Germeon
„Rain,
bitte! Besinne dich! Wir sind nicht in unserer Welt!“, versuchte
Germeon ihn zu besänftigen.
„Und
darum glaubst du, du könntest mir vorschreiben was ich zu tun und zu
lassen habe?“, fauchte er seinen Neffen böse an. Rains Gesicht
hatte harte Gesichtszüge angenommen. Ich glaube, den wollte keiner
zum Feind haben. Wie kann sich ein Mensch in so kurzer Zeit so
verändern. Vorhin war er noch so liebenswürdig und jetzt zeigte er
sich von einer ganz anderen Seite. Er war wirklich zum Fürchten,
stellte ich fest. Rain schob seinen Neffen zur Seite. Und ging auf
den Mann zu. Wir befürchteten das Schlimmste. Der Mann erhob sich.
Rain legte ihm ein Foto hin.
„Haben
sie das Mädchen gesehen?“, fragte er. Auch die anderen Gäste an
dem Tisch schauten sich das Foto an.
„Das
Mädchen war doch bei unserer Moni im Kindergarten, oder?“, fragte
der Mann, der aufgestanden war, seine Frau.
„Ja,
das stimmt!“, bestätigte diese.
„Es
ist meine Tochter“, sagte Rain. Er klang nicht mehr wütend. „Wir
suchen sie schon länger. Verstehen sie jetzt, dass man da auch mal
gereizt ist? Entschuldigen sie bitte.“ Rain ging wieder zu unserem
Tisch.
„Wäre
ich auch an ihrer Stelle“, sagte der Mann verständnisvoll. Rain
setzte sich an den Tisch und verbarg sein Gesicht in seine Hände und
atmete tief durch. Germeon und ich schauten uns nur an und sagten
lieber nichts. Nach einer Weile nahm Rain sein Hände vom Gesicht und
sah wieder normal aus. Das Dunkle war bis auf einen Schimmer aus
seinen Augen verschwunden und er hatte wieder die weichen,
freundlichen Gesichtszüge.
„Alles
in Ordnung?“, fragte sein Neffe.
„Alles
Okay, verdammte schwarze Magie!“, antwortete Rain. „Danke
Germeon!“ Ich schaute Rain verdutzt an. Erst motzt er Germeon an
und dann bedankt er sich bei ihm. Verkehrte Welt! Da soll noch einer
raus klug werden.
„Wir
gehen zurück!“, bestimmte Rain. „Was machst du mit deiner
Kleinen?“
„Abschied
nehmen, es geht ja nicht anders“, antwortete Germeon.
„Deine
Turnschuhe sind trocken, Henriette hatte sie auf die Heizung gelegt.
Ich gehe noch zur Großmutter und dann nach hause. Vielleicht kommt
Henriette ja mit? Ihr Eltern sind im Urlaub, sie ist hier alleine“, sagte Rain und verabschiedete sich von mir mit einer kurzen
Verbeugung.
„Tschüss
Mia!“, winkte er ihr zu und verließ das Café. Mia schüttelte nur
den Kopf. Dann schaute sie, was Rain ihr auf den Tresen gelegt hatte,
bevor er rausging. „Was ist das denn? Womit hat der denn bezahlt?
Will der meinen Laden kaufen?“, rief sie und kam zu uns an den
Tisch. „Schaut mal, sind die Stücke echt?“
„Das
ist reines Gold, Rain macht öfters solche Scherze“, erklärte Germeon.
„Das
muss ich ihm wiedergeben!“, Mia und war ganz aufgeregt.
„Müssen
sie nicht, der hat da genug von!“, erwiderte Germeon.
„Ist
der Millionär?“, fragte Mia und konnte es immer noch nicht fassen.
„Wenn
sie so wollen, aber da müssen sie noch mehrere Nullen dranhängen, aber die Bezeichnung ist bei uns nicht üblich“, antwortete
Germeon.
„Warum
ist der denn so reich? Und woher wusste er das mit deinen Turnschuhen
und dem Ei? Und wie konnte er dich hier in diesem Café finden? Und
er wusste, dass meine Eltern im Urlaub sind“, wollte ich wissen.
„Rain
besitzt bestimmte Fähigkeiten. Er ist mit Abstand der größte
Magier in unserer Welt. Außerdem ist er der Herrscher unseres
Volkes. Er ist der König der Lux. Es ist das größte und reichste
Land in unserer Welt. Durch die Heirat ist ein weiteres Land unter
seinem Einfluss. Aber du glaubst uns ja nicht, dass wir aus einer
anderen Welt kommen“, berichtete Geramond.
„Sie
kommen wirklich aus einer anderen Welt?“ Mia starte Germeon an.
„Das
ist doch alles nur Quatsch“, antwortete ich. Germeon holte seine
Turnschuhe unter dem Tisch hervor.
„Sie sind wirklich trocken, Rain hatte Recht.“
Ich schaute ihn verblüfft an.
„Sie sind wirklich trocken, Rain hatte Recht.“
Ich schaute ihn verblüfft an.
„Wie
kommen die hier her?“, fragte ich.
„Rain
hat sie hergezaubert, er sieht es nicht gerne, wenn ich mit Strümpfen
durch die Stadt laufe. Ich würde dann für zu viel Aufsehen sorgen“, antwortete Germeon und zog seine schmutzigen Socken aus und schlüpfte
in die Turnschuhe.
„Darf
ich die Socken deines Vaters entsorgen? Sie haben den Weg hierher
ohne Schuhe nicht so gut überstanden“, meinte er.
„Gib
mal her, ich werfe sie in den Müll!“, sagte Mia und ging mit den
Socken fort.
„Henriette,
ich möchte so gerne , dass du mir glaubst. Ich habe mich in dich
verliebt und ich möchte dich nicht schon wieder verlieren. Komm doch
bitte mit in die Welt, wo ich lebe. Ich kann dich jeder Zeit wieder
nach hause bringen, wenn du willst.“
„Germeon,
ich vertraue dir und komme mit. Ich bin auch viel zu neugierig, ob
das stimmt mit der anderen Welt“, entschied ich mich. Germeon stand
auf und kam auf mich zu. Ich stand ebenfalls auf. „Können wir noch
vorher zu mir nach hause gehen, ich möchte noch ein paar Sachen
mitnehmen, oder geht das nicht?“ fragte ich.
„Sicher
geht das. Rain hat mir auch Kleidung mitgebracht. Dann kann ich mich
bei dir umziehen“, erwiderte Germeon und nahm eine Tasche hoch und
stellte sie auf einen Stuhl. Ich konnte schwören, dass dieser Rain
keine Tasche mit hatte, als er ins Café kam. Allmählich fing ich
an, an den ganzen Unsinn zu glauben. Simsalabim, zaubert er doch
einfach mal Kleidung her. Wie praktisch.
„Wo kommt die Kleidung her?“, wollte ich wissen.
„Wo kommt die Kleidung her?“, wollte ich wissen.
„Von
zu hause, Rain hat sie hergezaubert“, antwortete Germeon, als wenn
es das selbstverständlichste von der Welt wäre. Er umarmte mich.
„Ich
bin so glücklich, dass du mitkommst.“
„Okay!“, sagte ich, dann lass uns gehen. Mia kam ins Café gestürmt.
„Ich
war gerade beim Juwelier, der hat mir das ganze Gold abgekauft. Ich
habe Geld! Ich fahre in Urlaub!“, freute sie sich.
„Möchten
sie auch mit in unsere Welt kommen? Sie würden dort einen
wunderschönen Urlaub erleben“, schlug Germeon ihr vor.
„Um
Gottes Willen, nein! Ich fahre in den Schwarzwald zu meiner
Schwester!“, erwiderte sie.
„Gehst
du wirklich mit in diese komische Welt, wenn es sie überhaupt gibt?“, fragte Mia mich.
„Ja,
ich muss doch jetzt wissen, ob das alles stimmt, was die Herren
erzählt haben!“ Entgegnete ich.
„Mädchen
passe auf dich auf!“, riet sie mir.
„Das
mache ich schon!“, versicherte Germeon und wir verabschiedeten uns
von Mia.
„Sage diesem Rain bitte meinen herzlichsten Dank! Er kann bei mir jeder
Zeit um sonst Whisky trinken“, bat Mia. Germeon lachte.
„Werde
ich ihm ausrichten, wird er sich drüber freuen. Aber so viel trinkt
er auch nicht. Das war heute eine Ausnahme.“ erklärte Germeon.
„Wegen
seiner Tochter! Er war sehr traurig. Aber Alkohol hilft da auch
nicht“, meinte Mia und brachte uns zur Tür. Auf dem Weg nach hause
erzählte Germeon mir von seiner Heimat. Wie schön es dort sei und
welche seltsamen Tiere es dort gab. Es hörte sich an, als erzählte
er mir ein Märchen. Zu Hause zog ich mir ein T-shirt und eine Jeans
an und packte ähnliche Kleidung ein.
Meinen
Parker quetschte ich auch noch in die Reisetasche, band mir einen
Pulli um die Taille und war eigentlich fertig. Germeon zog sich in
einem anderen Zimmer um. Ich rief meine Eltern an und teilte ihnen
mit, dass ich zu Freunden in den Urlaub fahre. Den Studenten legte
ich einen Zettel hin, dass sie das Haus möglichst heile lassen
sollten, falls sie wilde Partys feierten. Ich wäre im Urlaub. Als
Germeon das Zimmer betrat, blieb mir fast der Mund offen stehen. Er
hatte die gleiche Kleidung wie Rain an, nur sein Umhang war schwarz
und von innen rot. Die Turnschuhe hatte er gegen halbhohe Stiefel
ausgetauscht, so wie Rain sie trug. Welch eine Ähnlichkeit hatte er
mit Rain. Um seinem Hals hing eine goldene Kette und seine Hand
zierten einige Ringe. Er hatte ebenfalls einen Stab an seinem Gürtel,
allerdings nicht aus Gold.
„Du
siehst ja toll aus!“, sagte ich. Er kam auf mich zu. Sachte
streichelte er mein Haar und näherte sich meinem Gesicht. Er küsste
meine Stirn und meine Wangen. Er schaute mich fragend an. Ich schloss
meine Augen und unsere Lippen fanden sich. Diesen Moment wollte ich
für immer festhalten. Ich wusste, dass ich Germeon über alles
liebte.
„Wir müssen gehen, wenn wir Rain noch treffen wollen“, riss mich Germeon aus dem schönen Traum. Er gab mir noch einen Kuss und nahm meine Tasche.
Fortsetzung folgt...
Copyright by Helga Pikulik
„Wir müssen gehen, wenn wir Rain noch treffen wollen“, riss mich Germeon aus dem schönen Traum. Er gab mir noch einen Kuss und nahm meine Tasche.
Fortsetzung folgt...
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