Gehasster Liebling
„Finde
ich auch!“, scherzte ich, „wollen wir irgendwo hin fliegen, das
kann ich sicher auch zaubern.“
„Das
lass man lieber, antwortete er und lächelte mich an, „wer weiß,
wo wir landen.“
„Vielleicht
im Tal der Schlangen und Schlangenmenschen, es liegt hinter den
Bergen“, erklärte ich.
„Woher
weißt du das?“, fragte Tom, „oder hast du dir das nur
ausgedacht?“
„Sie
hat Recht“, bestätigte Naro meine Aussage, „das Tal liegt dort
schon hunderte von Jahren. Manuela hat das Wissen von dem Magier
geerbt. Mit Hilfe ihrer Magie kann sie das aussortieren, was sich in
den letzten Hundert Jahren geändert hat. Aber jetzt lasst uns
weitergehen.“
Der
Gang wurde durch Fackeln beleuchtet, welche an den Seitenwänden
befestigt waren. Das Licht des Feuers spiegelte sich in den Wänden
und in der Decke wieder. Es funkelt und glitzerte in verschiedenen
Farbe.
„Ob
das Edelsteine sind?“, fragte Eva Maria leise.
„Könnte
sein, mich überrascht hier nichts mehr!“, antwortete Tom.
„Willst
du wirklich hier bleiben?“, wandte Eva Maria sich an mich.
„Ich
weiß nicht, ich habe Heimweh nach meinen Eltern und Geschwistern.
Was unsere Eltern wohl denken, wo wir sind. Die haben bestimmt schon
die Polizei eingeschaltet“, erwiderte ich.
„Die
Polizei wird euch nicht finden und eure Eltern auch nicht, denn wir
haben die Abbiegung geschlossen“, antwortete Naro.
„Wir
wurden heimtückisch her gelockt!“, entrüstete ich mich.
„Nein,
du hast den Weg freiwillig eingeschlagen, denn du bist deinen
Gefühlen gefolgt“, behauptete Naro.
„Wir
wollten zum See und kannten den Weg nicht. Wir sind zufällig in eure
komische Abbiegung geraten!“, schimpfte ich, und warum ist Tom
hier? Ihr hättet doch schnell die Abbiegung verschwinden lassen
können!“
„Wir
konnten nicht so schnell feststellen, ob er für dich wichtig war.
Und es war gut so. Deine Freundin allein wäre mit dir und deiner
Krankheit total überfordert gewesen“, antwortete Naro barsch. Ich
hatte den Eindruck, dass er keine Lust auf weitere Diskussionen
hatte. Wir folgten ihm schweigend. Der Weg stieg immer mehr an und
ich hätte mir zu gerne ein kleines Auto her gezaubert, der Gang war
dafür groß genug. Aber eine innere Stimme sagte mir, das die Magie,
welche ich besaß, für solchen Blödsinn nicht zu benutzen war. Ab
und zu zweigten kleinere Gänge ab, aber wir folgten den Fackeln.
„Wer die wohl alle angezündete hat?“, dachte ich. Die Antwort
konnte ich mir selber geben: „Zauberei!“
Wir
liefen noch schweigend eine Weile, als uns plötzlich Tageslicht
entgegen schlug.
„Endlich
frische Luft!“, rief Eva Maria und atmete tief durch.
„Wollt
ihr auch nach hause? Vielleicht kann ich uns zurück zum Bauernhaus
zaubern!“, sagte ich.
„Manuela!
Du bist dir einfach deiner Rolle in dieser Welt nicht bewusst, weil
du dich innerlich dagegen wehrst. Ein großes Volk der
Schlangenmenschen und Schlangen erwartet dich. Es ist ein großes
Reich, welches du bald regieren wirst. Du bist die angehende Königin.
Du hast Verantwortung für dein Volk. Es werden schon bald große
politische Entscheidungen auf dich zukommen, denn es droht Krieg im
Land der Lux und man hat uns um Hilfe gebeten!“
Ich
starrte den Mann an, der gerade mit mir gesprochen hatte. Anscheinend
hatte er hier auf uns gewartet.
„Haben
die hier alle einen Spleen?“, flüsterte ich Tom und Eva Maria zu,
„da warten die auf mich, damit ich über Krieg und Frieden
entscheiden soll. Die haben doch einen an der Waffel. Oder bin ich
eventuell noch krank und dieses ist alles nur ein böser Traum?“,
fragte ich leise.
„Ich
muss dich enttäuschen, du bist gesund und hell wach, aber mir kommt
das alles wie im Märchen vor oder wir sind in einem Computerspiel
gelandet“, meinte Tom, „normal ist das hier nicht und ich möchte
allmählich nach hause. Aber ich lasse dich bestimmt nicht alleine
hier in dieser verrückten Schlangenwelt.“
Fortsetzung
folgt...
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Helga Pikulik