6 Fortsetzung: Gehasster Liebling
Schnell versuchte ich meine Klamotten in den Koffer zu wühlen, was mir aber nicht gelang, denn ich hatte ihn schon zu hause nur mit Ach und Krach zubekommen. "Nun mal langsam junge Frau", sagte Tom und packte mit einer Engelsgeduld alles sorgfältig in den Koffer, wobei er meinen pinkfarbigen Bademantel und meinen gleichfarbigen Jogginganzug über seinen Arm schlug. So hätte ich den Koffer auch zu bekommen. "Ist pink deine Lieblingsfarbe"? Fragte Tom verschmitzt und zwinkerte mir zu. Ich sagte nichts, aber ich merkte, wie ich rot anlief. Tom grinste mich an, schnappte sich den Koffer und Hansi und trug beides ohne Anstrengung ins Haus. Mein Gott, hatte der Bengel Muskeln, und wie braun der schon war. Er war nämlich nur mit einer über den Knieen abgeschnittenen Jeans bekleidet und hatte seinen Oberkörper frei. Mein Herz klopfte als wollte es jeden Moment aus dem Hals springen, wieder spürte ich den Kuss auf meinen Lippen. "Hast du den etwa herbestellt"? Fauchte Eva Maria mich an. "Bist du doof"? Erwiderte ich, "meinst du, ich will unsere Ferien versauen"? "Ja, aber -" Eva Maria schaute mich verstört an. "Ich hatte keinen blassen Schimmer, glaube mir", sagte ich und nahm zwei Koffer aus dem Auto und schleppte sie zum Haus, wo Tom mir einen sofort abnahm. Ich wusste gar nicht , wie hilfreich Tom sein konnte. Hatte ich ihn immer falsch eingeschätzt? Ach was, Manuela, sagte ich zu mir in Gedanken. Jetzt spinn nicht herum. Du hasst diesen Knaben, er ist arrogant und blöd und mischt sich immer wieder in mein Leben ein, egal wo ich bin, sogar im Urlaub. Der Sache mit dem Urlaub musste ich allerdings noch auf den Grund gehen. Das grenzt ja schon an Spuk, aber wie ein Geist sah er ja nun wahrhaftig nicht aus. Unsere Blicke verfingen sich für einen Augenblick, als er sich umdrehte und mir zurief: "Mir nach, ich weiß wo eure Ferienwohnung ist"! "Ist der allwissend"? Fragte ich mich. Seine Augen schienen mich zu durchdringen. Mein Herz klopfte als wollte es zerspringen. "Wieso bist du hier"! Hörte ich mich fragen. "Urlaub"! Rief er grinsend und stieg die Treppe hoch, "im zweiten Stock ist die Wohnung"; sagte er plötzlich und riss mich aus meinen Gedanken. Die beschäftigten sich gerade wieder mit seinem muskelösen Körperbau. Ich merkte, wie mir das Blut in den Kopf schoss. "Hoffentlich dreht er sich jetzt nicht um"; dachte ich. Aber meine Wünsche gehen ja nie in Erfüllung. Er schaute zurück und meinte: "Ist der Koffer zu schwer? Dann warte eben, ich nehme ihn dir gleich ab, du hast schon einen total roten Kopf. Es ist heute aber auch warm." Ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen, war aber froh, dass er mein rotes Gesicht falsch deutete. Aber normal war das nicht, dass ich anfing, mich für diesen Schnösel zu interessieren. "Geht schon"; sagte ich und stampfte weiter hinter ihm her die Treppe rauf. Endlich hatten wir die Wohnung erreicht. "Wo sollen die Koffer hin? Sind das deine"? Fragte er. Schnell überflog ich die Ferienwohnung. Sie war hübsch eingerichtet. Sie hatte zwei große Räume, ein kleines Bad und ein Wohnbereich mit kleiner Küchenzeile."Ich nehme das rechte Zimmer" sagte ich und schleppte meinen Koffer hinein. "Das ist Evas Koffer, sagte ich". "Dann ist dies deiner, mit der schönen Unterwäsche" meinte er und holte den Koffer vom Flur und stellte ihn neben mir. Tom stand ganz dicht neben mir. Ich roch sein Haar. Ich saugte es mit meinem Atem ein, als wollte ich den Duft nie vergessen. "Was bekomme ich fürs tragen"? Raunte Tom mir ins Ohr und ehe ich mich versah, riss er mich an sich und küsste mich, wie mich noch nie ein Junge geküsst hatte. Und ich doofe Kuh erwiderte seinen Kuss, denn das Gefühl war unbeschreiblich, und ich wollte, dass es nie aufhörte, auch wenn ich Tom hasste. Tom zog mich noch dichter an sich. Nie wieder wollte ich meine Augen öffnen, nie sollte dieser Moment enden. Er küsste meinen Hals, mein Gesicht und wieder trafen sich unsere Lippen. Was für einen Urlaub ging ich entgegen?
"Störe ich"? Riss eine laute , frech klingende Stimme uns mit einen Ruck auseinander. "Sorry", hörte ich Tom sagen und weg war er. Ich hörte ihn die Treppe runter rasen.
Fortsetzung folgt
