Dienstag, 1. Januar 2019

Im Land der Echsen 3. Kapitel Fantasyroman






Kapitel 3

„Wir können seine Sprache verstehen und auch sprechen. Das hat auch fabelhaft geklappt“, war Martin begeistert.
„Was nützt uns das, wenn wir gleich von den Echsen gefressen werden?“, antwortete Kai sarkastisch. „Ich will so einen Laufvogel haben!“, rief er.
„Kai, drehe dich um, da kommt dein Wunschtier!“, grinste Martin.
„Auf den Arm nehmen kann ich mich selber!“, antwortete Kai ärgerlich. Aber ehe er sich versah, wurde er von hinten angestubst. Erschrocken drehte er sich um und konnte es fast nicht glauben. Ein großer gelber Vogel schaute ihn an und begrüßte ihn krächzend.
„Spinne ich jetzt, oder habe ich gerade gezaubert?“, fragte er mehr sich selbst.
„Ich möchte auch so einen Vogel!“, Martin war fasziniert von dem Tier und tätschelte dessen Gefieder. Dieser begrüßte es mit einem leisen Schnurren.
„Zauber dir doch einen, aber frage mich nicht, wie ich das gemacht habe“, Kai hatte für einen kurzen Moment die Echsen vergessen und war wieder gut gelaunt.
„Kann ich auf dir reiten?“, fragte er den Vogel. Dieser schien ihn zu verstehen und setzte sich, so dass Kai aufsteigen konnte.
„Und ich? Ich will auch so einen Vogel!“, sagte Martin. „Wau, da hinten kommt ein bunter auf uns zu.“
„Wir können wirklich zaubern. Ich vermute, man muss so formulieren: ich will! Denn dein Wunsch mit dem Wort möchte hatte nicht geklappt“, war Kai aufgefallen.
„Toll, dann will ich eine Lanze!“, versuchte Martin es. Und schwubs, kam eine Lanze durch die Luft gesaust und landete direkt vor seinen Füßen. „Hilfe, die hätte mich fast aufgespießt“, er grinste und zog die Lanze aus der Erde. „Jetzt sollen die Echsen nur kommen.“
„Sonst geht es dir gut?“, fragte Kai lachend. „Martin der Held, will gegen eine riesige Zahl  Echsen kämpfen. Also, ich ziehe es vor, mich aus dem Staub zu machen.“
„Okay, du hast mich überzeugt“, meinte Martin.
„Du spinnst wirklich!“, krächzte der Vogel und setzte sich, so das Martin aufsteigen konnte.“
„Der kann sprechen!“, staunte Martin.
„Ich auch!“, verkündete der gelbe Vogel. „Und wenn ihr hier noch länger herumquasselt, werden wir alle Echsenfutter, nur deine blöde Lanze spucken sie wieder aus.“
„Aber wo können wir hin?“, wollte Kai wissen.
„Natürlich zum Schloss. Ihr seit wohl fremd hier?“, antwortete der bunte Vogel.
„Dann los, zum Schloss! Oder?“, Martin schaute Kai fragend an.
„Klar!“, Kai grinste. „Wohin denn sonst.“
Die Vögel rannten so schnell, dass Martin und Kai sich fast nicht halten konnten. Nach einiger Zeit kamen sie in eine bewaldete Landschaft. Anschließend ging es über Hügel und durch Gestrüpp und dann tat sich wieder eine große Ebene auf. Ein großer See und mehrere Bäche, vereinzelt stehende blühende Bäume und Büsche und viele Blumen boten einen faszinierenden Eindruck. In der Ferne sahen die Männer ein Schloss liegen. Als sie sich näherten, bemerkten sie ein reges Treiben im Hofe des Schlosses. Es war eine große Anzahl von Kriegern mit Pferden ähnlichen Tieren anwesend.
„Absteigen, ins Schloss gehen und euch dort melden!“, krächzte der bunte Vogel.
„War das ein Ritt, ich glaube mir ist schlecht“, meinte Kai.
„Ich wäre lieber mit meinem Wagen gefahren, aber den haben wir ja nicht mitgenommen“, stöhnte Martin. „Ich hatte das Gefühl, jeden Moment vom Vogel zu stürzen.“
Die beiden Vögel kicherten und liefen dann davon.
„Gehen wir ins Schloss, wer weiß, was uns dort erwartet“, schlug Kai vor. Sie stiegen die hohe breite Treppe aus Bruchsteinen hoch und öffneten das alte, reichgeschnitzte Eingangstor. Sie traten in eine wunderschön bemalte Eingangshalle.
„Wer seid ihr?“, fragte eine entzückende Stimme. Eine junge Frau mit langen blonden Haaren kam aus einem Seiteneingang auf sie zu. Sie blieb vor ihnen stehen und musterte sie von oben nach unten. „Mein Gefühl sagt mir, dass ihr nicht aus unserer Welt seid.“
„Wir sind aus der Welt der Menschen. Das ist mein Freund Kai und ich bin Martin.“
„Mein Name ist Jana. Ihr seid hier im Land der Echsen. Mein Bruder ist Herrscher dieses Landes. Unser Land liegt in der Hinterwelt“, erklärt sie.
„Wieso Hinterwelt? Liegt sie hinter unserer Welt?“, fragte Kai.
„Nein, ihr seid in einer ganz anderen Welt eingetreten, weit weg von eurer. Vor uns liegt die Welt der Lux, Hexen, Feen und vielen anderen Wesen und das Land der dunklen Mächte, an welches unser Land grenzt. Es ist auch die Grenze zwischen den Welten“,erklärte Jana den Männern.
„Dunkle Mächte, die hören sich sehr bedrohlich an“, meinte Martin.
„Das sind sie auch“, bestätigte Lara. „Sie haben das Land lange Zeit durch schwarze Magier beherrscht. Doch jetzt ist Rain, der König der Lux, der schwarz Magier und herrscht über das Land. Von ihm haben wir nichts zu befürchten, denn er widersteht den dunklen Mächten. Rain ist der größte Magier weit und breit in seiner und unserer Welt. Er hatte versucht, die dunklen Mächte, dazu gehört sein Großvater, zu besiegen, aber die haben sich mit dem Satan verbündet. Sie halten sich in den Höhlen des schwarzen Landes auf und haben viele Anhänger. Was führt sie in unsere Welt, und wie haben sie es geschafft, hierher zukommen?“
Seit einiger Zeit sind in unserer Welt riesige Echsen und sonstige Wesen aufgetaucht und haben Menschen angegriffen und getötet. Unsere Regierung hat versucht, es zu verheimlichen, um die Bevölkerung nicht zu beunruhigen, aber es häuften sich die Angriffe und die Wesen tauchten im ganzen Land auf. Es konnte nicht mehr verheimlicht werden. Mein Freund und ich haben geforscht und es ist uns gelungen, ein Mittel herzustellen, das uns in die Gegend dieser Tiere führte. Wir wussten natürlich nicht, ob es klappen würde, und dass wir in eine ganz andere Welt eintauchen. Unser Aussehen hat sich verändert und wir haben festgestellt, dass wir zaubern können. Wir sind hergekommen, um zu erfahren, warum diese Echsen in unsere Welt kommen und uns Menschen angreifen.“ Inzwischen hatte Lara ihre Gäste in ein Zimmer geführt, wo sie sich in große mit Leder überzogenen Sessel niederließen.
„Die Tiere greifen nicht nur euch Menschen an. Auch wir sind in großer Gefahr“, antwortete Lara. Die Echsen waren uns gegenüber immer friedliche. Aber vor einigen Jahren hat der große Zauberer Malum die Macht an sich gerissen. Er steckt mit den dunklen Mächten unter einer Decke. Malum ließ unseren König töten und drohte den Echsen die Ausrottung an, wenn sie sich ihm nicht ergeben würden. Einige machthungrige Echsen boten ihm gleich ihre Dienste an. Malum gab ihnen die Macht, sich, wenn sie in den Kampf schreiten, um ein vielfaches zu vergrößern. Also schlugen sie sich auf seine Seite. Sie bekamen den Auftrag, uns zu töten. Er will unser Land mit seinen ekelhaften Untertanen bevölkern, welche zur Zeit im Untergrund leben. Inzwischen ist Malum wohl größenwahnsinnig geworden. Er hat an der Welt der Menschen Gefallen gefunden. Jetzt plant er durch Angriffe seiner Echsen unter eurer Bevölkerung Angst zu verbreiten, um dann seine Armee in die Menschenwelt zu schicken, um Land für Land sich ihm zu unterwerfen.“
„Was haben sie vor, wie wollen sie diesen Zauberer aufhalten?“, wollte Martin wissen.
„Wir haben unsere Zauberer im ganzen Land zusammen gerufen und haben unsere Heere aufgestellt. Wir sind zum Angriff bereit. Es wird gefährlich sein, gegen die Echsen zu kämpfen, da sich viele vergrößern können, und wir mit unseren Vögeln und Pferden kaum eine Chance haben. Wir müssen schon immer mit mehreren Kriegern und mindestens einem Zauberer eine Echse angreifen. Unser Vorteil ist, dass wir wendiger sind als diese Tiere. Wir haben Boten in die Welt der Lux gesandt, um Hilfe anzufordern, aber die Lux haben selber vor kurzer Zeit einen Krieg hinter sich. Wenn sie uns helfen und ihre Drachen schicken, hätten wir eine große Chance, den Zauberer und seine Heere zu besiegen. Doch wir haben keine Zeit mehr, auf die Antwort der Lux zu warten, denn unsere Späher berichteten, dass Malum jeden Moment den Angriff plant. Sie haben sich keinen schönen Zeitpunkt ausgesucht, um in unsere Welt zu kommen. Aber da sie erwähnten, dass sie Zaubern könnten, waren sie höchstwahrscheinlich auserwählt, gegen den Zauberer zu kämpfen. Unsere weise Frau hat in ihrer Kugel gesehen, dass vier Menschen in unsere Welt eintauchen, um uns zu helfen, Malum zu besiegen.“
„Vier?“, wunderte Kai sich und schaute seinen Freund fragend an.
„Vielleicht der Hausmeister mit einem Komplizen?“, scherzte dieser und musste lachen.
„Mit der Reinigungfrau?“, Kai grinste. „Oder die gute weise Frau hat doppelt gesehen.“
Lara schaute die Männer verdutzt an. Sie verstand nicht, was sie meinten.
„Sie haben ihren Humor scheinbar noch nicht verloren“, stellte sie fest. „Kommen sie mit, ich werde ihnen ihre Zimmer zeigen, anschließend stelle ich ihnen meinen Bruder vor. Er hat das Amt des Königs übernommen, nachdem man unseren Vater getötet hatte.“


Fortsetzung folgt...


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