Mittwoch, 5. März 2014

2. Fortsetzung: Freundschaft



Freundschaft


„Falls ihr Hilfe braucht für die Party, nur sagen!“, bot sich Jonny an.
„Das könnten wir schon. Das Schmücken ist nicht so einfach. Irgendwie komme ich immer ins Schwanken, wenn ich auf einer Leiter stehe und die Girlanden fest mache“, antwortete Ina.
„Dann helfe ich auch mit, es wird mir ein Vergnügen sein, dich aufzufangen!“, sagte Fred.
„Wir fangen morgen schon an, denn wir müssen die Scheune noch aufräumen“, meinte Ina, „also, wer Lust hat, herzlich Willkommen.“
„Museum ist nicht unbedingt mein Ding,“ stellte Stefan fest, als wir am anderen Tag mit Frau Maier-Gerden dort hin gingen.
Herr Lehmann begleitete uns ebenfalls, was Willi schon wieder zu blöde Sprüche inspirierte. Doch er hatte heute weniger Zuhörer. Wir hatten beschlossen unser Abi demnächst nicht wegen solch einer Pfeife wie Willi und Konsorten zu versauen. Bislang betrafen seine doofen Sprüche nur Lehrpersonen. Seit ein paar Wochen machte er sich jedoch auf Kosten von Mitschülern lustig. Er spielte sich immer mehr als Boss der Klasse auf. Wer nicht nach seiner Nase tanzte, wurde von ihm bedroht, wenn er sich alleine mit ihm befand. Da sieht man schon, wie feige Willi war. Jetzt hatte er nur noch drei Anhänger. Damit hatte er nicht gerechnet, dass die Überzahl der Klassenkameraden seinen Mist nicht mehr mitmachten. Da sich aber keiner sicher vor ihm fühlte, gingen wir möglichst zu Zweit oder zu Dritt nach Hause.Willi war zwei Jahre älter als wir und hatte eine große, etwas vollschlanke Figur. Er war schon Angst einflößend. Er hatte seinen Mitschülern angedroht, sie würden das noch bereuen, dass sie ihn in Stich gelassen hätten.
„So schlecht ist die Natur Ausstellung doch gar nicht“, meinte Jonny.
„Aber was soll ich da schreiben? Wenn wir zum Bahnhof gegangen wären, da hätte ich wohl Seiten voll schreiben können“, antwortete Stefan. „Wir dürfen uns ja was aussuchen, ich schreibe über die Beleuchtung“, strahlte Stefan.
„Das hat ja auch mit Bio zu tun“, musste Ina lachen.
„Wir dürfen uns was aussuchen!“, betonte Stefan noch einmal.
„Aber es sollte schon mit Bio zu tun haben!“, sagte Herr Lehmann auf einmal hinter uns.
„Habe ich mich erschrocken“, entfuhr es Ina.
„Entschuldigung, das wollte ich nicht!“, meinte Herr Lehmann.
Sie schauten sich kurz in die Augen.
„Verdammt, sieht der gut aus. Und diese Augen, einfach süß der Typ“, dachte Ina.
„Ein hübsches Mädchen, leider meine Schülerin und viel zu jung“, dachte Herr Lehmann.
„Sieh dir zum Beispiel den Buntspecht an“, wandte Herr Lehmann sich an Stefan. „Schau ins Internet oder in Büchern nach und schreib über das Tierchen. Ist doch einfach.“
„Ja, eigentlich schon. Okay, ich schreib über den Vogel. Wie hieß der noch mal?“, fragte Stefan.
„Buntspecht!“, riefen wir gemeinsam und mussten Lachen.
„Ich schreibe über die Armeisen“, rief Fred
Am Ende hatte jeder sein Thema und eine Gruppe verabredete sich mit Ina und Sarah in der Scheune von Inas Tante. Es machte direkt Spaß, gemeinschaftlich zu arbeiten. Die Klasse war zusammen gerückt, hatte endlich eine Klassengemeinschaft. Sie hatten versucht, Willi zu überzeugen, mit dem Unsinn in der Schule aufzuhören, doch er stellte sich stur. Scharrte seine paar Anhänger um sich und ignorierte alle anderen.
Frau Maier-Gerden war mit den Berichten sehr zufrieden und wunderte sich über die plötzliche Mitarbeit. Gestört wurde der Unterricht nur durch Willi und Kalle, welche ihre blöden Sprüche ab ließen. Sie handelten sich eine saftige Strafarbeit ein, obwohl die Lehrerin wusste, dass die beiden die sowie so nicht schrieben. Auch die Mathestunde lief besser. Es war ruhiger als sonst und Herr Lehmann konnte alles besser erklären, denn die Störenfriede hatten es vorgezogen, diese Stunde zu schwänzen.
Nach der Stunde wollte Herr Lehmann nach hause fahren, doch seine Reifen vom Fahrrad waren aufgeschlitzt. Wir konnten uns denken, wer das getan hatte, und Herr Lehmann sicher auch. Er ließ sich seinen Ärger nicht anmerken, sondern griff zum Handy und rief jemanden an. Wir hatten uns in einiger Entfernung zusammengefunden und diskutierten über diesen neue Zwischenfall und wollten nun auch sehen, was Herr Lehmann weiter unternahm. Wir waren ja von Natur aus neugierig.
„Der hat sicher ein Taxi angerufen“, meinte Jonny.
„Eine Sauerei, das mit den Reifen, das ist Willis Handschrift!“, sprach Sarah aus, was alle dachten.
„Der Unterricht war heute gut gelaufen, sogar ich habe die Matheaufgaben kapiert, und das will was heißen“, sagte Stefan. „Vielleicht schaffe ich ja doch noch das Abi.“
„Ich glaube, die meisten von uns müssen sich auf den Hosenboden setzen, um einigermaßen vernünftige Zensuren zu bekommen. Meine Eltern wären fast hintenüber gefallen, als ich ihnen die Zwei in der Biohausaufgabe zeigte. Mein Vater fragte scherzend, ob ich eventuell krank sei oder ob endlich meine Intelligenz zum Vorschein käme“, erzählte Fred.
Und dann blieb uns fast der Mund offen stehen. Ein super knallroter Sportwagen fuhr auf das Schulgelände. Das Dach war heruntergeklappt. Der junge Mann am Steuer stieg aus, aber mit einer Eleganz, die unsere ganze Aufmerksamkeit auf sich zog. Er hatte eine super enge weiße Hose an und trug dazu ein ebenfalls enganliegendes Hemd. Sein Hals zierte ein rotes Halstuch. Sein langes schwarzes Haar hatte er hinten zusammengebunden
„Wenn der nicht schwul ist, so wie der geht und sich bewegt, fresse ich einen Besen“, staunte Jonny.
„Jetzt begrüßen sich der Lehmann und dieser Typ mit einer Umarmung. Unser unauffälliger Lehmann hat so einen geilen Freund, wer hätte das gedacht!“, stellte Eric fest.
„Ob der Lehmann schwul ist?“, fragte Beate.
„Weiß nicht. Wenn, ist es doch auch egal, Hauptsache er erklärt uns Mathe gut!“, antwortete Stefan, „die verfrachten doch glatt das Fahrrad hinten auf den schmalen Rücksitz des Autos."


Fortsetzung folgt...


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