Donnerstag, 5. Februar 2015

Lass uns zum Regenbogen gehen 2. Fortsetzung - Ein Weihnachtsmärchen für Kinder

Lass uns zum Regenbogen gehen


Die Kinder bedankten sich bei der Fee und dann fuhr die Kutsche los. Immer weiter ins Regenbogenland. Die Landschaft wurde immer felsiger und sie fuhren durch Täler und über Berge und plötzlich fuhren sie auf einen großen See zu. Die Geschwister erschraken, denn die Kutsche fuhr mit gleichmäßiger Geschwindigkeit und kam dem Wasser immer näher. Liselotte und Nico schrien auf, aber plötzlich hob die Kutsche ab und die Schmetterlinge flogen über den See und die Kutsche berührte das Wasser nicht.
„Wir fliegen!“, rief Nico begeistert. „Ist das nicht toll?
„Ich habe mich so erschrocken“, antwortete seine Schwester und holte tief Luft. „Ich dachte, wir sausen ins Wasser.“
„Angsthase!“, rief Nico lachend. Sanft setzten die Schmetterlinge die Kutsche aufs andere Ufer auf und es ging weiter, nur die Landschaft hatte sich verändert. Sie lag in einem dunklen Schatten und der Wald wurde vom Nebel durchzogen und sah bedrohlich aus. Seltsame Laute drangen durch die Baumkronen und jagten den Kindern Angst ein. Doch die Kutsche fuhr unbeirrt weiter. Die Bäume wurden immer uriger. Oft glaubten die Kinder Gesichter in den knorrigen Baumstämmen zu erkennen oder es kam ihnen vor, als winkten die Äste ihnen zu. Plötzlich stoppte die Kutsche. Die Kinder erschraken und schauten aus den offenen Fenstern der Kutsche.
„Warum halten wir?“ Rief Liselotte dem Kutscher zu.
„Bleibt auf jedem Fall in der Kutsche!“ Ermahnte Fabian sie. „Der Zauberer hält uns hier auf. Wir befinden uns in seinem Gebiet.“ Noch ehe das Mädchen antworten konnte, trat ein großer schwarz gekleideter Mann mit einem roten Umhang zu den Kindern ans Fenster.
„Na, ihr Zwei! Das ist aber sehr lieb von euch, dass ihr mich hier besucht. Wollt ihr nicht aussteigen? Wie wäre es mit einer schönen Tasse Kakao und Kuchen?“
„Oh, ja!“ freute sich Nico. „Liselotte, lass uns hier Pause machen!“
„Weißt du nicht mehr, was die Fee uns geraten hat? Nicht aussteigen, wenn wir den Zauberer treffen! Und der Elfenjunge rief es uns gerade auch zu. Wir müssen weiter nach Frau Holle. Du willst doch sicher auch am Heiligen Abend zu hause sein?“
„Nach Frau Holle wollt ihr? Was wollt ihr bei der alten Frau? Sie hat ja sogar den Winter verschlafen!“ Sagte der Zauberer höhnisch und lachte laut.
„Dann werden wir sie wecken!“, antwortete Liselotte.
„Dann viel Spaß!“ Meinte der Zauberer und entfernte sich mit schallendem Gelächter. Die Schmetterlinge flogen weiter und zogen die Kutsche hinter sich her. Nach längerer Zeit wurde die Landschaft endlich wieder heller und farbiger. Überall blühten bunte Blumen und die Bäume sahen freundlicher aus. Irgendwann hielt die Kutsche vor einem großen Tor an. Dahinter lag ein wunderschöner Garten mit einem kleinen weißen Haus mit roten Dachziegeln. An den Hauswänden blühten die schönsten Rosen. Ein kleiner Bach plätscherte so vor sich hin, auf dem einige Enten schnatternd schwammen
„Was wollt ihr hier?“ Fragte ein kleines Männchen, welches vor dem Tor stand.
„Wir wollen zu Frau Holle!“, entgegneten die Kinder.
„Frau Holle wohnt hier, aber sie empfängt keine Gäste“, antwortete das Männchen und es sah sehr traurig aus.
„Was ist denn passiert?“, wollte Nico wissen.
„Frau Holle schläft schon seit Wochen, dabei müsste sie es schon längst schneien lassen“, sagte das Männchen.
„Warum weckt sie denn niemand?“, wollte Liselotte wissen.
„Das haben schon viele versucht, aber keiner hat es geschafft“, erwiderte das Männchen. „Der böse Zauberer hatte sich mit Frau Holle gezankt und hat daraufhin Frau Holle verzaubert. Auf jeden Fall wacht sie einfach nicht auf.“
„Lass uns bitte herein. Wir sind extra gekommen, um Frau Holle zu bitten, dass sie es schneien lässt. Wir wollen versuchen, sie aufzuwecken“, bettelte Liselotte.
„Meinet wegen, man soll nichts unversucht lassen.“ Antwortete das kleine Männchen und öffnete das große Tor. Danach führte er die Kinder ins Haus. Frau Holle lag in ihrem Bett und schlief fest. Sie reagierte weder auf laute Zurufe noch auf das Rütteln an ihrem Arm.
„Ich werde gegen den Zauberer kämpfen!“, rief Nico. Aufgebracht zückte er sein Holzschwert und fuchtelte damit herum.
„Vorsicht!“, rief seine Schwester. Aber da war es schon zu spät. Nico hatte mit seinem Schwert den großen Wecker erwischt, welcher auf dem Nachtschrank stand. Im hohen Bogen flog die Uhr durch die Luft und fiel krachend auf den Boden.
„Ups!“ Meinte Nico und starrte die Einzelteile der Uhr an, die sich auf dem Boden verteilten.
„Was ist denn hier los? Ein Volksauflauf?“ Rief Frau Holle, die sich aufrichtete und die Kinder und den kleinen Mann fragend anschaute.
„Frau Holle, sie sind aufgewacht!“, rief der kleine Mann.
„Ist das so seltsam?“, fragte Frau Holle und schüttelte ihren Kopf.
„Sie haben wochenlang geschlafen und keiner Person gelang es, sie zu wecken. Der böse Zauberer hatte sie verzaubert.“, sagte der kleine Mann.
„Und dadurch, dass der Wecker zerbrach,ist der Zauber verschwunden!“, stellte Liselotte fest.
„Was sagt ihr? Wochen lang? Oh, je! Da hätte es doch schon längs schneien müssen!“, regte sich Frau Holle auf.
„Darum sind wir hier“, antwortete Liselotte. Wir wollten sie bitten, es am Heiligen Abend auf der Erde schneien zu lassen, wir wünschen uns nämlich einen Schlitten.“
„Das werde ich jetzt sofort machen, denn ich habe es euch zu verdanken, dass ich wieder aufgewacht bin. Sonst wäre es mir noch wie Dornröschen ergangen.“ Erwiderte Frau Holle.
„Wissen eure Eltern eigentlich, dass ihr hier seid?“, fragte der kleine Mann.
„Nein“, antwortete Liselotte. „Die hätten uns bestimmt nicht gehen lassen.“
„Dann fahrt ganz schnell zurück! Eure Eltern werden sich sicher schon Sorgen machen. Ihr müsst in Zukunft immer euren Eltern Bescheid sagen und nicht einfach so weggehen!“
Die Kinder versprachen es und dann fuhr die Kutsche die Kinder bis zum Regenbogenanfang, wo sie ihre Räder abgestellt hatten. Als die Kinder zu hause ankamen, war es schon früh am .Morgen. Leise schlichen sie sich ins Haus. Doch die Mutter überraschte sie im Flur.
„Wo wollt ihr denn so früh hin?“ fragte die Mutter erstaunt.
„Wir waren schon fort und kommen gerade wieder“, entgegnete Nico.
„Wir waren im Regenbogenland und haben Frau Holle geweckt, damit sie es schneien lässt“, antwortete Liselotte zaghaft.
„Ich habe sie geweckt!“, rief Nico stolz. „Mit meinem Schwert habe ich den verzauberten Wecker zerstört. Da ist Frau Holle aufgewacht und hat versprochen, es schneien zu lassen. Wir wünschen uns doch einen Schlitten.“
„Ist es doch schön, wenn Kinder noch so viel Fantasie haben“, dachte die Mutter.
„ Es ist noch viel zu früh, um draußen zu spielen. Ich mache gleich das Frühstück, zieht eure Jacken erst mal wieder aus!“ Sagte die Mutter und ging in die Küche.
„Aber wir waren...“ Nico brach seinen Satz ab, da Liselotte ihren Zeigefinger auf ihre Lippen legte. Dann schob sie ihren Bruder vor sich her bis in ihr Zimmer.
„Ist doch gut, wenn Mama meinte, wir wollten nach draußen. Dann bekommen wir auch keinen Ärger, dass wir alleine fort waren. Das mit dem Regenbogen hat sie nicht geglaubt“, erklärte Liselotte ihrem Bruder. In der Zwischenzeit holte ihre Mutter die Zeitung draußen aus dem Briefkasten. Es schneite dicke Flocken und im Nu sah die Gegend wie gepuderte aus. Die Mutter blieb einen Moment stehen und genoss den Anblick des dichten Schneetreibens. Sie schaute zum Himmel und ihr war, als blitzte sekundenschnell ein farbiger Bogen durch den Schnee auf.


Ende

Copyright2015byHelga Pikulik


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