Dienstag, 11. Februar 2014

Die Tote im Fluss 4. Fortsetzung




                             Die Tote im Fluss

„Hannes, schieß los, wie war es bei der Polizei?“, wurde der so eben gekommene Jugendliche aufgefordert.
„Der Polizist hat meine Personalien aufgeschrieben und wollten die Adresse von meinem Freund wissen.. Freuten sich dann, weil ich auch die Anschrift von seiner Freundin wusste.“ Berichtete Hannes.
„Wer ist dein Freund? Dieser Schönling aus der Zwölften, mit dem du öfters herumstehst?“, fragte ein Mädchen.
„Ja, Micha!“, bestätigte Hannes.
„Der Schwarm fast aller Schülerinnen unserer Schule!“, stellte ein anderes Mädchen fest.
„Er war länger mit Lisa befreundet und die Tote hat unheimlich Ähnlichkeit mit ihr", sagte Hannes
„Glaubst du, Micha hat etwas mit dem Tod des Mädchens zu tun, falls die Tote Lisa ist“, fragte jemand aus der Gruppe.
„Wir sollten abwarten, bis genau Festgestellt wurde, wer die Tote ist“, sagte Hannes.
„Ralf, würdest du mich nach hause bringen? Meine Schwester hat heute einen Typ kennengelernt, der Micha genannt wird. Und der sieht verdammt gut aus, dass könnte der Junge sein, den dieser Hannes erwähnte. Sie will sich morgen mit ihm wieder treffen.“
„Okay, lass uns gehen!“, stimmte Ralf zu und sie verließen das Lokal.
Als sie bei Steffi zu hause waren, trafen sie Johanna im Wohnzimmer an. „Hallo, das ist Ralf, mein Verlobter“, mit dem hielt sie ihre Hand mit dem Ring hoch.
„Hallo, Ralf!“, begrüßte Johanna ihren zukünftigen Schwager. „Wie lange kennt ihr euch denn, du hast mir doch heute erst von ihm erzählt“, wandte sie sich an ihre Schwester.
„Vier Wochen!“, aber er ist der Richtige, „wir heiraten auch erst, wenn ich die Schule abgeschlossen habe.“
„Ihr müsst es ja wissen“, sagte Johanna und fragte Ralf: „Du studierst?“
„Ja, Kunst im ersten Semester. Aber keine Angst, ich kann ihre Schwester ernähren. Ich arbeite nebenbei im Betrieb meines Vaters. Außerdem unterstützen meine Eltern mich. Ich wollte das eigentlich nicht, aber meine Eltern möchten das gerne. Ich studiere drei Jahre Kunst, danach fange ich ein Studium in Betriebswirtschaftslehre an. Damit erfülle ich den Wunsch meiner Eltern, ich soll einmal ihren Betrieb übernehmen“, teilte Ralf mit.
„Johanna ist wie eine Mutter zu mir, obwohl ich die Ältere bin“, klärte Steffi Ralf auf. Meine Schwester ist die Vernünftigere von uns.“
„Wir haben heute eine Leiche in der Hase entdeckt und Steffi hat die Polizei angerufen“, erzählte Ralf.
„Es handelte sich um ein junges Mädchen“, berichtete Steffi weiter.
„Weiß man schon was näheres?“, fragte Johanna.
„Offiziell nicht, aber wir waren in einem Restaurant, wo sich eine größere Gruppe Jugendliche trafen. Wir bekamen mit, dass das tote Mädchen vielleicht die Freundin von Micha ist. Du hast doch heute einen Jungen Namens Micha kennengelernt!“, Steffi schaute Johanna erwartungsvoll an.
„Wahnsinn!“, meinte die. „Da lernt man so einen super Typen kennen, und schon steckt der eventuell in einem Mordfall, aber ich hoffe nur als Zeuge. Micha hat mir erzählt, dass seine Freundin höchstwahrscheinlich mit ihrem Ex wieder zusammen wär. Das muss ein ganz mieser Kerl sein, so wie Micha erzählte.“
„Jetzt vergessen wir mal die Wasserleiche und feiern unsere Verlobung. Ich hole Gläser und dann stoßen wir an. Schade, dass meine Eltern nicht da sind, aber die sind im Urlaub“, verkündete Steffi.
„Hast du die Tiere gefüttert?“, fragte sie Johanna.
„Ja, alles fertig und eine Überraschung für dich, wir haben sechs kleine Kaninchen mehr. Das Kaninchen mit den Schlappohren, welches dir die alte Frau gebracht hatte, hat Junge bekommen.“
„Teufel noch mal, noch mehr Tiere, aber die sind bestimmt ganz süß, wenn sie ein paar Tage alt sind.“, meinte Steffi.
„Solltest du die demnächst weggeben, dann behalte bitte zwei für mich!“, bat Johanna.
„Johanna ist unser größter Kaninchenfan, wenn es nach ihr ginge, hätten wir unzählige Kaninchen“, erklärte Steffi ihrem Verlobten.
„Ich möchte auch eins haben. Meine jüngste Schwester hat in zwei Monaten Geburtstag. Die wird sich wie ein Schneekönig freuen“, sagte Ralf.
„Ralf hat vier Schwestern, alles ganz nette“, teilte Steffi ihrer Schwester mit. „Drei jüngere als Ralf und eine Zwillingsschwester. Sie haben mich als Freundin von Ralf akzeptiert, ich hoffe auch als Verlobte.“
„Die werden sich unheimlich freuen, denn sie mögen dich sehr. Meine Eltern werden auch begeistert sein. Ich schlage vor, wenn deine Eltern zurück sind, feiern wir unsere Verlobung mit unseren Familien und Freunden nach!“, schlug Ralf vor.
„Oh, super, ich freue mich!“, Steffi umarmte ihren Verlobten. Plötzlich schellte es an der Haustür.
„Wer kommt denn noch so spät? Soll ich aufmachen?“, fragte Johanna.
„Ja, sicher, wir haben doch hier einen Beschützer!“, Ralf ist unheimlich gut in Karate, machte Steffi ihrer Schwester Mut. Johanna ging zur Tür und öffnete nur zögernd einen Spalt.
„Du hier?“, fragte sie überrascht.
„Darf ich rein kommen?“, meinte Micha.
„Ja, klar!“, sagte Johanna und öffnete die Tür weiter.
„Sie führte ihn ins Wohnzimmer und meinte: „Wo her weißt du, wo ich wohne?“
„Meik aus deiner Klasse hat es mir vor drei Tagen verraten, wir spielen zusammen Fußball“, antwortete Micha.
„Vor drei Tagen kannten wir uns doch noch gar nicht.“ Stellte Johanna fest.
„Wir uns nicht, ich aber dich. Ich versuche schon länger deine Bekanntschaft zu machen.“ Verriet Micha ihr.
„Also war das heute kein Zufall, sondern ganz genau von dir geplant“, stellte Johanna fest. „Das ist Micha und das ist meine Schwester Steffi und ab heute ihr Verlobter Ralf“, stellte sie alle vor und forderte Micha auf, sich zu setzen.
„Jetzt störe ich eure Verlobungsfeier“, Micha zeigte auf die Gläser.
„Nein, kannst mitfeiern!“, sagte Steffi und holte noch ein Glas.
„Ich wollte dir etwas erzählen“, wandte Micha sich an Johanna.
„Geht es um das tote Mädchen?“, fragte Johanna.
„Woher weißt du das?“, wollte Micha wissen.
„Ralf und ich haben die Leiche in der Hase gefunden und die Polizei angerufen“, klärte Steffi ihn auf.
„Ich komme direkt von der Polizeiwache", erzählte Micha. "Die Tote ist Lisa. Ich war ungefähr fünf Monate mit ihr befreundet. Mein Gott, was die Polizei alles wissen wollte. Ihren Exfreund hatten sie auch vorgeladen. Der ist total fertig. Er muss sie wohl wirklich geliebt haben. Ich habe mit ihm gesprochen, denn wir konnten beide gehen. Ihm tat es jetzt leid, dass er Lisa und mich immer attackiert hatte, aber er hätte sie nicht vergessen können und war so froh, dass sie wieder zu ihm zurück gekommen war. Er heißt übrigens Thomas. Als ich neulich bei Lisa an der Tür schellte, war das nicht Thomas, sondern  sein Bruder, der so fies zu mir war. Die Brüder haben unheimlich Ähnlichkeit. An dem Tag hatte Thomas Lisa überall gesucht und hatte sie am anderen Tag bei der Polizei als vermisst gemeldet. Wie sich im Nachhinein rausstellte, war sie da schon tot. 
Thomas hat seinen Bruder in Verdacht, dass er Lisa umgebracht hat. Der hat Lisa immer wieder bedroht, mit ihm zu kommen, sonst würde er sie umbringen. Er hat sie auch schon geschlagen, wenn Thomas nicht da war. Thomas sagte, dass sein Bruder sehr jähzornig wird, wenn sich jemand ihm widersetzt."
"Der muss ja wirklich eine Macke haben", meinte Steffi.
"Der Typ spannte Thomas bislang immer die Freundinnen aus", berichtete Micha weiter. "Er konnte es einfach nicht akzeptieren, dass Lisa nichts von ihm wissen wollte. Er soll schon mal ein Mädchen zusammen geschlagen haben, doch man konnte es ihm nicht nachweisen. Aber es wurde vermutet, dass er das Opfer so eingeschüchtert hatte, dass es nicht gegen ihn aussagte.
Als wir das Polizeirevier verließen, wurde der Bruder von Thomas gerade reingeführt. Thomas hatte in der Mülltonne eine Hose von seinem Bruder gefunden, auf der einige Blutflecken waren."
"Euch kriege ich auch noch, da könnt ihr sicher sein!", drohte uns Thomas Bruder im Vorbeigehen.
 
„So, jetzt spielen wir noch eine Runde Mensch ärgere dich nicht, dann kommen wir auf andere Gedanken“, bestimmte Steffi.


Ende


Copyright2014by Helga Pikulik