Freitag, 13. Dezember 2013

 4. Fortsetzung:   NEBELGEISTER

„War das nicht gerade ein Schuss?“, fragte ich.
„Ja, habe ich auch gehört. Bringen die sich gegenseitig um?“, meinte Isabel.
„Dann wird der Anteil größer! Jochen wollte doch aufhören“, viel mir ein, „vielleicht wollten die anderen zwei weitermachen.“
„Und wir sitzen hier und vergammeln oder die kommen und erschießen uns auch noch, also weiter, wir müssen unbedingt hier raus!“, entgegnete Isabel.
„ Ich leuchtete weiter das Gewölbe ab. Da hängen ja Fackeln. Die sind aber ganz verstaubt und mit Spinnengewebe verhangen. Aber eventuell brennen sie noch. Streichhölzer müsste man haben,“ stellte ich enttäuscht fest.
„Erinnere mich bloß nicht an Spinnen, wenn ich daran denke, stelle ich sie mir dank Irmgard immer riesig groß und mit roten Auge vor. Wir brauchen Streichhölzer? Kein Problem! Simsalabim!“ Isabel zauberte aus ihrer Tasche wahrhaftig Streichhölzer hervor.
„Wahnsinn, was machen Streichhölzer in deiner Schlafanzughose?“, staunte ich und nahm zwei Fackeln von der Wand und putzte so gut es ging das Spinnengewebe ab.
„Streichhölzer habe ich in allen Klamotten mit Taschen stecken, weil in diesem Haus ja dauernd der Strom ausfällt und deswegen wohl überall Kerzen herum stehen.“
„Schau mal, dort liegt Papier, wir stecken es an und halten die Fackeln ins Feuer, denn mit den kleinen Streichhölzern bekomme ich sie nicht an. Wer weiß, aus welchem Jahrhundert die Fackeln stammen“, sagte ich
„Leuchte doch mal hier her, du weißt doch, wegen der Spinnen. Das sind ganz alte Zeitungen, schau doch mal, und halt mal die Lampe genau drauf. 1895, man, die hat ja schon Altertumswert! Und du willst das gute Stück verbrennen? Hier, hör mal was da steht: Vermisster Gutsbesitzer noch nicht wieder aufgetaucht. Die Polizei glaubt an Mord. Ein Knecht, welcher als Täter verdächtigt und verhaftet wurde, erhängte sich in seiner Zelle und nahm so sein Geheimnis mit ins Grab. Der Fall Gutsbesitzer von Felden wurde eingestellt. Ich glaube ich spinne, das ist einer unserer Vorfahren,“ rief Isabel.
„Irgendwie hat dieses Haus etwas gruseliges an sich, findest du nicht auch? Wer weiß, wie viele Leichen wir noch finden“, sagte ich.
„Wenn uns nicht bald etwas einfällt, sind wir die nächsten Leichen!“, meinte Isabel
„Falls es dich aufheitert, wir sind verhältnismäßig schöne Leichen, weil wir noch jung sind“, scherzte ich. „Hier, dieses Papier kann ich aber verbrennen, es ist ohne Leichen. Wir packen es in diese alte Wanne oder was das sein soll.“ Im Schein des Feuers konnte man ungefähr das Ausmaß des Gewölbes sehen.
„Hallo, Tim! Vergiss nicht die Fackeln ins Feuer zu halten. Ich gehe mal weiter in den Raum und leuchte hinten mit der Taschenlampe, ob sich irgendwo eine Tür befindet“, sagte Isabel und wagte sich tatsächlich allein weiter ins dunkle Gewölbe.“
„Gib auf Spinnen acht, die sind hier besonders angriffslustig, vor allem mögen sie keine Mädchen.!“, scherzte ich.
„Doofmann!“, schallte es aus dem hinteren Gewölbe, passt du man auf, dass dich keine Nebelleiche packt. Was machen denn eigentlich deine Fackeln?“
„Ich glaube sie stammen auch aus dem Jahr 1895, sie glimmen nur so dahin.“
„Gib die Hoffnung nicht auf!“, rief Isabel, „hier liegt ein Gerümpel herum, teilweise uralte Rüstungen, Schwerter, Truhen und Kisten. Also langweilig wird es uns nicht. Wir können alles durchwühlen.“
„Schätzchen, ich möchte hier keine Ferien machen! Im Übrigen bin ich inzwischen müde und kalt ist es auch. Gut das du die Idee mit den Pullis hattest, aber die Schlafanzughosen sind doch sehr dünn für diese kalten Gemäuer. Meine Fackeln brennen!“, rief ich erfreut.
„Dann hör auf zu stöhnen und komm mit dem Licht hier hin!“, antwortete Isabel. Ich muss zugeben, ich war mächtig Stolz auf meine Zwillingsschwester. Sie ließ sich ihre Angst nicht anmerken.

Fortsetzung folgt


Copyright2013by Helga Pikulik