Samstag, 25. Januar 2014

10. Fortsetzung: Gehasster Liebling




                         Gehasster Liebling


„Dort hinten sieht es noch dunkler aus, als wenn sich dort ein Gebirge befindet.“ Meinte ich.
„Dann lasst uns nachsehen, eventuell finden wir eine Höhle, denn es wir garantiert ein Gewitter geben“, schlug Tom vor. Also liefen wir in die Richtung. Es war jedoch nicht einfach. Der Wald wurde zwar lichter, dafür nahmen aber die Büsche und wildes Gestrüpp zu.
„Habt ihr auch bemerkt, dass, wie weiter wir gehen, hier immer mehr Pflanzen wachsen, die wir noch nie gesehen haben“, fragte Eva Maria.
„Das viel mir schon im Wald auf, manche Bäume waren mir total unbekannt!“, antwortete Tom.
„Und wie komisch die gewachsen waren, total verdreht und miteinander verschlungen, andere hatten einen unheimlich großen Umfang und ragten enorm hoch.“ Teilte ich meine Beobachtungen mit.
„Es gab unnatürlich viele Baumhöhlen, ob es hier so viele Vögel gibt?“, stellte Eva Maria fest, „ich bin wenigstens froh, dass wir aus diesem Wald raus sind.“
„Dieses Gestrüpp finde ich genau so unheimlich“, bemerkte ich.
„Was ich komisch finde ist folgendes“, meinte Tom. Ich kenne diese Gegend ziemlich gut, denn ich bin die ersten dreizehn Jahre hier aufgewachsen. Meine Eltern gehört der Bauernhof, wo ihr zur Zeit Urlaub macht.“
„Endlich eine Erklärung, warum du auch hier bist“, rutschte es mir heraus.
„Hast wohl schon an Spionage gedacht, dass ich einen Geheimagenten raus finden ließ, wo ihr Urlaub macht?“, alberte Tom herum.
„Ich konnte es mir nur nicht erklären, dass du ausgerechnet hier auftauchtest, wo wir Urlaub machen. Das war zu komisch!“
„Ich muss zugeben, ich habe dem Zufall etwas nachgeholfen“, gestand Tom, „ich hatte die Wahl. Entweder mit meiner Mutter Urlaub in Italien oder bei meinem Vater hier auf dem Bauernhof zu machen. Mein Vater erzählte mir, dass Gäste aus meinem jetzigen Wohnort kämen mit gleichaltrigen Jugendlichen. Er fragte, ob ich zufällig den Namen kennen würde, den er mir nannte. Da war meine Urlaubsentscheidung gefallen.“
„Du hast wegen uns auf Italien verzichtet? Das gibt es doch nicht, das ist nicht normal!“, rief ich. Eva Maria lachte sich halb schlapp und tat ihren Senf dazu:
„Muss Liebe schön sein!“ Ich hätte sie in dem Moment in der Luft zerreißen können.
„Für Manuela gehe ich bis ans Ende der Welt!“, versicherte Tom.
Ich musste lachen und sagte zu ihm: „Da brauchst du nicht mehr weit gehen, so wie das hier aussieht, sind wir dort gerade angelangt."
Schlagartig wurden wir uns unserer jetzigen Situation wieder bewusst. Das Lachen war uns wieder vergangen. Aber wir waren wenigstens einen kleinen Augenblick fröhlich. Wir hatten zwar Vollmond, aber der verschwand immer häufiger hinter dichten Wolken. Nun hatte er es wohl vorgezogen, dort zu bleiben. Es war erschreckend finster und der Schein meiner Taschenlampe verbreitete ein gespensterhaftes Licht.
„Jetzt fängt es auch noch an zu regnen, so ein Mist“, fluchte Eva Maria, „und laufen kann ich auch nicht mehr. Ich will sofort zurück!“, rief sie und stampfte wie ein kleines dickköpfiges Kind mit dem Fuß auf. Das Gebirge lag weiter zurück, als wir es eingeschätzt hatten, aber endlich hatten wir es erreicht. Wir waren total fertig und vom Regen durchweicht. Und zu allem Übel überholte uns noch ein Gewitter, welches wir schon aus der Ferne gehört hatten. Ich konnte mich nicht erinnern,dass ich jemals so ein starkes Gewitter miterlebt hatte. Die Blitze gaben sich am Himmel fast die Hand und ein Donnern und Krachen folgten am laufenden Band. Das Licht der Blitze erhellte das zerklüftete Gebirge und tauchte die Umgebung in eine furchterregende, gespenstische Landschaft. Von irgendwo hörten wir Wasserfälle rauschen und hier und da polterten Felsbrocken aus der Höhe. Tom holte eine Taschenlampe aus seinem Rucksack, welche wesentlich heller war als meine. Er leuchtete die Felswände ab.
„Hier sind ja unheimlich viele Höhleneingänge!“, stellte er erstaunt fest.
„Vielleicht hausen da wilde Tiere drin, oder gar Gespenster!“, befürchtete Eva Maria.
„Lasst uns hier vorne reingehen, ehe uns noch ein Blitz trifft.“, schlug Tom vor.
Das überzeugte sogar Eva Maria.
Wir ließen netterweise Tom den Vortritt, und klemmten uns dann dicht hinter ihn. Er leuchtete die Höhle aus. Soweit wie wir schauen konnten, war sie leer. Erschöpft ließen wir uns auf den Felsbrocken nieder, die wohl irgendwann mal von der Decke gestürzt waren. Keiner sprach ein Wort, wir waren total kaputt. Außerdem zitterten wir am ganzen Körper, denn die nasse Kleidung klebte an uns und das Wasser tropfte nur so aus unseren Haaren. Es hatte sich draußen stark abgekühlt, aber die Höhle erschien mir noch wesentlich kälter.
„Ich vermute, wir bekommen alle eine Lungenentzündung“, äußerte sich Eva Maria nach einer Weile.


Fortsetzung folgt...




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