Freundschaft
„Falls ihr Hilfe braucht für die Party, nur
sagen!“, bot sich Jonny an.
„Das könnten wir schon. Das Schmücken ist nicht
so einfach. Irgendwie komme ich immer ins Schwanken, wenn ich auf
einer Leiter stehe und die Girlanden fest mache“, antwortete Ina.
„Dann helfe ich auch mit, es wird mir ein
Vergnügen sein, dich aufzufangen!“, sagte Fred.
„Wir fangen morgen schon an, denn wir müssen die
Scheune noch aufräumen“, meinte Ina, „also, wer Lust hat,
herzlich Willkommen.“
„Museum ist nicht unbedingt mein Ding,“ stellte
Stefan fest, als wir am anderen Tag mit Frau Maier-Gerden dort hin
gingen.
Herr Lehmann begleitete uns ebenfalls, was Willi
schon wieder zu blöde Sprüche inspirierte. Doch er hatte heute
weniger Zuhörer. Wir hatten beschlossen unser Abi demnächst nicht
wegen solch einer Pfeife wie Willi und Konsorten zu versauen. Bislang
betrafen seine doofen Sprüche nur Lehrpersonen. Seit ein paar Wochen
machte er sich jedoch auf Kosten von Mitschülern lustig. Er spielte
sich immer mehr als Boss der Klasse auf. Wer nicht nach seiner Nase
tanzte, wurde von ihm bedroht, wenn er sich alleine mit ihm befand.
Da sieht man schon, wie feige Willi war. Jetzt hatte er nur noch drei
Anhänger. Damit hatte er nicht gerechnet, dass die Überzahl der
Klassenkameraden seinen Mist nicht mehr mitmachten. Da sich aber
keiner sicher vor ihm fühlte, gingen wir möglichst zu Zweit oder zu
Dritt nach Hause.Willi war zwei Jahre älter als wir und hatte eine
große, etwas vollschlanke Figur. Er war schon Angst einflößend. Er
hatte seinen Mitschülern angedroht, sie würden das noch bereuen,
dass sie ihn in Stich gelassen hätten.
„So schlecht ist die Natur Ausstellung doch gar
nicht“, meinte Jonny.
„Aber was soll ich da schreiben? Wenn wir zum
Bahnhof gegangen wären, da hätte ich wohl Seiten voll schreiben
können“, antwortete Stefan. „Wir dürfen uns ja was aussuchen,
ich schreibe über die Beleuchtung“, strahlte Stefan.
„Das hat ja auch mit Bio zu tun“, musste Ina
lachen.
„Wir dürfen uns was aussuchen!“, betonte Stefan
noch einmal.
„Aber es sollte schon mit Bio zu tun haben!“,
sagte Herr Lehmann auf einmal hinter uns.
„Habe ich mich erschrocken“, entfuhr es Ina.
„Entschuldigung, das wollte ich nicht!“, meinte
Herr Lehmann.
Sie schauten sich kurz in die Augen.
„Verdammt, sieht der gut aus. Und diese Augen,
einfach süß der Typ“, dachte Ina.
„Ein hübsches Mädchen, leider meine Schülerin
und viel zu jung“, dachte Herr Lehmann.
„Sieh dir zum Beispiel den Buntspecht an“,
wandte Herr Lehmann sich an Stefan. „Schau ins Internet oder in
Büchern nach und schreib über das Tierchen. Ist doch einfach.“
„Ja, eigentlich schon. Okay, ich schreib über den
Vogel. Wie hieß der noch mal?“, fragte Stefan.
„Buntspecht!“, riefen wir gemeinsam und mussten
Lachen.
„Ich schreibe über die Armeisen“, rief Fred
Am Ende hatte jeder sein Thema und eine Gruppe
verabredete sich mit Ina und Sarah in der Scheune von Inas Tante. Es
machte direkt Spaß, gemeinschaftlich zu arbeiten. Die Klasse war
zusammen gerückt, hatte endlich eine Klassengemeinschaft. Sie hatten
versucht, Willi zu überzeugen, mit dem Unsinn in der Schule
aufzuhören, doch er stellte sich stur. Scharrte seine paar Anhänger
um sich und ignorierte alle anderen.
Frau Maier-Gerden war mit den Berichten sehr
zufrieden und wunderte sich über die plötzliche Mitarbeit. Gestört
wurde der Unterricht nur durch Willi und Kalle, welche ihre blöden
Sprüche ab ließen. Sie handelten sich eine saftige Strafarbeit ein,
obwohl die Lehrerin wusste, dass die beiden die sowie so nicht
schrieben. Auch die Mathestunde lief besser. Es war ruhiger als sonst und
Herr Lehmann konnte alles besser erklären, denn die Störenfriede
hatten es vorgezogen, diese Stunde zu schwänzen.
Nach der Stunde wollte Herr Lehmann nach hause
fahren, doch seine Reifen vom Fahrrad waren aufgeschlitzt. Wir
konnten uns denken, wer das getan hatte, und Herr Lehmann sicher
auch. Er ließ sich seinen Ärger nicht anmerken, sondern griff zum
Handy und rief jemanden an. Wir hatten uns in einiger Entfernung
zusammengefunden und diskutierten über diesen neue Zwischenfall und
wollten nun auch sehen, was Herr Lehmann weiter unternahm. Wir waren
ja von Natur aus neugierig.
„Der hat sicher ein Taxi angerufen“, meinte
Jonny.
„Eine Sauerei, das mit den Reifen, das ist Willis
Handschrift!“, sprach Sarah aus, was alle dachten.
„Der Unterricht war heute gut gelaufen, sogar ich
habe die Matheaufgaben kapiert, und das will was heißen“, sagte
Stefan. „Vielleicht schaffe ich ja doch noch das Abi.“
„Ich glaube, die meisten von uns müssen sich auf
den Hosenboden setzen, um einigermaßen vernünftige Zensuren zu
bekommen. Meine Eltern wären fast hintenüber gefallen, als ich
ihnen die Zwei in der Biohausaufgabe zeigte. Mein Vater fragte
scherzend, ob ich eventuell krank sei oder ob endlich meine
Intelligenz zum Vorschein käme“, erzählte Fred.
Und dann blieb uns fast der Mund offen stehen. Ein
super knallroter Sportwagen fuhr auf das Schulgelände. Das Dach war
heruntergeklappt. Der junge Mann am Steuer stieg aus, aber mit einer
Eleganz, die unsere ganze Aufmerksamkeit auf sich zog. Er hatte eine
super enge weiße Hose an und trug dazu ein ebenfalls enganliegendes
Hemd. Sein Hals zierte ein rotes Halstuch. Sein langes schwarzes Haar
hatte er hinten zusammengebunden
„Wenn der nicht schwul ist, so wie der geht und
sich bewegt, fresse ich einen Besen“, staunte Jonny.
„Jetzt begrüßen sich der Lehmann und dieser Typ
mit einer Umarmung. Unser unauffälliger Lehmann hat so einen geilen
Freund, wer hätte das gedacht!“, stellte Eric fest.
„Ob der Lehmann schwul ist?“, fragte Beate.
„Weiß nicht. Wenn, ist es doch auch egal,
Hauptsache er erklärt uns Mathe gut!“, antwortete Stefan, „die verfrachten doch glatt das Fahrrad hinten auf den
schmalen Rücksitz des Autos."
Fortsetzung folgt...
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