Gehasster Liebling
„Sie
fragen sich sicher, warum ich hier so kurzfristig angemeldet
auftauche!“, reißt mich Rain aus meinen Gedanken. „Ich komme
direkt aus der Gegend unseres Landes, wo es an das Reich der Bigs und
das des schwarzen Magiers Arus grenzt. Wir haben dort ein großes Heer
stationiert. Cira, die Herrscherin der Hexen und Hexer und ich haben
uns ein Stück in das Land der Schwarzen Magie auf unseren Vögeln
gewagt. Der schwarze Magier hat seine Truppen zusammen gezogen und
sie begeben sich auf unsere Grenzen zu. Außerdem bedrohen sie das
Land der Zwerge.
Arus hat sich mit den Bigs verbündet und diese marschieren auf das
Hexenland zu. Wir haben inzwischen alle Bigs aus unserem Land
ausgewiesen, außer einer kleineren Truppe, der wir absolut vertrauen
können.“
„Und
sie möchten, dass wir ihnen, sollte es zum Krieg kommen, zur Seite
stehen“, unterbrach ich ihn.
„Genau, das ist mein Anliegen. Ich würde mich freuen, wenn sie mir auch,
sollte es nicht zum Krieg kommt, zur Seite stehen,“ scherzte er und
ergriff meine Hand, dass ich vor Schreck zusammenfuhr.
„Entschuldigen
sie, ich wollte sie nicht erschrecken“, ging er auch noch darauf
ein, ließ mich aber nicht los. Sollte ich ihm meine Hand entziehen,
oder war das unhöflich? Mein Blick wanderte kurz nach Naro, als
könnte der mir jetzt helfen. Der grinste jedoch noch mehr und schien
sich köstlich über meine miese Lage zu amüsieren.
„Ich
habe noch nie so eine schöne Frau unter den Schlangenmenschen gesehen!“, stellte Rain fest, und
er legte zu allem Überfluss auch noch die zweite Hand auf die meine.
„Wir werden den Krieg nicht abwenden können. Der schwarze Magier
will unsere Länder unterwerfen. Er ist Größenwahnsinnig. Wir
werden ihn nur mit vereinten Kräften besiegen können.“
„Ich
bin noch nicht lange in diesem Land, geschweige denn Königin. Ich
muss mich noch mit so vielem Vertraut machen. Ich werde mich jedoch
mit Larox und meinen Heeresführern beraten und ihnen dann eine
Antwort geben. Ich möchte mich jetzt gerne zurückziehen, Larox
wird sich weiter um sie kümmern.“ ich versuchte meine Hand zurück
zuziehen, aber er hielt sie einfach fest und schaute schon wieder
tief in meine Augen. Ich hatte das Gefühl, als könnte er in meinen
Augen lesen, was in mir vorging.
„Ich
wäre überglücklich, wenn sie mir persönlich morgen ihr Reich
zeigen würden,“ sagte er und gab mir einen Handkuss und ohne meine
Antwort abzuwarten, meinte er: „Schlafen sie gut, meine Schöne,
ich freue mich auf Morgen und auf unseren gemeinsamen Ausflug! Ich
werde heute Nacht von ihnen träumen!“ Er gab meine Hand frei und
deutete eine Verbeugung an, um dann auf Larox zu zugehen. Ich machte,
dass ich aus dem Zimmer kam. Auf dem Flur holte ich erst einmal tief
Luft.
„Mein
Gott, was war dieser Lux bloß für ein Typ. Total arrogant und von
sich so überzeugt. Irgendwie erinnerte er mich an Tom, als ich ihn
noch hasste. Aber Tom war in Wirklichkeit ganz anders. Er war lieb
und zärtlich und besorgt. Ach Tom, wärst du doch hier, dann wäre
bestimmt alles leichter“, dachte ich. Hinter mir öffnete sich die
Tür und es verließ jemand das Zimmer. Zum Glück war es Naro.
„ Der
Typ hat ja einen Narren an dir gefressen“, ärgerte er mich und
musste lachen.
„Lach
nicht, die Lage ist ernst!“, sagte ich und musste dann auch lachen.
„Wie viele Frauenherzen der wohl schon gebrochen hat?“, vermutete
ich.
„Darum
passe auf dein Herz auf!“, riet Naro mir und fasste mich
freundschaftlich um und begleitete mich zu meinem Schlafzimmer. „Gute
Nacht, kleine Königin“, sagte er sanft und gab mir einen Kuss auf
die Stirn, „und träume schön vom Lux!“ Dann machte er sich
schnell lachend aus dem Staub, ehe ich etwas erwidern konnte.
„Morgen
ist auch noch ein Tag, Naro!“, rief ich ihm drohend nach. Ich hörte
noch sein schallendes Lachen. Er hatte unheimlich Spaß daran, mich
zu ärgern. Ich glaube, er sah in mir so etwas, wie eine kleine
Schwester. Gern hätte ich ihn zum großen Bruder, aber meine
Gefühle wollten mehr.
Fortsetzung
folgt...
Copyright2014by
Helga Pikulik
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen