Montag, 31. Dezember 2018

Im Land der Echsen 2. Kapitel Fantasyroman








Kapitel 2


„Hanna Cron!“
„Hallo Hanna, hier ist Lotte!“, rief sie in den Hörer.
„Hi! Mein Schatz“, antwortete ihre beste Freundin. Auch Strohwitwe? Unsere Männer haben auch nichts besseres vor, als im Betriebsurlaub zur Konferenz zu fahren.“
„Eine Woche, das verkraften wir, und dann geht es zusammen in den Urlaub. Ich freue mich schon riesig!“, tröstete Lotte ihre Freundin.
„Hat Martin schon durchblicken lassen, wo es hingeht?“, war Hanna neugierig.
„Nein, Kai also auch nicht? Ich bin ja gespannt, was die Männer als Urlaubsüberraschung ausgesucht haben.“
„Hoffentlich keinen Angelurlaub“, Hanna musste lachen.
„Das würden die auch noch bringen“, war Lotte überzeugt.
„Und was hecken wir beiden in dieser Woche aus?“, wollte Hanna wissen.
„Essen gehen?“, schlug Lotte vor
„Fein, um zwölf beim Italiener?“, freute sich Hanna.
„Okay, bis dann!“, Lotte legte zufrieden den Hörer auf. „Der Tag ist gerettet“, sagte sie zu sich selber.

Hanna ging in ihr Künstleratelier und besichtigte ihren neuerworbenen Stein.
„Was soll ich aus dir schaffen?“, fragte sie ihn und strich liebevoll über die raue Struktur des Steines. „Fällt dir auch nichts ein, dann tschüss Stein, ich muss mich umziehen“, Hanna musste lächeln. Sie sprach öfters mit ihren Materialien. Wenn sie loshämmerte, hatte sie das Gefühl, als wenn sie eine Persönlichkeit erschaffte und in ihren Gedanken erweckte sie sie zum Leben.
Hanna hatte Lotte während des Studiums kennengelernt. Hanna hatte sich auf die Bildhauerei spezialisiert und weil sie davon nicht leben konnte, gab sie nebenbei darin und im Töpfern Kurse. Nach der Hochzeit hatte Kai ihr ein Atelier eingerichtet.
Lotte liebte das Malen. Auf großen Flächen machte es ihr besonders Spaß. Ihr Mann hatte ihr angeboten, die Innenwände in seiner Firma zu verschönern, was sie sich nicht zwei Mal sagen ließ. Auch Hanna hatte mehrere Aufträge erhalten, Skulpturen für die Innenräume und für die Außenanlage herzustellen. Mehrere Geschäftspartner von Martin waren begeistert und die beiden Frauen hatten schon mehrere Aufträge erhalten, so dass Martins Firma im Moment, was Kunstgegenstände anbelangte, sehr vernachlässigt wurde.
„Lotte saß auf der Terrasse des Restaurant und machte ein paar Skizzen in ihrem Buch.
„Hallo, Süße! Du hast einen schönen Platz ausgesucht!“, Hanna umarmte Lotte und setzte sich. Sie ließ ihren Blick über den nahgelegenen See schweifen.
„Ich hätte nicht gedacht, dass sich die Sonne heute noch blicken lässt, aber irgendwann reicht es auch mit dem Regen!“ Lotte klappte ihr Skizzenbuch zu.
„Was kann ich euch beide Hübschen bringen?“, fragt Alberto. „Ihr habt euch ja lange nicht mehr hier blicken lassen. Ihr seid mir doch nicht untreu?“
„Alberto, wie kannst du so etwas annehmen? Keiner backt so herrliche Pizzen wie du! Wir hatten so viel Arbeit, aber jetzt haben wir Urlaub!“
„Pizza wie immer?“, Alberto lächelte die beiden Frauen an.
„Bitte, und zweimal Cappuccino.“
„Kommt schnellstens!“ Alberto zwinkerte Lotte zu und verschwand ins Lokal.
„Der ist in dich verliebt!“, scherzte Hanna.
„Er hat mich schon öfters eingeladen, aber ich habe ihm jedesmal einen Korb gegeben“, Lotte musste lachen.
„Das lass man nicht Martin hören, dann darfst du hier keine Pizza mehr essen.“
„Das wäre echt schlimm, denn die Pizzen macht Alberto wirklich klasse!“, stellte Lotte fest. Wie weit bist du mit deinem neusten Werk?“, wechselte sie das Thema.
„Ich laufe jeden Tag um den Stein herum, streichle ihn, aber ich habe Null Ideen.“
„Wie kommt es, du protzt doch sonst nur so vor Kreativität. Bist du krank?“, Lotte schaute ihre Freundin besorgt an.
„Nein, kerngesund, mach dir keine Gedanken! Weißt du, in der letzten Zeit ist Kai so oft spät von der Arbeit gekommen. Und jetzt die Konferenz.“
„Bei Martin war es genauso. Er sagte, sie hätten vor dem Urlaub noch so viel aufzuarbeiten. Glaubst du, sie betrügen uns?“, Lotte war bis jetzt noch nicht der Gedanke gekommen.
„Ich weiß auch nicht, was ich glauben soll. Eigentlich vertraue ich Kai. Aber der Gedanke, er könnte mir untreu sein, blockiert mich, was meine Arbeit anbelangt.“
„Martin erwähnte mal, dass sie nebenbei irgend etwas erforschten. Aber ich habe keine Ahnung was. Er wollt auch nicht weiter darüber reden. Mich hat es auch ehrlich gesagt nicht so sehr interessiert. Du kennst mich ja.“
„Dann hatten sie sicher wirklich viel zu arbeiten“, versuchte Hanna sich selber zu beruhigen.
Nach dem Essen machten sie noch einen Stadtbummel und anschließend lud Lotte ihre Freundin auf ein Glas Wein auf ihre Terrasse ein.
„Hast du das gestern im Fernsehen gesehen? Die brachten eine Sendung über diese komischen Tiere, die auch schon vor längerer Zeit hier in der Nähe gesichtet wurden“, fragte Lotte.
„Ja, es stand auch heute in der Zeitung. Es sollen mehrere Bewohner diese Kreaturen gesehen haben“, Hanna lief ein kalter Schauer über den Rücken. „Einem Mann ist es gelungen, mit seinem Handy ein Foto zu machen, es ist aber leider nicht so klar geworden, denn er musste sich in Sicherheit bringen.“
„Es sollen verschiedene Wesen sein, da die Augenzeugen sie unterschiedlich beschrieben. Auf dem Foto konnte man ungefähr sehen, dass sie wie riesige Echsen aussahen. Andere beschrieben ihre Entdeckung wie große aufrechtgehende Kröten. Inzwischen sollen sie auch schon in anderen Gegenden gesehen worden sein. Die Regierung hat angekündigt, mit Militär gegen diese Viecher vorzugehen, doch sie haben sie unerklärlicher Weise noch nicht ausfindig machen können. Man mag abends schon kaum noch ausgehen. Stell dir vor, plötzlich steht vor dir so eine Riesenechse“, berichtete Lotte.
„Brr, Lotte sei ruhig, ich mag ja nicht mehr nach Hause gehen“, war Hanna beängstigt. „Wir wohnen doch so nah am Wald.“
„Dann bleibst du diese Woche hier“, schlug Lotte vor. „Wir machen es uns so richtig gemütlich.“
„Aber ich habe doch gar nichts mit“, wandte Hanna ein.
„Macht doch nichts, ich habe Klamotten genug und wir haben die gleiche Größe“, beruhigte Lotte sie. Und nun lass uns ins Haus gehen, es dämmert schon. So gerne wünsche ich mir auch keinen Besuch von diesen Kreaturen, obwohl es sicher ganz interessante Motive zum Malen wären.“
„Deinen Humor möchte ich haben, aber wenn du meinst, nehme ich deine Einladung gerne an. Du weißt ja, ich bin nicht gerne nachts alleine im Haus.“
„Toll, ich freue mich, dass du bleibst!“, war Lotte begeistert.
Sie schnappten sich die Gläser und die halbvolle Flasche Rotwein und gingen ins Wohnzimmer.
„Ich schließe lieber die Terrassentür, einverstanden?“, fragte Hanna.
Lotte nickte lächelnd.
„Ich schalte den Fernseher an, vielleicht bringen sie noch etwas über diese Wesen“, schlug sie vor und die beiden Freundinnen ließen sich in die weichen Kissen der Couch fallen. „Schon wieder Quiz, aber gleich kommen Nachrichten.“ Lotte goss die Gläser ein und prostete Hanna zu: „Auf eine schöne Woche!“
„Wir bringen eine wichtige Zwischenmeldung“, hörten sie den Sprecher im Fernsehen sagen. „Wie bereits heute mehrfach berichtet wurde, ist die Anzahl der seltsamen Wesen in unserem Land deutlich gestiegen. Vor einer Stunde ist es zu einem schrecklichen Zwischenfall gekommen. Mehrere von den unbekannten Kreaturen haben Menschen in einer Gaststätte während einer Feier angegriffen und verrichteten ein schreckliches Blutbad. Laut Polizeiangaben gab es dabei neunzehn Tote und zweiunddreißig Schwerverletzte. Viele davon schweben noch in Lebensgefahr. Da die Gaststätte sehr abseits an einem Wald liegt, konnten die gräulichen Wesen entkommen. Die Polizei warnt vor allem die Bewohner, welche sich in Waldesnähe befinden, in ihren Häusern zu bleiben und die Türen und Fenster zu schließen. Der Geheimdienst teilte uns vor der Sendung mit, dass es höchstwahrscheinlich zwei Männern nach langer Forschung gelungen sei, in die Welt dieser furchtbaren Kreaturen einzudringen, um zu versuchen, die Menschen vor diesen Wesen zu schützen. Wir fahren fort mit weiteren Nachrichten...“
Lotte und Hanna schauten sich entsetzt an. Sie dachten in dem Moment das Gleiche.


Fortsetzung folgt...

© Copyright by Helga Pikulik







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