Gehasster Liebling
Wir
erreichten auf unseren Feenponys sehr schnell die Burg. Der Eingang
der Burg wurde von mehreren Kriegern bewacht. Wir stiegen von unseren
Feenponys und gingen auf das große Eingangstor zu. Vorher kraulte
ich Sternenfee noch den Kopf und flüsterte ihr zu: „Ich mag dich,
so wie du bist!“ Sie schaute mich verblüfft an, aber ehe sie
wieder anfing Blödsinn zu reden, zog ich es jetzt vor, Naro schnell
zu folgen. Alle Krieger nahmen Haltung an und das große Tor wurde
geöffnet. Plötzlich erschollen Fanfarenklänge.
„Die
sind dir zu Ehren“, sagte Naro.
„Das
wäre doch nicht nötig gewesen!“, scherzte ich und ehe ich durch
das Tor ins Innere verschwand, schaute ich mich nach Sternenfee um
und winkte ihr kurz zu.
Sie
schaute total verlegen und senkte ehrfürchtig den Kopf. Sie tat mir
richtig leid. Am liebsten wäre ich zu ihr hin gelaufen und hätte
sie umarmt. Aber das ging jetzt wohl schlecht, denn wir wurden zum
Herrscher geführt.
Wir
gingen durch mehrere Gänge und kamen in einen großen Raum, welcher
einen vor Luxus fast erdrückte. Mit Gold verzierte Marmorsäulen
stützten das mit wunderbaren Bildern bemalte Gewölbe. Die Vorhänge
schienen aus Seide zu sei und die Wände waren teilweise mit Gold
umrandeten Spiegeln ausgestattet. Unzählige Lampen mit Edelsteinen
verziert spendeten Licht. Schwere Teppiche bedeckten zum größten
Teil den aus feinem Holz bestehenden Boden. Überall standen Figuren
von Schlangen und Schlangenmenschen und am Ende des Raumes auf einen
goldenen mit Edelsteinen verzierten Stuhl saß ein alter Mann. Er war
schon über hundert Jahre alt und seine Haut war faltig und grün
geschuppt. Sein Gesicht glich dem einer Schlange. Trotz des hohen
Alters schauten seine Augen sehr stechend und wach. Er musterte mich
von oben nach unten. Neben dem alten Mann stand Larox, Naros Vater.
„Unser
Herrscher Faro heißt dich willkommen. Er hat lange gewartet, bis
sein Nachfolger oder Nachfolgerin geboren wurde. Nie hat er daran
gezweifelt, dass du deine wichtige Aufgabe annimmst. Er
hat dein Leben bis jetzt beobachtet und uns von dir berichtet. Als
wir enttäuscht waren, weil du uns wieder verlassen hattest, hat er
uns Mut zugesprochen und uns versichert, dass du wieder zurück
kommst, sobald die Wandlung vollzogen wäre und du dir über deine
Macht im Klaren wärst.“
Die
ganze Zeit hatte der alte Mann seinen Blick auf mich gerichtet und
ich spürte auf einmal, wie eine zusätzlich Magie auf mich überging
und ich mit einem Male ein unheimliches Wissen verspürte. Alles war
mir plötzlich so vertraut, als hätte ich schon immer hier gelebt.
Aber auch das Wissen über den Magier der schwarzen Magie nahm ich
zur Kenntnis und es erschreckte mich. Der alte Mann sackte plötzlich
in sich zusammen. Es muss ihn unheimlich angestrengt haben, mir sein
Wissen zu übermitteln. Er deutete mir mit einer schwachen
Handbewegung an, zu ihm zu kommen. Langsam ging ich auf ihn zu. Er
kam mir unheimlich vor. Vor ihm kniete ich ehrfürchtig nieder, denn
trotz seiner Gebrechlichkeit spürte ich seine große Magie, aber mit
schwacher Stimme sprach er zu mir:
„Sei
willkommen, Manuela. Führe unser Volk. Wende Unheil von ihm ab und
halte Frieden mit unseren Nachbarländern, denn nur gemeinsam seid
ihr stark und könnt den schwarzen Magier besiegen, was ich leider
nicht geschafft habe. Du aber hast die Stärke, du wirst es schaffen.
Verbünde dich mit den Hexen und Hexern. Sie haben eine neue
Herrscherin. Sie ist ebenfalls noch sehr jung und zu ihrem Schutz bei
den Menschen aufgewachsen. Nun aber hat sie die Herrschaft über das
Hexenreich übernommen. Vor kurzer Zeit hat der Herrscher der Lux
alle Vertreter der befreundeten Nachbarländern versammelt und es
wurde beratschlagt was zu machen sei, denn die Bigs bedrohen das
Land der Lux. Das Schlimme ist, das der schwarze Magier dahinter
steckt. Das nächste Volk könnte eventuell schon das unsere sein.
Manuela, bist du dir der Großen Aufgabe bewusst und willst du unser
Volk nach besten Wissen und Gewissen führen?“
„Ja,
das willig ich.“
„Dann
übertrage ich dir Manuela hiermit die Herrschaft über das Land der
Schlangen und Schlangenmenschen und all unseren Tieren. Larox und
Naro, ihr seid Zeugen meines letzten Willens. Jetzt kann ich beruhigt
sterben, denn ich weiß unser Volk in guten Händen. Manuela, dein
neuer Name lautet Zara!“
Der
alte Mann sackte in sich zusammen und starb.
„Nicht
sterben rief ich und beugte mich über den alten Herrscher.
„Ich
habe doch noch so viele Fragen!“, sagte ich traurig.
„Auf
deine Fragen wirst du selber Antworten finden. Horche in dich hinein.
Der alte Herrscher hat dir sein Wissen und seine Magie übertragen“,
sagte Larox.
„Ja,
das habe ich vorhin gemerkt. Hat ihn das so geschwächt, dass er
deshalb so plötzlich gestorben ist?“, fragte ich.
„Er
war alt und krank. Nur die Hoffnung, dass du kommst und bereit bist,
die Herrschaft zu übernehmen, hat ihn am Leben gehalten.“
Antwortete Larox. „Du brauchst dir keine Sorgen zu machen. Er war
froh, dir sein Wissen und seine Magie noch übertragen zu können.“
„Hoch
lebe unsere Königin!“, rief Naro.
„Sorgst
du für alles?“, fragte Larox seinen Sohn.
Fortsetzung
folgt...
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Helga Pikulik