Party
Unten lief alles toll. Ich erzählte, was wir gehört hatten. Isabel
war entsetzt. „Stellt euch mal vor, dieser Jochen, oder wie er
hieß, hätte alle abgemurkst!“
„Dann hätten wir keine Partys mehr feiern konnen“, versuchte
Otto zu scherzen.
„Uns wollte er ja schon hier unten vergammeln lassen. Zum Glück
war ihm nicht bekannt, dass von dem Zimmer ein Gang nach draußen
führte“, sagte ich
„Komm“, sagte Isabel, „wir werder uns den Abend nich verderben
lassen.“
Der Sekt in der Bowle zeigte bei manchen die ersten Wirkungen. Sie
alberten herum und tanzten ziemlich ausgelassen. Ich beschloss die
neue Bowle mit Mineralwasser zu verdünnen. Ich wusste allerdings
nicht, wievielt Sekt mein Freund eingeschmuggelt hatte und ich hatte
auch noch nicht das Versteck der Flaschen gefunden, also appellierte
ich an seinen Verstand, das mit dem Alkohol zu lassen. „Wenn das
raus kommt, war das wohl vorläufig unsere letzte Party !“, sagte
ich ihm.
Er grinste mich an und meinte: „Okay, die nächste Party ist
übrigens bei mir.“
„Du wirst schon sechzehn oder?“, fragte ich.
„Klar, bin ja nicht so ein Küken wie du. Übrigens, du hast dir da
eine super Braut angelacht.“
„Ich finde sie klasse, aber sie geht ja mit Robert!“, antwortete
ich etwas traurig.
„Man Alter, mach dir deswegen keinen Kopf“, sagte Erwin, „das
ist ihr bester Freund, aber Robert ist schwul, da läuft sonst gar
nichts zwischen den beiden.“
Ich hätte Erwin knutschen können, aber ich hatte Angst, er könnte
das falsch verstehen. Ich suchte Lydia, konnte sie aber nirgendwo
finden.
„Du läufst hier herum wie so ein aufgescheuchtes Huhn“, sprach
mich Isabel plötzlich an, „ ist etwas passiert?“
„Ich finde Lydia nicht!“, sagte ich aufgeregt, „weißt du wo
sie steckt?“
„Du hast wohl schon einen Gewölbekoller, die ist bestimmt oben“,
meinte Isabel, „man muss ja gelegentlich auch mal zur Toilette.
Aber keine Angst, wir schleichen alle, und die Toilette liegt ja im
Erdgeschoss.“ Otto schnappte sich meine Schwester und sie
verschwanden auf der Tanzfläche.
„So einsam?“, hörte ich hinter mir eine bekannte Stimme. Ich
drehte mich um und schaute in zwei dunkle, etwas rot unterlaufende
Augen, das Gesicht war schneeweiß und das wuschelige schwarze Haar
umrahmte ihr zartes Gesicht.
„Wollen wir tanzen?“, fragte Viola.
Irgendwie fühlte ich mich magisch von ihr angezogen, vergaß für
einen Augenblick Lydia. Viola schlang die Arme um meinen Hals und zog
mich dicht an sich. Die Musik spielte irgend ein langsames Lied und
ich hörte Viola sagen: “Du gefällst mir, gleich als ich dich sah.
Ich dulde keine neben mir! Hast du das verstanden Süßer?“.Wir
tanzten wohl die nächsten fünf Lieder durch, als sie plötzlich
sagte: „Ich muss jetzt gehen, aber merke dir meine Worte. Denke
immer daran, du gehörst mir, vergiss die Kleine. Und fülle euren
Ketchup wieder auf. Sie ließ mich stehen. Und als ich ihr folgte,
verschwand sie in einem der dunklen Gänge.
Lydia stand an einer Wand gelehnt. Sie muss mich wohl beobachtet
haben, denn als ich auf sie zuging, drehte sie sich weg und ging auf
Robert zu. Sie tanzten zusammen so vertraut, dass mir an Erwins Worte
Zweifel kamen. Viola ging mir nicht mehr aus dem Kopf, als wenn sie
mich verzaubert hatte. Mir war, als spürte ich sie noch in meinen
Armen, federleicht, kühl und anschmiegsam. „Mensch Tim, wach
auf!“; dachte ich. Kühl! Genau, sie war kalt, ich erschauderte.
Ich ging sofort zur Tanzfläche, ich musste unbedingt mit Lydia
sprechen. Ich erschrak, als ich die Tanzfläche überblickte und nach
Lydia suchte. Ich sah mehrere schwarzgekleidete Typen. Die gehörten
garantiert nicht zur Klasse. Alle hatten das Outfit eines Vampirs und
endlich machte es klick in meinem Kopf. Das sind Vampire! Echte
Vampire! „Was sollte ich machen? Ich wollte ja keine Panik
aufkommen lassen. Und wenn alles stimmte, was in den alten Büchern
stand, die sich oben in der Bibliothek befanden, konnten wir im
Moment nichts gegen die Vampire ausrichten. Ich musste unbedingt
jemanden finden, der mir das mit den Vampiren glauben wird. „Otto!
Isabel!“, rief ich ihnen zu, als sie an mir vorbei tanzten.
„Was ist denn, suchst du immer noch Lydia?“, die tanzt da hinten
mit Robert!“, rief Isabel und wollte schon wieder weg tanzen.
„Nun komm doch mal, es ist etwas passiert!“, log ich, weil ich
keine andere Chance sah, sie von der Tanzfläche zu bekommen. Das
hatte gewirkt. Erschreckt zog sie Otto zu mir hin.
„Was ist passiert?“, fragte sie aufgeregt.
„Tanzt bitte unauffällig zu Lydia und Robert und bringt sie dazu,
hier her zu kommen, auch Erwin und Thomas sollen kommen. Ich warte
vor dem Raum;“ forderte ich sie auf. Ich brauchte nicht lange
warten, da kamen sie und wollten gleich wissen, was denn eigentlich
los wäre.
„Wir gehen nach oben, ich muss euch etwa Wichtiges sagen“, ließ
ich sie wissen und stieg die Treppe hoch.
„Und Vera?“, fragte Isabel.
„Es gibt Schlimmeres“, sagte ich.
Fortsetzung folgt...
Copyright2013by Helga Pikulik