Gehasster Liebling
„Dort
hinten sieht es noch dunkler aus, als wenn sich dort ein Gebirge
befindet.“ Meinte ich.
„Dann
lasst uns nachsehen, eventuell finden wir eine Höhle, denn es wir
garantiert ein Gewitter geben“, schlug Tom vor. Also liefen wir in
die Richtung. Es war jedoch nicht einfach. Der Wald wurde zwar
lichter, dafür nahmen aber die Büsche und wildes Gestrüpp zu.
„Habt
ihr auch bemerkt, dass, wie weiter wir gehen, hier immer mehr
Pflanzen wachsen, die wir noch nie gesehen haben“, fragte Eva
Maria.
„Das
viel mir schon im Wald auf, manche Bäume waren mir total
unbekannt!“, antwortete Tom.
„Und
wie komisch die gewachsen waren, total verdreht und miteinander
verschlungen, andere hatten einen unheimlich großen Umfang und ragten
enorm hoch.“ Teilte ich meine Beobachtungen mit.
„Es
gab unnatürlich viele Baumhöhlen, ob es hier so viele Vögel
gibt?“, stellte Eva Maria fest, „ich bin wenigstens froh, dass
wir aus diesem Wald raus sind.“
„Dieses
Gestrüpp finde ich genau so unheimlich“, bemerkte ich.
„Was
ich komisch finde ist folgendes“, meinte Tom. Ich kenne diese
Gegend ziemlich gut, denn ich bin die ersten dreizehn Jahre hier
aufgewachsen. Meine Eltern gehört der Bauernhof, wo ihr zur Zeit
Urlaub macht.“
„Endlich
eine Erklärung, warum du auch hier bist“, rutschte es mir heraus.
„Hast
wohl schon an Spionage gedacht, dass ich einen Geheimagenten raus
finden ließ, wo ihr Urlaub macht?“, alberte Tom herum.
„Ich
konnte es mir nur nicht erklären, dass du ausgerechnet hier
auftauchtest, wo wir Urlaub machen. Das war zu komisch!“
„Ich
muss zugeben, ich habe dem Zufall etwas nachgeholfen“, gestand Tom,
„ich hatte die Wahl. Entweder mit meiner Mutter Urlaub in Italien
oder bei meinem Vater hier auf dem Bauernhof zu machen. Mein Vater erzählte
mir, dass Gäste aus meinem jetzigen Wohnort kämen mit
gleichaltrigen Jugendlichen. Er fragte, ob ich zufällig den Namen
kennen würde, den er mir nannte. Da war meine Urlaubsentscheidung
gefallen.“
„Du
hast wegen uns auf Italien verzichtet? Das gibt es doch nicht, das
ist nicht normal!“, rief ich. Eva Maria lachte sich halb schlapp
und tat ihren Senf dazu:
„Muss
Liebe schön sein!“ Ich hätte sie in dem Moment in der Luft
zerreißen können.
„Für
Manuela gehe ich bis ans Ende der Welt!“, versicherte Tom.
Ich
musste lachen und sagte zu ihm: „Da brauchst du nicht mehr weit gehen, so wie das hier aussieht, sind wir dort gerade angelangt."
Schlagartig
wurden wir uns unserer jetzigen Situation wieder bewusst. Das Lachen
war uns wieder vergangen. Aber wir waren wenigstens einen kleinen
Augenblick fröhlich. Wir hatten zwar Vollmond, aber der verschwand
immer häufiger hinter dichten Wolken. Nun hatte er es wohl
vorgezogen, dort zu bleiben. Es war erschreckend finster und der
Schein meiner Taschenlampe verbreitete ein gespensterhaftes Licht.
„Jetzt
fängt es auch noch an zu regnen, so ein Mist“, fluchte Eva Maria,
„und laufen kann ich auch nicht mehr. Ich will sofort zurück!“,
rief sie und stampfte wie ein kleines dickköpfiges Kind mit dem Fuß
auf. Das Gebirge lag weiter zurück, als wir es eingeschätzt hatten,
aber endlich hatten wir es erreicht. Wir waren total fertig und vom
Regen durchweicht. Und zu allem Übel überholte uns noch ein
Gewitter, welches wir schon aus der Ferne gehört hatten. Ich konnte
mich nicht erinnern,dass ich jemals so ein starkes Gewitter miterlebt
hatte. Die Blitze gaben sich am Himmel fast die Hand und ein Donnern
und Krachen folgten am laufenden Band. Das Licht der Blitze erhellte
das zerklüftete Gebirge und tauchte die Umgebung in eine
furchterregende, gespenstische Landschaft. Von irgendwo hörten wir
Wasserfälle rauschen und hier und da polterten Felsbrocken aus der
Höhe. Tom holte eine Taschenlampe aus seinem Rucksack, welche
wesentlich heller war als meine. Er leuchtete die Felswände ab.
„Hier
sind ja unheimlich viele Höhleneingänge!“, stellte er erstaunt
fest.
„Vielleicht
hausen da wilde Tiere drin, oder gar Gespenster!“, befürchtete Eva
Maria.
„Lasst
uns hier vorne reingehen, ehe uns noch ein Blitz trifft.“, schlug
Tom vor.
Das
überzeugte sogar Eva Maria.
Wir
ließen netterweise Tom den Vortritt, und klemmten uns dann dicht
hinter ihn. Er leuchtete die Höhle aus. Soweit wie wir schauen
konnten, war sie leer. Erschöpft ließen wir uns auf den Felsbrocken
nieder, die wohl irgendwann mal von der Decke gestürzt waren. Keiner
sprach ein Wort, wir waren total kaputt. Außerdem zitterten wir am
ganzen Körper, denn die nasse Kleidung klebte an uns und das Wasser
tropfte nur so aus unseren Haaren. Es hatte sich draußen stark
abgekühlt, aber die Höhle erschien mir noch wesentlich kälter.
„Ich
vermute, wir bekommen alle eine Lungenentzündung“, äußerte sich
Eva Maria nach einer Weile.
Fortsetzung folgt...
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