Montag, 14. April 2014

22. Fortsetzung: Gehasster Liebling



                       Gehasster Liebling

              
Es vergingen zwei Wochen und das Volk hatte von seinem verstorbenen Herrscher Abschied genommen und die Trauerfeier war abgeschlossen.
Ich hatte mich einigermaßen eingelebt und vor allem das Fliegen mit Sternenfee und Kiri geübt. Viele Heeresführer und einige Schlangen wurden mir vorgestellt.
„Das wird noch etwas dauern, bis ich die ganzen Personen mit ihren Namen behalten werde“, sagte ich zu Naro, als wir abends noch mit den Feenponys ausgeritten waren und uns auf einen Baumstamm niedergelassen hatten. "Das wird sich mit der Zeit bessern. Du wirst sie zur Lagebesprechung immer wieder sehen. Wie hat das mit dem Einkauf gestern geklappt? Hat es dir Spaß gemacht, oder war es zu anstrengend?“, fragte er.
„Hast du keine Frau?“, fragte ich zurück.
„Nein“, antwortete er.
„Ich frage nur, wenn du nämlich eine Frau hättest, wüsstest du, dass Einkaufen fast jeder Frau Vergnügen bereitet, das kann noch so anstrengend sein.“
„Da sind wohl alle Frauen gleich, egal, ob Mensch oder Schlangenmensch.“ Entgegnete Naro. „Ich kenne das von meiner Mutter und meinen Schwestern. Als ich noch ein Kind war, hat mich meine Mutter immer mitgeschleppt. Mein Vater hatte immer etwas Wichtiges zu tun, wenn es hieß, wir fahren in die Stadt.“
„Und, war es langweilig?“ Wollte ich wissen.
„Nein, mir hat es immer gefallen. Meistens bekam ich auch neue Klamotten und ein Spielzeug. Als ich älter wurde, fing ich an, Kleidung zu entwerfen. Ich wollte unbedingt Modedesigner werde, aber mein Vater wollte, dass ich die Militärische Laufbahn einschlug. Alle Männer in unserer Familie waren Krieger. Da gab es gar nichts zu diskutieren. Aber mein Vater erlaubte mir, Modedesign zu studieren, wenn ich anschließend in den Militärdienst ginge. Ich habe mich darauf eingelassen.“
„Bist du denn jetzt mit deinem Leben zufrieden?“, fragte ich.
„Ja, ich finde es gar nicht so schlecht. Ich habe ein Heer zu führen, für das ich die Verantwortung trage. Außerdem hatte der letzte Herrscher mich als Obersten Heeresführer eingesetzt, das heißt, dass mir alle Heeresführer unterstellt sind. Falls du nichts änderst, habe ich genug zu tun, und es macht mich auch glücklich.“
„Gar nichts ändere ich, ich bin froh, so einen erfahrenen Mann wie dich an meiner Seite zu haben und ich habe auch noch deinen Vater, der natürlich in seinem Amt als stellvertretender Herrscher bleibt. Er nimmt mir sehr viel Arbeit ab, ich bin ihm unendlich dankbar.“ Versicherte ich Naro. „Wenn du allerdings lieber als Designer arbeiten möchtest, würde ich dich als solcher einstellen.“
„Das ist echt lieb von dir, aber wirklich nicht nötig. Du hast gestern sicher Sandro kennengelernt“, meinte er.
„Das ist ein ganz süßer! Aber der ist glaube ich vom anderen Ufer, oder?“, fragte ich.
„Hast du etwas gegen Homosexuelle?“, fragte er scharf.
„Überhaupt nicht“, entgegnete ich ehrlich. „Ich fand Sandro reizend, doch deine Mutter meinte, ich sollte mir keine unnötigen Hoffnungen machen.“
„Ach, hat meine Mutter es sich nicht nehmen lassen, mit dir zu Schoppen? Das sollten eigentlich meine Schwestern mach.“ Antwortete er.
„Deine Schwestern waren auch mitgekommen. Wir hatten unheimlich Spaß zusammen. Ich wollte überhaupt nicht so viele Sachen kaufen, aber deine Mutter und deine Schwestern meinten, ich müsste so viel Kleidung als Königin haben. War ja auch alles toll, aber am Liebsten laufe ich mit einer Jeans und einem Pulli herum. Aber selbst dafür hatte Sandro tolle Sachen. Da konnte ich nicht widerstehen. Gefällt dir die Jeans?“, fragte ich Naro und stand auf und drehte mich einmal, bevor ich mich wieder setzte. Ich finde, sie sitzt super und lila ist meine Lieblingsfarbe. Und die kleinen Blumen auf der Hose finde ich toll.“
„Es freut mich, wenn sie dir gefällt, ich habe sie nämlich entworfen,“ sagte Naro und lächelte mich an. „Ich lernte Sandro während des Studiums kennen. Seit dem sind wir unzertrennlich. Er hat mehrere Geschäfte und ein Näh Studio. Die meisten Kleidungsstücke in seinen Läden sind von ihm oder von mir entworfen. Ich mache das nebenbei. Mein Vater war anfangs entsetzt, als er von meiner Freundschaft mit Sandro hörte. Heute verstehen sich die beiden super. Sandro versteht es, mit seinem Scham, fast jeden zu betören.“
„Du solltest wirklich den Job als Krieger an den Haken hängen, Was geht uns Frauen alles verloren, wenn du so wenig Zeit hast, Mode zu entwerfen“, sagte ich.
Er lächelte mich nur an. Ein süßes Lächeln! Aber sein Herz gehörte ja Sandro. Und ich hatte ja Tom. Da war er wieder. Ich hatte versucht, meine Gefühle zu verdrängen, weil wir keine gemeinsame Zukunft haben können. Aber jetzt merkte ich, wie mein Herz brannte, als ich an ihn dachte. Ich vermisste ihn. Ob er schon eine andere Freundin hatte? Nein, er war mir treu, davon war ich überzeugt. Und plötzlich hatte ich eine Idee.
„Können wir zu meiner Einweihungfeier meine Freunde und meine Familie einladen?“, fragte ich Naro.
„Wenn sie wollen, können sie kommen. Sie können auch bleiben.“ Antwortete er.
„Bleiben wollen sie bestimmt nicht, höchstens die Zwillinge. Es ist ein Junge und ein Mädchen. Die würden sich hier wohlfühlen. Aber wir hätten keine Ruhe mehr, denn sie machen den ganzen Tag Blödsinn. Ich weiß nicht , wie meine Mutter das aushält, aber sie nimmt es gelassen. Manchmal tobt sie mit den Beiden auch noch mit, was meine kleine Schwester Jenny ganz toll findet und auch noch Quatsch macht.“ Erzählte ich ihm.
„Und als du klein warst? Du warst sicher ein ganz liebes, ruhiges, artiges Kind“, meinte er und lachte.
„Vor meinem älteren Bruder Daniel und mir war, als wir noch klein waren, nichts sicher. Wir bauten alles auseinander, was wir in die Finger bekamen und wir waren auch schrecklich wilde Kinder. Darüber habe ich noch gar nicht so nachgedacht. Ich glaube, wir waren schlimmer als die Zwillinge. Aber meine Eltern haben uns überlebt, weil sie zu der Zeit ja nur uns hatten.“ Antwortete ich.



Fortsetzung folgt...





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