Party
„Das kann ja heiter werden, wenn Tante Vera echt zu hause bleibt.
Die dreht uns glatt den Strom ab, wenn wir ihr zu laut sind.“
meinte Isabel.
„Oder sie schmeißt auch noch unsere Gäste raus“; antwortete
ich. „Hier kann man echt laut sein, weit und breit kein Nachbar,
das Ponyhotel liegt ja auch weiter weg. Das Problem ist und bleibt
Tante Vera.“
„Lassen wir uns die Laune nicht verderben, man wird nur einmal
vierzehn!“, entgegnete Isabel, „sieh mal, habe ich gebastelt. Die
hänge ich im ganzen Haus auf.“
„Tolle Geister, von wem hast du denn die weißen Gardinen?“,
fragte ich.
„Viktoria hat sie mir gegeben“, antwortete Isabel , „die findet
es klasse, dass wir eine Party geben, dann wäre endlich in diesem
trostlosen, alten Gemäuer etwas los. Ich habe mal in die Küche
geblinzelt, Lisa hat schon ganz viele Platten fertig. Ich hätte am
liebsten mir ein paar Käsespieße gemopst. Und die Bowle ist
angesetzt. Ich freue mich schon auf unsere Gäste, wie verkleidet die
wohl kommen. Hast du dein Kostüm fertig?“
„Lass dich überraschen!“, erwiderte ich. „Du, wir haben
unseren Eltern nichts erzählt von den ganzen Ereignissen der letzten
Nacht.“
„Ist doch gut“, meinte meine Schwester, dann brauchen sie sich
auch keine Sorgen um uns machen, wir haben gesagt, dass alles in
Ordnung ist und das es uns gut geht. Da waren sie sehr zufrieden. Wir
haben nicht geflunkert, denn es geht uns doch super. Sie haben ja
nicht gefragt, wie es uns letzte Nacht ging.“ Isabel grinste mich
an: „Du brauchst kein schlechtes Gewissen haben!“
„Habe ich gar nicht! Es geht um Tante Vera, sie sagte doch, dass
sie unsere Eltern anrufen will, um sich über uns zu beschweren“,
antwortete ich.
„Ach, glaube das doch nicht, die ist doch mit sich und ihrem toten
Jochen beschäftigt!“
„Okay, dann stelle ich jetzt die Getränke hin und die Gläser und
Teller. Lisa kann ja auch nicht alles
machen. Kommst du mit dem Schmücken alleine klar?“, fragte ich.
„Mach nur, das schaffe ich schon, aber vergiss nicht die
Knabbereien hinzustellen!“, rief Isabel mir von einer Leiter aus
zu.
„Und falle du nicht runter!“, rief ich zurück. Sie wackelte
extra mit der Leiter, als ich aus der Tür ging, aber ich hatte mich
ganz schön erschrocken. Isabel lachte. So war sie nun mal, immer zu
Späßen aufgelegt. Ich hörte sie auf der Leiter singen, irgend
etwas selbst erfundenes von Nebelgeistern, Knochengerüsten und
Wasserleichen in tiefen Gewölben. Ich glaube, die letzte Nacht
steckte ihr noch ganz schön in den Knochen.
Fortsetzung folgt...
Copyright2013by Helga Pikulik