Mittwoch, 13. Februar 2019

Germeon Fantasyroman 5. Fortsetzung Reihe LUX




Germeon




„Du bist auch wundervoll!“, er zog mich näher zu sich und sein Gesicht kam meinem ganz nahe. Unsere Wangen berührten sich kaum, aber es verursachte in mir eine Unruhe, die ich zu unterdrücken versuchte. Er sollte nicht merken, welch eine Wirkung er auf mich ausübte. Ich versuchte ihn von mir zu schieben, aber er merkte, dass ich es nur mit halber Kraft tat. Seine Lippen berührten sacht meine Haut. Mein Herz klopfte laut, es war nicht mehr zu unterdrücken und ich wünschte mir nur noch, dass er mich küsste. Unsere Lippen fanden sich und er küsste mich zärtlich. Ich erwiderte seine Küsse und sie wurden immer heißer und verlangender. Er ließ sich aufs Bett fallen und zog mich dabei auf sich. Die Zeit stand für mich still. Ich wollte nur noch diesen Augenblick genießen und ich wünschte mir, er ginge nie vorbei. Noch nie hatte mich ein Mann so leidenschaftlich geküsst. Ich war zu allem bereit. Er zog mir mein T-shirt aus und streichelte meinen Körper und küsste ihn. Doch Rain hörte plötzlich auf mich zu küssen und vergrub sein Gesicht in meine Haare.
„Wir dürfen das nicht!“, hörte ich ihn sagen. Mir wurde bewusst, auf was ich mich hier gerade einließ.Ich dachte an Germeon. Heute hatte ich ihn erst kennengelernt, und schon hätte ich ihn fast mit seinem Onkel betrogen, hätte Rain nicht gestoppt. Aber ich wollte, dass Rain mich liebte. Ich hatte kein schlechtes Gewissen, ich spürte immer noch die heißen Küsse auf meinem Mund. Ich streichelte Rains schwarzes Haar. Es fühlte sich seidig an. Ich wollte ihn küssen. Er schaute mich an und ich sah so viel Liebe in seinen Augen. Wie sollte dieser Mann böse sein. Aber dann viel mir ein, wie schnell er sich im Café von einer Minute auf die andere verändert hatte und zum Fürchten aussah. Ich bekam plötzlich Angst vor ihm und erhob mich und ging zum Fenster um Abstand zu gewinnen. Rain saß auf dem Bett und sagte nichts. Eine beunruhigende Stille lag im Raum. Meine Gefühle spielten Karussell. Einerseits kam er mir unheimlich vor, andererseits ginge ich am Liebsten zu ihm, um zu versuchen, ihn zu verführen. Ich hatte doch gemerkt, er wollte es auch. Wieso hatte er mit einem Male Bedenken? Ein Mann, der schon so viele Frauen verführt hatte. Ein Klopfen an der Tür schreckte uns beide auf. Schnell zog ich mein T-shirt über, welches Rain mir ausgezogen hatte.
„Darf ich hereinkommen?“, hörte ich Zara fragen.
„Ja, sicher“, antwortete ich, aber so sicher war ich mir gar nicht. Rain saß immer noch auf dem Bett als Zara herein kam. Sein Haar war etwas zerzaust und die Bettdecke total verrutscht. Sie überblickte die Situation. Ich wollte ihr sagen, dass nichts passiert war, aber mir blieben die Worte im Hals stecken. Zara ging auf Rain zu und der erhob sich endlich. Sie schaute ihn eine Weile an. Rain legte seinen Arm um sie und drückte sie an sich.
„Ich liebe dich!“, flüsterte er. „Ich weiß!“, antwortete sie leise. Ich wäre mal wieder am Liebsten im Erdboden versunken. Mir viel ein, dass Germeon mir erzählt hatte, Rain habe bestimmte Fähigkeiten. Vielleicht hatte er geahnt, dass Zara kam und hatte darum unser Zusammensein unterbrochen. Eventuell ergibt sich noch einmal eine Gelegenheit, bevor ich wieder nach hause fahre. Ich war mir plötzlich im Klaren, dass das mit Germeon doch nicht die große Liebe war. Da gab es noch stärkere Gefühle, das hatte Rain mir gezeigt. Wie gerne wäre ich jetzt an Zaras Stelle, denn Rain hielt sie immer noch im Arm. Ich musste mich selber über mich wundern wie abgebrüht ich war. Ich nahm mir jetzt schon vor, mit Rain bei der nächsten Gelegenheit zu schlafen. Ich entdeckte eine ganz neue Seite an mir. Es konnte daran liegen, dass Micha mich vor ein paar Tagen wegen einer anderen verlassen hatte. Ich hatte die Zwei in meinem Schlafzimmer überrascht. Dabei wollten Micha und ich in einem Monat heiraten. Ich glaube, darum habe ich mich sofort an Germeon gehangen. Ich suchte Trost und meinte es wäre die große Liebe. Ich konnte Zara verstehen, dass sie sich gleich Rain geschnappt hatte, obwohl er viel älter war. So einen Mann lässt man nicht laufe, wenn man ihn bekommen konnte. Und jetzt wollte ich ihn, wenigstens für eine Nacht. Aber er wäre Zara treu, hatte Germeon gesagt. Das werden wir dann feststellen. Seine Treue war vorhin schon gefährdet. Zara und Rain kamen auf mich zu. Und setzten sich an den kleinen Tisch der mit den wertvoll bestickten Sesseln in dem Zimmer stand. Rain forderte mich auf, mich zu setzen. Seine liebevollen Augen von vorhin waren jetzt kühl. Nichts ließ mehr darauf schließen, dass er mich vielleicht mochte. Ich war nur ein Spielball in seinen Händen. Ihn lockte das Abenteuer. Er hatte garantiert gewusst, dass seine Frau nachkam. Es hatte ihn gereizt, so knapp vorher mich zu verführen .Genau wie er mich immer in Germeons Nähe anmachte. Vermutete ich jetzt. Aber das war mir egal, ich wollte diesen Mann. Ich warf ihm meinen verführerischsten Blick zu, den ich hatte. Es wirkte, allerdings hauptsächlich auf Zara. Sie schaute mich böse an. Eigentlich mochte ich sie ja, aber es ging um Rain. Ich schob meinen Sessel ziemlich dicht zu ihm hin und setzte mich und wandte mich erwartungsvoll ihm zu. Er schaute mich kurz an und wer sagt es denn, sein kühler Blick fing zu schmelzen an.
„Wir wollen mit dir reden“, fing Rain das Gespräch an und seine Augen wanderten immer wieder zu mir. Ich spielte mit meinen Locken, denn es war mir öfters aufgefallen, dass er irgendwie vernarrt in meinem Haar war.
„Was ich sagen wollte“, er war echt irritiert und sein Augen hingen an meinem Mund, den ich etwas öffnete und mit meine Zungenspitze langsam meine obere Lippe befeuchte. Sein Blick wanderte meinen Hals entlang und blieb an meinem Ausschnitt hängen. Zara holte tief Luft. Ich glaube sie war kurz vor dem Explodieren. Doch sie blieb ruhig und verfolgte das Spielchen. Rain stand auf. Sein Hemd war immer noch offen und sein muskulöser Oberkörper kam zum Vorschein. Dieser Mann war so sexy.
„Rain, ziehe dich erst mal an, sonst machst du deinen Besuch noch ganz verrückt!“, sagte Zara ziemlich gelassen. Rain stutzte. Dann viel ihm das Hemd auf. Er knöpfte es zu und versuchte es einigermaßen in die Hose zu stopfen. Er fuhr sich mit den Händen durch die Haare und band sie hinten zusammen. Es klopfte an der Tür und ein junger Mann kam auf Zara zu und sagte ihr etwas in einer Sprache, die ich nicht verstand.
„Ich muss euch leider alleine lassen“, sagte sie. „Aber ich glaube, es wird euch ohne mich nicht langweilig.“ Sie ging auf Rain zu und küsste ihn. „Ich habe nachher noch eine Überraschung für dich, ich glaube, die wird dich sehr freuen. Mach nicht alles kaputt zwischen uns! Ich weiß, sie erinnert dich stark an Cira, aber sie ist eine Fremde.“ Zara drehte sich um und verließ mit dem gutaussehenden Mann das Zimmer. Ich konnte es fast nicht glauben. Sie ließ mich mit ihrem Mann alleine, obwohl sie uns vorhin fast zusammen erwischt hatte. Ich erinnerte Rain an Cira. Das war doch die Hexe, die Rain immer noch liebte, so wie Germeon mir berichtet hatte. Dann hatte ich ja  ein leichteres Spiel. Ich stand auf und ging auf Rain zu.
„Was wolltest du mir sagen?“, flüsterte ich und streichelte seinen Körper. Ich wollte dich vor Germeon warnen“, antwortete er und wich zurück. Doch ich schmiegte mich an ihn.
„Das hattest du doch heute schon gedanklich gemacht. Ich glaube, ich müsste eher vor dir gewarnt werde“, erwiderte ich leise und küsste seinen Oberkörper, denn die Hemdknöpfe hatte ich schon wieder geöffnet.
„Henriette, sei vernünftig. Er nahm meine Hände und wollte mich von sich schieben. Aber ich küsste ihn auf den Mund und schmiegte mich eng an ihn. Er ließ meine Hände los und umarmte mich und erwiderte meine Küsse. Ich zog ihn immer weiter zum Bett.
„Wir dürfen das nicht!“ sagte er und küsste mich aber weiter.
„Gerade Verbotenes reizt doch“, antwortete ich. Ich spürte sein Verlangen mich zu lieben. Aber ich merkte auch, dass er sich mit Macht dagegen werte.
„Denke an Cira. Du liebst sie doch so sehr! Du träumst von ihr. Du brennst vor Verlangen nach ihr“, rief ich ihm Cira ins Gedächtnis und küsste ihn. Er vergaß alles um sich herum und liebte mich. Er nannte mich Cira, aber das war mir egal. Ich hatte es geschafft, von ihm geliebt zu werden und es war wunderschön. Ich lag erschöpft aber glücklich neben ihm. Er vergrub sein Gesicht in meinen Haaren. „Was haben wir getan“, sagte er. „Ich habe Zara betrogen.“
„Sie wird es verkraften, sie kann sich glücklich schätzen, dich als Mann zu haben. Du kannst doch jede Frau bekommen, die du willst.“ Er schaute mich an.
„Du bist eiskalt! Du hast es direkt darauf angelegt, mit mir im Bett zu landen. Als du merktest, dass ich mich dagegen wehrte, hast du mich an Cira erinnert. Du wusstest, dass ich sie über alles liebe.“ Rain stand auf und zog sich schnell an.
„Ich muss sofort zu Zara!“ sagte er mehr zu sich selber.
Ich schlüpfte ebenfalls in meine Kleidung. „Sie braucht es doch gar nicht erfahren“, versuchte ich ihn zu beruhigen.
„Soll ich mit einer Lüge mit ihr leben?“, fauchte er mich an.
„Du wolltest mir doch noch über Germeon etwas sagen“, versuchte ich ihn abzulenken.
„Interessiert nicht mehr. Wenn er mir unter die Augen kommt, bringe ich ihn um!“ entgegnete Rain zornig und begab sich zur Tür. Ich versuchte ihn aufzuhalten.
„Hat dir das mit uns denn gar nichts bedeutet?“, ich legte meine Hand auf seine Schulter.
„Fass mich nie wieder an!“, sagte er wütend und seine Augen waren fast schwarz und sein Blick eiskalt. Ich ließ ihn sofort los, denn ich hatte Angst vor ihm. Da war wieder die Veränderung wie im Café. Rain war wieder ein ganz anderer Mensch. Ach, er war ja kein Mensch. Dann eben ein anderer Lux. Rain lief die Treppen hinunter in die große Eingangshalle und fragte einen Diener, wo er Zara finden könnte. Der wies auf eine Tür, die sich in dem Moment öffnete und mehrere Schlangenmenschen und Zara kamen aus einem Raum. Zara ging lächelnd auf Rain zu.
„Ich muss dich unbedingt sprechen“, hörte ich Rain sagen. So ein Dummkopf, fand ich. Zara schien doch gut drauf zu sein. Sie ist so jung, wer sagt ihm denn, dass sie ihn nicht auch betrügt. Zum Beispiel mit dem junge Mann, der sie aus meinem Zimmer holte. Ich fand, sie gingen sehr vertraut mit einander um.
„Du willst die Überraschung wissen?“, sie lachte. Ich versteckte mich hinter einer der großen Säulen.
„Zara, ich muss dir was sagen“, ungeachtet der anderen Personen in der Halle, die jedoch ziemlich abseits standen, kniete Rain vor Zara nieder.
„Bitte verzeihe mir. Ich bereue es. Es wird nie wieder vorkommen!“ Zara wusste gleich, was Rain meinte und ihr Gesicht wurde traurig und sie schaute in die Richtung, wo ich hinter der Säule stand und vorsichtig von dort das Geschehen beobachtete. Sie konnte mich nicht gesehen haben. Anscheinend sind die hier allwissend.
„Rain ich hatte dich gewarnt! Jetzt ist die Überraschung überflüssig. Ich möchte, dass du mein Land verlässt und dich hier nicht wieder blicken lässt“, Zara wischte sich Tränen aus den Augen. „Ich hatte dich so geliebt, aber du hast nichts Besseres zu tun, als mit der Fremden, sobald ich dir den Rücken kehrte, mich zu betrügen. Wegen der Scheidung hörst du von mir.“
„Zara, ich liebe dich!“, versicherte Rain ihr und war aufgestanden und versuchte sie festzuhalten.
„Das glaube ich dir sogar. Aber ich sehe, du hast dich nicht geändert. Wenn ich dir jetzt verzeihen würde, würdest du mich mit der Nächsten betrügen. Ich kann so nicht mit dir leben. Was willst du mir noch alles zumuten. Das Kind, welches Cira von dir bekommt. Cira, die du mehr liebst als mich. Dein Leben mit der schwarzen Magie. Sie hat dich so zum Nachteil verändert. Pass auf, dass sie dich nicht bald ganz beherrscht. Lebe wohl Rain.“ Zara drehte sich um und ließ Rain einfach stehen. Der junge Mann, der Zara abgeholt hatte, ging jetzt auf Rain zu und legte freundschaftlich seinen Arm um ihn.
„Das wird schon wieder, Zara liebt dich über alles“, versuchte er Rain zu trösten. Rain legte einen Moment seinen Kopf auf die Schulter des Mannes.
„Nein, das ist vorbei. Zara ist eine stolze Frau. Sie wird mir nie verzeihen Ich liebe sie so sehr. Ich will ohne sie nicht mehr leben. Sie hatte eine Überraschung für mich. Ich glaube, sie erwartet ein Kind. Unser Glück wäre perfekt gewesen. Ich habe alles verspielt für ein paar Minuten Vergnügen mit einer Fremden, die mich an Cira erinnerte. Sie hat mir immer wieder gesagt, ich soll an Cira denken. Sie muss von Germeon gewusst haben, dass ich Cira sehr geliebt habe. Ich hatte mich nicht mehr unter Kontrolle. Ich hatte mir vorgestellt, die fremde wäre Cira. Diese lockigen blonden Haare. Sie haben mich so an sie erinnert. Warum hat Zara mich mit dieser Frau alleine gelassen. Sie hat mich auf eine zu harte Probe gestellt und ich habe verloren. Ich habe alles verloren! Naro passe bitte auf Zara auf! Wenn du Germeon siehst, töte ihn für mich. Er ist ein Verräter, hat man heute erfahren.“
„Er ist dein Neffe!“, sagte Naro erschrocken.
„Nein, er ist nicht mehr mein Neffe. Wenn er mir unter die Augen kommt, werde ich ihn eigenhändig töten! Berichte mir bitte laufend, wie es Zara geht. Wenn sie sich scheiden lässt, werde ich mein Amt ablegen und mich ins Land der schwarzen Magie zurückziehen. Lebe wohl!“
„Rain, du weißt, wie gefährlich das für dich ist. Denke an deine Kinder! Das Jüngste ist noch so klein.“
„Es ist bei Betty gut aufgehoben. Die sind alle gut aufgehoben, die brauchen mich nicht!“, antwortete Rain und ging. Er wischte sich die Augen. Er hatte geweint. Ich kam mir so mies vor. Ich hatte gerade das Glück zweier Menschen zerstört, nur weil ich diesen Mann so begehrte. Ich habe nur an mich gedacht. Ich habe Zara Rain nicht gegönnt. Weil ich wegen Micha enttäuscht war, sollte es Anderen auch nicht besser gehen. Was war nur in mich gefahren. Mir fiel ein, dass Rain Germeon töten oder töten lassen wollte. Vielleicht wollte er sich dadurch an mir rächen. Quatsch, er wollte mich schon vorher vor Germeon warnen. Er wäre ein Verräter, hatte Rain zu diesem Naro gesagt. Das konnte ich mir nicht vorstellen. Germeon war dem Rain ja so untergeben, der würde ihn nie verraten oder sonst etwas gegen ihn unternehmen. Ich musste Germeon warnen. Außerdem war er der einzige, den ich hier in der fremden Welt noch hatte. Das mit Rain und mir werde ich ihm natürlich nicht erzählen. Das war auch blöd von Rain, freiwillig Zara alles zu beichten. Hätte er den Mund gehalten und so getan, als wäre alles paletti, wäre er jetzt noch glücklich. Darum brauchte ich mir keine Gewissensbisse machen. Immerhin hatte Rain sein Vergnügen gehabt. Warum hatte er mich immer so angemacht. Er hatte selber Schuld. Ich begab mich auf den Weg in mein Zimmer, um meine Sachen einzupacken. Kurz vor der Tür traf ich auf Zara.

Fortsetzung folgt...


Copyright by Helga Pikulik

Mittwoch, 6. Februar 2019

Germeon 4. Fortsetzung Fantasyroman Reihe LUX





Germeon




Wir fuhren mit einem Taxi zu Germeons Urgroßmutter. Sie war eine stattliche ältere Dame. Ich hatte sie öfters im Kindergarten gesehen, wenn sie ihre Urenkelin abholte. Sie kannte mich auch gleich wieder.
„Sie wollen mit Germeon in die Welt der Magie reisen?“, fragte sie.
„So recht kann ich noch gar nicht daran glauben“, antwortete ich.
„Die Welt gibt es!“, bestätigte sie mir. „Ich komme auch daher.“ Erstaunt schaute ich sie an.
„Seid ihr schon da?“, hörten wir Rain rufen und sahen wie er aus dem Schwimmingpool stieg. „Wollt ihr auch erst noch ein paar Runden schwimmen?“, rief er und kam auf uns zu mit einem Handtuch in der Hand.
„Das ist heute viel zu kalt“, antwortete ich.
„Ach was, dass ist erfrischend“, meinte er. „Hat Germeon dich überzeugen können, mit in unsere Welt zu kommen?“ Es war mehr eine Feststellung von Rain als eine Frage. Er rubbelte sich mit dem Handtuch durch die Haare. Der Mann sah verdammt gut aus. Er trug nur eine knappe Badehose. Sein Körper war gut durchtrainiert. Er hatte eine tolle Figur. Rain merkte, dass ich ihn musterte und lächelte mich an. Ich wurde unwillkürlich rot. Er hatte im Moment nichts mehr von seinem stolzen und arrogantem Gehabe an sich. Er sah unheimlich verführerisch aus und er war sich dem auch bewusst. Er kam näher auf mich zu und strich mir übers Haar.
„Germeon ist ein Glückspilz, dass er dich gefunden hat. Seine Hand verweilte an meinem Hinterkopf und ich spürte sein Verlangen, mich zu umarmen. Seine stahlblauen Augen schauten mich liebevoll an und sein wunderschöner roter Mund war so verführerisch. Seine athletische Figur ließ mein Herz stärker klopfen. Dieser Mann hatte etwas an sich, was jede Frau anzog. Für ein paar Sekunden gab es nur noch mich und ihn. Dann ließ er mich los.
 „Ich ziehe mich schnell an, dann können wir in unser Land zurück. Obwohl, ich möchte lieber zu Zara, sagte er.“
„Ist okay“, antwortete Germeon und legte demonstrativ seinen Arm um mich, weil Rain mich schon wieder mit seinem Blick fixierte. „Ich könnte jemanden zum Abtrocknen gebrauchen“, scherzte er und schaute mich immer noch an.
„Rain, nun mach das du ins Haus kommst!“, sprach jetzt seine Großmutter ein Machtwort, da sie das Flirten von ihm nicht mehr mit ansehen konnte. Rain zwinkerte mir zu und ging ins Haus.
„Du musst dir von deinem Onkel nicht alles bieten lassen, auch wenn er der König ist“, wandte sie sich an Germeon.
„Rain hat sich, seit seine Tochter fort ist, sehr verändert. Er ist wieder unberechenbar. Er hatte sich so zum Vorteil verändert, aber jetzt ist er fast wie früher. Er bemüht sich zwar, doch die schwarze Magie und das Verschwinden seiner Tochter macht ihm stark zu schaffen. Zara hat es im Moment nicht leicht mit ihm“, erwiderte er.
„Lass dich nicht von ihm betören, ich liebe dich“, sagte Germeon zu mir und gab mir einen Kuss. „Rain hat eine unwahrscheinliche Ausstrahlung auf Frauen. Sie liegen ihm fast zu Füßen, aber er ist seiner Frau Zara treu. Er flirtet nur gerne. Aber es gab Zeiten vor dieser Ehe, da war er als Frauenheld und Herzensbrecher bekannt.“ Klärte mich Germeon auf.
„Keine Angst, ich bleibe dir treu“, versicherte ich ihm und war mir im gleichen Augenblick nicht mehr so sicher; denn Rain kam aus dem Haus auf uns zu. Ganz in weiß gekleidet. Eine bordeauxfarbene Schärpe um der Taille und einen gleichfarbigen Umhang, der jedoch von innen mit goldenen Fäden durchwebt war. Er trug seinen goldenen Schmuck und dieses mal auch goldene Armbänder. Rain hatte sein schwarzes langes Haar hinten zusammengebunden, was ihn viel jünger aussehen ließ. Ein goldener Reif zierte wieder sein Haupt. Majestätisch und mit stolzer Haltung kam er auf uns zu. Nichts erinnerte mehr an den Rain, der mir vorhin noch schöne Augen gemacht hatte, aber er sah verdammt gut aus.
„Viktoria, bis bald und versuche weiter meine Tochter zu finden. Ich werde die Suche in unserem Land fortsetzen“, verabschiedete er sich von seiner Großmutter.
„Sei vorsichtig!“, ermahnte sie ihn. „Und lass die schwarze Magie ruhen, sonst wird sie bald dich beherrschen!“
„Wenn ich mit ihr meine Tochter retten kann, werde ich sie anwenden“, entgegnete er und seine Gesichtszüge wurden hart.
„Du hast noch mehr Kinder und eine junge Frau, für die du Verantwortung hast, denke immer daran“, gab ihm seine Großmutter mit auf dem Weg. Wir verabschiedeten uns ebenfalls. Wir stellten uns in den Garten dicht zusammen.
„Wir könnten auch mit dem Wagen fahren, aber es wäre ein langer Weg. Wir nehmen den schnelleren. Hoffentlich bist du schwindelfrei. Angst brauchst du nicht haben, wir sind ja bei dir“,  sagte Germeon.
„Wie beruhigend“, entgegnete ich und mir war jetzt schon mulmig im Margen. Germeon umarmte mich und Rain uns beide. Rain schlug seinen Umhang um uns und sprach irgendetwas in einer mir fremden Sprache.
Wir tauchten im Hof einer riesigen Burg auf. Ich begutachtete mich erst einmal, ob ich noch im Besitz aller Körperteile war. Rain musste lachen. Ich schaute mich nun um und sah verschiedene Lebewesen um mich herum und die alte große Burg mit dem weiten Burghof.
„Bin ich jetzt im Märchen?“, fragte ich.
„Wir sind in unserer Welt und befinden uns im Land der Schlangen und Schlangenmenschen. Meine Frau Zara ist die Königin dieses Landes“, antwortete Rain stolz.
„Schlangenmenschen?“, fragte ich. „Na ja, was es nicht alles gibt. Nach diesem turbulenten Flug, oder wie man das nennen soll, glaube ich fast alles.“
„War es so schlimm?“, fragte Germeon und legte den Arm um mich.
„Es war grauenhaft! Ich dachte, ich werde auseinandergerissen. Wenn ich das noch einmal erleben muss, um nach hause zu kommen, entscheide ich mich eventuell fürs Hierbleiben“, stöhnte ich.
„Das wäre wunderbar!“, freute sich Germeon. Ich schaute ihn an und holte nur tief Luft. Sicher wollte ich wieder nach hause, aber da muss es doch noch einen anderen Weg geben, hatte er wenigstens erwähnt. Aber egal, jetzt war ich erstmals hier und wollte Urlaub machen. Im Märchenland.
„Gibt es hier auch Hexen?“, scherzte ich.
„Ja, wir haben in unserer Welt das Hexenland. Wir können es mal besuchen. Es gibt auch Zwerge, Elfen und viele andere Kreaturen“, erzählte Germeon begeistert. Rain hatte sich alles mit angehört und sein Blick ruhte mal wieder die ganze Zeit auf mich. Ich hatte das Gefühl, als wenn er mich mit seinen Augen auszöge, so unverschämt wie der guckte. Nun kam er auch noch auf mich zu und Germeon nahm seinen Arm von meinen Schultern und ging etwas zur Seite. Verdammt, hatte dieser Rain Vorkaufsrecht? Ich erinnerte mich ans Café. Rain setzte sich neben mir und Germeon mir gegenüber. Es hätte eigentlich anders herum sein müssen.
„Ich wünsche dir in unserer Welt einen schönen Aufenthalt. Wenn du möchtest, kannst du und Germeon mit in unser Land der Lux fliegen“, unwillkürlich schaute ich auf die alte Burg.
„Gibt es hier Flugzeuge?“, fragte ich erstaunt. Rain lächelte mich verführerisch an.
„Du bist süß“, meinte er und ergriff wiedermal meine Hand. „Leider haben wir keine Flugzeuge, es sei denn, ich würde dir eins samt Piloten herzaubern. Aber ich glaube, der Pilot wäre sehr verwirrt und könnte vor Schreck nicht mehr fliegen.“
„Und wie reisen sie hier in dieser Welt?“, wollte ich wissen.
„Immer verschieden. Meistens auf großen Vögeln. Ich persönlich bevorzuge meinen Drachen“, sagte er und merkte wohl, dass ich mich veralbert vorkam. „Du bist sehr misstrauisch, habe ich festgestellt.“ Er streifte mit seiner freien Hand eine Haarsträhne aus meiner Stirn und verweilte mit seinen Fingern an meiner Schläfe. Wieder lief mir ein kalter Schauer über den Rücken, wie im Café, als er mich berührte. Unsere Blicke trafen sich und ich spürte sein Verlangen nach mehr. Für einen kurzen Augenblick vergaß ich alles um mich und sah nur Rain. Seine Finger strichen langsam meine Wangen entlang zu meinem Mund und glitten leicht über meine Lippen. Ich spürte den starken Wunsch in mir, ihn zu küssen. Sein Gesicht näherte sich dem Meinen und ich spürte seinen Atem.
„Rain, endlich bist du wieder zurück“, hörte ich eine freundliche, jugendliche Stimme, die mich wieder auf den Boden der Tatsachen führte. Rain schloss für einen Moment die Augen. Dann sah er mich liebevoll an und gab mir einen Kuss auf die Stirn. Er legte den Arm um mich und führte mich die paar Schritte zu Germeon.
„Ich weiß, dass es deine Freundin ist“, sagte er zu ihm und nahm den Arm von meinen Schultern, aber nicht ohne mir noch kurz hinten über den Kopf zu streicheln. „Henriette ist ein wunderbares Mädchen, ich würde mich freuen, wenn du sie für immer gewinnen könntest.“ Inzwischen war ein junges Mädchen näher gekommen und war ein kleines Stückchen weiter von uns stehen geblieben und wartete geduldig. Sie war eine Schönheit, obwohl sie irgendwie fremdartig aussah. Sie schien einige Jahre jünger als ich zu sein. Erst jetzt wandte Rain sich von uns ab und ging auf das Mädchen zu.
„Zara, mein Liebling, hörte ich ihn sagen.“ Ich musste schlucken. Das war seine Frau? Die war ja höchstens siebzehn oder achtzehn. Was muss die wohl gedacht haben, dass Rain mich so anhimmelte. Ich wäre am Liebsten im Erdboden versunken. Da hat Rain so eine hübsche junge Frau und flirtet vor der ihren Augen mit mir herum. Und Germeon nahm auch alles so hin. Hatte der König hier im Land alle Rechte? Fragte ich mich. Rain hatte seine Frau in den Arm genommen und küsste sie.
„Ich habe dich so sehr vermisst“, hörte ich ihn sagen. Wenn das man stimmt, schoss es mir durch den Kopf. Mir fielen Germeons Worte wieder ein, dass Rain seiner Frau treu war, er aber gerne flirtete. Dann hatte ich ja nichts zu befürchten und vielleicht war Germeon deswegen so gelassen. Obwohl, ich meinte, etwas Wut in seinem Gesicht zu sehen. Ich lehnte mich an ihn und er legte seinen Arm um mich und drückte mich etwas an sich. Rain kam mit seiner Frau auf uns zu und stellte uns ihr vor.
„Das ist meine Frau Zara, sie ist die Königin dieses Landes.“
„Ich freue mich, dich in meinem Land begrüßen zu dürfen. Auch dich Germeon. Wir haben uns schon lange nicht mehr gesehen. Fühlt euch wie zu hause. Wenn ihr Wünsche habt, wendet euch bitte ans Personal. Meine Freundin Ria wird euch nachher eure Zimmer zeigen“, hieß Zara uns willkommen. Sie war mir auf Anhieb sympathisch. Wie konnte so ein junges Mädchen diesen Mann heiraten. Der war schätzungsweise fast doppelt so alt. Höchstwahrscheinlich war sie auch seinem Charme verfallen, wie so viele Frauen vor ihr, so wie Germeon mir erzählt hatte.
„Ihr entschuldigt uns?“, sagte Rain und legte seinen Arm um Zara und ging mit ihr Richtung Burg. Zwischen durch blieben sie stehen und Rain umarmte seine Frau und sie küssten sich. Wie ein frisch verliebtes Paar. Aber warum flirtet er dann mit mir? Zara schien Rain etwas zu erzählen, was ihn anscheinend sehr wütend machte. Rain wollte wieder zurück gehen, aber Zara gelang es, ihn davon  abzuhalten.
„Hallo, ich bin auch noch da“, machte Germeon auf sich aufmerksam. Ich fühlte mich ertappt, denn ich schaute Rain nach und meine Gedanken waren ganz bei ihm. Ich hatte sogar ein leichtes Gefühl der Eifersucht empfunden, als Rain Zara küsste. Bevor Zara und Rain weitergingen, schaute Rain zu mir zurück. Ich merkte seinen Blick trotz der Entfernung auf mich ruhen und im selben Moment zweifelte ich an meinen Verstand. Mir war, als hörte ich Rains Stimme in meinem Kopf. Er warnte mich vor Germeon.
„Du bist total abwesend mein Schatz“, stellte Germeon fest. Erschrocken schaute ich ihn an. Aber er lächelte mich an und zog mich an sich und küsste mich. Ich war total verwirrt. Hatte ich mir das mit Rain Stimme nur eingebildet? Dieses Land war gruselig. Am Liebsten würde ich sofort wieder nach hause zurück wirbeln, aber da hatte ich Angst vor. Der Hinweg hatte mir im Moment gereicht.
Warum warnte Rain mich vor Germeon. Der war doch total lieb zu mir und als er mich jetzt küsste, wusste ich, dass ich unendlich in ihm verliebt war.
„Soll ich dir die Drachen zeigen?“, fragte Germeon und führte mich Richtung Park. Überall wuchsen mir unbekannte Blumen oder Bäume, aber sie waren von einer Schönheit und Farbenpracht, die mich für einen Augenblick Rain vergessen ließen.
„Oh, ein Eichhörnchen!“, rief ich begeistert, zwischen den fremdartigen Tieren ein bekanntes zu sehen.
„Die fand Rain so drollig, da hat er sie aus der Menschenwelt einführen lassen. Den Tieren gefällt es glaubig gut bei uns. Sie haben sich unheimlich vermehrt. Rain hat sowie so eine Vorliebe für manche Pflanzen und Tiere aus der Menschenwelt Er bringt oft irgendetwas mit, wenn er bei meiner Urgroßmutter war. Wenn ich sehe, wie er dich anhimmelt, hat er auch eine Vorliebe für menschliche Frauen“, sagte Germeon und ich hörte seine Eifersucht heraus.
„Du bist süß, wenn du eifersüchtig bis“, musste ich lachen.
„Muß ich denn einen Grund haben?“, fragte er ernst.
„Man kann nie wissen“, ärgerte ich ihn.
„Du bist meine Prinzessin“, antwortete er und schnappte mich und wirbelte mich in die Runde.
„Ich werde um dich kämpfen und wenn es gegen meinen König ist!“, behauptete er.
„Ich habe von deinem Kampf aber bis jetzt noch nicht viel gemerkt“, stellte ich fest.
„Solange das Flirten nicht schlimmer wird, denn ich weiß, ich habe im Kampf gegen meinen Onkel keine Chance.“
„Dann lass es bloß sein!“, ermahnte ich ihn. Wir waren inzwischen hinter der Burg angekommen, wo unzählig Vögel auf Weiden herumspazierten. Die Vögel waren Riesen groß, man konnte wirklich darauf sitzen.
„Auf denen fliegt ihr, wie Rain sagte?“, staunte ich.
„Ja, wollen wir eine Runde drehen?“,bot Germeon mir an.
„Niemals! Ich bin nicht schwindelfrei, wenigstens nicht mehr seit dem Hinweg in eure Welt. Da ist ja ein pechschwarzer Vogel. Der ist noch größer als die anderen“, stellte ich fest.
„Der gehört Rain. Der Vogel ist eine besondere Rasse. Es gibt nur wenige davon. Es sind besonders intelligente Tiere. Nur die größten Magier fliegen diese schwarzen Vögel. Rains Zwillingsbruder und ihr Vater fliegen so einen. Ich durfte einmal auf Rains Vogel fliegen. Ich sag dir, nie wieder. Diese Viecher haben ihren eigenen Kopf und machen was sie wollen, wenn man sie nicht mit starker Hand führt. Wollen wir noch zu den Drachen? Dann müssten wir diese Pferde ähnlichen Tiere nehmen“, sagte Germeon.
„Die haben auch Flügel“, stellte ich fest. „Wir gehen lieber wieder zur Burg.“ Germeon musste lachen. „Wie willst du denn mit in das Land der Lux kommen, wenn du Angst vor dem Fliegen hast?“, fragte er.
„Habt ihr Autos? Oder kann Rain eins herzaubern?“, fragte ich.
„Wir haben Pferde. Autos blieben garantiert im Gelände stecken. Wir besitzen wohl Autos, um in die Menschenwelt zu fahren, aber die sind im Land der Lux. Damit kannst du wieder nach hause fahren, wenn du nicht herumgewirbelt werden willst“, teilte Germeon mir mit.
„Das ist schon mal beruhigend“, stellte ich fest. Wir setzten uns auf einer Bank an einem See, welcher am Park angrenzte.
„Es ist wirklich wunderschön in eurer Welt. Warum hat Zara denn Rain geheiratet, der ist doch garantiert doppelt so alt. Und wenn der sich schon mit so vielen Frauen eingelassen hatte“, fragte ich neugierig. „Zara ist noch so jung.“
„Für Zara ist Rain wohl die ganz große Liebe. Sie haben sehr schnell geheiratet, nachdem sie sich kennengelernt hatten. Rain war bereits schon zwei mal verheiratet. Er hat fünf Kinder. Die Älteste ist nur etwas jünger als Zara“, erzählte mir Germeon.
„Und Rain? Liebt er seine Frau?“, fragte ich weiter.
„Du meinst sicher, weil er mit dir flirtet? Ich glaube schon, dass er sie liebt. Seine ganz große Liebe ist und bleibt aber wohl Cira. Sie ist die Königin vom Hexenland. Sie hat sich für Rains Halbbruder Benjamin entschieden und wird ihn bald heiraten. Sie erwartet ein Kind von Rain. Sie hat es ihm einen Tag vor seiner Hochzeit mit Zara mitgeteilt.“
„Weiß Zara das?“, fragte ich schockiert.
„Ja sicher weiß sie das. Sie weiß auch, das Rain diese Hexe Cira immer noch liebt. Cira ist im wahrsten Sinne des Wortes eine Hexe. Sie versuchte Rain immer wieder zu verführen. Ohne Rücksicht auf ihren Verlobten oder Zara.. Aber das ist jetzt endlich vorbei, aber ganz sicher bin ich mir bei Cira nicht.“ Berichtete mir Germeon.
„Warum ist es jetzt vorbei?“, ich wollte jetzt alles wissen. Das war ja wie ein Liebesroman.
„Cira hat erfahren, dass Rain der schwarze Magier ist. Sie hat unheimlich Angst vor ihm. Sie hatte, als sie noch mit Rain zusammen war, schlechte Erfahrungen mit ihm gemacht. Er kann sehr brutal sein, wenn er sich nicht unter Kontrolle hat“, erzählte Germeon mir weiter.
„So wie im Café, als Rain auf den Mann los gehen wollte und du versuchtest ihn zu besänftigen. Da hat Rain, nach dem er sich bei dir bedankte die schwarze Magie erwähnt. Was ist ein schwarzer Magier?“, wollte ich wissen.
„Das dauert jetzt alles zu lange, dir alles zu erzählen. Die schwarze Magie ist das Böse. Rain beherrscht diesen Zauber perfekt. Aber du brauchst keine Angst vor Rain haben“, wir waren inzwischen weiter gegangen und bei der Burg angelangt. Zaras Freundin Ria empfing uns am Eingang. Sie wollte uns unsere Zimmer zeigen.
„Liebes, geh du mit Ria mit, ich muss noch dringend etwas erledigen. Es wird etwas länger dauern. Ria wird dir alles zeigen“, verabschiedete Germeon sich.
„Kann ich nicht mit?“, fragte ich.
„Du magst ja nicht fliegen“, antwortete er mir und gab mir einen Kuss und ging.
„Ich glaube ich will nach hause!“, seufzte ich.
„Ach was, hier ist es sehr schön und ihr Freund kommt sicher bald wieder“, versuchte Ria mich zu trösten. „Ich werde den Herrschaften Bescheid geben, dass sie wieder da sind! Wenn sie einen Wunsch haben, bedienen sie bitte den Gong.“ Ria ging und ich fühlte mich unheimlich einsam. Ich schaute mir das Zimmer genauer an. Es war zwar sehr schön, aber die alten schweren Möbel wirkten auf mich nicht gerade positiv. An den Wänden hingen Bilder mit irgendwelchen Ahnen, die mir das Gefühl gaben, als würden sie mich beobachte. Ich legte mich auf das große Himmelbett und kam mir vor wie in einem Märchen. Immer wieder ging mir alles durch den Kopf, was Germeon mir erzählt hatte. Eigentlich wusste ich nichts über ihn.Wie alte er wohl war und welchen Beruf hatte er, oder war Zauberer sein Beruf? Eine große Schlangenfigur stand auf einem Sockel und schaute mich mit leuchtenden Augen an. Das eine solche Welt existierte! Ich konnte es immer noch nicht fassen. Plötzlich klopfte es an der Tür und mir fiel ein, dass ich nicht abgeschlossen hatte.
„Wer ist da?“, rief ich.
„Ich bin es, Rain! Darf ich reinkommen?“ Der hatte mir gerade noch gefehlt. Der schwarze Magier, was immer das auch bedeute, Germeon hatte gesagt, dass die schwarze Magie das Böe ist. Und das er brutal sein kann. Am Liebsten hätte ich ihn nicht herein gelassen, aber er war ein König und mein Gastgeber. Ich wollte nicht unhöflich sein und bat ihn schweren Herzens herein. Ich stand schnell von dem Bett auf, nicht das dieser Casanova noch auf falsche Gedanken kam. Aber er kam so schnell herein, dass ich noch auf der Bettkante saß.
„Hat mein Neffe ihnen schon etwas über unsere Welt erzählt?“, fragte er.
„Ja, etwas“ antwortete ich. Ich wusste von ihm mehr als Rain sicherlich lieb war. Aber das behielt ich für mich. Jetzt, wo er so vor mir stand, konnte ich Zara verstehen. Dieser Mann war zum Verlieben.
„Darf ich?“, und ohne eine Antwort abzuwarten setzte er sich schräg neben mir aufs Bett.
„Sind deine blonden Haare echt?“, fragte er und spielte mit einer Haarsträhne von mir. Hatte dieser Mann keine anderen Sorgen, als herauszufinden, ob meine Haare blondiert waren oder nicht?
„Sie sind von Natur aus blond“, gab ich ihm zur Antwort. Ich fühlte mich neben ihm unwohl. Wenn er doch nur seine Hand so dicht von meinem Gesicht nehmen würde. Ich wollte ihm meine Haarsträhne entziehen, aber schon hatte er meine Hand genommen und ließ sie auch nicht wieder los. Tausche Hand gegen Haarsträhne, flog es mir durch den Kopf und ich musste unwillkürlich lächeln. Dieses verstand er wohl total falsch, denn er lächelte mich auch an und führte meine Hand zum Mund und küsste sie.
„Ward ihr noch bei den Drachen?“, fragte er, hielt meine Hand noch fest und streichelte sie sanft.
„Nur bei den Vögeln“, antwortete ich.
„Hast du meinen gesehen? Den Pechschwarzen?“, wollte er wissen.
„Ja, er war der größte. Ein schöner Vogel“, entgegnete ich.
„Ja, er ist wundervoll!“, Rain strahlte richtig, wenn er von seinem Vogel sprach. Plötzlich legte er seinen Arm um meine Schultern.

Fortsetzung folgt...


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Samstag, 2. Februar 2019

Germeon 3. Fortsetzung Fantasyroman Reihe LUX




Germeon


„Rain, bitte! Besinne dich! Wir sind nicht in unserer Welt!“, versuchte Germeon ihn zu besänftigen.
„Und darum glaubst du, du könntest mir vorschreiben was ich zu tun und zu lassen habe?“, fauchte er seinen Neffen böse an. Rains Gesicht hatte harte Gesichtszüge angenommen. Ich glaube, den wollte keiner zum Feind haben. Wie kann sich ein Mensch in so kurzer Zeit so verändern. Vorhin war er noch so liebenswürdig und jetzt zeigte er sich von einer ganz anderen Seite. Er war wirklich zum Fürchten, stellte ich fest. Rain schob seinen Neffen zur Seite. Und ging auf den Mann zu. Wir befürchteten das Schlimmste. Der Mann erhob sich. Rain legte ihm ein Foto hin.
„Haben sie das Mädchen gesehen?“, fragte er. Auch die anderen Gäste an dem Tisch schauten sich das Foto an.
„Das Mädchen war doch bei unserer Moni im Kindergarten, oder?“, fragte der Mann, der aufgestanden war, seine Frau.
„Ja, das stimmt!“, bestätigte diese.
„Es ist meine Tochter“, sagte Rain. Er klang nicht mehr wütend. „Wir suchen sie schon länger. Verstehen sie jetzt, dass man da auch mal gereizt ist? Entschuldigen sie bitte.“ Rain ging wieder zu unserem Tisch.
„Wäre ich auch an ihrer Stelle“, sagte der Mann verständnisvoll. Rain setzte sich an den Tisch und verbarg sein Gesicht in seine Hände und atmete tief durch. Germeon und ich schauten uns nur an und sagten lieber nichts. Nach einer Weile nahm Rain sein Hände vom Gesicht und sah wieder normal aus. Das Dunkle war bis auf einen Schimmer aus seinen Augen verschwunden und er hatte wieder die weichen, freundlichen Gesichtszüge.
„Alles in Ordnung?“, fragte sein Neffe.
„Alles Okay, verdammte schwarze Magie!“, antwortete Rain. „Danke Germeon!“ Ich schaute Rain verdutzt an. Erst motzt er Germeon an und dann bedankt er sich bei ihm. Verkehrte Welt! Da soll noch einer raus klug werden.
„Wir gehen zurück!“, bestimmte Rain. „Was machst du mit deiner Kleinen?“
„Abschied nehmen, es geht ja nicht anders“, antwortete Germeon.
„Deine Turnschuhe sind trocken, Henriette hatte sie auf die Heizung gelegt. Ich gehe noch zur Großmutter und dann nach hause. Vielleicht kommt Henriette ja mit? Ihr Eltern sind im Urlaub, sie ist hier alleine“, sagte Rain und verabschiedete sich von mir mit einer kurzen Verbeugung.
„Tschüss Mia!“, winkte er ihr zu und verließ das Café. Mia schüttelte nur den Kopf. Dann schaute sie, was Rain ihr auf den Tresen gelegt hatte, bevor er rausging. „Was ist das denn? Womit hat der denn bezahlt? Will der meinen Laden kaufen?“, rief sie und kam zu uns an den Tisch. „Schaut mal, sind die Stücke echt?“
„Das ist reines Gold, Rain macht öfters solche Scherze“, erklärte Germeon.
„Das muss ich ihm wiedergeben!“,  Mia und war ganz aufgeregt.
„Müssen sie nicht, der hat da genug von!“, erwiderte Germeon.
„Ist der Millionär?“, fragte Mia und konnte es immer noch nicht fassen.
„Wenn sie so wollen, aber da müssen sie noch mehrere Nullen dranhängen, aber die Bezeichnung ist bei uns nicht üblich“, antwortete Germeon.
„Warum ist der denn so reich? Und woher wusste er das mit deinen Turnschuhen und dem Ei? Und wie konnte er dich hier in diesem Café finden? Und er wusste, dass meine Eltern im Urlaub sind“, wollte ich wissen.
„Rain besitzt bestimmte Fähigkeiten. Er ist mit Abstand der größte Magier in unserer Welt. Außerdem ist er der Herrscher unseres Volkes. Er ist der König der Lux. Es ist das größte und reichste Land in unserer Welt. Durch die Heirat ist ein weiteres Land unter seinem Einfluss. Aber du glaubst uns ja nicht, dass wir aus einer anderen Welt kommen“, berichtete Geramond.
„Sie kommen wirklich aus einer anderen Welt?“ Mia starte Germeon an.
„Das ist doch alles nur Quatsch“, antwortete ich. Germeon holte seine Turnschuhe unter dem Tisch hervor.
„Sie sind wirklich trocken, Rain hatte Recht.“
Ich schaute ihn verblüfft an.
„Wie kommen die hier her?“, fragte ich.
„Rain hat sie hergezaubert, er sieht es nicht gerne, wenn ich mit Strümpfen durch die Stadt laufe. Ich würde dann für zu viel Aufsehen sorgen“, antwortete Germeon und zog seine schmutzigen Socken aus und schlüpfte in die Turnschuhe.
„Darf ich die Socken deines Vaters entsorgen? Sie haben den Weg hierher ohne Schuhe nicht so gut überstanden“, meinte er.
„Gib mal her, ich werfe sie in den Müll!“, sagte Mia und ging mit den Socken fort.
„Henriette, ich möchte so gerne , dass du mir glaubst. Ich habe mich in dich verliebt und ich möchte dich nicht schon wieder verlieren. Komm doch bitte mit in die Welt, wo ich lebe. Ich kann dich jeder Zeit wieder nach hause bringen, wenn du willst.“
„Germeon, ich vertraue dir und komme mit. Ich bin auch viel zu neugierig, ob das stimmt mit der anderen Welt“, entschied ich mich. Germeon stand auf und kam auf mich zu. Ich stand ebenfalls auf. „Können wir noch vorher zu mir nach hause gehen, ich möchte noch ein paar Sachen mitnehmen, oder geht das nicht?“ fragte ich.
„Sicher geht das. Rain hat mir auch Kleidung mitgebracht. Dann kann ich mich bei dir umziehen“, erwiderte Germeon und nahm eine Tasche hoch und stellte sie auf einen Stuhl. Ich konnte schwören, dass dieser Rain keine Tasche mit hatte, als er ins Café kam. Allmählich fing ich an, an den ganzen Unsinn zu glauben. Simsalabim, zaubert er doch einfach mal Kleidung her. Wie praktisch. 
„Wo kommt die Kleidung her?“, wollte ich wissen.
„Von zu hause, Rain hat sie hergezaubert“, antwortete Germeon, als wenn es das selbstverständlichste von der Welt wäre. Er umarmte mich.
„Ich bin so glücklich, dass du mitkommst.“
„Okay!“, sagte ich, dann lass uns gehen. Mia kam ins Café gestürmt.
„Ich war gerade beim Juwelier, der hat mir das ganze Gold abgekauft. Ich habe Geld! Ich fahre in Urlaub!“, freute sie sich.
„Möchten sie auch mit in unsere Welt kommen? Sie würden dort einen wunderschönen Urlaub erleben“, schlug Germeon ihr vor.
„Um Gottes Willen, nein! Ich fahre in den Schwarzwald zu meiner Schwester!“, erwiderte sie.
„Gehst du wirklich mit in diese komische Welt, wenn es sie überhaupt gibt?“, fragte Mia mich.
„Ja, ich muss doch jetzt wissen, ob das alles stimmt, was die Herren erzählt haben!“ Entgegnete ich.
„Mädchen passe auf dich auf!“, riet sie mir.
„Das mache ich schon!“, versicherte Germeon und wir verabschiedeten uns von Mia.
„Sage diesem Rain bitte meinen herzlichsten Dank! Er kann bei mir jeder Zeit um sonst Whisky trinken“, bat Mia. Germeon lachte.
„Werde ich ihm ausrichten, wird er sich drüber freuen. Aber so viel trinkt er auch nicht. Das war heute eine Ausnahme.“ erklärte Germeon.
„Wegen seiner Tochter! Er war sehr traurig. Aber Alkohol hilft da auch nicht“, meinte Mia und brachte uns zur Tür. Auf dem Weg nach hause erzählte Germeon mir von seiner Heimat. Wie schön es dort sei und welche seltsamen Tiere es dort gab. Es hörte sich an, als erzählte er mir ein Märchen. Zu Hause zog ich mir ein T-shirt und eine Jeans an und packte ähnliche Kleidung ein.
Meinen Parker quetschte ich auch noch in die Reisetasche, band mir einen Pulli um die Taille und war eigentlich fertig. Germeon zog sich in einem anderen Zimmer um. Ich rief meine Eltern an und teilte ihnen mit, dass ich zu Freunden in den Urlaub fahre. Den Studenten legte ich einen Zettel hin, dass sie das Haus möglichst heile lassen sollten, falls sie wilde Partys feierten. Ich wäre im Urlaub. Als Germeon das Zimmer betrat, blieb mir fast der Mund offen stehen. Er hatte die gleiche Kleidung wie Rain an, nur sein Umhang war schwarz und von innen rot. Die Turnschuhe hatte er gegen halbhohe Stiefel ausgetauscht, so wie Rain sie trug. Welch eine Ähnlichkeit hatte er mit Rain. Um seinem Hals hing eine goldene Kette und seine Hand zierten einige Ringe. Er hatte ebenfalls einen Stab an seinem Gürtel, allerdings nicht aus Gold.

„Du siehst ja toll aus!“, sagte ich. Er kam auf mich zu. Sachte streichelte er mein Haar und näherte sich meinem Gesicht. Er küsste meine Stirn und meine Wangen. Er schaute mich fragend an. Ich schloss meine Augen und unsere Lippen fanden sich. Diesen Moment wollte ich für immer festhalten. Ich wusste, dass ich Germeon über alles liebte. 
„Wir müssen gehen, wenn wir Rain noch treffen wollen“, riss mich Germeon aus dem schönen Traum. Er gab mir noch einen Kuss und nahm meine Tasche.

Fortsetzung folgt...

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Freitag, 1. Februar 2019

Germeon 2. Fortsetzung Fantasyroman Reihe LUX



Germeon



„Bitte entschuldige, dass ich...“
„Ich kann dich verstehen, dass du mich für so ein hübsches Mädchen hast warten lassen“, unterbrach der Mann Germeon. „So bin ich eben zu dir gekommen.“
„Entschuldige bitte“, antwortete Germeon und hatte eine sehr unterwürfige Haltung angenommen. „Ich weiß, ich durfte dich nicht warten lassen“.
„Wir bleiben hier!“, entschied der fremde Mann und wandte sich an mich.
„Sie wollen uns doch nicht verlassen? Setzen sie sich doch noch etwas zu uns. Ich glaube, Germeon würde sich freuen.“ Ich überlegte noch kurz, aber ich war ziemlich neugierig geworden und wollte auch noch gerne in Germeons Nähe sein. Mir tat es schon leid, dass ich ihn vorhin zurückgestoßen hatte und gehen wollte. Ich begab mich wieder an den Tisch, wo wir gefrühstückt hatten. Ich musste immer wieder den fremden Mann anschauen. Er hatte irgendetwas anziehendes an sich. Er kam näher auf mich zu und ergriff meine Hand und führte sie zu seinem Mund und hauchte einen Kuss darauf.
„Sie sind sehr schön!“, schmeichelte er mir. „Germeon hat Geschmack! Darf ich mich vorstellen, mein Name ist Rain.“ Er hielt immer noch meine Hand fest und schaute mich verführerisch an und ließ seine Blick über meinen Körper wandern. Warum entzog ich ihm nicht einfach meine Hand? Aber ich war so fasziniert von ihm, dass ich einfach dastand und mir seinen musternden Blick gefallen ließ.
„Ich heiße Henriette,“ fand ich endlich wieder zu mir selber und wollte ihm jetzt doch meine Hand entziehen. Er hielt sie jedoch fest und gab mir einen richtigen Kuss darauf.
„Ein schöner Name“, sagte er. „Setzen sie sich doch!“ Germeon ließ sich nichts anmerken, obwohl er doch merkte, wie dieser Rain mit mir flirtete. Rain setzte sich neben mir und Germeon nahm mir gegenüber Platz. Irgendwie kamen mir die beiden plötzlich unheimlich vor. Beide hatten die langen schwarzen Haare und schienen wohl verwandt zu sein, denn die Ähnlichkeit war groß. Und dann die Kleidung von diesem Rain. Wer lief denn in der Öffentlichkeit mit so viel Goldschmuck herum und mit dem Umhang. Aber bis auf die Hautfarbe sahen sie wie Menschen aus. Und wie hatte Germeon mich gefunden? Jetzt ertappte ich mich, dass ich an den Schwachsinn von einer anderen Welt fast glaubte. Vielleicht wirkte der Glühwein noch bei mir.
„Wie haben sie sich kennen gelernt?“, wollte Rain wissen und schaute mich lächelnd an. Ein wunderschönes Lächeln, was mich schon bei Germeon faszinierte. Und eine schöne Stimme hatte dieser Rain. Der könnte jede Frau verführen, schoss es mir mit einmal durch den Kopf.
„Wir haben uns im Regen kennengelernt“, informierte ich ihn knapp, denn ich nahm an, dass er sich mit Germeon nicht treffen wollte, um sich mit ihm über dessen Mädchenfreundschaften zu unterhalten. Rain legte seine Hand auf meine. Ich wollte sie ihm entziehen, aber ein merkwürdiges Gefühl in mir ließ es nicht zu. Was war denn heute los mit mir. Erst verliebe ich mich in Germeon, den ich kaum kannte und jetzt zog mich dieser Rain in seinen Bann. Ich werde nie wieder Glühwein trinken, schwor ich mir. Rain spielte unterdessen mit meinen Fingern und streichelte dann sachte meine Hand. Ein kalter Schauer lief mir über den Rücken und ich bekam eine Gänsehaut. Mir fiel ein Ring an seiner Hand auf. Er hatte das selbe Wappen wie seine Kette. Es stellte einen Drachen da. Ob dieser Mann adelig war? Ein Wappen trug nicht jeder mit sich herum.
„Aus welchem Land kommen sie?“, fragte ich ihn. Er schaute mich mit seinem verführerischen Lächeln an. Endlich ließ er meine Hand los, aber nicht ohne sie vorher zu küssen und ich merkte, wie Germeon aufatmete.
„Schade, dass ich verheiratet bin, sonst hätte ich versucht, sie meinem Neffen auszuspannen“, gab er ungeniert zu. Der war also verheiratet und flirtete mit mir herum? Was war das denn für ein Typ?
„Hat mein Neffe ihnen noch nicht erzählt, wo wir herkommen?“, fragte er mich. „Das sollte er aber, bevor er einem Mädchen in der Welt der Menschen den Kopf verdreht! Meinst du nicht auch, Germeon?“ Rügte Rain Germeon und schaute ihn streng an.
„Er hat mir gesagt, dass er aus einer anderen Welt käme, aber ich habe ihm nicht geglaubt“, nahm ich Germeon in Schutz. Rain war also Germeons Onkel und schien irgendwie Macht auf ihn auszuüben, denn Germeon war ihm scheinbar ganz ergeben. Er sagte keinen Ton und ließ sich nichts anmerken, wenn sein Onkel mich in seiner Gegenwart anmachte.
„Wir kommen wirklich aus einer anderen Welt und gehören zum Volk der Lux“, versuchte Rain mir glaubhaft zu machen.
„Darf ich ihnen etwas bringen?“, fragte Mia uns und musterte ihren seltsamen Gast und schaute mich fragend an?
„Die Herren kommen aus einer anderen Welt“, sagte ich zu Mia.
„Verstehe, Zoo!“ antwortete sie und grinste Germeon an. Dieser verzog jedoch keine Miene.
„Wieso Zoo?“, wollte Rain wissen und schaute Mia fragend an.
„Nicht Affen, Raubkatzen! Luxe!“, erklärte ich ihr.
„Ach so!“, meinte sie. „Keine Bananen. Vielleicht Milch?“ Fragte sie mich und lächelte.
Ich musste lachen und auch Germeon konnte sein Lachen nicht mehr verbergen, entschuldigte sich aber sofort bei seinem Onkel und versuchte wieder ernst zu sein. Mein Gott, musste der bei seinem Onkel unter der Kandare stehen. Mia zwinkerte mir in Richtung Rain zu, als wenn sie sagen wollte: Was ist das für ein Sturkopf; denn Rain verzog keine Miene.
„Sie haben ein lustiges Café!“, stellte Rain fest. „Milch mag ich nicht. Bringen sie mir bitte einen Whisky.“ Germeon und ich sagten fast gleichzeitig: „Mir auch!“ Mia schaute mich fragend an, verstand dann aber wohl, dass ich jetzt etwas Härteres brauchte. Nun saßen wir da und schwiegen uns an. Die beiden Damen waren immer noch da und hatten ihr Interesse voll auf uns gelenkt und auch die Mutter mit dem kleinen Mädchen war noch anwesend. Das Kind starrte schon länger Rain an. Plötzlich stand es auf und ging direkt auf ihn zu. Rain schaute verwundert auf die Kleine.
„Kannst du auch Eier köpfen?“, fragte es.
„Svenja, lass den Herrn in Ruhe, komm hier hin“, rief die Mutter, aber Svenja störte sich nicht daran sondern wartete hartnäckig auf eine Antwort.
„Nein, das kann nur Germeon“, antwortete Rain.
„Wer ist Germeon?“, fragte das Kind.
„Der junge Mann, der dir das Ei wieder gegeben hat.“ Rain wies mit der Hand auf seinen Neffen. Svenja schaute Rain einen Moment an. „Hat er dir das erzählt?“
„Nein, der ist heute sehr schweigsam“, erwiderte Rain.
„Woher weißt du das dann?“, wollte Svenja das Gleiche wissen, was mich auch interessierte.
„Wir sind Zauberer und die wissen viel“, erklärte Rain ihr.
„Ich habe im Fernsehen schon Zauberer gesehen“, antwortete Svenja und gab sich mit Rains Antwort zu Frieden und ging wieder zu ihrer Mutter. „Das sind Zauberer. Aber ein Ei kann der eine Mann nicht köpfen, dafür weiß er aber viel!“ Hörten wir Svenja ihrer Mutter berichten. Ein kurzes Lächeln huschte über Rains Gesicht.
„Wir sind Magier“, wandte Rain sich an mich, während Mia uns die Getränke brachte.
„Sind sie vom Zirkus, der hier am Wochenende seine Zelte aufbaut?“, fragte Mia. Rain schaute sie eiskalt an. „Sie haben es wohl mit den Tieren?“, fragte er und kippte seinen Whisky herunter und bestellte noch einen. Pikiert ging Mia.
„Hast du etwas herausbekommen?“, fragte Rain seinen Neffen.
„Nein, leider nicht. Übrigens kennt Henriette deine Tochter vom Praktikum im Kindergarten“, antwortete Germeon.
„Ich weiß aber auch nicht wo sie ist“, antwortete ich, als ich Rains erwartungsvollen Blick auf mich gerichtet sah. Mia brachte den Whisky.
„Ich wollte vorhin nicht unfreundlich sein, entschuldigen sie bitte“, sagte Rain zu Mia.
„Schon gut“, meinte sie und ging wieder. Germeon schaute seinen Onkel überrascht an.
„Ich muss Höflichkeit noch lernen“, sagte Rain und trank seinen Whisky. „Wenn ich meine Tochter nicht bald finde, schicke ich ein ganzes Heer in die Welt der Menschen und lasse sie suchen“, rief er grimmig, dass die anderen Gäste erschraken. Inzwischen hatte sich das Café gefüllt.
„Wie kann man auch morgens schon Whisky trinken“, schob ein Gast Rains Verhalten auf den Alkohol. Rain erhob sich. Bitte Onkel, lass den Mann. Versuchte Germeon ihn zu besänftigen. Rain hatte jetzt den gleichen dunklen Blick wie seine Tochter, viel mir auf.
„Ich lass mich doch nicht von dem Kerl als Säufer hinstellen“, wurde Rain noch wütender.
„Traurig, wenn man morgens schon Alkohol braucht“, provozierte der Mann ihn. Rain griff nach seinem goldenen Stab, den er am Gürtel befestigt hatte.

Fortsetzung folgt...


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