Samstag, 14. Dezember 2013

 5. Fortsetzung:   NEBELGEISTER


„Ich komme ja schon! Hier, nimm eine Fackel! Du hast Recht, was hier alles herum liegt. Ich glaube, dass das Haus auf ein uraltes Gemäuer gesetzt wurde. Scheinbar hat sich noch keiner für die alten Sachen interessiert. Die sind etwas fürs Museum. Mutter hat uns doch mal erzählt, dass es ein Gerücht gibt, dass es im Haus spuken würde.Vielleicht hat sich darum keiner hier unten hin gewagt. Außer diese Drogengangster.“
„Das sind ja Nebelgeister, die haben keine Angst!“, scherzte Isabel. „Tim, sieh mal, da geht ein kleiner Gang ab, wir gehen darein.“
„Ehe ich irgendwelche Bedenken aussprechen konnte, war Isabel im Gang verschwunden und mir blieb nichts anderes übrig, mich von den interessanten Rüstungen zu trennen und ihr zu folgen. „Ich komme schon!“, rief ich und ging mit Unbehagen in den Gang. Er war sehr schmal und die Wände bestanden aus groben ungleichen Steinen. Auch der Boden war naturbelassen und je weiter ich ging, um so moderiger wurde die Luft. Isabel, wo steckst du?“
„Hier! Du musst jeweils rechts abbiegen, dann kommst du in einen kleineren Raum!“
„Der Gang gabelte sich vor mir, also ging ich in den rechten, und dann wieder rechts und sah das Licht der Fackel. Warum läufst du alleine los, wie schnell können wir uns hier verlieren!“; sagte ich verärgert, als ich in den Raum trat.“
„Wenn du so langsam bist und in den alten Sachen herum stöberst!“, motzte Isabel zurück. „Schau mal die Mauer an.“
„Was ist an der alten Mauer so bewundernswert?“, fragte ich.
„Nun sei nicht so sauer! Ich bin ja noch da. Ich verspreche dir, dass wir nur noch Hand in Hand weitergehen,“ grinste Isabel mich an.
„Verarschen kann ich mich alleine!“, antwortete ich immer noch sauer. Dabei war ich so froh, dass Isabel wieder da war. Ich hätte sie in den Arm nehmen können, aber ich hatte auch meinen Stolz.
„Nun schau doch mal genauer hin“, forderte Isabel mich auf.
„Tatsächlich! Die Mitte ist aus ganz anderen Steinen gemauert. Auch nicht fachmännisch. Sieh, hier sind einige Steine locker!“ Ich fing an, an den lockeren Steinen zu ziehen, und sie gaben nach.
„Vielleicht ist dahinter ein Ausgang!“, rief Isabel und half die Steine zu entfernen.
„Warte mal, die Wand scheint total bruchfällig zu sein, ich trete dagegen.“ Nach einigen Versuchen brachen größere Stücke heraus. Wir leuchteten hinter die Wand und sahen nur einen kleinen Raum, den man abgemauert hatte. Ich kletterte hinein und Isabel folgte mir. „Pfui Teufel, schau auf was wir stehen! Lauter Knochen. Und da, ein Schädel.“ Isabel kletterte sofort wieder zurück.
„Angsthase, der Tote tut doch nichts! Der besteht doch nur noch aus Knochen,“ stellte ich fest.
„Mein Gott, den haben welche höchstwahrscheinlich lebendig eingemauert. Wahnsinn!“, antwortete Isabel und sie war echt erschüttert. „Wenn wir hier aus diesem unterirdischen Gemäuer nicht bald herauskommen, findet man vielleicht in hundert Jahren auch unsere Knochen.“
„Bevor es zu Ende geht, legen wir uns zu diesem armen Typ, dann ist der nicht so alleine,“ versuchte ich Isabel aufzumuntern.
„Witzig“, meinte sie nur und fand das gar nicht komisch. Ich wollte das Grab gerade verlassen, da fiel mein Blick auf die Knochenhand. Ein Wappenring zierte einen knochigen Finger.
„Isabel, komm noch einmal zurück!“, rief ich.
„Keine zehn Pferde ziehen mich in dieses Grab!“, antwortete sie widerwillig.
„Ich muss dir unbedingt etwas zeigen!“, versuchte ich sie zu überreden.
„Nichts kann so wichtig sein, dass ich .noch einmal zu diesem Knochengerüst komme. Das geistert bestimmt um Mitternacht herum! Als Nebelgeist. Allmählich glaube ich an Geister, die ganze Umgebung passt dazu. Und da es bald Mitternacht ist, möchte ich hier ganz schnell weg!“
„Dann bringe ich es mit raus, dass musst du unbedingt sehen“, sagte ich.
„Unter steh dich, irgendetwas aus dem Grab zu holen. Wer weiß, warum der eingemauert wurde. Vielleicht hatte der die Pest.“
Während Isabel noch redete, stieg ich aus der Grabkammer heraus und hielt ihr eine Knochenhand mit dem Ring am Knochenfinger hin. Ich musste aufpassen, dass mir die Hand nicht auseinanderfiel. Ich hatte sie auf meinen beiden Händen liegen und ekelte mich jetzt auch etwas. „Schau dir das Wappen an!“, sagte ich, ehe sie reiß aus nehmen konnte.
„Das ist ja das Familienwappen von unseren Vorfahren von Felden!“, staunte Isabel.
„Weißt du wen wir hier höchstwahrscheinlich gefunden haben?“, fragte ich.
„Den verschollenen Gutsbesitzer von den Felden!“, sagte Isabel fast ehrfürchtig. „Der arme Kerl wurde eingemauert. Und keiner hat ihn schreien gehört.“
„Nun steigere dich nicht darein, lass uns weiter einen Ausgang such,“ sagte ich und legte die Knochenhand mit dem Ring zu den anderen Überresten..


Fortsetzung folgt...


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