Lux - Germeon
„Teilst du hier
schon länger Zeitungen aus?“ Ich fuhr erschrocken zusammen. Ich hatte den jungen Mann nicht gesehen, der mich angesprochen hatte
und nun aus der dunklen Hausecke auf mich zu kam.
„Entschuldigung,
ich wollte dich nicht erschrecken!“ Sagte er. Das Licht der
Haus Laterne fiel auf sein Gesicht. Es kam mir sehr blass vor, aber
vielleicht lag es an der schlechten Beleuchtung. Sein Haar reichte
bis über die Schultern und triefte nur so vor Nässe. Er stellte
sich zu mir unter die Überdachung der Haustür. Der Regen prasselte vom Himmel.
„Blödes Wetter!“
fand ich nach dem Schreck meine Stimme wieder.
„Ja, echt blöd!“,
antwortete er. Seine Kleidung war durchnässt und seine Turnschuhe fast aufgeweicht. Er musste wohl schon mehrere Schauer mitbekommen
haben.
„Du holst dir noch
eine starke Erkältung, wenn du noch lange in den nassen Klamotten
herum läufst!“, stellte ich fest.
„Ja, kann sein“,
meinte er. Gesprächig schien er nicht zu sein. Aber warum auch, wir
kannten uns ja nicht und warteten nur darauf, dass der Regen
nachließ.
„Wohnst du hier in
der Nähe?“, fragte ich, weil mir die Stille mit diesem Fremden
unheimlich vorkam. Er bemerkte meinen Blick auf die Schelle des
Hauses. Sollte er mich belästigen, würde ich versuchen darauf zu
drücken. Er hatte meine Gedanken erraten und meinte: „Keine Angst,
ich tue dir nichts!“
„Es
regnet nur noch etwas, ich muss weiter.“ Bemerkte ich.
„Hast
du keine Angst, alleine in der Nacht?“, wollte er wissen.“Ich bin
für meine Freundin eingesprungen. Eigentlich ist das nicht mein
Ding, nachts herum zu laufen.“ Entgegnete ich.
„Ich
komme ein Stück mit, wenn du nichts dagegen hast?“, fragte er.
„Meinet
wegen, aber viele Zeitungen habe ich nicht mehr.“ Teilte ich ihm
mit. Wir gingen gemeinsam die Häuser der Straße ab und warfen die
Zeitungen ein.
„So,
das war es“, sagte ich und steckte die letzte Zeitung in einen
Briefkasten. Als wir das Grundstück verließen, lief uns eine Katze
über den Weg. Der junge Mann fauchte das Tier an und die Katze lief
miauend davon.
„Magst
du keine Katzen?“ Fragte ich.
„Nein,
aber sie mögen mich auch nicht!“, antwortete er.
„Hier
habe ich mein Rad stehen. Ich würde an deiner Stelle schnell nach
hause gehen, so nass wie du bist. Wie lange bist du heute denn schon
durch den Regen gelaufen?“ Wollte ich wissen.
„Zu
lange!“, meinte er.
„Also,
danke für die Begleitung, ich muss jetzt fahren.“ Verabschiedete
ich mich.
„Okay!“,
sagte er. Ich schwang mich auf mein Rad und fuhr nach hause. Ich
wohnte am nördlichen Stadtrand von Osnabrück. Es war schon ein
bisschen gruselig, in der Dunkelheit alleine durch die Gegend zu
fahren und ich war echt froh, als ich zu hause ankam, zumal es wieder
zu Regnen angefangen hatte und ich doch noch ziemlich nass geworden
war. Ich zog mir meine feuchten Klamotten aus und schlüpfte in
meinen Schlafanzug. Ich sah auf meine Uhr. Es war halb sechs. Es
lohnte sich noch zu schlafen, obwohl ich gar nicht müde war. Ich
schaute aus dem Fenster dem Regen zu. Gut, dass ich nicht mehr unter
Wegs war, denn es goss inzwischen heftig. Blitze erhellten unseren
Vorgarten und kurz danach donnerte es Furcht einflößend. Einmal
krachte es so heftig, es hatte bestimmt irgendwo eingeschlagen. Ich
hasste Gewitter, erst recht, wenn ich alleine war. Meine Eltern waren
im Urlaub und im oberen Stockwerk wohnten zwei Studenten, die mir
jetzt aber auch nicht helfen konnten. Ich konnte ja schlecht so früh
schellen und sagen, ich wollte beim Gewitter nicht alleine sein. Also
beschloss ich, mich doch in mein Bett zu verkriechen, als mein Blick
auf eine Gestalt vor unserem Haus fiel. Ein Blitz erhellte kurz die
Person und ich erkannte den jungen Mann von eben. Woher wusste er, wo
ich wohnte? Wie ist er so schnell hier her gekommen. Busse fuhren noch
nicht. Ich zog mir einen Pulli über und lief zur Haustür.
Ich schaute durch die kleinen Scheiben und überlegte noch, ob ich
öffnen sollte. Wer weiß, was der Mann wollte. Obwohl ich kein Licht
angemacht hatte, drehte er sich plötzlich um und schaute zu mir her.
Ich schloss die Tür auf und winkte ihm zu, er sollte reinkommen. Es
folgten inzwischen ein Blitz und Donner nach dem anderen.
„Du
bist ja fast aufgeweicht“, stellte ich fest.
„Sau
Wetter!“, meinte der Typ. Ich führte ihn zum Badezimmer und
drückte ihm einige Handtücher in die Hand. „Ich werde mal
schauen, ob ich etwas zum Anziehen finde.“ Sagte ich und verschwand
in dem Schlafzimmer meiner Eltern. Ich suchte im Schrank meines
Vaters etwas passendes. Ein Anzug kam wohl nicht in frage. Ich
entschied mich für seine schwarze Jogginghose, einen Pulli Socken und Unterwäsche. Gut dass mein Vater schlang
war und die Größe passte auch ungefähr. Ich ging zum Bad und
klopfte an: „Ich
habe trockene Kleidung für dich.“
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