Kapitel 3
„Wir
können seine Sprache verstehen und auch sprechen. Das hat auch
fabelhaft geklappt“, war Martin begeistert.
„Was
nützt uns das, wenn wir gleich von den Echsen gefressen werden?“,
antwortete Kai sarkastisch. „Ich will so einen Laufvogel haben!“,
rief er.
„Kai,
drehe dich um, da kommt dein Wunschtier!“, grinste Martin.
„Auf
den Arm nehmen kann ich mich selber!“, antwortete Kai ärgerlich.
Aber ehe er sich versah, wurde er von hinten angestubst. Erschrocken
drehte er sich um und konnte es fast nicht glauben. Ein großer
gelber Vogel schaute ihn an und begrüßte ihn krächzend.
„Spinne
ich jetzt, oder habe ich gerade gezaubert?“, fragte er mehr sich
selbst.
„Ich
möchte auch so einen Vogel!“, Martin war fasziniert von dem Tier
und tätschelte dessen Gefieder. Dieser begrüßte es mit einem
leisen Schnurren.
„Zauber
dir doch einen, aber frage mich nicht, wie ich das gemacht habe“,
Kai hatte für einen kurzen Moment die Echsen vergessen und war wieder
gut gelaunt.
„Kann ich auf dir reiten?“, fragte er den Vogel.
Dieser schien ihn zu verstehen und setzte sich, so dass Kai
aufsteigen konnte.
„Und
ich? Ich will auch so einen Vogel!“, sagte Martin. „Wau, da
hinten kommt ein bunter auf uns zu.“
„Wir
können wirklich zaubern. Ich vermute, man muss so formulieren: ich
will! Denn dein Wunsch mit dem Wort möchte hatte nicht geklappt“,
war Kai aufgefallen.
„Toll,
dann will ich eine Lanze!“, versuchte Martin es. Und schwubs, kam
eine Lanze durch die Luft gesaust und landete direkt vor seinen
Füßen. „Hilfe, die hätte mich fast aufgespießt“, er grinste
und zog die Lanze aus der Erde. „Jetzt sollen die Echsen nur
kommen.“
„Sonst
geht es dir gut?“, fragte Kai lachend. „Martin der Held, will
gegen eine riesige Zahl Echsen kämpfen. Also, ich ziehe
es vor, mich aus dem Staub zu machen.“
„Okay,
du hast mich überzeugt“, meinte Martin.
„Du
spinnst wirklich!“, krächzte der Vogel und setzte sich, so das
Martin aufsteigen konnte.“
„Der
kann sprechen!“, staunte Martin.
„Ich
auch!“, verkündete der gelbe Vogel. „Und wenn ihr hier noch
länger herumquasselt, werden wir alle Echsenfutter, nur deine blöde
Lanze spucken sie wieder aus.“
„Aber
wo können wir hin?“, wollte Kai wissen.
„Natürlich
zum Schloss. Ihr seit wohl fremd hier?“, antwortete der bunte
Vogel.
„Dann
los, zum Schloss! Oder?“, Martin schaute Kai fragend an.
„Klar!“,
Kai grinste. „Wohin denn sonst.“
Die
Vögel rannten so schnell, dass Martin und Kai sich fast nicht halten
konnten. Nach einiger Zeit kamen sie in eine bewaldete Landschaft.
Anschließend ging es über Hügel und durch Gestrüpp und dann tat
sich wieder eine große Ebene auf. Ein großer See und mehrere Bäche,
vereinzelt stehende blühende Bäume und Büsche und viele Blumen
boten einen faszinierenden Eindruck. In der Ferne sahen die Männer
ein Schloss liegen. Als sie sich näherten, bemerkten sie ein reges
Treiben im Hofe des Schlosses. Es war eine große Anzahl von Kriegern
mit Pferden ähnlichen Tieren anwesend.
„Absteigen,
ins Schloss gehen und euch dort melden!“, krächzte der bunte
Vogel.
„War
das ein Ritt, ich glaube mir ist schlecht“, meinte Kai.
„Ich
wäre lieber mit meinem Wagen gefahren, aber den haben wir ja nicht
mitgenommen“, stöhnte Martin. „Ich hatte das Gefühl, jeden
Moment vom Vogel zu stürzen.“
Die
beiden Vögel kicherten und liefen dann davon.
„Gehen
wir ins Schloss, wer weiß, was uns dort erwartet“, schlug Kai vor.
Sie stiegen die hohe breite Treppe aus Bruchsteinen hoch und öffneten
das alte, reichgeschnitzte Eingangstor. Sie traten in eine
wunderschön bemalte Eingangshalle.
„Wer
seid ihr?“, fragte eine entzückende Stimme. Eine junge Frau mit
langen blonden Haaren kam aus einem Seiteneingang auf sie zu. Sie
blieb vor ihnen stehen und musterte sie von oben nach unten. „Mein
Gefühl sagt mir, dass ihr nicht aus unserer Welt seid.“
„Wir
sind aus der Welt der Menschen. Das ist mein Freund Kai und ich bin
Martin.“
„Mein
Name ist Jana. Ihr seid hier im Land der Echsen. Mein Bruder ist
Herrscher dieses Landes. Unser Land liegt in der Hinterwelt“,
erklärt sie.
„Wieso
Hinterwelt? Liegt sie hinter unserer Welt?“, fragte Kai.
„Nein,
ihr seid in einer ganz anderen Welt eingetreten, weit weg von eurer.
Vor uns liegt die Welt der Lux, Hexen, Feen und vielen anderen Wesen
und das Land der dunklen Mächte, an welches unser Land grenzt. Es
ist auch die Grenze zwischen den Welten“,erklärte Jana den
Männern.
„Dunkle
Mächte, die hören sich sehr bedrohlich an“, meinte Martin.
„Das
sind sie auch“, bestätigte Lara. „Sie haben das Land lange Zeit
durch schwarze Magier beherrscht. Doch jetzt ist Rain, der König der
Lux, der schwarz Magier und herrscht über das Land. Von ihm haben
wir nichts zu befürchten, denn er widersteht den dunklen Mächten.
Rain ist der größte Magier weit und breit in seiner und unserer
Welt. Er hatte versucht, die dunklen Mächte, dazu gehört sein
Großvater, zu besiegen, aber die haben sich mit dem Satan verbündet.
Sie halten sich in den Höhlen des schwarzen Landes auf und haben
viele Anhänger. Was führt sie in unsere Welt, und wie haben sie es
geschafft, hierher zukommen?“
Seit
einiger Zeit sind in unserer Welt riesige Echsen und sonstige Wesen
aufgetaucht und haben Menschen angegriffen und getötet. Unsere
Regierung hat versucht, es zu verheimlichen, um die Bevölkerung
nicht zu beunruhigen, aber es häuften sich die Angriffe und die
Wesen tauchten im ganzen Land auf. Es konnte nicht mehr verheimlicht
werden. Mein Freund und ich haben geforscht und es ist uns gelungen,
ein Mittel herzustellen, das uns in die Gegend dieser Tiere führte.
Wir wussten natürlich nicht, ob es klappen würde, und dass wir in
eine ganz andere Welt eintauchen. Unser Aussehen hat sich verändert
und wir haben festgestellt, dass wir zaubern können. Wir sind
hergekommen, um zu erfahren, warum diese Echsen in unsere Welt kommen
und uns Menschen angreifen.“ Inzwischen hatte Lara ihre Gäste in
ein Zimmer geführt, wo sie sich in große mit Leder überzogenen
Sessel niederließen.
„Die
Tiere greifen nicht nur euch Menschen an. Auch wir sind in großer
Gefahr“, antwortete Lara. Die Echsen waren uns gegenüber immer
friedliche. Aber vor einigen Jahren hat der große Zauberer Malum die
Macht an sich gerissen. Er steckt mit den dunklen Mächten unter
einer Decke. Malum ließ unseren König töten und drohte den Echsen die Ausrottung an, wenn sie sich ihm nicht ergeben würden.
Einige machthungrige Echsen boten ihm gleich ihre Dienste an. Malum
gab ihnen die Macht, sich, wenn sie in den Kampf schreiten, um ein
vielfaches zu vergrößern. Also schlugen sie sich auf seine Seite.
Sie bekamen den Auftrag, uns zu töten. Er will unser Land mit seinen
ekelhaften Untertanen bevölkern, welche zur Zeit im Untergrund
leben. Inzwischen ist Malum wohl größenwahnsinnig geworden. Er hat
an der Welt der Menschen Gefallen gefunden. Jetzt plant er durch
Angriffe seiner Echsen unter eurer Bevölkerung Angst zu verbreiten,
um dann seine Armee in die Menschenwelt zu schicken, um Land für
Land sich ihm zu unterwerfen.“
„Was
haben sie vor, wie wollen sie diesen Zauberer aufhalten?“, wollte
Martin wissen.
„Wir
haben unsere Zauberer im ganzen Land zusammen gerufen und haben
unsere Heere aufgestellt. Wir sind zum Angriff bereit. Es wird gefährlich sein, gegen die Echsen zu kämpfen, da sich viele
vergrößern können, und wir mit unseren Vögeln und Pferden kaum
eine Chance haben. Wir müssen schon immer mit mehreren Kriegern und
mindestens einem Zauberer eine Echse angreifen. Unser Vorteil ist,
dass wir wendiger sind als diese Tiere. Wir haben Boten in die Welt
der Lux gesandt, um Hilfe anzufordern, aber die Lux haben selber vor
kurzer Zeit einen Krieg hinter sich. Wenn sie uns helfen und ihre
Drachen schicken, hätten wir eine große Chance, den Zauberer und
seine Heere zu besiegen. Doch wir haben keine Zeit mehr, auf die
Antwort der Lux zu warten, denn unsere Späher berichteten, dass
Malum jeden Moment den Angriff plant. Sie haben sich keinen schönen
Zeitpunkt ausgesucht, um in unsere Welt zu kommen. Aber da sie
erwähnten, dass sie Zaubern könnten, waren sie höchstwahrscheinlich
auserwählt, gegen den Zauberer zu kämpfen. Unsere weise Frau hat in
ihrer Kugel gesehen, dass vier Menschen in unsere Welt eintauchen, um
uns zu helfen, Malum zu besiegen.“
„Vier?“,
wunderte Kai sich und schaute seinen Freund fragend an.
„Vielleicht
der Hausmeister mit einem Komplizen?“, scherzte dieser und musste
lachen.
„Mit
der Reinigungfrau?“, Kai grinste. „Oder die gute weise Frau hat
doppelt gesehen.“
Lara
schaute die Männer verdutzt an. Sie verstand nicht, was sie meinten.
„Sie
haben ihren Humor scheinbar noch nicht verloren“, stellte sie fest.
„Kommen sie mit, ich werde ihnen ihre Zimmer zeigen, anschließend
stelle ich ihnen meinen Bruder vor. Er hat das Amt des Königs
übernommen, nachdem man unseren Vater getötet hatte.“
Fortsetzung folgt...
© Copyright by Helga
Pikulik
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen