Freitag, 1. Februar 2019

Germeon 2. Fortsetzung Fantasyroman Reihe LUX



Germeon



„Bitte entschuldige, dass ich...“
„Ich kann dich verstehen, dass du mich für so ein hübsches Mädchen hast warten lassen“, unterbrach der Mann Germeon. „So bin ich eben zu dir gekommen.“
„Entschuldige bitte“, antwortete Germeon und hatte eine sehr unterwürfige Haltung angenommen. „Ich weiß, ich durfte dich nicht warten lassen“.
„Wir bleiben hier!“, entschied der fremde Mann und wandte sich an mich.
„Sie wollen uns doch nicht verlassen? Setzen sie sich doch noch etwas zu uns. Ich glaube, Germeon würde sich freuen.“ Ich überlegte noch kurz, aber ich war ziemlich neugierig geworden und wollte auch noch gerne in Germeons Nähe sein. Mir tat es schon leid, dass ich ihn vorhin zurückgestoßen hatte und gehen wollte. Ich begab mich wieder an den Tisch, wo wir gefrühstückt hatten. Ich musste immer wieder den fremden Mann anschauen. Er hatte irgendetwas anziehendes an sich. Er kam näher auf mich zu und ergriff meine Hand und führte sie zu seinem Mund und hauchte einen Kuss darauf.
„Sie sind sehr schön!“, schmeichelte er mir. „Germeon hat Geschmack! Darf ich mich vorstellen, mein Name ist Rain.“ Er hielt immer noch meine Hand fest und schaute mich verführerisch an und ließ seine Blick über meinen Körper wandern. Warum entzog ich ihm nicht einfach meine Hand? Aber ich war so fasziniert von ihm, dass ich einfach dastand und mir seinen musternden Blick gefallen ließ.
„Ich heiße Henriette,“ fand ich endlich wieder zu mir selber und wollte ihm jetzt doch meine Hand entziehen. Er hielt sie jedoch fest und gab mir einen richtigen Kuss darauf.
„Ein schöner Name“, sagte er. „Setzen sie sich doch!“ Germeon ließ sich nichts anmerken, obwohl er doch merkte, wie dieser Rain mit mir flirtete. Rain setzte sich neben mir und Germeon nahm mir gegenüber Platz. Irgendwie kamen mir die beiden plötzlich unheimlich vor. Beide hatten die langen schwarzen Haare und schienen wohl verwandt zu sein, denn die Ähnlichkeit war groß. Und dann die Kleidung von diesem Rain. Wer lief denn in der Öffentlichkeit mit so viel Goldschmuck herum und mit dem Umhang. Aber bis auf die Hautfarbe sahen sie wie Menschen aus. Und wie hatte Germeon mich gefunden? Jetzt ertappte ich mich, dass ich an den Schwachsinn von einer anderen Welt fast glaubte. Vielleicht wirkte der Glühwein noch bei mir.
„Wie haben sie sich kennen gelernt?“, wollte Rain wissen und schaute mich lächelnd an. Ein wunderschönes Lächeln, was mich schon bei Germeon faszinierte. Und eine schöne Stimme hatte dieser Rain. Der könnte jede Frau verführen, schoss es mir mit einmal durch den Kopf.
„Wir haben uns im Regen kennengelernt“, informierte ich ihn knapp, denn ich nahm an, dass er sich mit Germeon nicht treffen wollte, um sich mit ihm über dessen Mädchenfreundschaften zu unterhalten. Rain legte seine Hand auf meine. Ich wollte sie ihm entziehen, aber ein merkwürdiges Gefühl in mir ließ es nicht zu. Was war denn heute los mit mir. Erst verliebe ich mich in Germeon, den ich kaum kannte und jetzt zog mich dieser Rain in seinen Bann. Ich werde nie wieder Glühwein trinken, schwor ich mir. Rain spielte unterdessen mit meinen Fingern und streichelte dann sachte meine Hand. Ein kalter Schauer lief mir über den Rücken und ich bekam eine Gänsehaut. Mir fiel ein Ring an seiner Hand auf. Er hatte das selbe Wappen wie seine Kette. Es stellte einen Drachen da. Ob dieser Mann adelig war? Ein Wappen trug nicht jeder mit sich herum.
„Aus welchem Land kommen sie?“, fragte ich ihn. Er schaute mich mit seinem verführerischen Lächeln an. Endlich ließ er meine Hand los, aber nicht ohne sie vorher zu küssen und ich merkte, wie Germeon aufatmete.
„Schade, dass ich verheiratet bin, sonst hätte ich versucht, sie meinem Neffen auszuspannen“, gab er ungeniert zu. Der war also verheiratet und flirtete mit mir herum? Was war das denn für ein Typ?
„Hat mein Neffe ihnen noch nicht erzählt, wo wir herkommen?“, fragte er mich. „Das sollte er aber, bevor er einem Mädchen in der Welt der Menschen den Kopf verdreht! Meinst du nicht auch, Germeon?“ Rügte Rain Germeon und schaute ihn streng an.
„Er hat mir gesagt, dass er aus einer anderen Welt käme, aber ich habe ihm nicht geglaubt“, nahm ich Germeon in Schutz. Rain war also Germeons Onkel und schien irgendwie Macht auf ihn auszuüben, denn Germeon war ihm scheinbar ganz ergeben. Er sagte keinen Ton und ließ sich nichts anmerken, wenn sein Onkel mich in seiner Gegenwart anmachte.
„Wir kommen wirklich aus einer anderen Welt und gehören zum Volk der Lux“, versuchte Rain mir glaubhaft zu machen.
„Darf ich ihnen etwas bringen?“, fragte Mia uns und musterte ihren seltsamen Gast und schaute mich fragend an?
„Die Herren kommen aus einer anderen Welt“, sagte ich zu Mia.
„Verstehe, Zoo!“ antwortete sie und grinste Germeon an. Dieser verzog jedoch keine Miene.
„Wieso Zoo?“, wollte Rain wissen und schaute Mia fragend an.
„Nicht Affen, Raubkatzen! Luxe!“, erklärte ich ihr.
„Ach so!“, meinte sie. „Keine Bananen. Vielleicht Milch?“ Fragte sie mich und lächelte.
Ich musste lachen und auch Germeon konnte sein Lachen nicht mehr verbergen, entschuldigte sich aber sofort bei seinem Onkel und versuchte wieder ernst zu sein. Mein Gott, musste der bei seinem Onkel unter der Kandare stehen. Mia zwinkerte mir in Richtung Rain zu, als wenn sie sagen wollte: Was ist das für ein Sturkopf; denn Rain verzog keine Miene.
„Sie haben ein lustiges Café!“, stellte Rain fest. „Milch mag ich nicht. Bringen sie mir bitte einen Whisky.“ Germeon und ich sagten fast gleichzeitig: „Mir auch!“ Mia schaute mich fragend an, verstand dann aber wohl, dass ich jetzt etwas Härteres brauchte. Nun saßen wir da und schwiegen uns an. Die beiden Damen waren immer noch da und hatten ihr Interesse voll auf uns gelenkt und auch die Mutter mit dem kleinen Mädchen war noch anwesend. Das Kind starrte schon länger Rain an. Plötzlich stand es auf und ging direkt auf ihn zu. Rain schaute verwundert auf die Kleine.
„Kannst du auch Eier köpfen?“, fragte es.
„Svenja, lass den Herrn in Ruhe, komm hier hin“, rief die Mutter, aber Svenja störte sich nicht daran sondern wartete hartnäckig auf eine Antwort.
„Nein, das kann nur Germeon“, antwortete Rain.
„Wer ist Germeon?“, fragte das Kind.
„Der junge Mann, der dir das Ei wieder gegeben hat.“ Rain wies mit der Hand auf seinen Neffen. Svenja schaute Rain einen Moment an. „Hat er dir das erzählt?“
„Nein, der ist heute sehr schweigsam“, erwiderte Rain.
„Woher weißt du das dann?“, wollte Svenja das Gleiche wissen, was mich auch interessierte.
„Wir sind Zauberer und die wissen viel“, erklärte Rain ihr.
„Ich habe im Fernsehen schon Zauberer gesehen“, antwortete Svenja und gab sich mit Rains Antwort zu Frieden und ging wieder zu ihrer Mutter. „Das sind Zauberer. Aber ein Ei kann der eine Mann nicht köpfen, dafür weiß er aber viel!“ Hörten wir Svenja ihrer Mutter berichten. Ein kurzes Lächeln huschte über Rains Gesicht.
„Wir sind Magier“, wandte Rain sich an mich, während Mia uns die Getränke brachte.
„Sind sie vom Zirkus, der hier am Wochenende seine Zelte aufbaut?“, fragte Mia. Rain schaute sie eiskalt an. „Sie haben es wohl mit den Tieren?“, fragte er und kippte seinen Whisky herunter und bestellte noch einen. Pikiert ging Mia.
„Hast du etwas herausbekommen?“, fragte Rain seinen Neffen.
„Nein, leider nicht. Übrigens kennt Henriette deine Tochter vom Praktikum im Kindergarten“, antwortete Germeon.
„Ich weiß aber auch nicht wo sie ist“, antwortete ich, als ich Rains erwartungsvollen Blick auf mich gerichtet sah. Mia brachte den Whisky.
„Ich wollte vorhin nicht unfreundlich sein, entschuldigen sie bitte“, sagte Rain zu Mia.
„Schon gut“, meinte sie und ging wieder. Germeon schaute seinen Onkel überrascht an.
„Ich muss Höflichkeit noch lernen“, sagte Rain und trank seinen Whisky. „Wenn ich meine Tochter nicht bald finde, schicke ich ein ganzes Heer in die Welt der Menschen und lasse sie suchen“, rief er grimmig, dass die anderen Gäste erschraken. Inzwischen hatte sich das Café gefüllt.
„Wie kann man auch morgens schon Whisky trinken“, schob ein Gast Rains Verhalten auf den Alkohol. Rain erhob sich. Bitte Onkel, lass den Mann. Versuchte Germeon ihn zu besänftigen. Rain hatte jetzt den gleichen dunklen Blick wie seine Tochter, viel mir auf.
„Ich lass mich doch nicht von dem Kerl als Säufer hinstellen“, wurde Rain noch wütender.
„Traurig, wenn man morgens schon Alkohol braucht“, provozierte der Mann ihn. Rain griff nach seinem goldenen Stab, den er am Gürtel befestigt hatte.

Fortsetzung folgt...


copyright by Helga Pikulik

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