Samstag, 2. Februar 2019

Germeon 3. Fortsetzung Fantasyroman Reihe LUX




Germeon


„Rain, bitte! Besinne dich! Wir sind nicht in unserer Welt!“, versuchte Germeon ihn zu besänftigen.
„Und darum glaubst du, du könntest mir vorschreiben was ich zu tun und zu lassen habe?“, fauchte er seinen Neffen böse an. Rains Gesicht hatte harte Gesichtszüge angenommen. Ich glaube, den wollte keiner zum Feind haben. Wie kann sich ein Mensch in so kurzer Zeit so verändern. Vorhin war er noch so liebenswürdig und jetzt zeigte er sich von einer ganz anderen Seite. Er war wirklich zum Fürchten, stellte ich fest. Rain schob seinen Neffen zur Seite. Und ging auf den Mann zu. Wir befürchteten das Schlimmste. Der Mann erhob sich. Rain legte ihm ein Foto hin.
„Haben sie das Mädchen gesehen?“, fragte er. Auch die anderen Gäste an dem Tisch schauten sich das Foto an.
„Das Mädchen war doch bei unserer Moni im Kindergarten, oder?“, fragte der Mann, der aufgestanden war, seine Frau.
„Ja, das stimmt!“, bestätigte diese.
„Es ist meine Tochter“, sagte Rain. Er klang nicht mehr wütend. „Wir suchen sie schon länger. Verstehen sie jetzt, dass man da auch mal gereizt ist? Entschuldigen sie bitte.“ Rain ging wieder zu unserem Tisch.
„Wäre ich auch an ihrer Stelle“, sagte der Mann verständnisvoll. Rain setzte sich an den Tisch und verbarg sein Gesicht in seine Hände und atmete tief durch. Germeon und ich schauten uns nur an und sagten lieber nichts. Nach einer Weile nahm Rain sein Hände vom Gesicht und sah wieder normal aus. Das Dunkle war bis auf einen Schimmer aus seinen Augen verschwunden und er hatte wieder die weichen, freundlichen Gesichtszüge.
„Alles in Ordnung?“, fragte sein Neffe.
„Alles Okay, verdammte schwarze Magie!“, antwortete Rain. „Danke Germeon!“ Ich schaute Rain verdutzt an. Erst motzt er Germeon an und dann bedankt er sich bei ihm. Verkehrte Welt! Da soll noch einer raus klug werden.
„Wir gehen zurück!“, bestimmte Rain. „Was machst du mit deiner Kleinen?“
„Abschied nehmen, es geht ja nicht anders“, antwortete Germeon.
„Deine Turnschuhe sind trocken, Henriette hatte sie auf die Heizung gelegt. Ich gehe noch zur Großmutter und dann nach hause. Vielleicht kommt Henriette ja mit? Ihr Eltern sind im Urlaub, sie ist hier alleine“, sagte Rain und verabschiedete sich von mir mit einer kurzen Verbeugung.
„Tschüss Mia!“, winkte er ihr zu und verließ das Café. Mia schüttelte nur den Kopf. Dann schaute sie, was Rain ihr auf den Tresen gelegt hatte, bevor er rausging. „Was ist das denn? Womit hat der denn bezahlt? Will der meinen Laden kaufen?“, rief sie und kam zu uns an den Tisch. „Schaut mal, sind die Stücke echt?“
„Das ist reines Gold, Rain macht öfters solche Scherze“, erklärte Germeon.
„Das muss ich ihm wiedergeben!“,  Mia und war ganz aufgeregt.
„Müssen sie nicht, der hat da genug von!“, erwiderte Germeon.
„Ist der Millionär?“, fragte Mia und konnte es immer noch nicht fassen.
„Wenn sie so wollen, aber da müssen sie noch mehrere Nullen dranhängen, aber die Bezeichnung ist bei uns nicht üblich“, antwortete Germeon.
„Warum ist der denn so reich? Und woher wusste er das mit deinen Turnschuhen und dem Ei? Und wie konnte er dich hier in diesem Café finden? Und er wusste, dass meine Eltern im Urlaub sind“, wollte ich wissen.
„Rain besitzt bestimmte Fähigkeiten. Er ist mit Abstand der größte Magier in unserer Welt. Außerdem ist er der Herrscher unseres Volkes. Er ist der König der Lux. Es ist das größte und reichste Land in unserer Welt. Durch die Heirat ist ein weiteres Land unter seinem Einfluss. Aber du glaubst uns ja nicht, dass wir aus einer anderen Welt kommen“, berichtete Geramond.
„Sie kommen wirklich aus einer anderen Welt?“ Mia starte Germeon an.
„Das ist doch alles nur Quatsch“, antwortete ich. Germeon holte seine Turnschuhe unter dem Tisch hervor.
„Sie sind wirklich trocken, Rain hatte Recht.“
Ich schaute ihn verblüfft an.
„Wie kommen die hier her?“, fragte ich.
„Rain hat sie hergezaubert, er sieht es nicht gerne, wenn ich mit Strümpfen durch die Stadt laufe. Ich würde dann für zu viel Aufsehen sorgen“, antwortete Germeon und zog seine schmutzigen Socken aus und schlüpfte in die Turnschuhe.
„Darf ich die Socken deines Vaters entsorgen? Sie haben den Weg hierher ohne Schuhe nicht so gut überstanden“, meinte er.
„Gib mal her, ich werfe sie in den Müll!“, sagte Mia und ging mit den Socken fort.
„Henriette, ich möchte so gerne , dass du mir glaubst. Ich habe mich in dich verliebt und ich möchte dich nicht schon wieder verlieren. Komm doch bitte mit in die Welt, wo ich lebe. Ich kann dich jeder Zeit wieder nach hause bringen, wenn du willst.“
„Germeon, ich vertraue dir und komme mit. Ich bin auch viel zu neugierig, ob das stimmt mit der anderen Welt“, entschied ich mich. Germeon stand auf und kam auf mich zu. Ich stand ebenfalls auf. „Können wir noch vorher zu mir nach hause gehen, ich möchte noch ein paar Sachen mitnehmen, oder geht das nicht?“ fragte ich.
„Sicher geht das. Rain hat mir auch Kleidung mitgebracht. Dann kann ich mich bei dir umziehen“, erwiderte Germeon und nahm eine Tasche hoch und stellte sie auf einen Stuhl. Ich konnte schwören, dass dieser Rain keine Tasche mit hatte, als er ins Café kam. Allmählich fing ich an, an den ganzen Unsinn zu glauben. Simsalabim, zaubert er doch einfach mal Kleidung her. Wie praktisch. 
„Wo kommt die Kleidung her?“, wollte ich wissen.
„Von zu hause, Rain hat sie hergezaubert“, antwortete Germeon, als wenn es das selbstverständlichste von der Welt wäre. Er umarmte mich.
„Ich bin so glücklich, dass du mitkommst.“
„Okay!“, sagte ich, dann lass uns gehen. Mia kam ins Café gestürmt.
„Ich war gerade beim Juwelier, der hat mir das ganze Gold abgekauft. Ich habe Geld! Ich fahre in Urlaub!“, freute sie sich.
„Möchten sie auch mit in unsere Welt kommen? Sie würden dort einen wunderschönen Urlaub erleben“, schlug Germeon ihr vor.
„Um Gottes Willen, nein! Ich fahre in den Schwarzwald zu meiner Schwester!“, erwiderte sie.
„Gehst du wirklich mit in diese komische Welt, wenn es sie überhaupt gibt?“, fragte Mia mich.
„Ja, ich muss doch jetzt wissen, ob das alles stimmt, was die Herren erzählt haben!“ Entgegnete ich.
„Mädchen passe auf dich auf!“, riet sie mir.
„Das mache ich schon!“, versicherte Germeon und wir verabschiedeten uns von Mia.
„Sage diesem Rain bitte meinen herzlichsten Dank! Er kann bei mir jeder Zeit um sonst Whisky trinken“, bat Mia. Germeon lachte.
„Werde ich ihm ausrichten, wird er sich drüber freuen. Aber so viel trinkt er auch nicht. Das war heute eine Ausnahme.“ erklärte Germeon.
„Wegen seiner Tochter! Er war sehr traurig. Aber Alkohol hilft da auch nicht“, meinte Mia und brachte uns zur Tür. Auf dem Weg nach hause erzählte Germeon mir von seiner Heimat. Wie schön es dort sei und welche seltsamen Tiere es dort gab. Es hörte sich an, als erzählte er mir ein Märchen. Zu Hause zog ich mir ein T-shirt und eine Jeans an und packte ähnliche Kleidung ein.
Meinen Parker quetschte ich auch noch in die Reisetasche, band mir einen Pulli um die Taille und war eigentlich fertig. Germeon zog sich in einem anderen Zimmer um. Ich rief meine Eltern an und teilte ihnen mit, dass ich zu Freunden in den Urlaub fahre. Den Studenten legte ich einen Zettel hin, dass sie das Haus möglichst heile lassen sollten, falls sie wilde Partys feierten. Ich wäre im Urlaub. Als Germeon das Zimmer betrat, blieb mir fast der Mund offen stehen. Er hatte die gleiche Kleidung wie Rain an, nur sein Umhang war schwarz und von innen rot. Die Turnschuhe hatte er gegen halbhohe Stiefel ausgetauscht, so wie Rain sie trug. Welch eine Ähnlichkeit hatte er mit Rain. Um seinem Hals hing eine goldene Kette und seine Hand zierten einige Ringe. Er hatte ebenfalls einen Stab an seinem Gürtel, allerdings nicht aus Gold.

„Du siehst ja toll aus!“, sagte ich. Er kam auf mich zu. Sachte streichelte er mein Haar und näherte sich meinem Gesicht. Er küsste meine Stirn und meine Wangen. Er schaute mich fragend an. Ich schloss meine Augen und unsere Lippen fanden sich. Diesen Moment wollte ich für immer festhalten. Ich wusste, dass ich Germeon über alles liebte. 
„Wir müssen gehen, wenn wir Rain noch treffen wollen“, riss mich Germeon aus dem schönen Traum. Er gab mir noch einen Kuss und nahm meine Tasche.

Fortsetzung folgt...

Copyright by Helga Pikulik



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen