Freundschaft
„Wir könnten ja mal
zusammen ausreiten“, schlug Jonny vor.
„Gerne!“, freute sich Ina.
Jonny zog Ina beim Tanzen näher an sich heran. Sein
Mund strich sacht über ihren Hals und näherte sich ihrem Mund.
„Riecht das hier nicht irgendwie verbrannt?“,
fragte Stefan.
Ina schaute erschrocken hoch. Im Gedanken noch immer
bei Jonny und den nahenden Kuss.
„Was ist?“, fragte sie.
„Es riecht stark verbrannt“, wiederholte Stefan
seine Feststellung.
„Jetzt rieche ich es auch!“, sagte Jonny
„Ich auch“, bestätigte es Ina.“
„Die Scheune brennt!“, rief Michaela, „alles
raus hier, aber nicht drängen! Frederic hat einen jungen Mann bei
der Scheune getroffen und ihn festgehalten. Wir haben die Feuerwehr
schon angerufen!“
Alle rannten aus der Scheune. Jemand hatte das große
Scheunentor ganz geöffnet, so konnte ein Gedränge verhindert
werden.
„Das ist aber ein schönes Feuerchen dir zu
Ehren!“, scherzte Stefan.
„Das finde ich nun gar nicht witzig!“,
antwortete ich.
Plötzlich knallte es ohrenbetäubend und
Feuerwerkskörper gingen in die Luft und bildeten am Himmel Sterne in
den schönsten Farben. Aber keiner konnte die schönen Augenblicke in
der Luft genießen. Das Knallen ging weiter. Es müssen
unwahrscheinlich viele Böller im Feuer losgegangen sein.
„Endlich ist die Feuerwehr da!“, sagte meine
Tante. „Gott sei Dank, dass das Feuer so früh bemerkt wurde. Man
mag gar nicht daran denken, was hätte sonst passieren können.“
„Die Scheune ist nicht mehr zu retten,“ teilte
uns Inas Onkel mit. Die Feuerwehr versucht zu verhindern, dass das
Feuer auf andere Gebäude überspringt. Ich habe den Trecker
vorsichtshalber in Sicherheit gebracht. Das Wohnhaus und die Ställe
sind weit genug entfernt.“
„Wir schauen nachher nach den Ponys!“, schlug
Ina Jonny vor, „aber erst will ich sehen, wen Frederic da
geschnappt hat.“
„Ich glaube wir vermuten das Gleiche!“, sagte
Jonny.
Sie gingen ins Haus und fanden ein total in Tränen
aufgelösten Willi.
„Ich wollte euch doch nur mit meinen Knallern
erschrecken!“, schluchzte Willi. „Aber plötzlich brannte das
Heu, welches draußen lag. Ich habe versucht es zu löschen, aber die
Flammen wurden immer größer und dann brannte mit einem Male die
Scheune. Ich wollte sie nicht anzünden, bitte glaubt mir! Ich wollte
euch warnen, aber ich war wie gelähmt, bis mich dieser Mann mit
einem male schnappte. Da wurde mir erst richtig klar, in welcher
Gefahr ihr alle ward.“
„Nun trink mal erst etwas und versuche dich zu
beruhigen, du zitterst ja am ganzen Körper!“, redete Inas Tante
sanft auf Willi ein, und legte eine Decke um seine Schulter. „Zum
Glück hat es nur die Scheune erwischt und kein Mensch ist zu Schaden
gekommen“, tröstete sie ihn.
„Wie können sie zu mir noch so nett sein?“, wo
ich doch ihre Scheune abgefackelt habe“, fragte Willi.
„Du hast es nicht extra gemacht. Und wir sind
froh, dass dir nichts passiert ist. Stell dir vor, du wärst noch da
gewesen; als die Böller alle hochgingen!“, redete Ina auf Willi
ein.
„Der junge Mann hat mich da aus den Flammen, die
mich inzwischen umzingelten, raus geholt. Ich weiß nicht, wie ich
das jemals wieder gut machen kann. Ich mache aber wirklich nur Mist,
ich weiß auch nicht, was mit mir los ist;“ stellte Willi fest.
„Einsicht ist der beste Weg zu Besserung! Den Satz
kennst du doch sicher auch. Willkommen in der Klassengemeinschaft,
und wir werden schon auf dich aufpassen!“, teilte Jonny ihm mit.
„Danke!“, brachte Willi hervor und fing wieder
an zu schluchzen. „Meine Eltern werden mich jetzt in ein Internat
stecken, dann fühle ich mich noch mehr allein.
„Wir werden deine Eltern überzeugen, das du hier
bleiben kannst, und wir dafür sorgen werden, das du dein Abitur
schaffst. Wir lernen jetzt immer mit mehreren Freunden und helfen uns
dabei untereinander. Nur unser Treffpunkt ist gerade abgebrannt.“
Sagte Ina.
„Platz haben wir zu hause genug!“, schlug Willi
vor. „Wenn es euch nichts ausmacht, könnt ihr euch bei uns
treffen. Im Sommer ist es im Pavillon sehr schön, er ist ziemlich
groß und wem es zu heiß wird, der kann eine Runde im Schwimmbecken
drehen.“ Willi hatte endlich zu weinen aufgehört.
„Hört sich gut an!“, meinte Jonny.
„Da kommt ein ziemlich großer schwarzer Wagen auf
den Hof gefahren“, konnte Michaela durchs Fenster erkennen.
„Das sind meine Eltern, wir haben sie vorhin
angerufen“, sagte Willi.
„Schätzelein!“, kam seine Mutter auf ihn zu.
„Was machst du für Sachen, du hättest verbrennen können!“ Sie
umarmte ihn. Inzwischen war auch sein Vater herein gekommen.
„Guten Abend!“, wünschte er. „Das mit ihrer
Scheune tut mir leid. Hoffentlich ist keiner verletzt worden?“,
fragte er.
„Zum Glück nicht, aber ihr Sohn hat nicht nur die
anderen, sondern sich selber in große Gefahr gebracht. Sie können
froh sein, dass der Freund meiner Nichte ihn aus den Flammen geholt
hat“; klärte ihn meine Tante auf und wies auf Frederic. Der Vater
ging auf ihn zu und umarmte ihn.
„Wie kann ich ihnen bloß danken. Sie haben ihr
eigenes Leben für meinen Sohn aufs Spiel gesetzt. Was kann ich für
sie tun?“, fragt er Frederic.
„Das war doch selbstverständlich!“, antwortete
dieser. „Vielleicht haben sie mit ihrer Gattin mal Zeit, meine
Galerie zu besuchen, ich würde mich freuen, so prominente Gäste zu
empfangen. Das ist gute Werbung.“
„Sie sind Künstler? Wunderbar, ich liebe Kunst.
Wir kommen auf jeden Fall.“
„Elli, nun lass mich auch mal unseren Sohn in die
Arme schließen. Mensch, Willi, was machst du bloß immer für
Blödsinn! Ist dir eigentlich klar, dass du deine Mitschüler und
dich in große Gefahr gebracht hast? Ich mag gar nicht daran denken,
was hätte passieren können.“ redete der Vater auf ihn ein.
Während er ihn umarmte.
„Ich wollte sie nur erschrecken und dafür Böller
anzünden und anschließend einige Raketen hochjagen. Aber plötzlich
brannte es und ich wollte das Feuer austreten, aber es breitete sich
so schnell aus, dass ich auf einmal mitten in den Flammen stand und
dann fing die Scheune auch noch Feuer. Jetzt ist sie abgebrannt. Muss
ich jetzt ins Gefängnis? Oder in ein Internat?“, fragte Willi und
fing wieder an zu weinen.
„Weder noch“, tröstete sein Vater ihn. „Wenn
es zur Anzeige kommt, könnte es sein, dass du mehrere Sozialstunden
leisten musst. Ich habe vorhin an der Straße mit der Polizei
gesprochen und ihnen unsere Personalien gegeben. Ich habe ihnen
versprochen, morgen mit dir aufs Polizeirevier zu kommen. Wir nehmen
Herrn Koch, unseren Rechtsanwalt mit. Nun beruhige dich und habe
keine Angst mehr.“
„Aber du hast doch gar keine Zeit!“, antwortete
Willi.
„Die Zeit nehme ich mir!“Entgegnete seine Vater.
„Wir haben dich viel zu sehr allein gelassen. Wir werden in Zukunft
versuchen, das wieder gut zu machen. Leider können wir dir die
fehlende Zeit in deiner Kindheit nicht mehr zurückgeben, aber die
für die Zukunft! Es ist schlimm, dass erst so etwas passieren
musste, bis deine Eltern endlich aufwachen und merken, wie allein du
bist.“ Er umarmte Willi noch fester. Und Willi? Er schluchzte nur
und umarmte seinen Vater, als wollte er ihn nie wieder loslassen.
Kurz danach saßen meine Tante und mein Onkel mit Willis Vater am
Tisch und redeten über eine neue Scheune, mit so einer Begeisterung,
als wenn sie sich alle freuten, dass die alte abgebrannt war. Willis
Mutter fachsimpelte mit Frederic und Michaela über Kunst.
Keiner dachte heute Nacht ans Schlafe.
„Willi, geht es dir wieder besser? Oder zittern
dir noch die Beine. Ich glaube du hattest einen Schock.“, stellte
Ina fest.
„Hatte der Sanitäter auch gemeint und wollte mich
mit ins Krankenhaus nehmen. Aber ich wollte nicht mit. Mir geht es
auch schon besser. Ich hatte so Angst vor meinen Eltern, ich habe
immerhin die Scheune abgefackelt, und die wird eine Stange Geld
kosten, anscheinend bin ich ihnen das wert!“, stellte Willi
überrascht fest.
„Sicher bist du das!“, rief sein Vater rüber,
der das Gespräch mitbekommen hatte. „Aber nicht, dass du dir das
zur Gewohnheit machst, irgendwelche Gegenstände zu vernichten, um
festzustellen, wie wertvoll du für uns bist.“ Ina und Jonny nahmen
Willi mit nach draußen.
„Die sind ja alle noch da!“, stellte Ina fest.
Ihre Gäste hatten sich hinten in der Nähe vom Ponystall
niedergelassen und waren am Würstchen grillen. Natürlich hatten sie
die Getränke und die Musik vor den Flammen gerettet. Typisch. Sogar
den Rest vom kalten Buffet war jetzt draußen aufgebaut. Ein Feuer
flackerte und knackte in einem dafür gefertigten Behälter. Es war
richtig gemütlich, läge nicht dieser verbrannte Geruch in der
Luft. Eric hatte sich Inas Gitarre geschnappt und spielte und sang
dazu Lieder und alle versuchten mitzusingen. Henrike hatte sich zu
Willi gesellt und sie unterhielten sich lebhaft.
Fortsetzung folgt...
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