Freundschaft
„Ich kann es noch gar nicht fassen, dass ich ein
eigenes Pony habe“, freute Ina sich.
„Und jetzt hast du noch eine schöne Party“,
erwidert Sarah, „wie ich dich kenne, würdest du am liebsten die
ganze Nacht bei deinem Pony hocken.“
„Da hast du recht, Samy ist ganz alleine“, sagte
Ina.
„Die anderen Ponys sind auch im Stall“,
antwortete Sarah, „du hast vor lauter Aufregung gar nicht gesehen,
dass deine Tante und dein Onkel sich zwei neue größere Ponys
angeschafft haben. Sie sind für deine Cousinen. Aber gehe jetzt bloß
nicht zurück, um die Tier anzuschauen.“
„Die habe ich echt nicht gesehen, ich war so mit
Samy beschäftigt, ich würde wirklich gerne zurück gehen“, meint
Ina, „aber die Party ruft!“
„So ist es brav!“, freute sich Sarah, „und nun
hinein in die Scheune.“
Als sie in die Scheune kamen, sangen alle Gäste für
Ina ein Geburtstagslied und übergaben ihr anschließend ein großes
Paket mit einer riesigen Schleife.
„Das Geschenk ist von uns allen und wir möchten
uns bedanken für die Einladung!“, sagte Eric.
„Ich danke euch, ich bin gespannt, was hier drin
ist“, antwortete Ina und fing an, das Paket auszuwickeln. Ein
Kasten nach dem anderen folgte beim ausbacken.
„Mit mir könnt ihr es ja machen, am Ende springt
mir noch eine Maus oder so etwas entgegen“, Ina musste bei der
Vorstellung lachen.
„Uns ist alles zuzutrauen“, rief Stefan.
Jetzt stieß Ina auf ein längliches Päckchen,
welches in rotem Seidenpapier eingewickelt war. Als sie es öffnete,
entfuhr ihr ein kleiner Freudenschrei.
„Reitstiefel! Super! Habt ihr das mit dem Pony
etwa gewusst? Und keiner hat es mir zugeflüstert? Vielen Dank an
euch alle für das Geschenk!“, wandte sich Ina an ihre Gäste, „und
nun geht’s endlich los! Musik!“
„Das Buffet ist einsame Spitze!“, stellte Beate
fest.
„Heute Nacht grillt meine Schwester noch
Würstchen“, antwortete Ina.
„Wir werden gemästet!“, meinte Joachim, „darum
lass uns schnell wieder tanzen, damit wir ein paar Kalorien
verbrauchen!“, er schnappte sich Beate und schon waren sie auf dem
Tanzboden verschwunden.
„Die Party ist echt toll“, meinte Sarah, als sie
mit Ina draußen an die frische Luft ging.
„Ich habe auch das Gefühl, als wenn sich alle
pudelwohl fühlen“, freute sich Ina.
„War das nicht Willi?“, fragte Jonny plötzlich
hinter ihnen.
„Kannst du einen erschrecken!“, Sarah war
richtig zusammen gefahren.
„Wieso?“, fragte Jonny und musste lachen. „Hast
du ein schlechtes Gewissen?“
„Nein, aber ich hatte nicht damit gerechnet, dass
uns jemand folgt“, entgegnete Sarah.
„Wo hast du Willi gesehen?“, wollte Ina wissen.
„Der ist gerade hinter die Scheune gelaufen. Lasst
uns doch mal nachschauen!“, schlug Jonny vor.
„Ja, kommt mit!“ antwortete Ina. Sie liefen dort
hin, wo Willi gewesen sein sollte.
„Futsch!“, stellte Jonny fest.
„Da hinten läuft er über die Wiese!“, rief
Sarah und zeigte die Richtung mit der Hand an.
„Also habe ich keinen Geist gesehen!“, war Jonny
erleichtert, „denn Willi auch noch als Geist, das könnte ich nicht
ertragen.
„Willi bleibt beim Hochsitz stehen. Der fühlt
sich sehr sicher, dass wir ihn nicht sehen. Womit hantiert der denn
da herum? Schade, kann man nicht erkennen, der wuselt da an der
Böschung herum“, entdeckte Sarah.
„Wer weiß, was der wieder ausheckt?“, vermutete
Ina. „Er hätte ja auch zur Party kommen können, aber er hält es
noch nicht mal für nötig, sich bei Herrn Lehmann zu entschuldigen.
Und zu Meike und Henrike war er auch nicht grade nett, da wäre auch
eine Entschuldigung fällig.
„Nun mach dir kein schlechtes Gewissen, wir wollen
ihn nicht isolieren, aber er muss sich auch ändern. Mein Bruder und
ich haben uns die ganze Zeit gewundert, dass dieser Typ bei euch in
der Klasse den Ton angab. Aber inzwischen wissen wir, dass er manchen
bedrohte, der nicht nach seiner Nase tanzte. Man kann auch mal
Blödsinn in der Schule machen, da können Stefan und ich ein Lied
von singen, was wir als Zwillinge in unserer alten Schule schon
angestellt haben. Aber man darf es nicht übertreiben! Schließlich
ziehen wir als Schüler immer den Kürzeren. Aber das hat unsere
Klasse wohl endlich begriffen, noch rechtzeitig, um das Abitur
einigermaßen hinzu bekommt.“
„Hallo Jonny, was hältst du denn da für Reden?“,
hörten wir Stefan rufen. „Ihr werdet vermisst!“
„Wir haben Willi gesehen. Er war hier bei der
Scheune. Und nun ist er dort hinten am Hochsitz und weiß der Teufel,
was er da macht. Man kann es nicht erkennen, teilte Jonny seinem
Bruder mit.“
„Den Willi darf man nicht unterschätzen, der ist
irgendwie verhaltensgestört!“, erklärte uns Stefan.
„Da spricht der Psychiater!“, scherzte Sarah,
„aber ich glaube du hast recht.!“
„Sind wir nicht auf einer Party? Ich frage mich,
was machen wir hier hinter der Scheune und fachsimpeln über Willi,
zumal dort auch noch ein Misthaufen liegt?“, fragte Sarah. Sie
mussten alle lachen und gingen gemeinsam zur Scheune zurück. Dabei
legte Jonny wie selbstverständlich seinen Arm um Inas Schultern. Ein
kribbeliges Gefühl durchzog sie. Jonny hatte fast den ganzen Abend
mit ihr getanzt.
„Nach Samy ist das mein schönstes
Geburtstagsgeschenk“, dachte sie und war einfach glücklich.
„Oh,
toll! Du grillst schon Würstchen!“, lobte Ina ihre Schwester, als
sie am Tor der Scheune wieder angelangt waren.
„Das habe ich dir ja versprochen!“, antwortete
Michaela, „herzlichen Glückwunsch kleine Schwester, wir haben uns
ja heute noch nicht gesehen. Dein Pony ist ja echt süß, ich habe es
mir gerade angeschaut. Dein Geschenk habe ich dir neben der Box
hingelegt, vielleicht hast du nachher noch Lust, deinem Pony noch mal
gute Nacht, Beziehungsweise guten Morgen zu wünschen, ich weiß ja
nicht, wie lange ihr es heute aushaltet. Noch ist ja super Stimmung.
Übrigens habe ich meinen Freund gebeten, gleich her zukommen, ich
hoffe er stört nicht.“
„Du hast einen Freund?“, fragte Ina überrascht.“
„Ist das so ungewöhnlich, einen Freund zu
haben?“, antwortete Michaela.
„Du hast mir das nicht erzählt!“, sagte Ina
etwas vorwurfsvoll.
„Du darfst wohl alles essen, aber nicht alles
wissen!“, Michaela musste lachen, als sie Inas enttäuschtes
Gesicht sah. „Ach Ina, wann sollte ich dir denn so etwas erzählen?
Wir haben uns in der letzten Zeit so wenig gesehen.“
„Dann behalten wir auch für uns, dass ich dein
Freund bin!“, scherzte Jonny. Alle mussten lachen. Nur Ina
grübelte, ob Jonny einen Witz gemacht hatte, oder ob er es ernst
meinte.
„Schön wäre es!“, dachte sie.
Inzwischen kamen immer mehr aus der Scheune. Sie
wurden vom Grillgeruch angelockt. Plötzlich fuhr ein knallroter
Sportwagen auf den Hof.
„Da ist mein Freund, jetzt lernst du ihn direkt
kennen, wandte Michaela sich an ihre Schwester.“
„Ich glaube es nicht, der Schwule!“, entfuhr es
Stefan.
„Wieso der Schwule? Frederic ist nicht schwul! Er
ist Künstler! Und er legt viel Wert auf sein Äußeres. Woher kennt
ihr ihn eigentlich?“, fragte Michaela.
„Wir haben ihn mit unserem Mathelehrer gesehen.
Und wie er ging und sich bewegte, dachten wir er sei schwul“,
erklärte Ina.
„Man hat manchmal zu schnell Vorurteile!“, sagte
Michaela.
„Wir haben nichts gegen Schwule!“, stellte Ina
klar.
„Wer ist schwul?“, fragte Michaelas Freund, der
inzwischen näher gekommen war.
„Du!“, lächelte Michaela ihn an.
„Scherzkeks!“, meinte er nur. „Hast du noch
ein Würstchen für mich?“, fragte er. „Wo ist denn das
Geburtstagskind?“
„Hier!“, meldete ich mich. „Mein Geburtstag
ist leider schon seit einer Stunde vorbei, aber wir feiern noch
weiter.
„Herzlichen Glückwunsch!“, er zückte ein
kleines Päckchen aus seiner Tasche und übergab es Ina.
„Danke schön!“, sagte Ina überrascht und
packte das Geschenk aus. „Ein himmlisches Parfüm!“, freute sich
Ina.
„Schön, wenn es dir gefällt“, meinte Frederic.
„Es ist echt super!“, antwortete Ina.
„Nun lasst uns noch tanzen!“, schlug Jonny vor
und entführte Ina auf die Tanzfläche.
„Ich finde das toll, das Henrike, Meike und Kalle
doch noch zur Party gekommen sind“, sagte Ina.
„Stefan hat sich gefreut. Er hat Meike gleich
aufgefordert und nun sind sie fast unzertrennlich“, stellte Jonny
fest. „Wie wir !“
„Meinst du das ernst?“, fragte Ina.
„Du bist mir gleich aufgefallen, als wir vor drei
Monaten in eure Klasse kamen.
Fortsetzung folgt...
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