Mittwoch, 26. März 2014

letzte Fortsetzung: Freundschaft






Freundschaft


Gegen Morgen waren die meisten eingeschlafen. Einige lagen auf Liegen oder Bänken, manche hatten Decken auf der Wiese ausgebreitet und sich darauf schlafen gelegt. Andere. waren nach hause gegangen. Willi war mit seinen Eltern mitgefahren und hatten Henrike mitgenommen, um sie zu hause abzusetzen. Hier und da saßen noch welche in kleinen Gruppen zusammen und diskutierten über irgend etwas. Ina wollte ja noch mit Jonny zum Pony gehen, aber Jonny schlief auf einer Decke. In seinem Arm Sarah. Ina wunderte sich etwas, aber sie hatte die letzte Stunde nur mit Herrn Lehmann gesprochen, da hatte Jonny sich wohl andere Unterhaltung gesucht, und komischer Weise störte es sie nicht.
„Wollen sie mein Pony sehen? Ich habe es zum Geburtstag bekommen“, fragte Ina ihren Lehrer.
„Ja, gerne!“, antwortete er und sie gingen gemeinsam in den Stall.
„Hier sind ja schon einige Ponys“, stellte Herr Lehmann fest.
„Meine Tante und mein Onkel haben noch zwei neue Ponys gekauft, dass sind diese zwei. Ich hatte sie noch nicht einmal gesehen, so aufgeregt war ich über mein Pony. Das ist Samy! Mein Pony!“ Ina war vor der letzten Box stehen geblieben und lockte Samy an.
„Hier liegt noch ein großes Paket mit einer Schleife. Ist das ein Geschenk für dich?“, fragte Herr Lehmann.
„Ach, dass habe ich ganz vergessen, meine Schwester hat mir das Geschenk hier hingelegt. Ich bin gespannt, was es ist.“ Sagte Ina und packte das Geschenk aus. „Wahnsinn! Ein neuer Sattel!“, freute sich Ina.
„Darum sagte mein Bruder, er müsste mit seiner Freundin noch los, weil sie einen Sattel kaufen wollte“, antwortete ihr Lehrer.
„Dann ist dieser Frederic ihr Bruder?“, fragte Ina.
„Ja, mein Halbbruder“, antwortete Herr Lehmann.
Ina hatte sich ihrem Pony zugewandt. Ihr Lehrer stand hinter ihr. Sie spürte seinen Atem.
„Wir dachten, Frederic wäre schwul, und dann kam er heute; und er ist der Freund meiner Schwester.“ Sagte Ina und drehte sich um. „Diese Augen sind zum verlieben!“, dachte sie und ein merkwürdiges Gefühl durchfuhr sie. Ganz anders, als wenn sie Jonny anschaute, obwohl sie überzeugt war, Jonny zu lieben.
Herr Lehmann legte seine Hand auf Inas Arm. „Ich glaube, du hast gespürt, dass ich dich mag, sagte er. Aber du bist meine Schülerin und erst sechzehn.“
„Ich mag sie auch“, flüsterte Ina verlegen.
„Ich heiße Thomas“, sagte ihr Lehrer, und nahm sie in den Arm und Ina legte ihren Kopf auf seine Schulter.
„Jetzt müsste die Zeit stehen bleiben“, dachte Ina. Thomas küsste ihr Haar.
„Ich werde in Kürze nach Bremen ziehen und meinen Lehrerberuf aufgeben. Ich habe eine gute Stelle als Mathematiker in der freien Wirtschaft angenommen“, teilte Thomas Ina mit.
„So weit weg?“, stellte Ina traurig fest.
„So weit ist Bremen gar nicht. Mein Bruder wohnt doch hier, da kann ich oft am Wochenende herkommen, wenn du willst.“
„Sicher will ich das!“, antwortete Ina.
„Du bist noch sehr jung. Du machst bald dein Abi, und dann wirst du sicher studieren oder eine Ausbildung machen. Wir wollen sehen, wie es mit uns wird. Vielleicht ist dir auch der Altersunterschied zu groß“, sagte Thomas.
„Ich liebe dich“, erwiderte Ina, „und so viel älter bist du auch nicht. Ich will nach dem Abi Kunsttherapeutin werden. Das kann ich in Ottersberg studieren, nicht weit von Bremen.“ Strahlte Ina Thomas an.
„Versuchen wir es, aber so lange ich hier Lehrer bin, muss unsere Freundschaft unser Geheimnis bleiben“, bat er sie, „sonst komme ich in Teufels Küche. Aber das sind nur noch zwei Wochen, dann habe ich meine Referendarzeit um."
„Dann gehst du schon?“, fragte Ina erschrocken.
„Nein, dann habe ich noch ein Monat Zeit, nur für dich!“ entgegnete Thomas.
Ina streichelte Samy. „Was mache ich denn mit meinem Pony, wenn ich in Ottersberg bin?“
„Du kannst es doch jedes Wochenende besuchen. Vielleicht kannst du mir das Reiten beibringen, dann schaffe ich mir auch ein Pferd an.“ Schlug Thomas vor. Aber das dauert ja noch etwas. Mach mal erst dein Abi.“
„Ja Herr Lehrer!“ antwortete Ina.
Thomas nahm sie in den Arm und küsste sie und Ina wusste, mit ihm wollte sie durchs Leben gehen.


Ende




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