Eine Überraschung
„Simone,
was ist denn passiert?“ fragte die Großmutter, als sie die Tür
öffnete. Ihre kleine Enkeltochter flog ihr in die Arme und weinte.
„Nun komm erst einmal herein“, sagte die Großmutter und zog
Simone behutsam in die Wohnung. Sie wischte ihr die Tränen ab.
„Susi
ist weg!“, schluchzte Simone, und das am Heilig Abend. Jetzt freue
ich mich gar nicht mehr auf den Weihnachtsmann, nur wenn er mir meine
Katze wieder bringt.“
„Mein
Liebling, dein Kätzchen kommt bestimmt bald wieder. Katzen streunen
gerne herum.“
Versuchte
die Großmutter sie zu trösten.
„Das
hat Mama auch gesagt, aber jetzt ist sie schon drei Tage
verschwunden. Ich habe überall gesucht. Sie hat sicher großen
Hunger antwortete Simone und dicke Krokodilstränen kullerten ihr
über die Wangen.“
„Wenn
Susi Hunger hat, fängt sie sich eine Maus“, Katzen verhungern
nicht so schnell.
„Die
arme Maus“, meinte Simone. Sie schien aber trotzdem etwas beruhigt
zu sein.
„So,
mein Liebling, jetzt mache ich dir erst einmal einen Kakao und dann
bringe ich dich nach hause.
„Weiß
deine Mutter, dass du bei mir bist?“, fragte die Großmutter.
„Nein“,
entgegnete Simone, „ich war so traurig, und da bin ich einfach
losgelaufen. Du weißt so oft einen Rat, deshalb dachte ich, du
könntest mir helfen.“
„Du
musst immer deiner Mutter Bescheid sagen, wenn du irgendwo hin gehst,
sonst macht sie sich große Sorgen, genau so, wie du dich um dein
Kätzchen sorgst“, erklärte die Großmutter ihrer Enkelin.
„Dann
werde ich Mutti sofort anrufen!“ Simone sprang auf und griff zum
Telefon.
„Ich
komme sofort nach hause!“, hörte die Großmutter ihre Enkelin
freudig sagen. „Oma! Susi ist wieder da! Ich gehe sofort nach
hause, kommst du mit?“ Simone strahlte ihre Oma an.
„Ja
sicher, Kleines, trink schnell deinen Kakao aus und dann gehen wir.“
Sie brauchten nur einige Straßen weiter gehen, denn sie wohnten
nicht weit auseinander. Ungeduldig klingelte Simone an der Tür. Als
die Mutter öffnete, rief ihre Tochter gleich: „Wo ist Susi?“,
lief in die Wohnung und kam ganz enttäuscht wieder zur Tür. „Wo
ist sie?“
„Im
Keller“, sagte die Mutter, „Vati hat sie dort entdeckt, als er
in dem Kellerraum etwas suchte.
„Aber
da hatten wir doch auch gesucht!“, stellte Simone fest, während
sie die Kellertreppe runter ging.
„Ja“,
sagte ihre Mutter, „aber Susi hat sich ganz toll versteckt, hinten
im alten Autoreifen.“
„Und
da sitzt sie immernoch?“, fragte Simone, „will sie denn gar nicht
wieder nach oben zu uns?“
„Doch,
das will sie bestimmt, oben ist es ja viel wärmer. Susi hat zu
Weihnachten eine Überraschung für dich“, sagte ihre Mutter.
„Susi
für mich?“, fragte ihre Tochter ungläubig und schlängelte sich
durch irgend welche Sachen, die im Keller abgestellt wurden. Und dann
blieb sie überrascht stehen.
„Oma,
schau mal!“, rief Simone, „Susi hat kleine Babys. Wie niedlich,
drei Stück. Darf ich die alle behalten?“ Simone schaute ihre Mutter
bittend an.
Die
müssen sowie so erst noch bei der Mutter bleiben und dann sehen wir
mal weiter. Vielleicht möchte Oma eine Katze haben, denn vier Katzen
im Haus ist auf die Dauer etwas viel.
„Darüber
muss ich nachdenken“, sagte die Großmutter.
„Dann
bist du nicht mehr so alleine“, stellte ihre Enkelin fest, „und
wenn du uns besuchst, bringst du das Kätzchen mit, dann kann es mit
ihren Geschwistern spielen.“
„Warten
wir erst einmal ab, bis die Babys größer sind", sagte ihre Mutter. "Jetzt hast du noch
viel zu tun, du willst doch
sicher ein schönes Bettchen für die Kätzchen und ihrer Mutter
fertig machen. Und wir müssen jetzt auch nach oben, der Papa wartet
sicher schon. Ich habe nämlich oben ein Glöckchen klingeln gehört.
Wollen wir mal nachsehen, ob der Weihnachtsmann da war?“
„Oh,
ja, ich freue mich, denn Susi ist wieder da!“ Sie gingen alle nach
oben und der Vater öffnete die Tür zum Wohnzimmer. Ein großer
geschmückter Baum zog alle Blicke auf sich. Darunter eine
wunderschöne Krippe. Rund herum lagen mehrere Geschenke mit kleinen
Namenskärtchen. Simone verteilte die Päckchen. Dann fing sie an,
ihre Päckchen auszupacken. „Ein neues Katzenkörbchen, extra größer,
da passen die Babys auch mit rein und eine neue Decke für Susi“,
rief Simone. Woher wusste denn der Weihnachtsmann, dass wir jetzt ein
größeres Körbchen gebrauchen,“ fragte sie ihren Vater.
„Der
Weihnachtsmann weiß viel, doch er hatte bestimmt ziemliche Mühe, am
Heiligen Abend noch ein passendes Körbchen in der Himmelswerkstatt
zu finden. Aber er hat es noch geschafft.“
„Super,
meinte Simone. Holen wir die Katzenkinder und Susi jetzt hoch? Dann
können sie mit uns Weihnachten feiern und sie frieren nicht. Susi
ist bestimmt hungrig.“ Sie gingen noch einmal in den Keller und
holten die Tiere. „Das Susi wieder da ist und auch noch kleine
Babys hat, ist mein schönstes Weihnachtsgeschenk“, sagte Simone,
als sie alle im Wohnzimmer saßen, samt der Katzen. „Du hast ja
noch gar nicht alle ausgepackt“, meinte ihre Oma.
„Trotzdem!“,
antwortete ihre Enkelin. Später saßen sie gemütlich zusammen und
sangen Weihnachtslieder und ein herrlicher Duft nach Bratäpfeln
erfüllte den Raum. Simone saß vor dem Katzenkörbchen und strahlte.
Ende
Copyright2013by Helga Pikulik