Kapitel 2
„Hanna
Cron!“
„Hallo
Hanna, hier ist Lotte!“, rief sie in den Hörer.
„Hi!
Mein Schatz“, antwortete ihre beste Freundin. Auch Strohwitwe?
Unsere Männer haben auch nichts besseres vor, als im Betriebsurlaub
zur Konferenz zu fahren.“
„Eine
Woche, das verkraften wir, und dann geht es zusammen in den Urlaub.
Ich freue mich schon riesig!“, tröstete Lotte ihre Freundin.
„Hat
Martin schon durchblicken lassen, wo es hingeht?“, war Hanna
neugierig.
„Nein,
Kai also auch nicht? Ich bin ja gespannt, was die Männer als
Urlaubsüberraschung ausgesucht haben.“
„Hoffentlich
keinen Angelurlaub“, Hanna musste lachen.
„Das
würden die auch noch bringen“, war Lotte überzeugt.
„Und
was hecken wir beiden in dieser Woche aus?“, wollte Hanna wissen.
„Essen
gehen?“, schlug Lotte vor
„Fein,
um zwölf beim Italiener?“, freute sich Hanna.
„Okay,
bis dann!“, Lotte legte zufrieden den Hörer auf. „Der Tag ist
gerettet“, sagte sie zu sich selber.
Hanna
ging in ihr Künstleratelier und besichtigte ihren neuerworbenen
Stein.
„Was
soll ich aus dir schaffen?“, fragte sie ihn und strich liebevoll
über die raue Struktur des Steines. „Fällt dir auch nichts ein,
dann tschüss Stein, ich muss mich umziehen“, Hanna musste lächeln.
Sie sprach öfters mit ihren Materialien. Wenn sie loshämmerte,
hatte sie das Gefühl, als wenn sie eine Persönlichkeit erschaffte
und in ihren Gedanken erweckte sie sie zum Leben.
Hanna
hatte Lotte während des Studiums kennengelernt. Hanna hatte sich auf
die Bildhauerei spezialisiert und weil sie davon nicht leben konnte,
gab sie nebenbei darin und im Töpfern Kurse. Nach der Hochzeit hatte
Kai ihr ein Atelier eingerichtet.
Lotte
liebte das Malen. Auf großen Flächen machte es ihr besonders Spaß.
Ihr Mann hatte ihr angeboten, die Innenwände in seiner Firma zu
verschönern, was sie sich nicht zwei Mal sagen ließ. Auch Hanna
hatte mehrere Aufträge erhalten, Skulpturen für die Innenräume und
für die Außenanlage herzustellen. Mehrere Geschäftspartner von
Martin waren begeistert und die beiden Frauen hatten schon mehrere
Aufträge erhalten, so dass Martins Firma im Moment, was
Kunstgegenstände anbelangte, sehr vernachlässigt wurde.
„Lotte
saß auf der Terrasse des Restaurant und machte ein paar Skizzen in
ihrem Buch.
„Hallo,
Süße! Du hast einen schönen Platz ausgesucht!“, Hanna umarmte
Lotte und setzte sich. Sie ließ ihren Blick über den nahgelegenen
See schweifen.
„Ich
hätte nicht gedacht, dass sich die Sonne heute noch blicken lässt,
aber irgendwann reicht es auch mit dem Regen!“ Lotte klappte ihr
Skizzenbuch zu.
„Was
kann ich euch beide Hübschen bringen?“, fragt Alberto. „Ihr habt
euch ja lange nicht mehr hier blicken lassen. Ihr seid mir doch nicht
untreu?“
„Alberto,
wie kannst du so etwas annehmen? Keiner backt so herrliche Pizzen wie
du! Wir hatten so viel Arbeit, aber jetzt haben wir Urlaub!“
„Pizza
wie immer?“, Alberto lächelte die beiden Frauen an.
„Bitte,
und zweimal Cappuccino.“
„Kommt
schnellstens!“ Alberto zwinkerte Lotte zu und verschwand ins Lokal.
„Der
ist in dich verliebt!“, scherzte Hanna.
„Er
hat mich schon öfters eingeladen, aber ich habe ihm jedesmal einen
Korb gegeben“, Lotte musste lachen.
„Das
lass man nicht Martin hören, dann darfst du hier keine Pizza mehr
essen.“
„Das
wäre echt schlimm, denn die Pizzen macht Alberto wirklich klasse!“,
stellte Lotte fest. Wie weit bist du mit deinem neusten Werk?“,
wechselte sie das Thema.
„Ich
laufe jeden Tag um den Stein herum, streichle ihn, aber ich habe Null
Ideen.“
„Wie
kommt es, du protzt doch sonst nur so vor Kreativität. Bist du
krank?“, Lotte schaute ihre Freundin besorgt an.
„Nein,
kerngesund, mach dir keine Gedanken! Weißt du, in der letzten Zeit
ist Kai so oft spät von der Arbeit gekommen. Und jetzt die
Konferenz.“
„Bei
Martin war es genauso. Er sagte, sie hätten vor dem Urlaub noch so
viel aufzuarbeiten. Glaubst du, sie betrügen uns?“, Lotte war bis
jetzt noch nicht der Gedanke gekommen.
„Ich
weiß auch nicht, was ich glauben soll. Eigentlich vertraue ich Kai.
Aber der Gedanke, er könnte mir untreu sein, blockiert mich, was
meine Arbeit anbelangt.“
„Martin
erwähnte mal, dass sie nebenbei irgend etwas erforschten. Aber ich
habe keine Ahnung was. Er wollt auch nicht weiter darüber reden.
Mich hat es auch ehrlich gesagt nicht so sehr interessiert. Du kennst
mich ja.“
„Dann
hatten sie sicher wirklich viel zu arbeiten“, versuchte Hanna sich
selber zu beruhigen.
Nach
dem Essen machten sie noch einen Stadtbummel und anschließend lud
Lotte ihre Freundin auf ein Glas Wein auf ihre Terrasse ein.
„Hast
du das gestern im Fernsehen gesehen? Die brachten eine Sendung über
diese komischen Tiere, die auch schon vor längerer Zeit hier in der
Nähe gesichtet wurden“, fragte Lotte.
„Ja,
es stand auch heute in der Zeitung. Es sollen mehrere Bewohner diese
Kreaturen gesehen haben“, Hanna lief ein kalter Schauer über den
Rücken. „Einem Mann ist es gelungen, mit seinem Handy ein Foto zu
machen, es ist aber leider nicht so klar geworden, denn er musste
sich in Sicherheit bringen.“
„Es
sollen verschiedene Wesen sein, da die Augenzeugen sie
unterschiedlich beschrieben. Auf dem Foto konnte man ungefähr sehen,
dass sie wie riesige Echsen aussahen. Andere beschrieben ihre
Entdeckung wie große aufrechtgehende Kröten. Inzwischen sollen
sie auch schon in anderen Gegenden gesehen worden sein. Die Regierung
hat angekündigt, mit Militär gegen diese Viecher vorzugehen, doch
sie haben sie unerklärlicher Weise noch nicht ausfindig machen
können. Man mag abends schon kaum noch ausgehen. Stell dir vor,
plötzlich steht vor dir so eine Riesenechse“, berichtete Lotte.
„Brr,
Lotte sei ruhig, ich mag ja nicht mehr nach Hause gehen“, war Hanna
beängstigt. „Wir wohnen doch so nah am Wald.“
„Dann
bleibst du diese Woche hier“, schlug Lotte vor. „Wir machen es uns
so richtig gemütlich.“
„Aber
ich habe doch gar nichts mit“, wandte Hanna ein.
„Macht
doch nichts, ich habe Klamotten genug und wir haben die gleiche
Größe“, beruhigte Lotte sie. Und nun lass uns ins Haus gehen, es
dämmert schon. So gerne wünsche ich mir auch keinen Besuch von
diesen Kreaturen, obwohl es sicher ganz interessante Motive zum Malen
wären.“
„Deinen
Humor möchte ich haben, aber wenn du meinst, nehme ich deine
Einladung gerne an. Du weißt ja, ich bin nicht gerne nachts alleine
im Haus.“
„Toll,
ich freue mich, dass du bleibst!“, war Lotte begeistert.
Sie
schnappten sich die Gläser und die halbvolle Flasche Rotwein und
gingen ins Wohnzimmer.
„Ich
schließe lieber die Terrassentür, einverstanden?“, fragte Hanna.
Lotte
nickte lächelnd.
„Ich
schalte den Fernseher an, vielleicht bringen sie noch etwas über
diese Wesen“, schlug sie vor und die beiden Freundinnen ließen
sich in die weichen Kissen der Couch fallen. „Schon wieder Quiz,
aber gleich kommen Nachrichten.“ Lotte goss die Gläser ein und
prostete Hanna zu: „Auf eine schöne Woche!“
„Wir
bringen eine wichtige Zwischenmeldung“, hörten sie den Sprecher im
Fernsehen sagen. „Wie bereits heute mehrfach berichtet wurde, ist
die Anzahl der seltsamen Wesen in unserem Land deutlich gestiegen.
Vor einer Stunde ist es zu einem schrecklichen Zwischenfall gekommen.
Mehrere von den unbekannten Kreaturen haben Menschen in einer
Gaststätte während einer Feier angegriffen und verrichteten ein
schreckliches Blutbad. Laut Polizeiangaben gab es dabei neunzehn Tote
und zweiunddreißig Schwerverletzte. Viele davon schweben noch in
Lebensgefahr. Da die Gaststätte sehr abseits an einem Wald liegt,
konnten die gräulichen Wesen entkommen. Die Polizei warnt vor allem
die Bewohner, welche sich in Waldesnähe befinden, in ihren Häusern
zu bleiben und die Türen und Fenster zu schließen. Der Geheimdienst
teilte uns vor der Sendung mit, dass es höchstwahrscheinlich zwei
Männern nach langer Forschung gelungen sei, in die Welt dieser
furchtbaren Kreaturen einzudringen, um zu versuchen, die Menschen vor
diesen Wesen zu schützen. Wir fahren fort mit weiteren
Nachrichten...“
Lotte
und Hanna schauten sich entsetzt an. Sie dachten in dem Moment das
Gleiche.
Fortsetzung folgt...
© Copyright by Helga
Pikulik
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen