Germeon
Wir
fuhren mit einem Taxi zu Germeons Urgroßmutter. Sie war eine stattliche ältere Dame. Ich hatte sie öfters
im Kindergarten gesehen, wenn sie ihre Urenkelin abholte. Sie kannte
mich auch gleich wieder.
„Sie
wollen mit Germeon in die Welt der Magie reisen?“, fragte sie.
„So
recht kann ich noch gar nicht daran glauben“, antwortete ich.
„Die
Welt gibt es!“, bestätigte sie mir. „Ich komme auch daher.“
Erstaunt schaute ich sie an.
„Seid
ihr schon da?“, hörten wir Rain rufen und sahen wie er aus dem
Schwimmingpool stieg. „Wollt ihr auch erst noch ein paar Runden
schwimmen?“, rief er und kam auf uns zu mit einem Handtuch in der
Hand.
„Das
ist heute viel zu kalt“, antwortete ich.
„Ach
was, dass ist erfrischend“, meinte er. „Hat Germeon dich
überzeugen können, mit in unsere Welt zu kommen?“ Es war mehr
eine Feststellung von Rain als eine Frage. Er rubbelte sich mit dem
Handtuch durch die Haare. Der Mann sah verdammt gut aus. Er trug nur
eine knappe Badehose. Sein Körper war gut durchtrainiert. Er hatte
eine tolle Figur. Rain merkte, dass ich ihn musterte und lächelte
mich an. Ich wurde unwillkürlich rot. Er hatte im Moment nichts mehr
von seinem stolzen und arrogantem Gehabe an sich. Er sah unheimlich
verführerisch aus und er war sich dem auch bewusst. Er kam näher
auf mich zu und strich mir übers Haar.
„Germeon ist ein
Glückspilz, dass er dich gefunden hat. Seine Hand verweilte an
meinem Hinterkopf und ich spürte sein Verlangen, mich zu umarmen.
Seine stahlblauen Augen schauten mich liebevoll an und sein
wunderschöner roter Mund war so verführerisch. Seine athletische
Figur ließ mein Herz stärker klopfen. Dieser Mann hatte etwas an
sich, was jede Frau anzog. Für ein paar Sekunden gab es nur noch
mich und ihn. Dann ließ er mich los.
„Ich ziehe mich schnell an,
dann können wir in unser Land zurück. Obwohl, ich möchte lieber zu
Zara, sagte er.“
„Ist
okay“, antwortete Germeon und legte demonstrativ seinen Arm um
mich, weil Rain mich schon wieder mit seinem Blick fixierte. „Ich
könnte jemanden zum Abtrocknen gebrauchen“, scherzte er und
schaute mich immer noch an.
„Rain,
nun mach das du ins Haus kommst!“, sprach jetzt seine Großmutter
ein Machtwort, da sie das Flirten von ihm nicht mehr mit ansehen
konnte. Rain zwinkerte mir zu und ging ins Haus.
„Du
musst dir von deinem Onkel nicht alles bieten lassen, auch wenn er
der König ist“, wandte sie sich an Germeon.
„Rain
hat sich, seit seine Tochter fort ist, sehr verändert. Er ist wieder
unberechenbar. Er hatte sich so zum Vorteil verändert, aber jetzt
ist er fast wie früher. Er bemüht sich zwar, doch die schwarze
Magie und das Verschwinden seiner Tochter macht ihm stark zu
schaffen. Zara hat es im Moment nicht leicht mit ihm“, erwiderte er.
„Lass
dich nicht von ihm betören, ich liebe dich“, sagte Germeon zu mir
und gab mir einen Kuss. „Rain hat eine unwahrscheinliche
Ausstrahlung auf Frauen. Sie liegen ihm fast zu Füßen, aber er ist
seiner Frau Zara treu. Er flirtet nur gerne. Aber es gab Zeiten vor
dieser Ehe, da war er als Frauenheld und Herzensbrecher bekannt.“
Klärte mich Germeon auf.
„Keine
Angst, ich bleibe dir treu“, versicherte ich ihm und war mir im gleichen
Augenblick nicht mehr so sicher; denn Rain kam aus dem Haus auf uns
zu. Ganz in weiß gekleidet. Eine bordeauxfarbene Schärpe um der
Taille und einen gleichfarbigen Umhang, der jedoch von innen mit
goldenen Fäden durchwebt war. Er trug seinen goldenen Schmuck und
dieses mal auch goldene Armbänder. Rain hatte sein schwarzes langes
Haar hinten zusammengebunden, was ihn viel jünger aussehen ließ.
Ein goldener Reif zierte wieder sein Haupt. Majestätisch und mit
stolzer Haltung kam er auf uns zu. Nichts erinnerte mehr an den Rain,
der mir vorhin noch schöne Augen gemacht hatte, aber er sah verdammt
gut aus.
„Viktoria,
bis bald und versuche weiter meine Tochter zu finden. Ich werde die
Suche in unserem Land fortsetzen“, verabschiedete er sich von
seiner Großmutter.
„Sei
vorsichtig!“, ermahnte sie ihn. „Und lass die schwarze Magie
ruhen, sonst wird sie bald dich beherrschen!“
„Wenn
ich mit ihr meine Tochter retten kann, werde ich sie anwenden“, entgegnete er und seine Gesichtszüge wurden hart.
„Du
hast noch mehr Kinder und eine junge Frau, für die du Verantwortung
hast, denke immer daran“, gab ihm seine Großmutter mit auf dem
Weg. Wir verabschiedeten uns ebenfalls. Wir stellten uns in den
Garten dicht zusammen.
„Wir
könnten auch mit dem Wagen fahren, aber es wäre ein langer Weg. Wir
nehmen den schnelleren. Hoffentlich bist du schwindelfrei. Angst
brauchst du nicht haben, wir sind ja bei dir“, sagte Germeon.
„Wie
beruhigend“, entgegnete ich und mir war jetzt schon mulmig im
Margen. Germeon umarmte mich und Rain uns beide. Rain schlug seinen
Umhang um uns und sprach irgendetwas in einer mir fremden Sprache.
Wir
tauchten im Hof einer riesigen Burg auf. Ich begutachtete mich erst
einmal, ob ich noch im Besitz aller Körperteile war. Rain musste
lachen. Ich schaute mich nun um und sah verschiedene Lebewesen um
mich herum und die alte große Burg mit dem weiten Burghof.
„Bin
ich jetzt im Märchen?“, fragte ich.
„Wir
sind in unserer Welt und befinden uns im Land der Schlangen und
Schlangenmenschen. Meine Frau Zara ist die Königin dieses Landes“, antwortete Rain stolz.
„Schlangenmenschen?“, fragte ich. „Na ja, was es nicht alles gibt. Nach diesem
turbulenten Flug, oder wie man das nennen soll, glaube ich fast
alles.“
„War
es so schlimm?“, fragte Germeon und legte den Arm um mich.
„Es
war grauenhaft! Ich dachte, ich werde auseinandergerissen. Wenn ich
das noch einmal erleben muss, um nach hause zu kommen, entscheide ich
mich eventuell fürs Hierbleiben“, stöhnte ich.
„Das
wäre wunderbar!“, freute sich Germeon. Ich schaute ihn an und
holte nur tief Luft. Sicher wollte ich wieder nach hause, aber da
muss es doch noch einen anderen Weg geben, hatte er wenigstens
erwähnt. Aber egal, jetzt war ich erstmals hier und wollte Urlaub
machen. Im Märchenland.
„Gibt es hier auch Hexen?“, scherzte ich.
„Ja,
wir haben in unserer Welt das Hexenland. Wir können es mal besuchen.
Es gibt auch Zwerge, Elfen und viele andere Kreaturen“, erzählte
Germeon begeistert. Rain hatte sich alles mit angehört und sein
Blick ruhte mal wieder die ganze Zeit auf mich. Ich hatte das Gefühl,
als wenn er mich mit seinen Augen auszöge, so unverschämt wie der
guckte. Nun kam er auch noch auf mich zu und Germeon nahm seinen Arm
von meinen Schultern und ging etwas zur Seite. Verdammt, hatte
dieser Rain Vorkaufsrecht? Ich erinnerte mich ans Café. Rain setzte
sich neben mir und Germeon mir gegenüber. Es hätte eigentlich
anders herum sein müssen.
„Ich
wünsche dir in unserer Welt einen schönen Aufenthalt. Wenn du
möchtest, kannst du und Germeon mit in unser Land der Lux fliegen“, unwillkürlich schaute ich auf die alte Burg.
„Gibt
es hier Flugzeuge?“, fragte ich erstaunt. Rain lächelte mich
verführerisch an.
„Du
bist süß“, meinte er und ergriff wiedermal meine Hand. „Leider
haben wir keine Flugzeuge, es sei denn, ich würde dir eins samt
Piloten herzaubern. Aber ich glaube, der Pilot wäre sehr verwirrt
und könnte vor Schreck nicht mehr fliegen.“
„Und
wie reisen sie hier in dieser Welt?“, wollte ich wissen.
„Immer
verschieden. Meistens auf großen Vögeln. Ich persönlich bevorzuge
meinen Drachen“, sagte er und merkte wohl, dass ich mich veralbert
vorkam. „Du bist sehr misstrauisch, habe ich festgestellt.“ Er streifte mit seiner freien Hand eine Haarsträhne aus meiner
Stirn und verweilte mit seinen Fingern an meiner Schläfe. Wieder
lief mir ein kalter Schauer über den Rücken, wie im Café, als er
mich berührte. Unsere Blicke trafen sich und ich spürte sein
Verlangen nach mehr. Für einen kurzen Augenblick vergaß ich alles
um mich und sah nur Rain. Seine Finger strichen langsam meine Wangen
entlang zu meinem Mund und glitten leicht über meine Lippen. Ich
spürte den starken Wunsch in mir, ihn zu küssen. Sein Gesicht
näherte sich dem Meinen und ich spürte seinen Atem.
„Rain,
endlich bist du wieder zurück“, hörte ich eine freundliche,
jugendliche Stimme, die mich wieder auf den Boden der Tatsachen
führte. Rain schloss für einen Moment die Augen. Dann sah er mich
liebevoll an und gab mir einen Kuss auf die Stirn. Er legte den Arm
um mich und führte mich die paar Schritte zu Germeon.
„Ich weiß,
dass es deine Freundin ist“, sagte er zu ihm und nahm den Arm von
meinen Schultern, aber nicht ohne mir noch kurz hinten über den Kopf
zu streicheln. „Henriette ist ein wunderbares Mädchen, ich würde
mich freuen, wenn du sie für immer gewinnen könntest.“ Inzwischen
war ein junges Mädchen näher gekommen und war ein kleines Stückchen
weiter von uns stehen geblieben und wartete geduldig. Sie war eine
Schönheit, obwohl sie irgendwie fremdartig aussah. Sie schien einige
Jahre jünger als ich zu sein. Erst jetzt wandte Rain sich von uns ab
und ging auf das Mädchen zu.
„Zara,
mein Liebling, hörte ich ihn sagen.“ Ich musste schlucken. Das war
seine Frau? Die war ja höchstens siebzehn oder achtzehn. Was muss
die wohl gedacht haben, dass Rain mich so anhimmelte. Ich wäre am
Liebsten im Erdboden versunken. Da hat Rain so eine hübsche junge
Frau und flirtet vor der ihren Augen mit mir herum. Und Germeon nahm
auch alles so hin. Hatte der König hier im Land alle Rechte? Fragte
ich mich. Rain hatte seine Frau in den Arm genommen und küsste sie.
„Ich habe dich so sehr vermisst“, hörte ich ihn sagen. Wenn das
man stimmt, schoss es mir durch den Kopf. Mir fielen Germeons Worte
wieder ein, dass Rain seiner Frau treu war, er aber gerne flirtete.
Dann hatte ich ja nichts zu befürchten und vielleicht war Germeon
deswegen so gelassen. Obwohl, ich meinte, etwas Wut in seinem Gesicht
zu sehen. Ich lehnte mich an ihn und er legte seinen Arm um mich und
drückte mich etwas an sich. Rain kam mit seiner Frau auf uns zu und
stellte uns ihr vor.
„Das
ist meine Frau Zara, sie ist die Königin dieses Landes.“
„Ich
freue mich, dich in meinem Land begrüßen zu dürfen. Auch dich
Germeon. Wir haben uns schon lange nicht mehr gesehen. Fühlt euch
wie zu hause. Wenn ihr Wünsche habt, wendet euch bitte ans Personal.
Meine Freundin Ria wird euch nachher eure Zimmer zeigen“, hieß
Zara uns willkommen. Sie war mir auf Anhieb sympathisch. Wie konnte
so ein junges Mädchen diesen Mann heiraten. Der war schätzungsweise
fast doppelt so alt. Höchstwahrscheinlich war sie auch seinem Charme
verfallen, wie so viele Frauen vor ihr, so wie Germeon mir erzählt
hatte.
„Ihr
entschuldigt uns?“, sagte Rain und legte seinen Arm um Zara und ging
mit ihr Richtung Burg. Zwischen durch blieben sie stehen und Rain
umarmte seine Frau und sie küssten sich. Wie ein frisch verliebtes
Paar. Aber warum flirtet er dann mit mir? Zara schien Rain etwas zu erzählen, was ihn anscheinend sehr wütend machte. Rain wollte wieder zurück gehen, aber Zara gelang es, ihn davon abzuhalten.
„Hallo,
ich bin auch noch da“, machte Germeon auf sich aufmerksam. Ich
fühlte mich ertappt, denn ich schaute Rain nach und meine Gedanken
waren ganz bei ihm. Ich hatte sogar ein leichtes Gefühl der
Eifersucht empfunden, als Rain Zara küsste. Bevor Zara und Rain
weitergingen, schaute Rain zu mir zurück. Ich merkte seinen Blick
trotz der Entfernung auf mich ruhen und im selben Moment zweifelte
ich an meinen Verstand. Mir war, als hörte ich Rains Stimme in
meinem Kopf. Er warnte mich vor Germeon.
„Du
bist total abwesend mein Schatz“, stellte Germeon fest. Erschrocken
schaute ich ihn an. Aber er lächelte mich an und zog mich an sich
und küsste mich. Ich war total verwirrt. Hatte ich mir das mit Rain
Stimme nur eingebildet? Dieses Land war gruselig. Am Liebsten würde
ich sofort wieder nach hause zurück wirbeln, aber da hatte ich Angst
vor. Der Hinweg hatte mir im Moment gereicht.
Warum
warnte Rain mich vor Germeon. Der war doch total lieb zu mir und als
er mich jetzt küsste, wusste ich, dass ich unendlich in ihm verliebt
war.
„Soll
ich dir die Drachen zeigen?“, fragte Germeon und führte mich
Richtung Park. Überall wuchsen mir unbekannte Blumen oder Bäume,
aber sie waren von einer Schönheit und Farbenpracht, die mich für
einen Augenblick Rain vergessen ließen.
„Oh,
ein Eichhörnchen!“, rief ich begeistert, zwischen den fremdartigen
Tieren ein bekanntes zu sehen.
„Die
fand Rain so drollig, da hat er sie aus der Menschenwelt einführen
lassen. Den Tieren gefällt es glaubig gut bei uns. Sie haben sich
unheimlich vermehrt. Rain hat sowie so eine Vorliebe für manche
Pflanzen und Tiere aus der Menschenwelt Er bringt oft irgendetwas
mit, wenn er bei meiner Urgroßmutter war. Wenn ich sehe, wie er dich
anhimmelt, hat er auch eine Vorliebe für menschliche Frauen“, sagte Germeon und ich hörte seine Eifersucht heraus.
„Du
bist süß, wenn du eifersüchtig bis“, musste ich lachen.
„Muß ich denn einen Grund haben?“, fragte er ernst.
„Man
kann nie wissen“, ärgerte ich ihn.
„Du
bist meine Prinzessin“, antwortete er und schnappte mich und
wirbelte mich in die Runde.
„Ich
werde um dich kämpfen und wenn es gegen meinen König ist!“, behauptete er.
„Ich
habe von deinem Kampf aber bis jetzt noch nicht viel gemerkt“, stellte ich fest.
„Solange
das Flirten nicht schlimmer wird, denn ich weiß, ich habe im Kampf
gegen meinen Onkel keine Chance.“
„Dann
lass es bloß sein!“, ermahnte ich ihn. Wir waren inzwischen hinter
der Burg angekommen, wo unzählig Vögel auf Weiden herumspazierten.
Die Vögel waren Riesen groß, man konnte wirklich darauf sitzen.
„Auf
denen fliegt ihr, wie Rain sagte?“, staunte ich.
„Ja,
wollen wir eine Runde drehen?“,bot Germeon mir an.
„Niemals!
Ich bin nicht schwindelfrei, wenigstens nicht mehr seit dem Hinweg in
eure Welt. Da ist ja ein pechschwarzer Vogel. Der ist noch größer
als die anderen“, stellte ich fest.
„Der
gehört Rain. Der Vogel ist eine besondere Rasse. Es gibt nur wenige
davon. Es sind besonders intelligente Tiere. Nur die größten Magier
fliegen diese schwarzen Vögel. Rains Zwillingsbruder und ihr Vater
fliegen so einen. Ich durfte einmal auf Rains Vogel fliegen. Ich sag
dir, nie wieder. Diese Viecher haben ihren eigenen Kopf und machen
was sie wollen, wenn man sie nicht mit starker Hand führt. Wollen
wir noch zu den Drachen? Dann müssten wir diese Pferde ähnlichen
Tiere nehmen“, sagte Germeon.
„Die
haben auch Flügel“, stellte ich fest. „Wir gehen lieber wieder
zur Burg.“ Germeon musste lachen. „Wie willst du denn mit in das
Land der Lux kommen, wenn du Angst vor dem Fliegen hast?“, fragte
er.
„Habt
ihr Autos? Oder kann Rain eins herzaubern?“, fragte ich.
„Wir
haben Pferde. Autos blieben garantiert im Gelände stecken. Wir
besitzen wohl Autos, um in die Menschenwelt zu fahren, aber die sind
im Land der Lux. Damit kannst du wieder nach hause fahren, wenn du
nicht herumgewirbelt werden willst“, teilte Germeon mir mit.
„Das
ist schon mal beruhigend“, stellte ich fest. Wir setzten uns auf
einer Bank an einem See, welcher am Park angrenzte.
„Es
ist wirklich wunderschön in eurer Welt. Warum hat Zara denn Rain
geheiratet, der ist doch garantiert doppelt so alt. Und wenn der sich
schon mit so vielen Frauen eingelassen hatte“, fragte ich
neugierig. „Zara ist noch so jung.“
„Für
Zara ist Rain wohl die ganz große Liebe. Sie haben sehr schnell
geheiratet, nachdem sie sich kennengelernt hatten. Rain war bereits
schon zwei mal verheiratet. Er hat fünf Kinder. Die Älteste ist nur
etwas jünger als Zara“, erzählte mir Germeon.
„Und
Rain? Liebt er seine Frau?“, fragte ich weiter.
„Du
meinst sicher, weil er mit dir flirtet? Ich glaube schon, dass er sie
liebt. Seine ganz große Liebe ist und bleibt aber wohl Cira. Sie ist
die Königin vom Hexenland. Sie hat sich für Rains Halbbruder
Benjamin entschieden und wird ihn bald heiraten. Sie erwartet ein
Kind von Rain. Sie hat es ihm einen Tag vor seiner Hochzeit mit Zara
mitgeteilt.“
„Weiß
Zara das?“, fragte ich schockiert.
„Ja
sicher weiß sie das. Sie weiß auch, das Rain diese Hexe Cira immer
noch liebt. Cira ist im wahrsten Sinne des Wortes eine Hexe. Sie
versuchte Rain immer wieder zu verführen. Ohne Rücksicht auf ihren
Verlobten oder Zara.. Aber das ist jetzt endlich vorbei, aber ganz
sicher bin ich mir bei Cira nicht.“ Berichtete mir Germeon.
„Warum
ist es jetzt vorbei?“, ich wollte jetzt alles wissen. Das war ja wie
ein Liebesroman.
„Cira
hat erfahren, dass Rain der schwarze Magier ist. Sie hat unheimlich
Angst vor ihm. Sie hatte, als sie noch mit Rain zusammen war,
schlechte Erfahrungen mit ihm gemacht. Er kann sehr brutal sein, wenn
er sich nicht unter Kontrolle hat“, erzählte Germeon mir weiter.
„So
wie im Café, als Rain auf den Mann los gehen wollte und du
versuchtest ihn zu besänftigen. Da hat Rain, nach dem er sich bei
dir bedankte die schwarze Magie erwähnt. Was ist ein schwarzer
Magier?“, wollte ich wissen.
„Das
dauert jetzt alles zu lange, dir alles zu erzählen. Die schwarze
Magie ist das Böse. Rain beherrscht diesen Zauber perfekt. Aber du
brauchst keine Angst vor Rain haben“, wir waren inzwischen weiter
gegangen und bei der Burg angelangt. Zaras Freundin Ria empfing uns
am Eingang. Sie wollte uns unsere Zimmer zeigen.
„Liebes,
geh du mit Ria mit, ich muss noch dringend etwas erledigen. Es wird
etwas länger dauern. Ria wird dir alles zeigen“, verabschiedete
Germeon sich.
„Kann
ich nicht mit?“, fragte ich.
„Du
magst ja nicht fliegen“, antwortete er mir und gab mir einen Kuss
und ging.
„Ich
glaube ich will nach hause!“, seufzte ich.
„Ach
was, hier ist es sehr schön und ihr Freund kommt sicher bald
wieder“, versuchte Ria mich zu trösten. „Ich werde den
Herrschaften Bescheid geben, dass sie wieder da sind! Wenn sie einen
Wunsch haben, bedienen sie bitte den Gong.“ Ria ging und ich fühlte
mich unheimlich einsam. Ich schaute mir das Zimmer genauer an. Es war
zwar sehr schön, aber die alten schweren Möbel wirkten auf mich
nicht gerade positiv. An den Wänden hingen Bilder mit irgendwelchen
Ahnen, die mir das Gefühl gaben, als würden sie mich beobachte. Ich
legte mich auf das große Himmelbett und kam mir vor wie in einem
Märchen. Immer wieder ging mir alles durch den Kopf, was Germeon mir
erzählt hatte. Eigentlich wusste ich nichts über ihn.Wie alte er
wohl war und welchen Beruf hatte er, oder war Zauberer sein Beruf?
Eine große Schlangenfigur stand auf einem Sockel und schaute mich
mit leuchtenden Augen an. Das eine solche Welt existierte! Ich konnte
es immer noch nicht fassen. Plötzlich klopfte es an der Tür und mir
fiel ein, dass ich nicht abgeschlossen hatte.
„Wer
ist da?“, rief ich.
„Ich
bin es, Rain! Darf ich reinkommen?“ Der hatte mir gerade noch
gefehlt. Der schwarze Magier, was immer das auch bedeute, Germeon
hatte gesagt, dass die schwarze Magie das Böe ist. Und das er brutal
sein kann. Am Liebsten hätte ich ihn nicht herein gelassen, aber er
war ein König und mein Gastgeber. Ich wollte nicht unhöflich sein
und bat ihn schweren Herzens herein. Ich stand schnell von dem Bett
auf, nicht das dieser Casanova noch auf falsche Gedanken kam. Aber er
kam so schnell herein, dass ich noch auf der Bettkante saß.
„Hat
mein Neffe ihnen schon etwas über unsere Welt erzählt?“, fragte
er.
„Ja,
etwas“ antwortete ich. Ich wusste von ihm mehr als Rain sicherlich
lieb war. Aber das behielt ich für mich. Jetzt, wo er so vor mir
stand, konnte ich Zara verstehen. Dieser Mann war zum Verlieben.
„Darf
ich?“, und ohne eine Antwort abzuwarten setzte er sich schräg
neben mir aufs Bett.
„Sind
deine blonden Haare echt?“, fragte er und spielte mit einer
Haarsträhne von mir. Hatte dieser Mann keine anderen Sorgen, als
herauszufinden, ob meine Haare blondiert waren oder nicht?
„Sie
sind von Natur aus blond“, gab ich ihm zur Antwort. Ich fühlte
mich neben ihm unwohl. Wenn er doch nur seine Hand so dicht von
meinem Gesicht nehmen würde. Ich wollte ihm meine Haarsträhne
entziehen, aber schon hatte er meine Hand genommen und ließ sie auch
nicht wieder los. Tausche Hand gegen Haarsträhne, flog es mir durch
den Kopf und ich musste unwillkürlich lächeln. Dieses verstand er
wohl total falsch, denn er lächelte mich auch an und führte meine
Hand zum Mund und küsste sie.
„Ward
ihr noch bei den Drachen?“, fragte er, hielt meine Hand noch fest
und streichelte sie sanft.
„Nur
bei den Vögeln“, antwortete ich.
„Hast
du meinen gesehen? Den Pechschwarzen?“, wollte er wissen.
„Ja,
er war der größte. Ein schöner Vogel“, entgegnete ich.
„Ja,
er ist wundervoll!“, Rain strahlte richtig, wenn er von seinem Vogel
sprach. Plötzlich legte er seinen Arm um meine Schultern.
Fortsetzung folgt...
Copyright by Helga Pikulik
Fortsetzung folgt...
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