Donnerstag, 20. Februar 2014

15. Fortsetzung: Gehasster Liebling





                                                     Gehasster Liebling 

„Wo sind denn die Schlangenmenschen? Wohnen die hier im Wald? Wie sehen die denn aus?“, fragte ich.
„Wir wohnen auch in den Wäldern, wir haben aber richtige Wohnungen in den Höhlen der Berge. Und so sehen wir aus!“, ertönte eine sanfte Stimme hinter Manuela. Erschrocken schaute sie sich um. Zwischen den Zweigen stand ein Mann.
Seine Haut war gelb orange und etwas geschuppt. Seine Augen waren stechend, aber dennoch hatte er einen sanften Blick. Er trug eine dunkelbraune Lederhose und sein Oberteil war aus grüner Schlangenhaut.
„Hallo!“, mehr brachte ich nicht hervor.
„Ich heiße Naro. Du warst sehr krank. Wir haben um dein Leben gebangt. Um so mehr sind wir glücklich, dass du es geschafft hast. Wir haben Jahre lang auf dich gewartet, aber das hat dir die Schlange Sina bereits erzählt. Fühlst du dich kräftig genug, mir zu den Bergen zu folgen.
„Ja, ich spüre, wie schnell mein Körper sich erholt“, antwortete ich.
Wir liefen durch den Wald, der mit der Zeit immer lichter wurde. Ich war begeistert von den verschiedenen Bäumen. Manche faszinierten durch ihre farbigen Blüten, welche einen lieblichen Duft verströmten. Andere beeindruckten durch ihre Größe, andere durch ihren markanten Wuchs.
Der Wald tauschte mit einer bewachsenen Ebene. Unbekannte Pflanzen und Büsche säumten den Weg und erstreckten sich bis zum Gebirge. Ein kleiner Bach plätscherte nicht weit von uns und seltsame Vögel ließen sich in den hier und da stehenden Bäumen nieder. Wieder kamen mir diese Bäume mit ihren knorrigen Ästen und weit ausgestreckten Wurzeln unheimlich vor. Doch der Gesang der Vögel lenkte ab und die verschiedenen Blumen waren wunderschön, nicht nur die Blüten mit ihren süßen Düften, sondern auch die Blätter und Stiele waren interessant geformt und in verschiedenen Farben von dunklem Grün bis giftgrün und roten Farben. Mir unbekannte kleine Tiere flogen von Blüte zu Blüte und eins setzte sich auf meinen Arm. Sogleich kam ein etwas größeres Tier angeflogen und setzte sich dicht neben das kleinere, als wollte es dieses beschützen. Als ich genauer hinschaute, sah ich ein kleines Wesen, welches aussah wie ein Mensch, nur klein und zarte, mit hauchdünnen Flügeln.
„Wir sind Libellenelfen, hörte ich eine feine leise Stimme. Das ist meine Tochter, sie ist immer so neugierig und dadurch sehr unvorsichtig“, sagte die größere.
„Ich werde euch nichts tun. Wir kommen aus der Welt der Menschen“, antwortete ich.
„Vielleicht sehen wir uns noch mal!“, rief die Elfe und flog mit ihrer Tochter auf eine Blüte.
„In dieser Gegend halten sich die meisten Libellenelfen auf“, hörten wir plötzlich Naro sagen, der bis jetzt kein einziges Wort mehr gesprochen hatte. „Die Elfen ernähren sich von dem Nektar der Blumen und wie ihr seht, ist das Angebot groß.“
Naro erzählte uns von einigen Pflanzen. Von ihrer Nützlichkeit oder von denen die giftig sind. Er berichtete uns von den Tieren, welche wir auf unserem Weg sahen. Vor manchen mussten wir in Deckung gehen, weil Naro sie als gefährlich einstufte. Endlich hatten wir das Gebirge erreicht. Naro blieb vor einer größeren Felsplatte stehen.
„Wir sind da“, sagte er. „willst du versuchen, die Höhle zu öffnen?“, wandte er sich an mich.
„Ich?“, fragte ich ungläubig, „bin ich Goliath?“
„Du hast deine Kräfte noch nicht erkannt. Deine Krankheit war nicht nur die Erkältung, sondern seit dem du unsere Welt betreten hast, fingst du an, dich zu verändern. Deine Magischen Kräfte werden sich entwickeln und auch dein Körper wird sich verändern. Du konntest die Schlangen verstehen und ihre Sprache sprechen. Aber diese Veränderung zerrte an deinen Kräften, da du aber schon geschwächt durch deine Erkältung warst, hättest du sterben können. Zum Glück informierten uns die Schlangen und wir konnten mit bestimmten Kräutern dir helfen.“
„Und wenn ich das alles nicht will?“, fragte Manuela.
„Du wirst es wollen, deine Zeit ist gekommen. Du bist die Erbin des großen Magiers.
Du hast seine Kräfte geerbt, dagegen kannst du nichts machen!“, sagte Naro.
„Wieso ändert mein Körper sich?“, wollte ich wissen.
„Dein Körper wird sich so verändern, dass du zwar deine menschliche Form und Aussehen behältst, aber du dich auch wie eine Schlange bewegen kannst allerdings nicht so schnell. Deine Haut wird sich verfärben, in welche Richtung kann man nicht voraus sagen. Deine Haut wird schuppig werden. Deine Reaktionen werden blitzschnell wie die einer Schlange sein“, erklärte Naro. „Nun versuche diese Felswand zu öffnen, konzentriere dich darauf, und du wirst den Zauber wissen!“
Ich dachte mir: „ Der spinnt doch mit seinem Felsen!“ Da aber alle Augen gespannt auf mich gerichtet waren, stellte ich mich vor die große Felsplatte und konzentrierte mich darauf, dass sie aufgehen soll. Plötzlich sprach ich einige Zauberworte in der Schlangensprache und ein Getöse folgte. Die Felsplatte verschob sich wie von Geisterhand und ein Gang wurde sichtbar.
„Mein Gott! Manuela, du kannst zaubern!“, stellte Eva Maria erstaunt fest. Tom schaute mich sprachlos an und ich war wohl diejenige, die am meisten überrascht war.
„Geht doch!“, meinte Naro gelassen und ging in den Gang: „Folgt mir!“, forderte er uns auf und zu mir gewandt sagte er: „Vergiss nicht den Eingang zu schließen!“
Wie von selbst sprach ich einen Spruch und die Felsenplatte schob sich schwerfällig zurück an ihre ursprünglichen Stelle.
„Faszinierend!“, meinte Tom.


Fortsetzung folgt...




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