4. Fortsetzung: NEBELGEISTER
„War das nicht gerade ein Schuss?“, fragte ich.
„Ja, habe ich auch gehört. Bringen die sich gegenseitig um?“, meinte Isabel.
„Dann wird der Anteil größer! Jochen wollte doch aufhören“,
viel mir ein, „vielleicht wollten die anderen zwei weitermachen.“
„Und wir sitzen hier und vergammeln oder die kommen und
erschießen uns auch noch, also weiter, wir müssen unbedingt hier
raus!“, entgegnete Isabel.
„ Ich leuchtete weiter das Gewölbe ab. Da hängen ja Fackeln.
Die sind aber ganz verstaubt und mit Spinnengewebe verhangen. Aber
eventuell brennen sie noch. Streichhölzer müsste man haben,“
stellte ich enttäuscht fest.
„Erinnere mich bloß nicht an Spinnen, wenn ich daran denke,
stelle ich sie mir dank Irmgard immer riesig groß und mit roten Auge
vor. Wir brauchen Streichhölzer? Kein Problem! Simsalabim!“ Isabel
zauberte aus ihrer Tasche wahrhaftig Streichhölzer hervor.
„Wahnsinn, was machen Streichhölzer in deiner
Schlafanzughose?“, staunte ich und nahm zwei Fackeln von der Wand
und putzte so gut es ging das Spinnengewebe ab.
„Streichhölzer habe ich in allen Klamotten mit Taschen stecken,
weil in diesem Haus ja dauernd der Strom ausfällt und deswegen wohl
überall Kerzen herum stehen.“
„Schau mal, dort liegt Papier, wir stecken es an und halten die
Fackeln ins Feuer, denn mit den kleinen Streichhölzern bekomme ich
sie nicht an. Wer weiß, aus welchem Jahrhundert die Fackeln
stammen“, sagte ich
„Leuchte doch mal hier her, du weißt doch, wegen der Spinnen.
Das sind ganz alte Zeitungen, schau doch mal, und halt mal die Lampe
genau drauf. 1895, man, die hat ja schon Altertumswert! Und du willst
das gute Stück verbrennen? Hier, hör mal was da steht: Vermisster
Gutsbesitzer noch nicht wieder aufgetaucht. Die Polizei glaubt an
Mord. Ein Knecht, welcher als Täter verdächtigt und verhaftet
wurde, erhängte sich in seiner Zelle und nahm so sein Geheimnis mit
ins Grab. Der Fall Gutsbesitzer von Felden wurde eingestellt. Ich
glaube ich spinne, das ist einer unserer Vorfahren,“ rief Isabel.
„Irgendwie hat dieses Haus etwas gruseliges an sich, findest du
nicht auch? Wer weiß, wie viele Leichen wir noch finden“, sagte
ich.
„Wenn uns nicht bald etwas einfällt, sind wir die nächsten
Leichen!“, meinte Isabel
„Falls es dich aufheitert, wir sind verhältnismäßig schöne
Leichen, weil wir noch jung sind“, scherzte ich. „Hier, dieses
Papier kann ich aber verbrennen, es ist ohne Leichen. Wir packen es
in diese alte Wanne oder was das sein soll.“ Im Schein des Feuers
konnte man ungefähr das Ausmaß des Gewölbes sehen.
„Hallo, Tim! Vergiss nicht die Fackeln ins Feuer zu halten. Ich
gehe mal weiter in den Raum und leuchte hinten mit der Taschenlampe,
ob sich irgendwo eine Tür befindet“, sagte Isabel und wagte sich
tatsächlich allein weiter ins dunkle Gewölbe.“
„Gib auf Spinnen acht, die sind hier besonders angriffslustig,
vor allem mögen sie keine Mädchen.!“, scherzte ich.
„Doofmann!“, schallte es aus dem hinteren Gewölbe, passt du
man auf, dass dich keine Nebelleiche packt. Was machen denn
eigentlich deine Fackeln?“
„Ich glaube sie stammen auch aus dem Jahr 1895, sie glimmen nur
so dahin.“
„Gib die Hoffnung nicht auf!“, rief Isabel, „hier liegt ein
Gerümpel herum, teilweise uralte Rüstungen, Schwerter, Truhen und
Kisten. Also langweilig wird es uns nicht. Wir können alles
durchwühlen.“
„Schätzchen, ich möchte hier keine Ferien machen! Im Übrigen
bin ich inzwischen müde und kalt ist es auch. Gut das du die Idee
mit den Pullis hattest, aber die Schlafanzughosen sind doch sehr dünn
für diese kalten Gemäuer. Meine Fackeln brennen!“, rief ich
erfreut.
„Dann hör auf zu stöhnen und komm mit dem Licht hier hin!“,
antwortete Isabel. Ich muss zugeben, ich war mächtig Stolz auf meine
Zwillingsschwester. Sie ließ sich ihre Angst nicht anmerken.
Fortsetzung folgt
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