Samstag, 2. März 2019

Germeon Fantasyroman Reihe LUX 6. Fortsetzung




Germeon



„Sind sie jetzt zufrieden, dass sie erreicht haben, was sie wollten?“, fragte sie mich. Es klang nicht vorwurfsvoll, es klang nur unheimlich traurig. In dem Moment tat sie mir Leid.
„Ich wünschte, ich könnte es ungeschehen machen. Ich war wie besessen von dem Gedanken, Rain  zu besitzen. Er hat aber auch laufend mit mir geflirtet. Germeon sagte, dass das so seine Art wäre, er ihnen aber treu ist. Mich reizte es, herauszufinden, ob ich ihn verführen konnte. Aber es hatte nicht geklappt. Sie haben ja gesehen, als sie ins Zimmer kamen, da war nichts gelaufen. Das hatte mich allerdings noch mehr angeregt, es noch einmal zu versuchen. Ich glaube, jede Frau würde sich wünschen, von diesem wunderbaren Mann geliebt zu werden. Ich hatte es das zweite Mal fast geschafft, als er sich auch diesmal dagegen wehrte. Da habe ich mit einem ganz üblen Mittel gespielt. Sie hatten gesagt, dass ich ihn an Cira erinnerte. Von Germeon wusste ich, wie sehr er sie geliebt hatte. Ich habe ihn geküsst und immer wieder eingeredet, er sollte an Cira denken und wie sehr er sie doch lieben würde. Irgendwann glaubte er wirklich, ich wäre Cira. Er rief ihren Namen. Er hat sie nicht mit mir betrogen, sondern im Gedanken mit Cira. Mir hätte er widerstanden. Er war anschließend total fertig und begab sich sofort zu ihnen, um sie um Verzeihung zu bitten. Ich hatte ihm geraten, doch einfach nichts zu sagen. Er fauchte mich an, er könnte mit der Lüge nicht leben. Und er würde sie lieben. Er hatte so gehofft, sie würden ihm verzeihen. Ich hatte den Eindruck, Rain würde sie nie wieder betrügen. Aber jetzt haben sie ihn praktisch wieder in sein altes Leben hineingeworfen. Er wird keine Ruhe finden und Abwechselung bei anderen Frauen suchen. Ich hoffe nur, nicht im Alkohol, denn im Café, wo ich ihn traf, haute er sich erst einmal am frühen Morgen zwei Whisky rein, weil er wegen seiner Tochter traurig war. Mein Freund hat mich vor einer Woche betrogen und hat mich wegen der anderen Frau verlassen. Wir wollten bald heiraten. Sicher war ich zuerst gekränkt, aber was hätte ich darum gegeben, wenn er zu mir zurück gekommen wäre. Ich liebe ihn immer noch. Ich dumme Gans musste ihnen den Mann ausspannen, weil ich nicht mit meinem Problem fertig werde und anderen nicht das Glück gönnte, was bei mir zerbrach. Es tut mir wirklich unendlich leid. Aber glauben sie mir, Rain liebt sie. So einen Mann gibt man doch nicht freiwillig auf. Übrigens glaubt er, dass ihre Überraschung ein Kind ist. Ich hörte es, als er Naro alles erzählte. Rain hatte gar keinen Lebensmut mehr. Naro hatte ihm gut zugeredet, er sollte bloß keinen Unsinn machen. Rain wollte sein Amt als König ablegen und sich in so ein Land der schwarzen Magie niederlassen.“ Zara hatte sich alles angehört, was ich ihr gesagt hatte. Nun schaute sie mich erschrocken an und fing an zu weinen.
„Ich erwarte ein Kind!“, sagte sie. „Rain liebt Kinder. Und jetzt bringt er sich womöglich um. Mit meinem blöden Stolz habe ich ihn weggejagt. Dabei fehlt er mir jetzt schon. Ich danke ihnen , dass sie mir die Augen geöffnet haben.“
„Naro, halte Rain auf, er darf nicht fort fliegen, sonst flieg ihm nach! Bringe ihn zurück!“, rief Zara
„Sie müssen nicht fort gehen, wandte Zara sich an mich. Ich kann mir vorstellen, wie mein Mann sie angemacht hat. Ich habe es ja einmal selber gesehen. Und ich weiß auch wie verführerisch er sein kann. Die Frauen liegen ihm ja praktisch zu Füßen. Cira hat die gleichen langen, lockigen Haare wie sie. Nur etwas rötlich. Die Lux mögen unheimlich Frauen mit langen Haaren. Irgendwann wird er mich auch mit Cira betrügen. Ich glaube, ich muss mit diesem Problem leben. Die Frauen machen es ihm zu leicht.“
„Ich glaube, so schnell schaut der keine andere Frau mehr an, denn er hat viel zu viel Angst, sie zu verlieren. Rain muss sie unheimlich lieben!“, stellte ich fest.
„Und ich jage ihn von dannen, jetzt, wo wir zusammen unser erstes Kind bekommen. Rain ist ganz vernarrt in Kinder“, antwortete Zara.
„Ja, das konnte ich in dem Café feststellen, da war so ein kleines Mädchen. Rain war unheimlich nett zu der Kleinen, obwohl er ganz schlecht drauf war.“ Zara wurde nervös.
„Hoffentlich ist Rain noch nicht abgeflogen. Seinen Drachen holt so schnell keiner ein. Komm, wir gehen nach unten in die Halle“, forderte sie mich auf.
„Ist es nicht besser, wenn ich nicht dabei bin?“, ich schaute sie fragend an.
„Lassen sie mich bitte nicht alleine. Eigentlich waren sie mir vom Anfang an sehr sympathisch, aber als Rain mit ihnen flirtete, wurde ich natürlich eifersüchtig. Aber wenn ich Rain verzeihe, dann verzeihe ich ihnen auch. Warum sagen wir eigentlich nicht du zueinander. Hier in unserer Welt ist das so üblich. Ich komme auch aus der Welt der Menschen und spreche fremde Menschen erst mal mit Sie an“, meinte Zara. Ich schaute sie überrascht an.

„Du bist ein Mensch?“, fragte ich.
„Ich glaube, jetzt nur noch ein halber, ein Schlangenmensch.“ Zara musste lachen., war aber sofort wieder ernst. Und dann kam Rain in die Halle gestürmt. Wieder fiel er vor Zara auf die Knie und senkte sein Haupt. Ich fand diese Ehrerbietung etwas übertrieben, aber ich stellte mir vor, Micha würde das bei mir machen. Wäre doch sicher ganz romantisch. Rain war immerhin ein König über ein großes Reich und weit und breit der größte Magier, wie Germeon mir erzählt hatte. Dennoch erniedrigte er sich vor seiner Frau, egal, ob irgendwelche Personen dabei waren. Er war auch nicht zu stolz zu weinen. Und so einen Mann von so einer Größe hätte Zara fast zum Teufel geschickt.
Zara forderte Rain auf, sich zu erheben.
"Wie kann ich den Vater meines Kindes fortschicken. Ich liebe dich und ich vermisse dich jetzt schon. Ich hatte mir doch geschworen, immer um dich zu kämpfen. Ich werde dir immer alles verzeihen! Aber ich fühlte mich so verletzt und war zu stolz, dir zu vergeben. Das wird nie wieder vorkommen! Henriette hat mir gesagt, dass man einen Mann wie dich nicht freiwillig aufgibt, und da hat sie Recht.“ Rain nahm Zara in den Arm und küsste sie. 
"Ich danke dir, mein Liebling. Ich will dich nie wieder enttäuschen. Ohne dich hätte mein Leben keinen Sinn. Du bekommst ein Kind? Du machst mich unheimlich Glücklich. Eine kleine Jenny, wie deine Schwester“, freute sich Rain.
„Mein König, es wird vielleicht ein Junge!“, machte Zara die kleine Jenny nach. Sie mussten beide lachen.
„Lass uns nach oben gehen!“, schlug Rain vor, doch Naro kam in die Halle und teilte Rain und Zara mit, dass sie Besuch bekämen.
„Cira und Benjamin sind soeben mit ihrem Drachen gelandet.“
„Cira hat mir noch gerade gefehlt“, stöhnte Zara und sie schaute mich an. „Jetzt wirst du die Hexe persönlich kennenlernen! Rains große Liebe!“
„Zara, nur du bist meine große Liebe. Ich werde nie wieder einer anderen Frau schöne Augen machen!“
„Du verführst die Frauen auch mit geschlossenen Augen!“, hörten wir jemanden rufen. Ich vermutete, dass es Cira war, die die Halle betrat und Rains Worte wohl noch gehört hatte. Teufel noch mal, war das eine hübsche junge Frau. Ihre rotblondes gelocktes Haar reichte ihr fast bis zur Hüfte. Sie trug einen Minirock und ihr Top war auch nur ein knapper Stofffetzen. Sie hatte unheimlich hübsche Beine. Ich konnte Rain verstehen, dass ihm diese Frau im Kopf herumspukte. So sahen also in diese Welt Hexen aus. Ich kannte nur die hässlichen alten Hexen aus den Märchenbüchern.
„Hast du jetzt Geschmack am Drachenfliegen gefunden?“, fragt Zara.
„Ja, himmlisch. Ich habe mir auf diesem Flug erst mal die Landschaft angeschaut. Das letzte Mal hatte ich ja noch so viel Angst. Wir haben meinen Vater und Mira wieder mitgebracht. Ich dachte, wenn wir euch besuchen, freut ihr euch sicher, wenn sie mit kommen.“
„Das ist sehr nett von euch“, Zara begrüßte sie mit einer leichten Umarmung. Cira blieb vor mir stehen. Zara machte uns miteinander bekannt.
„Sie haben wunderschöne Haare!“, stellte Cira fest. „Damit können sie den König der Lux begeistern!“ Es hörte sich etwas zynisch an. Sie drehte sich um und schaute Rain lächelnd an.
„Hallo, Rain!“, begrüßte sie ihn.
„Cira!“, sagte er kühl und deutete eine kleine Verbeugung an. „Schön dass ihr gekommen seid!“ Inzwischen waren noch drei Personen hereingekommen. Sie wurden von Zara und Rain herzlich begrüßt und mir vorgestellt. Es waren Benjamin, der Verlobte von Cira, der unheimlich Ähnlichkeit mit Rain hatte, nur wesentlich jünger war. Benjamins Mutter Mira und Ciras Vater. Ria forderte alle auf, ins Esszimmer zu gehen. Auch Naro und sein Vater gesellten sich zu uns. Außerdem noch einige Schlangenmenschen und Lux. Rain hatte nur noch Augen für seine Frau. Er schaute weder Cira noch mich an. Manche spitze Bemerkungen von Cira überhörte er einfach. Es wurde ein wundervolles Abendessen aufgetischt mit einem herrlichen Wein. Rain stand auf und goss sich einen Whisky ein, den er sofort herunterkippte. Den zweiten nahm er mit zum Tisch. Ich beobachtete Rain. So locker wie er sich gab, war er meiner Meinung nach nicht. Sicher machte ihm das Verschwinden seiner Tochter zu schaffen. Aber was hatte Germeon verbrochen, dass Rain ihn töten wollte. Er hatte ihn einen Verräter genannt. Ich wollte Germeon bei den Weiden abfangen und ihn warnen, aber Zara hatte mich ja aufgehalten und nun saß ich hier am Esstisch. Aber Germeon war doch sein Neffe, den konnte Rain doch nicht einfach töten. In was für eine Welt war ich nur geraten. Gab es denn hier keine Gerichte und Verteidiger? Während ich noch darüber nachdachte ging die Tür auf und Germeon kam herein.
„Hallo, zusammen!“, begrüßte er alle gut gelaunt und wollte auf mich zukommen. Ich schaute unwillkürlich auf Rain. Der erhob sich so schnell, dass sein Stuhl krachend nach hinten kippte. Alle erschraken und auch Germeon blieb ebenfalls erschrocken stehen. Alle starrten Rain an. Dem seine Gesichtszüge waren wie versteinert. Sein Blick war düster. Er ergriff seinem goldenen Stab, welcher am Gürtel hing. Inzwischen hatte ich erfahren, dass es sich um Zauberstäbe handelte , die die meisten Personen immer griffbereit mit sich führten. Warum zog Germeon nicht seinen Zauberstab, um sich eventuell zu verteidigen. Aber dann viel mir ein, dass er mir erzählt hatte, dass er gegen Rain keine Chance hatte.
„Wie kannst du es wagen, mir noch unter die Augen zu treten? Rain erhob den Stab und richtete ihn auf Germeon. Dieser flog gegen die Wand des Raumes. Und dir elende Ratte habe ich vertraut.“ Rain ging auf Germeon zu.
„Er hat mich unter Druck gesetzt. Er wollte mich töten!“, versuchte Germeon sich zu rechtfertigen. „Und was glaubst du, was ich jetzt mit dir mache?“, fragte Rain zornig und erhob den Zauberstab erneut.
„Rain, bitte lass ihn gehen! Du willst doch nicht deinen Neffen töten?“, versuchte Zara ihn umzustimmen. Sie stand auf und legte ihre Hand auf seinen Arm.
„Du weißt, er hat es verdient!“, sagte Rain und sein Ton duldete keinen Widerspruch. „Geh voraus, befahl er Germeon."
„Bitte, mein König, habe Erbarmen!“, wandte dieser sich an Rain.
„Hattest du Erbarmen, als du meine Tochter entführtest? Glaubtest du wirklich, wir kommen dir nicht auf die Schliche? Du hast dich mit deinem Urgroßvater eingelassen, weil du machthungrig bist und nicht weil er dich töten wollte. Er hat einen neuen Handlanger gebraucht, weil mein Zwillingsbruder ihn noch rechtzeitig verlassen hat und er mit mir nicht rechnen konnte. Was wurde dir versprochen? Das du der zukünftige schwarze Magier bist und das Land der dunklen Mächte dir gehören wird? Du Schwachkopf. Die dunklen Mächte sind besiegt. Das Land gehört mir, denn ich bin der schwarze Magier, falls du das noch nicht mitbekommen hast. Ich werde meinen Großvater finden und wenn er dem Mädchen auch nur ein Haar gekrümmt hat, werde ich dich töten. Egal wo du bist, ich werde dich immer finden. Mach das du raus kommst! Nur um Zaras Willen verschone ich dich im Moment.“ Germeon verließ das Zimmer. Man hörte ein Aufatmen im Raum. Rain nahm seine Frau in den Arm. „Du darfst dich nicht aufregen in deinem Zustand!“, sagte er sanft zu ihr. „Du hast es doch selber gehört, als ich heute die Wahrheit über Germeon erfuhr. Hat er keine Strafe verdient?“
„Aber nicht gleich den Tod!“, entgegnete sie und setzte sich wieder.
„Entschuldigt bitte den kleinen Zwischenfall! Er war im heutigen Abendprogramm nicht eingeplant. Ich wünsche euch weiterhin einen guten Appetit Es hat ja keinen Toten gegeben!“, sagte Rain zu seinen Gästen und brachte ein gequältes Lächeln hervor. Allmählich kam wieder Leben in die Anwesenden, denn sie hatten wie erstarrt dagesessen.
„Ich kann euch etwas Erfreuliches mitteilen, ich bekomme ein Kind, das heißt, Zara bekommt das Kind, aber es ist auch meins.“ Rain schien noch etwas durcheinander zu sein. Alle machten den Eindruck, als hätten sie den Vorfall mit Germeon verdrängt. Sie freuten sich mit Zara und Rain. Nur die Hexe schaute etwas verdrießlich rein. Immerhin bekam sie ja auch ein Kind von Rain, wie Germeon mir erzählt hatte. Ich staunte, wie schnell Rain sich verändern konnte. Ich habe es ja heute schon öfters erlebt. Jetzt war er wieder locker und sprach mit allen, als wenn gar nichts vorgefallen wäre. Dabei hätte er vor ein paar Minuten fast seinen Neffen umgebracht. Mir lief ein kalter Schauer über den Rücken. Wie konnte ich mich mit dem überhaupt einlassen. Der ist ja unberechenbar. Die einzige Person, die auf ihn Einfluss nehmen konnte schien Zara zu sein.

Ende
Copyrigth by Helga Pikulik


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