Samstag, 14. Dezember 2013

 Letzte Fortsetzung:   NEBELGEISTER


Wir gingen wieder ein Stück zurück und entschieden uns für einen der links abbiegenden Gänge. Wir liefen fast eine Stunde. Inzwischen waren wir durchgefroren, hundemüde und, obwohl es Nacht war, hungrig. Unsere Fackeln würden auch nicht mehr lange brennen und wir waren inzwischen ziemlich mutlos. Der Weg wurde immer unebener und feuchter. Oft glitschten wir auf dem moderigen Boden aus. Und dann sahen wir plötzlich einen hellen Schein. Uns war fast egal, um was es sich handelte. Selbst wenn es ein Nebelgeist wäre, liefen wir darauf zu in die Freiheit.
„Wir haben es geschafft!“, rief Isabel und war nicht mehr zu halten. "Endlich frische Luft!“
„Aber was sind das für Lichter? Und wo sind wir hier?“, rief ich Isabel zu.
Sie war bereits stehen geblieben. Es war unheimlich nebelig. Etwas weiter vor uns lag ein See. Wir erkannten ein Boot und sahen wie aus dem See etwas herausgezogen wurde. Immer wieder nahmen Nebelschwaden uns die Sicht. Es sah geisterhaft aus und würde manchen zum Zittern bringen, wenn nicht am Ufer mehrere Autos standen und immer wieder Scheinwerfer ihr Licht zum Boot warfen. Jetzt kletterten Taucher aus dem Wasser und stiegen in das Boot. Wortfetzen drangen an unser Ohr. Der Nebel lichtete sich etwas und wir erkannten Polizeiwagen.
„Die erschossene Wasserleiche!“sagte ich.
„Die kann hier nicht mehr herumspuken!“, stellte Isabel fest. Wir liefen zum Ufer. „Tante Vera, was machst du denn hier?“, staunte Isabel.
„Kinder; wo kommt ihr denn her. Warum liegt ihr nicht in euren Betten?“, fragte Tante Vera erschrocken.
„Das ist. eine lange Geschichte", antwortete ich.
„Jochen ist tot!“ sagte Tante Vera und weinte. „Sie haben ihn aus dem See geholt. Er wurde erschossen. Und jetzt gerade haben sie noch eine Leiche geborgen. Die Polizei war bei uns. Sie haben unseren Hausmeister und Gärtner verhaftet. Man hat sie mit einer großen Menge Rauschgift erwischt. Sie haben inzwischen alles gestanden. Stellt euch mal vor, Jochen soll mit denen unter einer Decke gesteckt haben und sogar der Anführer gewesen sein. Das glaube ich nicht. Ich kenne doch meinen Jochen. Die Polizei hatte die Männer schon länger in Verdacht und hat heute Nacht zugeschlagen. Leider für Jochen und den anderen Toten zu spät.“
„Du brauchst um diesen Gangster Jochen keine Tränen weinen. Der wollte uns umbringen!“, sagte ich.
„Was sagst du denn da? Jochen konnte keiner Fliege etwas zu leide tun“, weinte Tante Vera noch mehr los. „Wie seht ihr überhaupt aus? Ich verstehe gar nichts mehr. Ich will nach Hause!“
„Wollen wir den Herrn von Felden ruhen lassen?“, fragte ich Isabel.
„Ja, der hat es verdient.“ antwortete Isabel. „Übrigens, herzlichen Glückwunsch, wir haben doch tatsächlich unseren Geburtstag vergessen.“
„Mein kleines Schwesterchen“, ich nahm sie in den Arm. „Alles Gute zum Geburtstag! Vierzehn! Tolles Alter.“
„Was heißt hier kleine Schwester? Die Zwölf Minuten, die du älter bist. Wir schlafen uns erst einmal aus, und dann lassen wir es krachen. Wir machen eine Nebelgeisterparty. Ob Papa und Mama wohl anrufen?“, fragte sie etwas traurig.
„Klar! Die vergessen doch unseren Geburtstag nicht. Die haben bestimmt noch mehr Heimweh als wir. Wir haben hier ja genug Abwechselung. Ein Jahr geht schnell vorbei, dann ist ihr Job da zu Ende,“ tröstete ich Isabel, obwohl ich zugeben musste, dass ich auch sehr großes Heimweh hatte.
„Wer weiß, was wir hier noch alles erleben!“, sagte Isabel und lachte schon wieder.


Ende



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