Freitag, 21. März 2014

7. Fortsetzung: Freundschaft



Freundschaft


„Wir könnten ja mal zusammen ausreiten“, schlug Jonny vor.
„Gerne!“, freute sich Ina.
Jonny zog Ina beim Tanzen näher an sich heran. Sein Mund strich sacht über ihren Hals und näherte sich ihrem Mund.
„Riecht das hier nicht irgendwie verbrannt?“, fragte Stefan.
Ina schaute erschrocken hoch. Im Gedanken noch immer bei Jonny und den nahenden Kuss.
„Was ist?“, fragte sie.
„Es riecht stark verbrannt“, wiederholte Stefan seine Feststellung.
„Jetzt rieche ich es auch!“, sagte Jonny
„Ich auch“, bestätigte es Ina.“
„Die Scheune brennt!“, rief Michaela, „alles raus hier, aber nicht drängen! Frederic hat einen jungen Mann bei der Scheune getroffen und ihn festgehalten. Wir haben die Feuerwehr schon angerufen!“
Alle rannten aus der Scheune. Jemand hatte das große Scheunentor ganz geöffnet, so konnte ein Gedränge verhindert werden.
„Das ist aber ein schönes Feuerchen dir zu Ehren!“, scherzte Stefan.
„Das finde ich nun gar nicht witzig!“, antwortete ich.
Plötzlich knallte es ohrenbetäubend und Feuerwerkskörper gingen in die Luft und bildeten am Himmel Sterne in den schönsten Farben. Aber keiner konnte die schönen Augenblicke in der Luft genießen. Das Knallen ging weiter. Es müssen unwahrscheinlich viele Böller im Feuer losgegangen sein.
„Endlich ist die Feuerwehr da!“, sagte meine Tante. „Gott sei Dank, dass das Feuer so früh bemerkt wurde. Man mag gar nicht daran denken, was hätte sonst passieren können.“
„Die Scheune ist nicht mehr zu retten,“ teilte uns Inas Onkel mit. Die Feuerwehr versucht zu verhindern, dass das Feuer auf andere Gebäude überspringt. Ich habe den Trecker vorsichtshalber in Sicherheit gebracht. Das Wohnhaus und die Ställe sind weit genug entfernt.“
„Wir schauen nachher nach den Ponys!“, schlug Ina Jonny vor, „aber erst will ich sehen, wen Frederic da geschnappt hat.“
„Ich glaube wir vermuten das Gleiche!“, sagte Jonny.
Sie gingen ins Haus und fanden ein total in Tränen aufgelösten Willi.
„Ich wollte euch doch nur mit meinen Knallern erschrecken!“, schluchzte Willi. „Aber plötzlich brannte das Heu, welches draußen lag. Ich habe versucht es zu löschen, aber die Flammen wurden immer größer und dann brannte mit einem Male die Scheune. Ich wollte sie nicht anzünden, bitte glaubt mir! Ich wollte euch warnen, aber ich war wie gelähmt, bis mich dieser Mann mit einem male schnappte. Da wurde mir erst richtig klar, in welcher Gefahr ihr alle ward.“
„Nun trink mal erst etwas und versuche dich zu beruhigen, du zitterst ja am ganzen Körper!“, redete Inas Tante sanft auf Willi ein, und legte eine Decke um seine Schulter. „Zum Glück hat es nur die Scheune erwischt und kein Mensch ist zu Schaden gekommen“, tröstete sie ihn.
„Wie können sie zu mir noch so nett sein?“, wo ich doch ihre Scheune abgefackelt habe“, fragte Willi.
„Du hast es nicht extra gemacht. Und wir sind froh, dass dir nichts passiert ist. Stell dir vor, du wärst noch da gewesen; als die Böller alle hochgingen!“, redete Ina auf Willi ein.
„Der junge Mann hat mich da aus den Flammen, die mich inzwischen umzingelten, raus geholt. Ich weiß nicht, wie ich das jemals wieder gut machen kann. Ich mache aber wirklich nur Mist, ich weiß auch nicht, was mit mir los ist;“ stellte Willi fest.
„Einsicht ist der beste Weg zu Besserung! Den Satz kennst du doch sicher auch. Willkommen in der Klassengemeinschaft, und wir werden schon auf dich aufpassen!“, teilte Jonny ihm mit.
„Danke!“, brachte Willi hervor und fing wieder an zu schluchzen. „Meine Eltern werden mich jetzt in ein Internat stecken, dann fühle ich mich noch mehr allein.
„Wir werden deine Eltern überzeugen, das du hier bleiben kannst, und wir dafür sorgen werden, das du dein Abitur schaffst. Wir lernen jetzt immer mit mehreren Freunden und helfen uns dabei untereinander. Nur unser Treffpunkt ist gerade abgebrannt.“ Sagte Ina.
„Platz haben wir zu hause genug!“, schlug Willi vor. „Wenn es euch nichts ausmacht, könnt ihr euch bei uns treffen. Im Sommer ist es im Pavillon sehr schön, er ist ziemlich groß und wem es zu heiß wird, der kann eine Runde im Schwimmbecken drehen.“ Willi hatte endlich zu weinen aufgehört.
„Hört sich gut an!“, meinte Jonny.
„Da kommt ein ziemlich großer schwarzer Wagen auf den Hof gefahren“, konnte Michaela durchs Fenster erkennen.
„Das sind meine Eltern, wir haben sie vorhin angerufen“, sagte Willi.
„Schätzelein!“, kam seine Mutter auf ihn zu. „Was machst du für Sachen, du hättest verbrennen können!“ Sie umarmte ihn. Inzwischen war auch sein Vater herein gekommen.
„Guten Abend!“, wünschte er. „Das mit ihrer Scheune tut mir leid. Hoffentlich ist keiner verletzt worden?“, fragte er.
„Zum Glück nicht, aber ihr Sohn hat nicht nur die anderen, sondern sich selber in große Gefahr gebracht. Sie können froh sein, dass der Freund meiner Nichte ihn aus den Flammen geholt hat“; klärte ihn meine Tante auf und wies auf Frederic. Der Vater ging auf ihn zu und umarmte ihn.
„Wie kann ich ihnen bloß danken. Sie haben ihr eigenes Leben für meinen Sohn aufs Spiel gesetzt. Was kann ich für sie tun?“, fragt er Frederic.
„Das war doch selbstverständlich!“, antwortete dieser. „Vielleicht haben sie mit ihrer Gattin mal Zeit, meine Galerie zu besuchen, ich würde mich freuen, so prominente Gäste zu empfangen. Das ist gute Werbung.“
„Sie sind Künstler? Wunderbar, ich liebe Kunst. Wir kommen auf jeden Fall.“
„Elli, nun lass mich auch mal unseren Sohn in die Arme schließen. Mensch, Willi, was machst du bloß immer für Blödsinn! Ist dir eigentlich klar, dass du deine Mitschüler und dich in große Gefahr gebracht hast? Ich mag gar nicht daran denken, was hätte passieren können.“ redete der Vater auf ihn ein. Während er ihn umarmte.
„Ich wollte sie nur erschrecken und dafür Böller anzünden und anschließend einige Raketen hochjagen. Aber plötzlich brannte es und ich wollte das Feuer austreten, aber es breitete sich so schnell aus, dass ich auf einmal mitten in den Flammen stand und dann fing die Scheune auch noch Feuer. Jetzt ist sie abgebrannt. Muss ich jetzt ins Gefängnis? Oder in ein Internat?“, fragte Willi und fing wieder an zu weinen.
„Weder noch“, tröstete sein Vater ihn. „Wenn es zur Anzeige kommt, könnte es sein, dass du mehrere Sozialstunden leisten musst. Ich habe vorhin an der Straße mit der Polizei gesprochen und ihnen unsere Personalien gegeben. Ich habe ihnen versprochen, morgen mit dir aufs Polizeirevier zu kommen. Wir nehmen Herrn Koch, unseren Rechtsanwalt mit. Nun beruhige dich und habe keine Angst mehr.“
„Aber du hast doch gar keine Zeit!“, antwortete Willi.
„Die Zeit nehme ich mir!“Entgegnete seine Vater. „Wir haben dich viel zu sehr allein gelassen. Wir werden in Zukunft versuchen, das wieder gut zu machen. Leider können wir dir die fehlende Zeit in deiner Kindheit nicht mehr zurückgeben, aber die für die Zukunft! Es ist schlimm, dass erst so etwas passieren musste, bis deine Eltern endlich aufwachen und merken, wie allein du bist.“ Er umarmte Willi noch fester. Und Willi? Er schluchzte nur und umarmte seinen Vater, als wollte er ihn nie wieder loslassen. Kurz danach saßen meine Tante und mein Onkel mit Willis Vater am Tisch und redeten über eine neue Scheune, mit so einer Begeisterung, als wenn sie sich alle freuten, dass die alte abgebrannt war. Willis Mutter fachsimpelte mit Frederic und Michaela über Kunst.
Keiner dachte heute Nacht ans Schlafe.
„Willi, geht es dir wieder besser? Oder zittern dir noch die Beine. Ich glaube du hattest einen Schock.“, stellte Ina fest.
„Hatte der Sanitäter auch gemeint und wollte mich mit ins Krankenhaus nehmen. Aber ich wollte nicht mit. Mir geht es auch schon besser. Ich hatte so Angst vor meinen Eltern, ich habe immerhin die Scheune abgefackelt, und die wird eine Stange Geld kosten, anscheinend bin ich ihnen das wert!“, stellte Willi überrascht fest.
„Sicher bist du das!“, rief sein Vater rüber, der das Gespräch mitbekommen hatte. „Aber nicht, dass du dir das zur Gewohnheit machst, irgendwelche Gegenstände zu vernichten, um festzustellen, wie wertvoll du für uns bist.“ Ina und Jonny nahmen Willi mit nach draußen.
„Die sind ja alle noch da!“, stellte Ina fest. Ihre Gäste hatten sich hinten in der Nähe vom Ponystall niedergelassen und waren am Würstchen grillen. Natürlich hatten sie die Getränke und die Musik vor den Flammen gerettet. Typisch. Sogar den Rest vom kalten Buffet war jetzt draußen aufgebaut. Ein Feuer flackerte und knackte in einem dafür gefertigten Behälter. Es war richtig gemütlich, läge nicht dieser verbrannte Geruch in der Luft. Eric hatte sich Inas Gitarre geschnappt und spielte und sang dazu Lieder und alle versuchten mitzusingen. Henrike hatte sich zu Willi gesellt und sie unterhielten sich lebhaft.


Fortsetzung folgt...


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