alles so hin. Hatte der König hier im Land alle Rechte? Fragte
ich mich. Rain hatte seine Frau in den Arm genommen und küsste sie.
„Ich habe dich so sehr vermisst“, hörte ich ihn sagen. Wenn das
man stimmt, schoss es mir durch den Kopf. Mir fielen Germeons Worte
wieder ein, dass Rain seiner Frau treu war, er aber gerne flirtete.
Dann hatte ich ja nichts zu befürchten und vielleicht war Germeon
deswegen so gelassen. Obwohl, ich meinte, etwas Wut in seinem Gesicht
zu sehen. Ich lehnte mich an ihn und er legte seinen Arm um mich und
drückte mich etwas an sich. Rain kam mit seiner Frau auf uns zu und
stellte uns ihr vor.
„Das
ist meine Frau Zara, sie ist die Königin dieses Landes.“
„Ich
freue mich, dich in meinem Land begrüßen zu dürfen. Auch dich
Germeon. Wir haben uns schon lange nicht mehr gesehen. Fühlt euch
wie zu hause. Wenn ihr Wünsche habt, wendet euch bitte ans Personal.
Meine Freundin Ria wird euch nachher eure Zimmer zeigen“, hieß
Zara uns willkommen. Sie war mir auf Anhieb sympathisch. Wie konnte
so ein junges Mädchen diesen Mann heiraten. Der war schätzungsweise
fast doppelt so alt. Höchstwahrscheinlich war sie auch seinem Charme
verfallen, wie so viele Frauen vor ihr, so wie Germeon mir erzählt
hatte.
„Ihr
entschuldigt uns?“, sagte Rain und legte seinen Arm um Zara und ging
mit ihr Richtung Burg. Zwischen durch blieben sie stehen und Rain
umarmte seine Frau und sie küssten sich. Wie ein frisch verliebtes
Paar. Aber warum flirtet er dann mit mir? Zara schien Rain etwas zu erzählen, was ihn anscheinend sehr wütend machte. Rain wollte wieder zurück gehen, aber Zara gelang es, ihn davon abzuhalten.
„Hallo,
ich bin auch noch da“, machte Germeon auf sich aufmerksam. Ich
fühlte mich ertappt, denn ich schaute Rain nach und meine Gedanken
waren ganz bei ihm. Ich hatte sogar ein leichtes Gefühl der
Eifersucht empfunden, als Rain Zara küsste. Bevor Zara und Rain
weitergingen, schaute Rain zu mir zurück. Ich merkte seinen Blick
trotz der Entfernung auf mich ruhen und im selben Moment zweifelte
ich an meinen Verstand. Mir war, als hörte ich Rains Stimme in
meinem Kopf. Er warnte mich vor Germeon.
„Du
bist total abwesend mein Schatz“, stellte Germeon fest. Erschrocken
schaute ich ihn an. Aber er lächelte mich an und zog mich an sich
und küsste mich. Ich war total verwirrt. Hatte ich mir das mit Rain
Stimme nur eingebildet? Dieses Land war gruselig. Am Liebsten würde
ich sofort wieder nach hause zurück wirbeln, aber da hatte ich Angst
vor. Der Hinweg hatte mir im Moment gereicht.
Warum
warnte Rain mich vor Germeon. Der war doch total lieb zu mir und als
er mich jetzt küsste, wusste ich, dass ich unendlich in ihm verliebt
war.
„Soll
ich dir die Drachen zeigen?“, fragte Germeon und führte mich
Richtung Park. Überall wuchsen mir unbekannte Blumen oder Bäume,
aber sie waren von einer Schönheit und Farbenpracht, die mich für
einen Augenblick Rain vergessen ließen.
„Oh,
ein Eichhörnchen!“, rief ich begeistert, zwischen den fremdartigen
Tieren ein bekanntes zu sehen.
„Die
fand Rain so drollig, da hat er sie aus der Menschenwelt einführen
lassen. Den Tieren gefällt es glaubig gut bei uns. Sie haben sich
unheimlich vermehrt. Rain hat sowie so eine Vorliebe für manche
Pflanzen und Tiere aus der Menschenwelt Er bringt oft irgendetwas
mit, wenn er bei meiner Urgroßmutter war. Wenn ich sehe, wie er dich
anhimmelt, hat er auch eine Vorliebe für menschliche Frauen“, sagte Germeon und ich hörte seine Eifersucht heraus.
„Du
bist süß, wenn du eifersüchtig bis“, musste ich lachen.
„Muß ich denn einen Grund haben?“, fragte er ernst.
„Man
kann nie wissen“, ärgerte ich ihn.
„Du
bist meine Prinzessin“, antwortete er und schnappte mich und
wirbelte mich in die Runde.
„Ich
werde um dich kämpfen und wenn es gegen meinen König ist!“, behauptete er.
„Ich
habe von deinem Kampf aber bis jetzt noch nicht viel gemerkt“, stellte ich fest.
„Solange
das Flirten nicht schlimmer wird, denn ich weiß, ich habe im Kampf
gegen meinen Onkel keine Chance.“
„Dann
lass es bloß sein!“, ermahnte ich ihn. Wir waren inzwischen hinter
der Burg angekommen, wo unzählig Vögel auf Weiden herumspazierten.
Die Vögel waren Riesen groß, man konnte wirklich darauf sitzen.
„Auf
denen fliegt ihr, wie Rain sagte?“, staunte ich.
„Ja,
wollen wir eine Runde drehen?“,bot Germeon mir an.
„Niemals!
Ich bin nicht schwindelfrei, wenigstens nicht mehr seit dem Hinweg in
eure Welt. Da ist ja ein pechschwarzer Vogel. Der ist noch größer
als die anderen“, stellte ich fest.
„Der
gehört Rain. Der Vogel ist eine besondere Rasse. Es gibt nur wenige
davon. Es sind besonders intelligente Tiere. Nur die größten Magier
fliegen diese schwarzen Vögel. Rains Zwillingsbruder und ihr Vater
fliegen so einen. Ich durfte einmal auf Rains Vogel fliegen. Ich sag
dir, nie wieder. Diese Viecher haben ihren eigenen Kopf und machen
was sie wollen, wenn man sie nicht mit starker Hand führt. Wollen
wir noch zu den Drachen? Dann müssten wir diese Pferde ähnlichen
Tiere nehmen“, sagte Germeon.
„Die
haben auch Flügel“, stellte ich fest. „Wir gehen lieber wieder
zur Burg.“ Germeon musste lachen. „Wie willst du denn mit in das
Land der Lux kommen, wenn du Angst vor dem Fliegen hast?“, fragte
er.
„Habt
ihr Autos? Oder kann Rain eins herzaubern?“, fragte ich.
„Wir
haben Pferde. Autos blieben garantiert im Gelände stecken. Wir
besitzen wohl Autos, um in die Menschenwelt zu fahren, aber die sind
im Land der Lux. Damit kannst du wieder nach hause fahren, wenn du
nicht herumgewirbelt werden willst“, teilte Germeon mir mit.
„Das
ist schon mal beruhigend“, stellte ich fest. Wir setzten uns auf
einer Bank an einem See, welcher am Park angrenzte.
„Es
ist wirklich wunderschön in eurer Welt. Warum hat Zara denn Rain
geheiratet, der ist doch garantiert doppelt so alt. Und wenn der sich
schon mit so vielen Frauen eingelassen hatte“, fragte ich
neugierig. „Zara ist noch so jung.“
„Für
Zara ist Rain wohl die ganz große Liebe. Sie haben sehr schnell
geheiratet, nachdem sie sich kennengelernt hatten. Rain war bereits
schon zwei mal verheiratet. Er hat fünf Kinder. Die Älteste ist nur
etwas jünger als Zara“, erzählte mir Germeon.
„Und
Rain? Liebt er seine Frau?“, fragte ich weiter.
„Du
meinst sicher, weil er mit dir flirtet? Ich glaube schon, dass er sie
liebt. Seine ganz große Liebe ist und bleibt aber wohl Cira. Sie ist
die Königin vom Hexenland. Sie hat sich für Rains Halbbruder
Benjamin entschieden und wird ihn bald heiraten. Sie erwartet ein
Kind von Rain. Sie hat es ihm einen Tag vor seiner Hochzeit mit Zara
mitgeteilt.“
„Weiß
Zara das?“, fragte ich schockiert.
„Ja
sicher weiß sie das. Sie weiß auch, das Rain diese Hexe Cira immer
noch liebt. Cira ist im wahrsten Sinne des Wortes eine Hexe. Sie
versuchte Rain immer wieder zu verführen. Ohne Rücksicht auf ihren
Verlobten oder Zara.. Aber das ist jetzt endlich vorbei, aber ganz
sicher bin ich mir bei Cira nicht.“ Berichtete mir Germeon.
„Warum
ist es jetzt vorbei?“, ich wollte jetzt alles wissen. Das war ja wie
ein Liebesroman.
„Cira
hat erfahren, dass Rain der schwarze Magier ist. Sie hat unheimlich
Angst vor ihm. Sie hatte, als sie noch mit Rain zusammen war,
schlechte Erfahrungen mit ihm gemacht. Er kann sehr brutal sein, wenn
er sich nicht unter Kontrolle hat“, erzählte Germeon mir weiter.
„So
wie im Café, als Rain auf den Mann los gehen wollte und du
versuchtest ihn zu besänftigen. Da hat Rain, nach dem er sich bei
dir bedankte die schwarze Magie erwähnt. Was ist ein schwarzer
Magier?“, wollte ich wissen.
„Das
dauert jetzt alles zu lange, dir alles zu erzählen. Die schwarze
Magie ist das Böse. Rain beherrscht diesen Zauber perfekt. Aber du
brauchst keine Angst vor Rain haben“, wir waren inzwischen weiter
gegangen und bei der Burg angelangt. Zaras Freundin Ria empfing uns
am Eingang. Sie wollte uns unsere Zimmer zeigen.
„Liebes,
geh du mit Ria mit, ich muss noch dringend etwas erledigen. Es wird
etwas länger dauern. Ria wird dir alles zeigen“, verabschiedete
Germeon sich.
„Kann
ich nicht mit?“, fragte ich.
„Du
magst ja nicht fliegen“, antwortete er mir und gab mir einen Kuss
und ging.
„Ich
glaube ich will nach hause!“, seufzte ich.
„Ach
was, hier ist es sehr schön und ihr Freund kommt sicher bald
wieder“, versuchte Ria mich zu trösten. „Ich werde den
Herrschaften Bescheid geben, dass sie wieder da sind! Wenn sie einen
Wunsch haben, bedienen sie bitte den Gong.“ Ria ging und ich fühlte
mich unheimlich einsam. Ich schaute mir das Zimmer genauer an. Es war
zwar sehr schön, aber die alten schweren Möbel wirkten auf mich
nicht gerade positiv. An den Wänden hingen Bilder mit irgendwelchen
Ahnen, die mir das Gefühl gaben, als würden sie mich beobachte. Ich
legte mich auf das große Himmelbett und kam mir vor wie in einem
Märchen. Immer wieder ging mir alles durch den Kopf, was Germeon mir
erzählt hatte. Eigentlich wusste ich nichts über ihn.Wie alte er
wohl war und welchen Beruf hatte er, oder war Zauberer sein Beruf?
Eine große Schlangenfigur stand auf einem Sockel und schaute mich
mit leuchtenden Augen an. Das eine solche Welt existierte! Ich konnte
es immer noch nicht fassen. Plötzlich klopfte es an der Tür und mir
fiel ein, dass ich nicht abgeschlossen hatte.
„Wer
ist da?“, rief ich.
„Ich
bin es, Rain! Darf ich reinkommen?“ Der hatte mir gerade noch
gefehlt. Der schwarze Magier, was immer das auch bedeute, Germeon
hatte gesagt, dass die schwarze Magie das Böe ist. Und das er brutal
sein kann. Am Liebsten hätte ich ihn nicht herein gelassen, aber er
war ein König und mein Gastgeber. Ich wollte nicht unhöflich sein
und bat ihn schweren Herzens herein. Ich stand schnell von dem Bett
auf, nicht das dieser Casanova noch auf falsche Gedanken kam. Aber er
kam so schnell herein, dass ich noch auf der Bettkante saß.
„Hat
mein Neffe ihnen schon etwas über unsere Welt erzählt?“, fragte
er.
„Ja,
etwas“ antwortete ich. Ich wusste von ihm mehr als Rain sicherlich
lieb war. Aber das behielt ich für mich. Jetzt, wo er so vor mir
stand, konnte ich Zara verstehen. Dieser Mann war zum Verlieben.
„Darf
ich?“, und ohne eine Antwort abzuwarten setzte er sich schräg
neben mir aufs Bett.
„Sind
deine blonden Haare echt?“, fragte er und spielte mit einer
Haarsträhne von mir. Hatte dieser Mann keine anderen Sorgen, als
herauszufinden, ob meine Haare blondiert waren oder nicht?
„Sie
sind von Natur aus blond“, gab ich ihm zur Antwort. Ich fühlte
mich neben ihm unwohl. Wenn er doch nur seine Hand so dicht von
meinem Gesicht nehmen würde. Ich wollte ihm meine Haarsträhne
entziehen, aber schon hatte er meine Hand genommen und ließ sie auch
nicht wieder los. Tausche Hand gegen Haarsträhne, flog es mir durch
den Kopf und ich musste unwillkürlich lächeln. Dieses verstand er
wohl total falsch, denn er lächelte mich auch an und führte meine
Hand zum Mund und küsste sie.
„Ward
ihr noch bei den Drachen?“, fragte er, hielt meine Hand noch fest
und streichelte sie sanft.
„Nur
bei den Vögeln“, antwortete ich.
„Hast
du meinen gesehen? Den Pechschwarzen?“, wollte er wissen.
„Ja,
er war der größte. Ein schöner Vogel“, entgegnete ich.
„Ja,
er ist wundervoll!“, Rain strahlte richtig, wenn er von seinem Vogel
sprach. Plötzlich legte er seinen Arm um meine Schultern.
Fortsetzung folgt...
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Samstag, 2. Februar 2019
Germeon 3. Fortsetzung Fantasyroman Reihe LUX
Germeon
„Rain,
bitte! Besinne dich! Wir sind nicht in unserer Welt!“, versuchte
Germeon ihn zu besänftigen.
„Und
darum glaubst du, du könntest mir vorschreiben was ich zu tun und zu
lassen habe?“, fauchte er seinen Neffen böse an. Rains Gesicht
hatte harte Gesichtszüge angenommen. Ich glaube, den wollte keiner
zum Feind haben. Wie kann sich ein Mensch in so kurzer Zeit so
verändern. Vorhin war er noch so liebenswürdig und jetzt zeigte er
sich von einer ganz anderen Seite. Er war wirklich zum Fürchten,
stellte ich fest. Rain schob seinen Neffen zur Seite. Und ging auf
den Mann zu. Wir befürchteten das Schlimmste. Der Mann erhob sich.
Rain legte ihm ein Foto hin.
„Haben
sie das Mädchen gesehen?“, fragte er. Auch die anderen Gäste an
dem Tisch schauten sich das Foto an.
„Das
Mädchen war doch bei unserer Moni im Kindergarten, oder?“, fragte
der Mann, der aufgestanden war, seine Frau.
„Ja,
das stimmt!“, bestätigte diese.
„Es
ist meine Tochter“, sagte Rain. Er klang nicht mehr wütend. „Wir
suchen sie schon länger. Verstehen sie jetzt, dass man da auch mal
gereizt ist? Entschuldigen sie bitte.“ Rain ging wieder zu unserem
Tisch.
„Wäre
ich auch an ihrer Stelle“, sagte der Mann verständnisvoll. Rain
setzte sich an den Tisch und verbarg sein Gesicht in seine Hände und
atmete tief durch. Germeon und ich schauten uns nur an und sagten
lieber nichts. Nach einer Weile nahm Rain sein Hände vom Gesicht und
sah wieder normal aus. Das Dunkle war bis auf einen Schimmer aus
seinen Augen verschwunden und er hatte wieder die weichen,
freundlichen Gesichtszüge.
„Alles
in Ordnung?“, fragte sein Neffe.
„Alles
Okay, verdammte schwarze Magie!“, antwortete Rain. „Danke
Germeon!“ Ich schaute Rain verdutzt an. Erst motzt er Germeon an
und dann bedankt er sich bei ihm. Verkehrte Welt! Da soll noch einer
raus klug werden.
„Wir
gehen zurück!“, bestimmte Rain. „Was machst du mit deiner
Kleinen?“
„Abschied
nehmen, es geht ja nicht anders“, antwortete Germeon.
„Deine
Turnschuhe sind trocken, Henriette hatte sie auf die Heizung gelegt.
Ich gehe noch zur Großmutter und dann nach hause. Vielleicht kommt
Henriette ja mit? Ihr Eltern sind im Urlaub, sie ist hier alleine“, sagte Rain und verabschiedete sich von mir mit einer kurzen
Verbeugung.
„Tschüss
Mia!“, winkte er ihr zu und verließ das Café. Mia schüttelte nur
den Kopf. Dann schaute sie, was Rain ihr auf den Tresen gelegt hatte,
bevor er rausging. „Was ist das denn? Womit hat der denn bezahlt?
Will der meinen Laden kaufen?“, rief sie und kam zu uns an den
Tisch. „Schaut mal, sind die Stücke echt?“
„Das
ist reines Gold, Rain macht öfters solche Scherze“, erklärte Germeon.
„Das
muss ich ihm wiedergeben!“, Mia und war ganz aufgeregt.
„Müssen
sie nicht, der hat da genug von!“, erwiderte Germeon.
„Ist
der Millionär?“, fragte Mia und konnte es immer noch nicht fassen.
„Wenn
sie so wollen, aber da müssen sie noch mehrere Nullen dranhängen, aber die Bezeichnung ist bei uns nicht üblich“, antwortete
Germeon.
„Warum
ist der denn so reich? Und woher wusste er das mit deinen Turnschuhen
und dem Ei? Und wie konnte er dich hier in diesem Café finden? Und
er wusste, dass meine Eltern im Urlaub sind“, wollte ich wissen.
„Rain
besitzt bestimmte Fähigkeiten. Er ist mit Abstand der größte
Magier in unserer Welt. Außerdem ist er der Herrscher unseres
Volkes. Er ist der König der Lux. Es ist das größte und reichste
Land in unserer Welt. Durch die Heirat ist ein weiteres Land unter
seinem Einfluss. Aber du glaubst uns ja nicht, dass wir aus einer
anderen Welt kommen“, berichtete Geramond.
„Sie
kommen wirklich aus einer anderen Welt?“ Mia starte Germeon an.
„Das
ist doch alles nur Quatsch“, antwortete ich. Germeon holte seine
Turnschuhe unter dem Tisch hervor.
„Sie sind wirklich trocken, Rain hatte Recht.“
Ich schaute ihn verblüfft an.
„Sie sind wirklich trocken, Rain hatte Recht.“
Ich schaute ihn verblüfft an.
„Wie
kommen die hier her?“, fragte ich.
„Rain
hat sie hergezaubert, er sieht es nicht gerne, wenn ich mit Strümpfen
durch die Stadt laufe. Ich würde dann für zu viel Aufsehen sorgen“, antwortete Germeon und zog seine schmutzigen Socken aus und schlüpfte
in die Turnschuhe.
„Darf
ich die Socken deines Vaters entsorgen? Sie haben den Weg hierher
ohne Schuhe nicht so gut überstanden“, meinte er.
„Gib
mal her, ich werfe sie in den Müll!“, sagte Mia und ging mit den
Socken fort.
„Henriette,
ich möchte so gerne , dass du mir glaubst. Ich habe mich in dich
verliebt und ich möchte dich nicht schon wieder verlieren. Komm doch
bitte mit in die Welt, wo ich lebe. Ich kann dich jeder Zeit wieder
nach hause bringen, wenn du willst.“
„Germeon,
ich vertraue dir und komme mit. Ich bin auch viel zu neugierig, ob
das stimmt mit der anderen Welt“, entschied ich mich. Germeon stand
auf und kam auf mich zu. Ich stand ebenfalls auf. „Können wir noch
vorher zu mir nach hause gehen, ich möchte noch ein paar Sachen
mitnehmen, oder geht das nicht?“ fragte ich.
„Sicher
geht das. Rain hat mir auch Kleidung mitgebracht. Dann kann ich mich
bei dir umziehen“, erwiderte Germeon und nahm eine Tasche hoch und
stellte sie auf einen Stuhl. Ich konnte schwören, dass dieser Rain
keine Tasche mit hatte, als er ins Café kam. Allmählich fing ich
an, an den ganzen Unsinn zu glauben. Simsalabim, zaubert er doch
einfach mal Kleidung her. Wie praktisch.
„Wo kommt die Kleidung her?“, wollte ich wissen.
„Wo kommt die Kleidung her?“, wollte ich wissen.
„Von
zu hause, Rain hat sie hergezaubert“, antwortete Germeon, als wenn
es das selbstverständlichste von der Welt wäre. Er umarmte mich.
„Ich
bin so glücklich, dass du mitkommst.“
„Okay!“, sagte ich, dann lass uns gehen. Mia kam ins Café gestürmt.
„Ich
war gerade beim Juwelier, der hat mir das ganze Gold abgekauft. Ich
habe Geld! Ich fahre in Urlaub!“, freute sie sich.
„Möchten
sie auch mit in unsere Welt kommen? Sie würden dort einen
wunderschönen Urlaub erleben“, schlug Germeon ihr vor.
„Um
Gottes Willen, nein! Ich fahre in den Schwarzwald zu meiner
Schwester!“, erwiderte sie.
„Gehst
du wirklich mit in diese komische Welt, wenn es sie überhaupt gibt?“, fragte Mia mich.
„Ja,
ich muss doch jetzt wissen, ob das alles stimmt, was die Herren
erzählt haben!“ Entgegnete ich.
„Mädchen
passe auf dich auf!“, riet sie mir.
„Das
mache ich schon!“, versicherte Germeon und wir verabschiedeten uns
von Mia.
„Sage diesem Rain bitte meinen herzlichsten Dank! Er kann bei mir jeder
Zeit um sonst Whisky trinken“, bat Mia. Germeon lachte.
„Werde
ich ihm ausrichten, wird er sich drüber freuen. Aber so viel trinkt
er auch nicht. Das war heute eine Ausnahme.“ erklärte Germeon.
„Wegen
seiner Tochter! Er war sehr traurig. Aber Alkohol hilft da auch
nicht“, meinte Mia und brachte uns zur Tür. Auf dem Weg nach hause
erzählte Germeon mir von seiner Heimat. Wie schön es dort sei und
welche seltsamen Tiere es dort gab. Es hörte sich an, als erzählte
er mir ein Märchen. Zu Hause zog ich mir ein T-shirt und eine Jeans
an und packte ähnliche Kleidung ein.
Meinen
Parker quetschte ich auch noch in die Reisetasche, band mir einen
Pulli um die Taille und war eigentlich fertig. Germeon zog sich in
einem anderen Zimmer um. Ich rief meine Eltern an und teilte ihnen
mit, dass ich zu Freunden in den Urlaub fahre. Den Studenten legte
ich einen Zettel hin, dass sie das Haus möglichst heile lassen
sollten, falls sie wilde Partys feierten. Ich wäre im Urlaub. Als
Germeon das Zimmer betrat, blieb mir fast der Mund offen stehen. Er
hatte die gleiche Kleidung wie Rain an, nur sein Umhang war schwarz
und von innen rot. Die Turnschuhe hatte er gegen halbhohe Stiefel
ausgetauscht, so wie Rain sie trug. Welch eine Ähnlichkeit hatte er
mit Rain. Um seinem Hals hing eine goldene Kette und seine Hand
zierten einige Ringe. Er hatte ebenfalls einen Stab an seinem Gürtel,
allerdings nicht aus Gold.
„Du
siehst ja toll aus!“, sagte ich. Er kam auf mich zu. Sachte
streichelte er mein Haar und näherte sich meinem Gesicht. Er küsste
meine Stirn und meine Wangen. Er schaute mich fragend an. Ich schloss
meine Augen und unsere Lippen fanden sich. Diesen Moment wollte ich
für immer festhalten. Ich wusste, dass ich Germeon über alles
liebte.
„Wir müssen gehen, wenn wir Rain noch treffen wollen“, riss mich Germeon aus dem schönen Traum. Er gab mir noch einen Kuss und nahm meine Tasche.
Fortsetzung folgt...
Copyright by Helga Pikulik
„Wir müssen gehen, wenn wir Rain noch treffen wollen“, riss mich Germeon aus dem schönen Traum. Er gab mir noch einen Kuss und nahm meine Tasche.
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