Mittwoch, 6. Februar 2019

Germeon 4. Fortsetzung Fantasyroman Reihe LUX





Germeon




Wir fuhren mit einem Taxi zu Germeons Urgroßmutter. Sie war eine stattliche ältere Dame. Ich hatte sie öfters im Kindergarten gesehen, wenn sie ihre Urenkelin abholte. Sie kannte mich auch gleich wieder.
„Sie wollen mit Germeon in die Welt der Magie reisen?“, fragte sie.
„So recht kann ich noch gar nicht daran glauben“, antwortete ich.
„Die Welt gibt es!“, bestätigte sie mir. „Ich komme auch daher.“ Erstaunt schaute ich sie an.
„Seid ihr schon da?“, hörten wir Rain rufen und sahen wie er aus dem Schwimmingpool stieg. „Wollt ihr auch erst noch ein paar Runden schwimmen?“, rief er und kam auf uns zu mit einem Handtuch in der Hand.
„Das ist heute viel zu kalt“, antwortete ich.
„Ach was, dass ist erfrischend“, meinte er. „Hat Germeon dich überzeugen können, mit in unsere Welt zu kommen?“ Es war mehr eine Feststellung von Rain als eine Frage. Er rubbelte sich mit dem Handtuch durch die Haare. Der Mann sah verdammt gut aus. Er trug nur eine knappe Badehose. Sein Körper war gut durchtrainiert. Er hatte eine tolle Figur. Rain merkte, dass ich ihn musterte und lächelte mich an. Ich wurde unwillkürlich rot. Er hatte im Moment nichts mehr von seinem stolzen und arrogantem Gehabe an sich. Er sah unheimlich verführerisch aus und er war sich dem auch bewusst. Er kam näher auf mich zu und strich mir übers Haar.
„Germeon ist ein Glückspilz, dass er dich gefunden hat. Seine Hand verweilte an meinem Hinterkopf und ich spürte sein Verlangen, mich zu umarmen. Seine stahlblauen Augen schauten mich liebevoll an und sein wunderschöner roter Mund war so verführerisch. Seine athletische Figur ließ mein Herz stärker klopfen. Dieser Mann hatte etwas an sich, was jede Frau anzog. Für ein paar Sekunden gab es nur noch mich und ihn. Dann ließ er mich los.
 „Ich ziehe mich schnell an, dann können wir in unser Land zurück. Obwohl, ich möchte lieber zu Zara, sagte er.“
„Ist okay“, antwortete Germeon und legte demonstrativ seinen Arm um mich, weil Rain mich schon wieder mit seinem Blick fixierte. „Ich könnte jemanden zum Abtrocknen gebrauchen“, scherzte er und schaute mich immer noch an.
„Rain, nun mach das du ins Haus kommst!“, sprach jetzt seine Großmutter ein Machtwort, da sie das Flirten von ihm nicht mehr mit ansehen konnte. Rain zwinkerte mir zu und ging ins Haus.
„Du musst dir von deinem Onkel nicht alles bieten lassen, auch wenn er der König ist“, wandte sie sich an Germeon.
„Rain hat sich, seit seine Tochter fort ist, sehr verändert. Er ist wieder unberechenbar. Er hatte sich so zum Vorteil verändert, aber jetzt ist er fast wie früher. Er bemüht sich zwar, doch die schwarze Magie und das Verschwinden seiner Tochter macht ihm stark zu schaffen. Zara hat es im Moment nicht leicht mit ihm“, erwiderte er.
„Lass dich nicht von ihm betören, ich liebe dich“, sagte Germeon zu mir und gab mir einen Kuss. „Rain hat eine unwahrscheinliche Ausstrahlung auf Frauen. Sie liegen ihm fast zu Füßen, aber er ist seiner Frau Zara treu. Er flirtet nur gerne. Aber es gab Zeiten vor dieser Ehe, da war er als Frauenheld und Herzensbrecher bekannt.“ Klärte mich Germeon auf.
„Keine Angst, ich bleibe dir treu“, versicherte ich ihm und war mir im gleichen Augenblick nicht mehr so sicher; denn Rain kam aus dem Haus auf uns zu. Ganz in weiß gekleidet. Eine bordeauxfarbene Schärpe um der Taille und einen gleichfarbigen Umhang, der jedoch von innen mit goldenen Fäden durchwebt war. Er trug seinen goldenen Schmuck und dieses mal auch goldene Armbänder. Rain hatte sein schwarzes langes Haar hinten zusammengebunden, was ihn viel jünger aussehen ließ. Ein goldener Reif zierte wieder sein Haupt. Majestätisch und mit stolzer Haltung kam er auf uns zu. Nichts erinnerte mehr an den Rain, der mir vorhin noch schöne Augen gemacht hatte, aber er sah verdammt gut aus.
„Viktoria, bis bald und versuche weiter meine Tochter zu finden. Ich werde die Suche in unserem Land fortsetzen“, verabschiedete er sich von seiner Großmutter.
„Sei vorsichtig!“, ermahnte sie ihn. „Und lass die schwarze Magie ruhen, sonst wird sie bald dich beherrschen!“
„Wenn ich mit ihr meine Tochter retten kann, werde ich sie anwenden“, entgegnete er und seine Gesichtszüge wurden hart.
„Du hast noch mehr Kinder und eine junge Frau, für die du Verantwortung hast, denke immer daran“, gab ihm seine Großmutter mit auf dem Weg. Wir verabschiedeten uns ebenfalls. Wir stellten uns in den Garten dicht zusammen.
„Wir könnten auch mit dem Wagen fahren, aber es wäre ein langer Weg. Wir nehmen den schnelleren. Hoffentlich bist du schwindelfrei. Angst brauchst du nicht haben, wir sind ja bei dir“,  sagte Germeon.
„Wie beruhigend“, entgegnete ich und mir war jetzt schon mulmig im Margen. Germeon umarmte mich und Rain uns beide. Rain schlug seinen Umhang um uns und sprach irgendetwas in einer mir fremden Sprache.
Wir tauchten im Hof einer riesigen Burg auf. Ich begutachtete mich erst einmal, ob ich noch im Besitz aller Körperteile war. Rain musste lachen. Ich schaute mich nun um und sah verschiedene Lebewesen um mich herum und die alte große Burg mit dem weiten Burghof.
„Bin ich jetzt im Märchen?“, fragte ich.
„Wir sind in unserer Welt und befinden uns im Land der Schlangen und Schlangenmenschen. Meine Frau Zara ist die Königin dieses Landes“, antwortete Rain stolz.
„Schlangenmenschen?“, fragte ich. „Na ja, was es nicht alles gibt. Nach diesem turbulenten Flug, oder wie man das nennen soll, glaube ich fast alles.“
„War es so schlimm?“, fragte Germeon und legte den Arm um mich.
„Es war grauenhaft! Ich dachte, ich werde auseinandergerissen. Wenn ich das noch einmal erleben muss, um nach hause zu kommen, entscheide ich mich eventuell fürs Hierbleiben“, stöhnte ich.
„Das wäre wunderbar!“, freute sich Germeon. Ich schaute ihn an und holte nur tief Luft. Sicher wollte ich wieder nach hause, aber da muss es doch noch einen anderen Weg geben, hatte er wenigstens erwähnt. Aber egal, jetzt war ich erstmals hier und wollte Urlaub machen. Im Märchenland.
„Gibt es hier auch Hexen?“, scherzte ich.
„Ja, wir haben in unserer Welt das Hexenland. Wir können es mal besuchen. Es gibt auch Zwerge, Elfen und viele andere Kreaturen“, erzählte Germeon begeistert. Rain hatte sich alles mit angehört und sein Blick ruhte mal wieder die ganze Zeit auf mich. Ich hatte das Gefühl, als wenn er mich mit seinen Augen auszöge, so unverschämt wie der guckte. Nun kam er auch noch auf mich zu und Germeon nahm seinen Arm von meinen Schultern und ging etwas zur Seite. Verdammt, hatte dieser Rain Vorkaufsrecht? Ich erinnerte mich ans Café. Rain setzte sich neben mir und Germeon mir gegenüber. Es hätte eigentlich anders herum sein müssen.
„Ich wünsche dir in unserer Welt einen schönen Aufenthalt. Wenn du möchtest, kannst du und Germeon mit in unser Land der Lux fliegen“, unwillkürlich schaute ich auf die alte Burg.
„Gibt es hier Flugzeuge?“, fragte ich erstaunt. Rain lächelte mich verführerisch an.
„Du bist süß“, meinte er und ergriff wiedermal meine Hand. „Leider haben wir keine Flugzeuge, es sei denn, ich würde dir eins samt Piloten herzaubern. Aber ich glaube, der Pilot wäre sehr verwirrt und könnte vor Schreck nicht mehr fliegen.“
„Und wie reisen sie hier in dieser Welt?“, wollte ich wissen.
„Immer verschieden. Meistens auf großen Vögeln. Ich persönlich bevorzuge meinen Drachen“, sagte er und merkte wohl, dass ich mich veralbert vorkam. „Du bist sehr misstrauisch, habe ich festgestellt.“ Er streifte mit seiner freien Hand eine Haarsträhne aus meiner Stirn und verweilte mit seinen Fingern an meiner Schläfe. Wieder lief mir ein kalter Schauer über den Rücken, wie im Café, als er mich berührte. Unsere Blicke trafen sich und ich spürte sein Verlangen nach mehr. Für einen kurzen Augenblick vergaß ich alles um mich und sah nur Rain. Seine Finger strichen langsam meine Wangen entlang zu meinem Mund und glitten leicht über meine Lippen. Ich spürte den starken Wunsch in mir, ihn zu küssen. Sein Gesicht näherte sich dem Meinen und ich spürte seinen Atem.
„Rain, endlich bist du wieder zurück“, hörte ich eine freundliche, jugendliche Stimme, die mich wieder auf den Boden der Tatsachen führte. Rain schloss für einen Moment die Augen. Dann sah er mich liebevoll an und gab mir einen Kuss auf die Stirn. Er legte den Arm um mich und führte mich die paar Schritte zu Germeon.
„Ich weiß, dass es deine Freundin ist“, sagte er zu ihm und nahm den Arm von meinen Schultern, aber nicht ohne mir noch kurz hinten über den Kopf zu streicheln. „Henriette ist ein wunderbares Mädchen, ich würde mich freuen, wenn du sie für immer gewinnen könntest.“ Inzwischen war ein junges Mädchen näher gekommen und war ein kleines Stückchen weiter von uns stehen geblieben und wartete geduldig. Sie war eine Schönheit, obwohl sie irgendwie fremdartig aussah. Sie schien einige Jahre jünger als ich zu sein. Erst jetzt wandte Rain sich von uns ab und ging auf das Mädchen zu.
„Zara, mein Liebling, hörte ich ihn sagen.“ Ich musste schlucken. Das war seine Frau? Die war ja höchstens siebzehn oder achtzehn. Was muss die wohl gedacht haben, dass Rain mich so anhimmelte. Ich wäre am Liebsten im Erdboden versunken. Da hat Rain so eine hübsche junge Frau und flirtet vor der ihren Augen mit mir herum. Und Germeon nahm auch alles so hin. Hatte der König hier im Land alle Rechte? Fragte ich mich. Rain hatte seine Frau in den Arm genommen und küsste sie.
„Ich habe dich so sehr vermisst“, hörte ich ihn sagen. Wenn das man stimmt, schoss es mir durch den Kopf. Mir fielen Germeons Worte wieder ein, dass Rain seiner Frau treu war, er aber gerne flirtete. Dann hatte ich ja nichts zu befürchten und vielleicht war Germeon deswegen so gelassen. Obwohl, ich meinte, etwas Wut in seinem Gesicht zu sehen. Ich lehnte mich an ihn und er legte seinen Arm um mich und drückte mich etwas an sich. Rain kam mit seiner Frau auf uns zu und stellte uns ihr vor.
„Das ist meine Frau Zara, sie ist die Königin dieses Landes.“
„Ich freue mich, dich in meinem Land begrüßen zu dürfen. Auch dich Germeon. Wir haben uns schon lange nicht mehr gesehen. Fühlt euch wie zu hause. Wenn ihr Wünsche habt, wendet euch bitte ans Personal. Meine Freundin Ria wird euch nachher eure Zimmer zeigen“, hieß Zara uns willkommen. Sie war mir auf Anhieb sympathisch. Wie konnte so ein junges Mädchen diesen Mann heiraten. Der war schätzungsweise fast doppelt so alt. Höchstwahrscheinlich war sie auch seinem Charme verfallen, wie so viele Frauen vor ihr, so wie Germeon mir erzählt hatte.
„Ihr entschuldigt uns?“, sagte Rain und legte seinen Arm um Zara und ging mit ihr Richtung Burg. Zwischen durch blieben sie stehen und Rain umarmte seine Frau und sie küssten sich. Wie ein frisch verliebtes Paar. Aber warum flirtet er dann mit mir? Zara schien Rain etwas zu erzählen, was ihn anscheinend sehr wütend machte. Rain wollte wieder zurück gehen, aber Zara gelang es, ihn davon  abzuhalten.
„Hallo, ich bin auch noch da“, machte Germeon auf sich aufmerksam. Ich fühlte mich ertappt, denn ich schaute Rain nach und meine Gedanken waren ganz bei ihm. Ich hatte sogar ein leichtes Gefühl der Eifersucht empfunden, als Rain Zara küsste. Bevor Zara und Rain weitergingen, schaute Rain zu mir zurück. Ich merkte seinen Blick trotz der Entfernung auf mich ruhen und im selben Moment zweifelte ich an meinen Verstand. Mir war, als hörte ich Rains Stimme in meinem Kopf. Er warnte mich vor Germeon.
„Du bist total abwesend mein Schatz“, stellte Germeon fest. Erschrocken schaute ich ihn an. Aber er lächelte mich an und zog mich an sich und küsste mich. Ich war total verwirrt. Hatte ich mir das mit Rain Stimme nur eingebildet? Dieses Land war gruselig. Am Liebsten würde ich sofort wieder nach hause zurück wirbeln, aber da hatte ich Angst vor. Der Hinweg hatte mir im Moment gereicht.
Warum warnte Rain mich vor Germeon. Der war doch total lieb zu mir und als er mich jetzt küsste, wusste ich, dass ich unendlich in ihm verliebt war.
„Soll ich dir die Drachen zeigen?“, fragte Germeon und führte mich Richtung Park. Überall wuchsen mir unbekannte Blumen oder Bäume, aber sie waren von einer Schönheit und Farbenpracht, die mich für einen Augenblick Rain vergessen ließen.
„Oh, ein Eichhörnchen!“, rief ich begeistert, zwischen den fremdartigen Tieren ein bekanntes zu sehen.
„Die fand Rain so drollig, da hat er sie aus der Menschenwelt einführen lassen. Den Tieren gefällt es glaubig gut bei uns. Sie haben sich unheimlich vermehrt. Rain hat sowie so eine Vorliebe für manche Pflanzen und Tiere aus der Menschenwelt Er bringt oft irgendetwas mit, wenn er bei meiner Urgroßmutter war. Wenn ich sehe, wie er dich anhimmelt, hat er auch eine Vorliebe für menschliche Frauen“, sagte Germeon und ich hörte seine Eifersucht heraus.
„Du bist süß, wenn du eifersüchtig bis“, musste ich lachen.
„Muß ich denn einen Grund haben?“, fragte er ernst.
„Man kann nie wissen“, ärgerte ich ihn.
„Du bist meine Prinzessin“, antwortete er und schnappte mich und wirbelte mich in die Runde.
„Ich werde um dich kämpfen und wenn es gegen meinen König ist!“, behauptete er.
„Ich habe von deinem Kampf aber bis jetzt noch nicht viel gemerkt“, stellte ich fest.
„Solange das Flirten nicht schlimmer wird, denn ich weiß, ich habe im Kampf gegen meinen Onkel keine Chance.“
„Dann lass es bloß sein!“, ermahnte ich ihn. Wir waren inzwischen hinter der Burg angekommen, wo unzählig Vögel auf Weiden herumspazierten. Die Vögel waren Riesen groß, man konnte wirklich darauf sitzen.
„Auf denen fliegt ihr, wie Rain sagte?“, staunte ich.
„Ja, wollen wir eine Runde drehen?“,bot Germeon mir an.
„Niemals! Ich bin nicht schwindelfrei, wenigstens nicht mehr seit dem Hinweg in eure Welt. Da ist ja ein pechschwarzer Vogel. Der ist noch größer als die anderen“, stellte ich fest.
„Der gehört Rain. Der Vogel ist eine besondere Rasse. Es gibt nur wenige davon. Es sind besonders intelligente Tiere. Nur die größten Magier fliegen diese schwarzen Vögel. Rains Zwillingsbruder und ihr Vater fliegen so einen. Ich durfte einmal auf Rains Vogel fliegen. Ich sag dir, nie wieder. Diese Viecher haben ihren eigenen Kopf und machen was sie wollen, wenn man sie nicht mit starker Hand führt. Wollen wir noch zu den Drachen? Dann müssten wir diese Pferde ähnlichen Tiere nehmen“, sagte Germeon.
„Die haben auch Flügel“, stellte ich fest. „Wir gehen lieber wieder zur Burg.“ Germeon musste lachen. „Wie willst du denn mit in das Land der Lux kommen, wenn du Angst vor dem Fliegen hast?“, fragte er.
„Habt ihr Autos? Oder kann Rain eins herzaubern?“, fragte ich.
„Wir haben Pferde. Autos blieben garantiert im Gelände stecken. Wir besitzen wohl Autos, um in die Menschenwelt zu fahren, aber die sind im Land der Lux. Damit kannst du wieder nach hause fahren, wenn du nicht herumgewirbelt werden willst“, teilte Germeon mir mit.
„Das ist schon mal beruhigend“, stellte ich fest. Wir setzten uns auf einer Bank an einem See, welcher am Park angrenzte.
„Es ist wirklich wunderschön in eurer Welt. Warum hat Zara denn Rain geheiratet, der ist doch garantiert doppelt so alt. Und wenn der sich schon mit so vielen Frauen eingelassen hatte“, fragte ich neugierig. „Zara ist noch so jung.“
„Für Zara ist Rain wohl die ganz große Liebe. Sie haben sehr schnell geheiratet, nachdem sie sich kennengelernt hatten. Rain war bereits schon zwei mal verheiratet. Er hat fünf Kinder. Die Älteste ist nur etwas jünger als Zara“, erzählte mir Germeon.
„Und Rain? Liebt er seine Frau?“, fragte ich weiter.
„Du meinst sicher, weil er mit dir flirtet? Ich glaube schon, dass er sie liebt. Seine ganz große Liebe ist und bleibt aber wohl Cira. Sie ist die Königin vom Hexenland. Sie hat sich für Rains Halbbruder Benjamin entschieden und wird ihn bald heiraten. Sie erwartet ein Kind von Rain. Sie hat es ihm einen Tag vor seiner Hochzeit mit Zara mitgeteilt.“
„Weiß Zara das?“, fragte ich schockiert.
„Ja sicher weiß sie das. Sie weiß auch, das Rain diese Hexe Cira immer noch liebt. Cira ist im wahrsten Sinne des Wortes eine Hexe. Sie versuchte Rain immer wieder zu verführen. Ohne Rücksicht auf ihren Verlobten oder Zara.. Aber das ist jetzt endlich vorbei, aber ganz sicher bin ich mir bei Cira nicht.“ Berichtete mir Germeon.
„Warum ist es jetzt vorbei?“, ich wollte jetzt alles wissen. Das war ja wie ein Liebesroman.
„Cira hat erfahren, dass Rain der schwarze Magier ist. Sie hat unheimlich Angst vor ihm. Sie hatte, als sie noch mit Rain zusammen war, schlechte Erfahrungen mit ihm gemacht. Er kann sehr brutal sein, wenn er sich nicht unter Kontrolle hat“, erzählte Germeon mir weiter.
„So wie im Café, als Rain auf den Mann los gehen wollte und du versuchtest ihn zu besänftigen. Da hat Rain, nach dem er sich bei dir bedankte die schwarze Magie erwähnt. Was ist ein schwarzer Magier?“, wollte ich wissen.
„Das dauert jetzt alles zu lange, dir alles zu erzählen. Die schwarze Magie ist das Böse. Rain beherrscht diesen Zauber perfekt. Aber du brauchst keine Angst vor Rain haben“, wir waren inzwischen weiter gegangen und bei der Burg angelangt. Zaras Freundin Ria empfing uns am Eingang. Sie wollte uns unsere Zimmer zeigen.
„Liebes, geh du mit Ria mit, ich muss noch dringend etwas erledigen. Es wird etwas länger dauern. Ria wird dir alles zeigen“, verabschiedete Germeon sich.
„Kann ich nicht mit?“, fragte ich.
„Du magst ja nicht fliegen“, antwortete er mir und gab mir einen Kuss und ging.
„Ich glaube ich will nach hause!“, seufzte ich.
„Ach was, hier ist es sehr schön und ihr Freund kommt sicher bald wieder“, versuchte Ria mich zu trösten. „Ich werde den Herrschaften Bescheid geben, dass sie wieder da sind! Wenn sie einen Wunsch haben, bedienen sie bitte den Gong.“ Ria ging und ich fühlte mich unheimlich einsam. Ich schaute mir das Zimmer genauer an. Es war zwar sehr schön, aber die alten schweren Möbel wirkten auf mich nicht gerade positiv. An den Wänden hingen Bilder mit irgendwelchen Ahnen, die mir das Gefühl gaben, als würden sie mich beobachte. Ich legte mich auf das große Himmelbett und kam mir vor wie in einem Märchen. Immer wieder ging mir alles durch den Kopf, was Germeon mir erzählt hatte. Eigentlich wusste ich nichts über ihn.Wie alte er wohl war und welchen Beruf hatte er, oder war Zauberer sein Beruf? Eine große Schlangenfigur stand auf einem Sockel und schaute mich mit leuchtenden Augen an. Das eine solche Welt existierte! Ich konnte es immer noch nicht fassen. Plötzlich klopfte es an der Tür und mir fiel ein, dass ich nicht abgeschlossen hatte.
„Wer ist da?“, rief ich.
„Ich bin es, Rain! Darf ich reinkommen?“ Der hatte mir gerade noch gefehlt. Der schwarze Magier, was immer das auch bedeute, Germeon hatte gesagt, dass die schwarze Magie das Böe ist. Und das er brutal sein kann. Am Liebsten hätte ich ihn nicht herein gelassen, aber er war ein König und mein Gastgeber. Ich wollte nicht unhöflich sein und bat ihn schweren Herzens herein. Ich stand schnell von dem Bett auf, nicht das dieser Casanova noch auf falsche Gedanken kam. Aber er kam so schnell herein, dass ich noch auf der Bettkante saß.
„Hat mein Neffe ihnen schon etwas über unsere Welt erzählt?“, fragte er.
„Ja, etwas“ antwortete ich. Ich wusste von ihm mehr als Rain sicherlich lieb war. Aber das behielt ich für mich. Jetzt, wo er so vor mir stand, konnte ich Zara verstehen. Dieser Mann war zum Verlieben.
„Darf ich?“, und ohne eine Antwort abzuwarten setzte er sich schräg neben mir aufs Bett.
„Sind deine blonden Haare echt?“, fragte er und spielte mit einer Haarsträhne von mir. Hatte dieser Mann keine anderen Sorgen, als herauszufinden, ob meine Haare blondiert waren oder nicht?
„Sie sind von Natur aus blond“, gab ich ihm zur Antwort. Ich fühlte mich neben ihm unwohl. Wenn er doch nur seine Hand so dicht von meinem Gesicht nehmen würde. Ich wollte ihm meine Haarsträhne entziehen, aber schon hatte er meine Hand genommen und ließ sie auch nicht wieder los. Tausche Hand gegen Haarsträhne, flog es mir durch den Kopf und ich musste unwillkürlich lächeln. Dieses verstand er wohl total falsch, denn er lächelte mich auch an und führte meine Hand zum Mund und küsste sie.
„Ward ihr noch bei den Drachen?“, fragte er, hielt meine Hand noch fest und streichelte sie sanft.
„Nur bei den Vögeln“, antwortete ich.
„Hast du meinen gesehen? Den Pechschwarzen?“, wollte er wissen.
„Ja, er war der größte. Ein schöner Vogel“, entgegnete ich.
„Ja, er ist wundervoll!“, Rain strahlte richtig, wenn er von seinem Vogel sprach. Plötzlich legte er seinen Arm um meine Schultern.

Fortsetzung folgt...


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