Letzte Fortsetzung: NEBELGEISTER
Wir gingen wieder ein Stück zurück und entschieden uns für
einen der links abbiegenden Gänge. Wir liefen fast eine Stunde.
Inzwischen waren wir durchgefroren, hundemüde und, obwohl es Nacht
war, hungrig. Unsere Fackeln würden auch nicht mehr lange brennen
und wir waren inzwischen ziemlich mutlos. Der Weg wurde immer
unebener und feuchter. Oft glitschten wir auf dem moderigen Boden aus.
Und dann sahen wir plötzlich einen hellen Schein. Uns war fast egal,
um was es sich handelte. Selbst wenn es ein Nebelgeist wäre, liefen wir
darauf zu in die Freiheit.
„Wir haben es geschafft!“, rief Isabel und war nicht mehr zu
halten. "Endlich frische Luft!“
„Aber was sind das für Lichter? Und wo sind wir hier?“, rief
ich Isabel zu.
Sie war bereits stehen geblieben. Es war unheimlich
nebelig. Etwas weiter vor uns lag ein See. Wir erkannten ein Boot und
sahen wie aus dem See etwas herausgezogen wurde. Immer wieder nahmen
Nebelschwaden uns die Sicht. Es sah geisterhaft aus und würde
manchen zum Zittern bringen, wenn nicht am Ufer mehrere Autos standen
und immer wieder Scheinwerfer ihr Licht zum Boot warfen. Jetzt
kletterten Taucher aus dem Wasser und stiegen in das Boot. Wortfetzen
drangen an unser Ohr. Der Nebel lichtete sich etwas und wir erkannten
Polizeiwagen.
„Die erschossene Wasserleiche!“sagte ich.
„Die kann hier nicht mehr herumspuken!“, stellte Isabel fest.
Wir liefen zum Ufer. „Tante Vera, was machst du denn hier?“,
staunte Isabel.
„Kinder; wo kommt ihr denn her. Warum liegt ihr nicht in euren
Betten?“, fragte Tante Vera erschrocken.
„Das ist. eine lange Geschichte", antwortete ich.
„Jochen ist tot!“ sagte Tante Vera und weinte. „Sie haben
ihn aus dem See geholt. Er wurde erschossen. Und jetzt gerade haben
sie noch eine Leiche geborgen. Die Polizei war bei uns. Sie haben unseren Hausmeister und
Gärtner verhaftet. Man hat sie mit einer großen Menge Rauschgift
erwischt. Sie haben inzwischen alles gestanden. Stellt euch mal vor,
Jochen soll mit denen unter einer Decke gesteckt haben und sogar der
Anführer gewesen sein. Das glaube ich nicht. Ich kenne doch
meinen Jochen. Die Polizei hatte die Männer schon länger in
Verdacht und hat heute Nacht zugeschlagen. Leider für Jochen und
den anderen Toten zu spät.“
„Du brauchst um diesen Gangster Jochen keine Tränen weinen. Der
wollte uns umbringen!“, sagte ich.
„Was sagst du denn da? Jochen konnte keiner Fliege etwas zu
leide tun“, weinte Tante Vera noch mehr los. „Wie seht ihr
überhaupt aus? Ich verstehe gar nichts mehr. Ich will nach Hause!“
„Wollen wir den Herrn von Felden ruhen lassen?“, fragte ich
Isabel.
„Ja, der hat es verdient.“ antwortete Isabel. „Übrigens,
herzlichen Glückwunsch, wir haben doch tatsächlich unseren
Geburtstag vergessen.“
„Mein kleines Schwesterchen“, ich nahm sie in den Arm. „Alles
Gute zum Geburtstag! Vierzehn! Tolles Alter.“
„Was heißt hier kleine Schwester? Die Zwölf Minuten, die du
älter bist. Wir schlafen uns erst einmal aus, und dann lassen wir es
krachen. Wir machen eine Nebelgeisterparty. Ob Papa und Mama wohl
anrufen?“, fragte sie etwas traurig.
„Klar! Die vergessen doch unseren Geburtstag nicht. Die haben
bestimmt noch mehr Heimweh als wir. Wir haben hier ja genug
Abwechselung. Ein Jahr geht schnell vorbei, dann ist ihr Job da zu
Ende,“ tröstete ich Isabel, obwohl ich zugeben musste, dass ich
auch sehr großes Heimweh hatte.
„Wer weiß, was wir hier noch alles erleben!“, sagte Isabel
und lachte schon wieder.
Ende
Copyright2013by Helga Pikulik
