Dienstag, 18. März 2014

6. Fortsetzung: Freundschaft



Freundschaft


„Ich kann es noch gar nicht fassen, dass ich ein eigenes Pony habe“, freute Ina sich.
„Und jetzt hast du noch eine schöne Party“, erwidert Sarah, „wie ich dich kenne, würdest du am liebsten die ganze Nacht bei deinem Pony hocken.“
„Da hast du recht, Samy ist ganz alleine“, sagte Ina.
„Die anderen Ponys sind auch im Stall“, antwortete Sarah, „du hast vor lauter Aufregung gar nicht gesehen, dass deine Tante und dein Onkel sich zwei neue größere Ponys angeschafft haben. Sie sind für deine Cousinen. Aber gehe jetzt bloß nicht zurück, um die Tier anzuschauen.“
„Die habe ich echt nicht gesehen, ich war so mit Samy beschäftigt, ich würde wirklich gerne zurück gehen“, meint Ina, „aber die Party ruft!“
„So ist es brav!“, freute sich Sarah, „und nun hinein in die Scheune.“
Als sie in die Scheune kamen, sangen alle Gäste für Ina ein Geburtstagslied und übergaben ihr anschließend ein großes Paket mit einer riesigen Schleife.
„Das Geschenk ist von uns allen und wir möchten uns bedanken für die Einladung!“, sagte Eric.
„Ich danke euch, ich bin gespannt, was hier drin ist“, antwortete Ina und fing an, das Paket auszuwickeln. Ein Kasten nach dem anderen folgte beim ausbacken.
„Mit mir könnt ihr es ja machen, am Ende springt mir noch eine Maus oder so etwas entgegen“, Ina musste bei der Vorstellung lachen.
„Uns ist alles zuzutrauen“, rief Stefan.
Jetzt stieß Ina auf ein längliches Päckchen, welches in rotem Seidenpapier eingewickelt war. Als sie es öffnete, entfuhr ihr ein kleiner Freudenschrei.
„Reitstiefel! Super! Habt ihr das mit dem Pony etwa gewusst? Und keiner hat es mir zugeflüstert? Vielen Dank an euch alle für das Geschenk!“, wandte sich Ina an ihre Gäste, „und nun geht’s endlich los! Musik!“
„Das Buffet ist einsame Spitze!“, stellte Beate fest.
„Heute Nacht grillt meine Schwester noch Würstchen“, antwortete Ina.
„Wir werden gemästet!“, meinte Joachim, „darum lass uns schnell wieder tanzen, damit wir ein paar Kalorien verbrauchen!“, er schnappte sich Beate und schon waren sie auf dem Tanzboden verschwunden.
„Die Party ist echt toll“, meinte Sarah, als sie mit Ina draußen an die frische Luft ging.
„Ich habe auch das Gefühl, als wenn sich alle pudelwohl fühlen“, freute sich Ina.
„War das nicht Willi?“, fragte Jonny plötzlich hinter ihnen.
„Kannst du einen erschrecken!“, Sarah war richtig zusammen gefahren.
„Wieso?“, fragte Jonny und musste lachen. „Hast du ein schlechtes Gewissen?“
„Nein, aber ich hatte nicht damit gerechnet, dass uns jemand folgt“, entgegnete Sarah.
„Wo hast du Willi gesehen?“, wollte Ina wissen.
„Der ist gerade hinter die Scheune gelaufen. Lasst uns doch mal nachschauen!“, schlug Jonny vor.
„Ja, kommt mit!“ antwortete Ina. Sie liefen dort hin, wo Willi gewesen sein sollte.
„Futsch!“, stellte Jonny fest.
„Da hinten läuft er über die Wiese!“, rief Sarah und zeigte die Richtung mit der Hand an.
„Also habe ich keinen Geist gesehen!“, war Jonny erleichtert, „denn Willi auch noch als Geist, das könnte ich nicht ertragen.
„Willi bleibt beim Hochsitz stehen. Der fühlt sich sehr sicher, dass wir ihn nicht sehen. Womit hantiert der denn da herum? Schade, kann man nicht erkennen, der wuselt da an der Böschung herum“, entdeckte Sarah.
„Wer weiß, was der wieder ausheckt?“, vermutete Ina. „Er hätte ja auch zur Party kommen können, aber er hält es noch nicht mal für nötig, sich bei Herrn Lehmann zu entschuldigen. Und zu Meike und Henrike war er auch nicht grade nett, da wäre auch eine Entschuldigung fällig.
„Nun mach dir kein schlechtes Gewissen, wir wollen ihn nicht isolieren, aber er muss sich auch ändern. Mein Bruder und ich haben uns die ganze Zeit gewundert, dass dieser Typ bei euch in der Klasse den Ton angab. Aber inzwischen wissen wir, dass er manchen bedrohte, der nicht nach seiner Nase tanzte. Man kann auch mal Blödsinn in der Schule machen, da können Stefan und ich ein Lied von singen, was wir als Zwillinge in unserer alten Schule schon angestellt haben. Aber man darf es nicht übertreiben! Schließlich ziehen wir als Schüler immer den Kürzeren. Aber das hat unsere Klasse wohl endlich begriffen, noch rechtzeitig, um das Abitur einigermaßen hinzu bekommt.“
„Hallo Jonny, was hältst du denn da für Reden?“, hörten wir Stefan rufen. „Ihr werdet vermisst!“
„Wir haben Willi gesehen. Er war hier bei der Scheune. Und nun ist er dort hinten am Hochsitz und weiß der Teufel, was er da macht. Man kann es nicht erkennen, teilte Jonny seinem Bruder mit.“
„Den Willi darf man nicht unterschätzen, der ist irgendwie verhaltensgestört!“, erklärte uns Stefan.
„Da spricht der Psychiater!“, scherzte Sarah, „aber ich glaube du hast recht.!“
„Sind wir nicht auf einer Party? Ich frage mich, was machen wir hier hinter der Scheune und fachsimpeln über Willi, zumal dort auch noch ein Misthaufen liegt?“, fragte Sarah. Sie mussten alle lachen und gingen gemeinsam zur Scheune zurück. Dabei legte Jonny wie selbstverständlich seinen Arm um Inas Schultern. Ein kribbeliges Gefühl durchzog sie. Jonny hatte fast den ganzen Abend mit ihr getanzt.
„Nach Samy ist das mein schönstes Geburtstagsgeschenk“, dachte sie und war einfach glücklich.
 „Oh, toll! Du grillst schon Würstchen!“, lobte Ina ihre Schwester, als sie am Tor der Scheune wieder angelangt waren.
„Das habe ich dir ja versprochen!“, antwortete Michaela, „herzlichen Glückwunsch kleine Schwester, wir haben uns ja heute noch nicht gesehen. Dein Pony ist ja echt süß, ich habe es mir gerade angeschaut. Dein Geschenk habe ich dir neben der Box hingelegt, vielleicht hast du nachher noch Lust, deinem Pony noch mal gute Nacht, Beziehungsweise guten Morgen zu wünschen, ich weiß ja nicht, wie lange ihr es heute aushaltet. Noch ist ja super Stimmung. Übrigens habe ich meinen Freund gebeten, gleich her zukommen, ich hoffe er stört nicht.“
„Du hast einen Freund?“, fragte Ina überrascht.“
„Ist das so ungewöhnlich, einen Freund zu haben?“, antwortete Michaela.
„Du hast mir das nicht erzählt!“, sagte Ina etwas vorwurfsvoll.
„Du darfst wohl alles essen, aber nicht alles wissen!“, Michaela musste lachen, als sie Inas enttäuschtes Gesicht sah. „Ach Ina, wann sollte ich dir denn so etwas erzählen? Wir haben uns in der letzten Zeit so wenig gesehen.“
„Dann behalten wir auch für uns, dass ich dein Freund bin!“, scherzte Jonny. Alle mussten lachen. Nur Ina grübelte, ob Jonny einen Witz gemacht hatte, oder ob er es ernst meinte.
„Schön wäre es!“, dachte sie.
Inzwischen kamen immer mehr aus der Scheune. Sie wurden vom Grillgeruch angelockt. Plötzlich fuhr ein knallroter Sportwagen auf den Hof.
„Da ist mein Freund, jetzt lernst du ihn direkt kennen, wandte Michaela sich an ihre Schwester.“
„Ich glaube es nicht, der Schwule!“, entfuhr es Stefan.
„Wieso der Schwule? Frederic ist nicht schwul! Er ist Künstler! Und er legt viel Wert auf sein Äußeres. Woher kennt ihr ihn eigentlich?“, fragte Michaela.
„Wir haben ihn mit unserem Mathelehrer gesehen. Und wie er ging und sich bewegte, dachten wir er sei schwul“, erklärte Ina.
„Man hat manchmal zu schnell Vorurteile!“, sagte Michaela.
„Wir haben nichts gegen Schwule!“, stellte Ina klar.
„Wer ist schwul?“, fragte Michaelas Freund, der inzwischen näher gekommen war.
„Du!“, lächelte Michaela ihn an.
„Scherzkeks!“, meinte er nur. „Hast du noch ein Würstchen für mich?“, fragte er. „Wo ist denn das Geburtstagskind?“
„Hier!“, meldete ich mich. „Mein Geburtstag ist leider schon seit einer Stunde vorbei, aber wir feiern noch weiter.
„Herzlichen Glückwunsch!“, er zückte ein kleines Päckchen aus seiner Tasche und übergab es Ina.
„Danke schön!“, sagte Ina überrascht und packte das Geschenk aus. „Ein himmlisches Parfüm!“, freute sich Ina.
„Schön, wenn es dir gefällt“, meinte Frederic.
„Es ist echt super!“, antwortete Ina.
„Nun lasst uns noch tanzen!“, schlug Jonny vor und entführte Ina auf die Tanzfläche.
„Ich finde das toll, das Henrike, Meike und Kalle doch noch zur Party gekommen sind“, sagte Ina.
„Stefan hat sich gefreut. Er hat Meike gleich aufgefordert und nun sind sie fast unzertrennlich“, stellte Jonny fest. „Wie wir !“
„Meinst du das ernst?“, fragte Ina.
„Du bist mir gleich aufgefallen, als wir vor drei Monaten in eure Klasse kamen.








Fortsetzung folgt...


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